Montag, 27. Juni 2016

Schweitzer Sortiment begeht Tarifflucht





Schweitzer Sortiment am Lenbachplatz in München




Das auf den 8. Juni 2016 datierte Schreiben war kurz: "Wir möchten sie auf diesem Wege über eine Änderung bei Schweitzer Sortiment informieren. Schweitzer Sortiment München hat seine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband der Buchhandlungen und Verlage in Bayern e.V. mit Wirkung zum 9. September 2016 gekündigt und ist damit als Gesamtunternehmen auch nicht mehr an nach diesem Zeitpunkt abgeschlossene Tarifverträge gebunden."

Die beiden Unterzeichner dieser "Hausmitteilung" -  Michael Kursiefen ( Leitung Operations) und Daniel Schneider (Leitung Prozesse und Projektmanagement) -  beeilen sich jedoch etwaige durch die Tarifflucht verunsicherte Beschäftigte zu beruhigen: "Für bestehende Arbeitsverträge mit Bezug auf den Tarifvertrag (...) ändert sich grundsätzlich einmal überhaupt nichts (...)". Um dann aber den Beschäftigten schon mal die Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen: "Was sich aber ändert ist, dass wir neue Vollzeit-Arbeitsverhältnisse ab dem 10.09.2016 grundsätzlich nur noch mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden begründen werden und die Vergütung jeweils frei aushandeln werden. Ebenso bietet sich uns auch die Möglichkeit bestehende Arbeitsverhältnisse, auch mit entsprechendem Lohnausgleich, entsprechend anzupassen, wenn  sich beide darüber Seiten (sic!) einig werden. (...)".

Mittwoch, 22. Juni 2016

Aufstand der Gewerkschaften

Widerstand gegen die "Reform" des Arbeits- und Sozialrechts in Frankreich

En France, les médias sont vraiment pourris : la CGT et le PCF lourdement condamnés, personne n’en parle! 

In Frankreich geht es nicht nur um Fußball, sondern um eine „Reform“ des Arbeits- und Sozialrechts, die von Schröder/Fischer („Agenda 2010“) abgekupfert scheint. Tatsächlich hat der französische Industriellenverband MEDEF die Feder für den „sozialistischen“ Präsidenten François Hollande und seiner gleichgesinnten Minister Valls, El Khomri und Macron geführt: betriebliche Verlängerung der Arbeitszeit (bis jetzt 35 Stunden/Woche) und Kürzung der Überstundenzuschläge; das auf-den-Kopf-stellen von Gesetz und Betriebsvereinbarung: Was im Betrieb abgepresst wird, gilt vor der gesetzlichen Grenze; eine Deckelung „übermäßiger“ Abfindungen vor Arbeitsgerichten; eine Verschlechterung der Altersbezüge…  Die Liste ließe sich verlängern.

Montag, 20. Juni 2016

1.500.000 Seitenaufrufe !

Infoblog durchbricht Marke von 1,5 Millionen Klicks



Die Infoblog-Redaktion dankt allen Leserinnen und Lesern
des Blogs für Euer starkes Interesse!

Samstag, 18. Juni 2016

Das Wort zum freien Sonntag

Heute:  Adam Smith



"Der während vier Tagen in der Woche anhaltende übertriebene Fleiß ist oft die wirkliche Ursache jenes Müßiggangs in den drei übrigen, über den so viele und so laute Klage geführt wird.
Denn eine große Anstrengung des Geistes oder des Körpers, mehrere Tage hintereinander fortgesetzt, hat bei den meisten Menschen die natürliche Folge, daß sie ein starkes Verlangen nasch Untätigkeit spüren, ein Verlangen, das , wenn es nicht mit Gewalt oder durch herbe Not bezwungen wird, fast unwiderstehlich ist..

Die Natur fordert eine Erleichterung, die ihr bisweilen als bloße Ruhe, manchmal aber auch als Zerstreuung und Vergnügen gewährt werden muß; geschieht das nicht, so sind die Folgen oft gefährlich, manchmal verderblich und fast immer so, daß sie früher oder später zu der dem Gewerbe eigentümlichen Krankheit führen.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Deine Rechte im Streik




Speziell im Arbeitskampf kommt es auf jede und jeden an! Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat das Recht zu streiken. Dies ist in Artikel 9 III des Grundgesetzes garantiert.
Der Streik ist immer das letzte Mittel, um berechtigte Forderungen der Gewerkschaften durchzusetzen; daher ist es gerade dann notwendig, dass möglichst alle zum Streik aufgerufene Arbeitnehmer sich am Streik beteiligen.

Hier eine Zusammenfassung deiner Rechte im Arbeitskampf:

1. Jede Kollegin und jeder Kollege – egal, ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht - darf an einem (Warn)Streik teilnehmen. Der Arbeitgeber darf das nicht verhindern. Benachteiligungen wegen der Streikteilnahme sind unwirksam.


2. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat auch während des (Warn)Streikes das Recht, an Protestkundgebungen teilzunehmen (z.B. vor den bestreikten Betrieben und Dienststellen)

3. Dabei können auch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen und möglichen Streikbrecher/innen geführt werden, um diese davon zu überzeugen, den streikenden Kolleginnen und Kollegen nicht in den Rücken zu fallen.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof untersagt Sonntagsöffnung

ver.di verteidigt erfolgreich den freien Sonntag




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In der Süddeutschen Zeitung vom 9. Mai 2016 erschien unter dem Titel "Eine Werbung, die allen hilft" ein Kommentar der SZ-Redakteurin Melanie Staudinger, der  - wie aus der Feder der Lobbyisten-Vereinigung City Partner diktiert -  nochmals alle Argumente für eine Sonntagsöffnung zusammenfasste. Dazu Stellung nahmen am 23.Juni in der SZ zwei Leserbriefe:

Samstag, 21. Mai 2016

Das Wort zum Sonntag

Heute:  Der Hessische Verwaltungsgerichtshof



"Der Sonn- und Feiertagsgarantie könne (...) ein besonderer Bezug zur Menschenwürde beigemessen werden, weil sie dem ökonomischen Nutzendenken eine Grenze ziehe und dem Menschen um seiner selbst willen diene.

Der zeitliche Gleichklang einer für alle regelmäßigen Arbeitsruhe ist (...) ein grundlegendes Element für die Wahrnehmung der verschiedenen Formen sozialen Lebens (...) und betrifft insbesondere Familien und gesellschaftliche Verbände. Dies ist wesentlicher Bestandteil der Rahmenbedingungen des Wirkens politischer Parteien, der Gewerkschaften und sonstiger Vereinigungen und hat insoweit wesentliche Bedeutung für die Gestaltung einer gelebten Demokratie.

Samstag, 14. Mai 2016

Das Wort zum Sonntag

Heute:  Das Bundesverfassungsgericht
 
 
 
 
"Die Sonn- und Feiertagsgarantie fördert und schützt (...) nicht nur die Ausübung der Religionsfreiheit. Die Gewährleistung der Arbeitsruhe sichert eine wesentliche Grundlage für die Rekreationsmöglichkeiten des Menschen und zugleich für ein soziales Zusammenleben. (...)
 
Die Wahrnehmung von anderen Grundrechten, die der Persönlichkeitsentfaltung dienen, wie etwa der Schutz von Ehe und Familie und Erholung und Erhaltung der Gesundheit werden durch sie garantiert.
 
In der säkularisierten Gesellschafts- und Staatsordnung soll die Möglichkeit seelischer Erhebung allen Menschen unbeschadet eine religiösen Bindung zuteil werden. Damit ist auch die Verfolgung profaner Ziele wie die der persönlichen Ruhe, Besinnung, Erholung und Zerstreuung gemeint. (...)

Mittwoch, 11. Mai 2016

Richtungsentscheidung

Morgen erste Tarifrunde für den Buchhandel und die Verlage in Bayern



Am morgigen Donnerstag findet in den Konferenzräumen eines Hotels am Münchener Hauptbahnhof die erste Verhandlungsrunde der Tarifparteien für den bayerischen Buchhandel und die Verlage statt. Die Forderung der ver.di-Tarifkommission ist klar und öffentlich bekannt: nach zweieinhalb Jahren ohne Lohnerhöhung eine Entgeltsteigerung um 5% oder mindestens 140 Euro sowie die ungeschmälerte Fortführung des Manteltarifvertrages.

Man darf gespannt, ob und welches Angebot der Arbeitgeberverband vorlegen wird. Die Qualität des Angebots der Kapitalseite wird maßgeblich davon bestimmt sein, wie sie die Kampfkraft der lohnabhängig Beschäftigten einschätzt. Und damit eines für uns Kolleginnen und Kollegen bei Hugendubel klar ist:  niemand wird für uns die Kastanien aus dem Feuer holen wie dies in der Vergangenheit bequemerweise immer der Fall gewesen ist. Insofern waren bereits die letzten Tarifverhandlungen wie dies die ver.di-Tarifkommission damals konstatierte, ein "Warnschuss für die Beschäftigten".

Es wird auch eine Richtungsentscheidung über die weitere Tarifbindung in der Branche allgemein und bei Hugendubel speziell fallen. Diese Richtungsentscheidung hat eine existenzielle Bedeutung für die Zukunft, wie dies unlängst Jörg Hofmann, 1. Vorsitzender der IG Metall, festgestellt hat:
"Die Tarifbindung ist zur entscheidenden Gerechtigkeitsfrage geworden für die Beschäftigten, für die Gesellschaft und für die Volkswirtschaft."