Dienstag, 19. Oktober 2010

Hugendubel oder Weltbild? Eine betriebswirtschaftliche Analyse

Hugendubel setzt auf maximalen Profit, in einer Art und Weise die wir sonst nur von Aktiengesellschaften kennen. Aber was soll man anderes erwarten, wenn die Geschäftsleitung ihr Wissen vom Buchhandel in den Hintergrund schiebt? Was sind die wirklichen Gründe für die stattfindenden Veränderungsprozesse?

Herr Hugendubel selbst hat u.a. Rechtswissenschaften studiert und war vor Eintritt in der auf Controlling spezialisierten Unternehmensberatung „Bain & Company“ tätig.
Auch unser neues Mitglied in der GL Herr Höllermann kommt von „Bain & Company“, er übernahm im Frühling diesen Jahres die „Finanzen“ während Herr Hugendubel weiterhin für die „Expansion“ zuständig ist. Außerdem möchte Herr Hugendubel sein Auge stärker auf die mit Herrn Halff gemeinsam verantwortete DBH Geschäftsführung legen.
Übrigens: Herr Nitz, Herr Höllermann und Herr Brunn sind nur nach außen hin sogenannte „Geschäftsführer“ (eigentlich Geschäftsleiter).
Sie verantworten zwar eigene Unternehmensbereiche, im rechtlichen Sinne gehören sie aber nicht der Hugendubel GmbH &Co. KG Geschäftsführung an. Die GmbH & Co. Kg wird vom Komplementär d.h. von der GmbH geführt, als alleinige Geschäftsführer der GmbH sind im Bundesanzeiger aber nur Herr und Frau Hugendubel verzeichnet.

Mit dem Zusammenschluss in die DBH ist der Grundstein für einen größeren Firmenzusammenschluss gelegt worden. Diese Konzentration entspricht einer Holding (Dachgesellschaft) mit Unternehmensbeteiligung, sprich aus vielen Unternehmen wurde ein Konzern. Vorteile entstehen gegenüber Banken, Handelspartnern und bei Rationalisierungen.
Die Firmen in einem Konzern agieren weitgehend selbstständig, sind rechtlich eigenständig, finanziell aber abhängig. Die finanzielle Abhängigkeit ist das wichtigste Steuerungsmodul einer Konzerngeschäftsleitung. Wichtige Entscheidungen z.B. Expansion und Finanzierung können daher nur noch auf dieser Ebene getroffen werden.

Also warum überhaupt eine Holding und nicht eine Unternehmensübernahme?
Antwort: Die Holding ist ein erster Schritt dahin.
1.    Sie ist ein kostengünstiger Test vorm Bundeskartellamt (bis auf wenige Karstadtfilialen hat die DBH den Test bestanden)
2.    In einer Holding können Kredite an Mitgliedsunternehmen noch stärker vom Mutterkonzern abhängig gemacht werden, diese müssen letztendlich einem Zusammenschluss zustimmen. Siehe Wohlthat, ohne die DBH Kredite gäbe es die Wohlthatsche gar nicht mehr.
3.    Während der Phase einer Holding können die Mitgliedsunternehmen auf einen Zusammenschluss vorbereitet werden.

Wir befinden uns gerade in der Phase der Vorbereitung. Zuletzt hatte Hugendubel vor allem auf Grund seiner Bilanzen Probleme Kreditgeber zu finden. Daher wurde zum Beispiel Anlagevermögen (Verkaufs- und Ladeneinrichtung usw.) ein Fall fürs Leasing.

Bislang war es der DBH enorm wichtig, jede Firmenkultur, jede Marke als eigenständige Buchhandlung darzustellen. Nach außen hin sollte eine Buchhandelsvielfalt gewahrt werden. In diesem Sommer erfuhren wir nun von der „konsequenten Umfirmierung“. Habel heißt nun bald Hugendubel.
Wie wir nun am eigenen Leib spüren, wird an allen Ecken und Enden gespart, obwohl der Buchmarkt wieder wächst, obwohl die Krise nicht so stark war wie befürchtet. Investitionen werden nicht getätigt.
Ein weiteres Indiz für eine Verschönerung der Buchführung (u.a. Gewinn und Verlustrechnung): Personalkosten wurden in Kosten für Dienstleistungen umgewandelt.
Ein weiteres Indiz: Hugendubel konnte die Eigenkapitalquote stark erhöhen.
Und noch eins: Unternehmensteile wie die Internetredaktion werden nach Augsburg verlegt.

Fazit: Damit wurden die Grundsteine für eine Unternehmensübernahme durch Weltbild gelegt, bei der auch die Banken mitspielen dürfen.

Katholische Kirche, wir kommen!

Kommentare:

  1. Schicke Theorie - und wie passt in diese Theorie der (gescheiterte) Versuch der Kirche, Weltbild zu verkaufen?

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  2. Erstmal dickes Kompliment an den Hugendubel-Blog !
    Ich würde mir wünschen, daß wir Weltbildler auch so fleißig, kompetent und intelligent in unseren Blog schreiben würden.
    Es scheinen ein paar kluge Köpfchen bei den Buchhändlern dabei zu sein !
    Wer Weltbild kennt, weiß, daß wir mal in die eine Richtung rennen, dann wieder in die andere. Oder in mehrere verschiedene gleichzeitig.
    Ist also kein Widerspruch, sich enger mit Hugendubel zu verknüpfen, wie auch immer, und gleichzeitig (im Auftrag der Kirche) zu versuchen, Weltbild zu verkaufen.
    Immerhin stellen wir gerade mit gewaltigen Anstrengungen auf SAP um, das macht Weltbild dann auch leichter übernehmbar und erleichtert sicherlich auch Zusammenschlüsse welcher Art auch immer.

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  3. Die Kirche als Besitzer hat nichts mit dem Willen der Geschäftsführung Weltbilds zu tun.

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  4. Wahrscheinlich kennt unsere Gl ihre Inkompetenz, daher schnell verkaufen.

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  5. Auch von mir vielen Dank für solche Hintergrundinformationen! Was man von offizieller Seite über die Entwicklung der Firma erfährt - sei es per Aushang, in der Mitarbeiterzeitschrift oder in Betriebsversammlungen - ist extrem unbefriedigend und wird immer dürftiger. Manchmal hat man den Eindruck, es geht eher darum, die Leute zu beruhigen, als ihnen die wirklich wichtigen Fakten mitzuteilen. Ich bin froh, daß es mit dem Blog jetzt eine alternative Informationsquelle gibt.

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  6. Wir sollten Dan Brown anrufen.
    Mit diesem Plot würde er sofort seine Schreibblockade überwinden können und hätte einen weiteren Vatikan-Verschwörungsthriller.
    Zunächst rechnet sich ein Unternehmen nahezu pleite, beantragt Kurzarbeit und saniert sich auf Kosten der Allgemeinheit so weit, dass es kurz darauf die Konkurrenz aufkaufen kann. Respekt!
    Dann werden die jungen Chefs Strohmänner im eigenen Unternehmen für eine "Macht" die nach "Weltherrschaft" strebt. Das ist es.
    Aber die Idee ist nicht von mir- leider.
    Copyright hier
    http://www.boersenblatt.net/324667/
    Kommentar Nr. 73

    Wenn Danny jetzt noch die Gerüchte über Thalia und Scientology einarbeitet, wird das Ganze der Hit. ;-)

    Danke, das war nach den ermüdenden Funktionärstexten endlich wieder ein spannender Beitrag.

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  7. Also wenn man mal auf Unternehmensregister.de schaut (Veröffentlichungen bis heute morgen), werden bei der Heinrich Hugendubel Gesellschaft mit beschränkter Haftung folgende Geschäftsführer genannt Dr. Maximilian Hugendubel, Nina Hugendubel, Thomas Nitz, Torsten Brunn und ab den 2.6.2010 auch noch Dr. Stefan Höllermann.
    Die Heinrich Hugendubel Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die Komplementärin der der Heinrich Hugendubel GmbH & Co. KG Buchhandlung und Antiquariat und damit für die Geschäftsführung verantwortlich.

    Vielleicht sollte dies etwas genauer recherchiert werden, bevor hier falsche Informationen über diesen Blog verbreitet werden.

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  8. Der Bundesanzeiger ist doch aber staatlich? Also wieso tauchen die dann nicht im Bundsanzeiger auf?

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  9. Der Bundesanzeiger spiegelt das Handelsregister wieder. HR A 46586 Hugendubel GmbH, München (persönlich haftend) Geschäftsführer: Max und Nina Hugenendubel.

    HR B 43385 Hugendubel GmbH & CoKG
    Geschäftsführer Nitz, Brunn, M. Hugendubel, N. Hugendubel, Höllermann.

    Sprich nach außen hin wird die GmbH von allen fünf vertreten. Im Ernstfall können die persönlich haftenden Gesellschafter das Ruder übernehmen. Sie sind die einzigen die auch mit ihrem Privatvermögen haften, außerdem leisteten sie eine Stammeinlage von mind. 25.000€

    Alles richtig im Beitrag

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  10. Vielleicht sollte einfach differenziert werden bei den ganzen unterschiedlichen Unternehmensbezeichnungen.

    Die Heinrich Hugendubel GmbH (HRB 43385) ist Komplementärin der Heinrich Hugendubel GmbH & Co. KG Buchhandlung und Antiquariat (HRA 46568) mit den Geschäftsführern Dr. Maximilian Hugendubel, Nina Hugendubel, Thomas Nitz, Torsten Brunn und ab den 2.6.2010 auch noch Dr. Stefan Höllermann.

    Eine persönliche Haftung der Geschäftsführung wird gesellschaftsrechtlich ausgeschlossen.

    Soweit ich diese Strukturen verstehe ist die Heinrich Hugendubel GmbH & Co. KG Buchhandlung und Antiquariat verantwortlich für die Buchhandlungen und unter dem Namen Hugendubel.

    Daneben existiert eine Hugendubel GmbH (HRB 71742) die Komplementärin der Heinrich Hugendubel GmbH & Co. Holding KG (HRA 73450) ist. Hier sind lediglich Dr. Maximilian Hugendubel und Nina Hugendubel Geschäftsführer.

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  11. @Anonym, 19. Oktober 2010 18:32

    "Die Kirche als Besitzer hat nichts mit dem Willen der Geschäftsführung Weltbilds zu tun."

    Deine Aussage kann ich so nicht stehen lassen. Die Kirche, d.h. die beteiligten Diözesen und die Soldatenseelsorge als (Mit-)Eigentümer, werden von der Geschäftsführung gemäß HGB über alle relevanten Entscheidungen informiert. Was genau hinter den Kulissen abläuft, erfährt man natürlich nicht, weil die DBH keine veröffentlichungspflichtige Aktiengesellschaft ist. Man kann davon ausgehen, daß die Kirche Halff freie Hand läßt, weil er im Prinzip aus dem Nichts den DBH-Konzern formiert hat und die Kirche davon mit beträchtlichen Geldausschüttungen profitiert. Einer der Miteigentümer, der kürzlich zum Kardinal ernannte Reinhard Marx hat sich mit seinem Buch "Das Kapital" weit aus dem Fenster gelehnt. Darin kritisiert er Karl Marx und empfiehlt die sogenannte "Soziale Marktwirtschaft". Vielleicht informiert er sich, bevor er wieder ein Buch schreibt, zuerst mal über die Arbeitsbedingungen der DBH-MitarbeiterInnen. Am besten fängt er mit seiner Befragung bei den KollegInnen in Nürnberg und der Internet-Redaktion an.

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