Montag, 6. September 2010

Outsourcing – Das neue Schreckgespenst bei Hugendubel?

Wenn es um die aktuelle Entwicklung bei Hugendubel geht, fällt immer wieder das Stichwort „Outsourcing“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich kurz gesagt, dass bestimmte Aufgaben nicht mehr vom Unternehmen selbst wahrgenommen, sondern Leistungen von außen erbracht werden. Hauptziel ist es in der Regel, Geld zu sparen. Outsourcing kann verschiedenste Formen annehmen:

•    Es werden Betriebe oder Betriebsteile (Abteilungen) in ein neues eigenes Unternehmen ausgegliedert.
•    Innerhalb eines Konzerns übernimmt ein Unternehmen Dienstleistungen für andere (Buchhaltung, Zentraleinkauf).
•    Leistungen werden von Fremdfirmen im Unternehmen erbracht

Soviel zur Theorie. Wie sieht es nun bei uns in der Praxis aus? Hier ein kleiner Überblick:

•    Wareneingang: Seit letzten Herbst wird das Auspacken der morgens angelieferten Ware, deren Bereitstellung für die Buchhändler/innen und die Entfernung des Leerguts in mehreren Filialen durch die Dienstleistungsunternehmen Weser Vertriebs Service (WVS) und Teamwork erledigt. Dazu hat Hugendubel mit diesen Fremdfirmen Dienstverträge abgeschlossen. Nach und nach sollen die meisten anderen Filialen auch diese „Auspacker“ erhalten.

•    Kassen: Bereits im letzten Weihnachtsgeschäft wurden in Berliner Filialen an den Kassen Leute von Teamwork eingesetzt. Auch in diesem Jahr ist ein solcher Fremdeinsatz geplant.

•    Empfang: In der Hilbestraße sitzen seit März 2010 nicht mehr Mitarbeiterinnen von Hugendubel am Empfang, sondern Beschäftigte einer weiteren Fremdfirma.

•    Internet: Die Internetabteilung wird in der bisherigen Form aufgelöst und die Aktivitäten zu Weltbild verlagert (siehe Blog-Artikel vom Donnerstag, 2. September).

•    Inventuren: Diese wurden 2010 erstmals von darauf spezialisierten Firmen für Hugendubel durchgeführt. Angekündigt wurde, dass man trotz z.T. erheblicher Probleme auch im nächsten Jahr so verfährt.

•    Remittenden: Es läuft gerade ein Test, nach dessen erfolgreichen Abschluss bestimmte Arbeitsschritte bei den Remissionen von WVS und Teamwork übernommen werden sollen.

Man muss kein Hellseher sein, um voraussagen zu können, dass dieses Spielchen munter so weiter gehen dürfte. Schließlich war gerade der Einzelhandel in Sachen Auslagerungen schon immer besonders kreativ. Bei Hugendubel vollzieht sich eine Entwicklung, die Beschäftigte in anderen Unternehmen schon längst leidvoll hinter sich gebracht haben.
Für die Betriebsräte ist es nicht leicht, sich diesem Trend entgegenzustellen. Wie er seinen Laden organisiert, bestimmt der Unternehmer in Deutschland nun einmal zum allergrößten Teil selbst. Da braucht es guter Argumente und der Unterstützung der gesamten Belegschaft, um Schritte in die falsche Richtung zu verhindern. Denn Outsourcing ist kein Allheilmittel. Am Ende zahlen fast immer die Beschäftigten mit ihren Arbeitsplätzen!
Manchen wir uns nichts vor. Jeder wird anfänglich froh sein, wenn ihm Arbeit abgenommen wird, die er angesichts der enorm gestiegenen Belastungen kaum noch oder gar nicht mehr bewältigen kann. Da spielt es zunächst für einen selbst keine Rolle, wer diese übernimmt. Über kurz oder lang stellt man sich dann doch die Frage: wenn jemand für weniger Geld diese Aufgabe erledigt, könnte er nicht auch irgendwann meinen restlichen Job übernehmen?
Das sind beileibe keine Hirngespinste. Es heißt für uns alle Augen auf und am Ball bleiben.

Kommentare:

  1. Lohnenswert?
    Aber warum macht Hugendubel dies eigentlich?
    Ein "Teamworker" bekommt ca. 5,40€ die Stunde (brutto), zusätzlich muss der Dienstleistungsgeber Sozialabgaben zahlen.
    Hugendubel zahlt diesem Dienstleistungsgeber aber pro Arbeitsstunde sogar einen höheren Betrag, als einem Buchhändler pro Stunde!!!

    Und warum ist diese teurere Variante so beliebt?

    - Hugendubel muss sich weniger mit den Betriebsräten auseinander setzten!
    Ein großer Teil der rechtlichen Pflichten des Arbeitgebers kann Hugendubel auf den Dienstleistungsgeber abschieben!
    - Arbeitssicherheit?
    - Arbeitsbedingungen?
    - Tarifvertrag?
    - Freizeit und Urlaub? Freie Wochenenden?
    -Mutterschutz?
    -Ausfall durch Krankheit?
    -Kündigungsschutz?

    Fakt ist: Hugendubel unterstützt ein volkswirtschaftliche sich selbstzersetzendes System der Leiharbeit im Niedriglohnsektor, dies schadet der gesamten Marktwirtschaft.

    Diesen Trend kann nur eine entschlossene und aktionsorientierte Belegschaft stoppen.
    Lohntarifvertrag, Manteltarifvertrag und Sozialtarifvertrag entstehen nicht aus dem "Nichts".
    Wir Angestellten und Arbeiter müssen diesem Unternehmen seine Grenzen aufweisen.
    Einige der Mitarbeiter haben zwar Angst vor unserem Arbeitgeber, aber den Respekt haben wir schon lange verloren.

    Organisiert Euch, kommt zum Betriebsgruppentreffen und bereitet Euch und Eure Kollegen auf einen heißen Herbst sowie ein aktionsreiches Weihnachtsgeschäft vor!

    B.

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  2. outgsourct sind ja seit langem die Cafe`s. Ist ja auch nicht der Job eines Buchhändlers Kaffee zu verkaufen. Worldcoffee zahlt auch Miete.Beim Personal ists sicher so dass an der Kostenschraube gedreht wird. Billige Subunternehmer erledigen den WE, die Inventur, Buchhaltung, Empfang, usw. siehe auch Putzfirmen oder Sicherheitsdienst. NUR: wie ist deren Qualität? UND: wozu braucht Hugendubel noch eigenes Persolnal? OhOhOh, da kommt was auf uns zu.

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  3. Interessant ist, dass "hinauskomplimentierte" Mitarbeiter von Hugendubel vom Weser Vertriebs Service (WVS) wieder eingestellt werden sollen - natürlich nur noch zur Hälfte des Gehalts, das diese vorher erhalten haben, aber mit den vollen Kenntnissen eines normalen Buchhändlers und eben den Kenntnissen darüber, wie das Geschäft bei Hugendubel abläuft. #Lohndumping

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  4. Das wäre dann Schlecker-Dubel! Ist das wirklich in konkret benennbaren Filialen passiert?

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  5. @ B.

    Zitatanfang: "Organisiert Euch, kommt zum Betriebsgruppentreffen und bereitet Euch und Eure Kollegen auf einen heißen Herbst sowie ein aktionsreiches Weihnachtsgeschäft vor!" Zitatende.

    Wir sind immer noch in einer Buchhandlung tätig und in keiner VERDI-Klassenkampfveranstal(l)tung.

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  6. Diese Seite ist auf einem Verdi-Server zu Gast. Klar, dass sie gewerkschafts-gefärbte Beiträge enthält.
    Aber so komme ich wenigstens zu Infos, die die GL mir vorenthält. oder für die mich die GL für zu doof hält, sie zu verstehen. Oder womit sie mich nicht belasten will ...
    Wie auch immer.
    Ich rechne lieber die Gewerkschaftsfärbung der Beiträge wieder raus als weiter ahnungslos und von GL-Plänen unbelastet meine Regale zu pflegen und Kunden bei der Selbstorientierung zu helfen.

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  7. Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    zu diesem Blog findet ihr einen aktuellen Kurzbericht im Weltbild Verdi Infoblog unter dem Titel: "Outsourcing bei Hugendubel! Insourcing bei Weltbild?"
    Schön, wenn man von den dortigen Freunden Sympathie und Solidarität erhält.

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  8. Es wurde vor ein paar Jahren auch die IT ausgelagert.
    Jetzt gehen die Herren der GL kalt mit der Sense durchs Personal: Zu alt, zu teuer, raus. Aber der Markt wirds richten, die Stellen ausserhalb der DBH werden spannender als darin. Bye bye DBH, die 33 Geschäftsfüher werden es schon vor die Wand fahren....

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  9. ich bin etwas spät mit meiner antwort...
    wir boykottieren plastikflaschen am besten,wenn wir sie nicht kaufen...
    und wir boykottieren selbstbedienung und alsi-prinzip, indem wir den kunden was besseres bieten: beratung
    die gl von der notwendigkeit unserer anwesenheit zu überzeugen bedeutet grenzen zu überschreiten und regeln zu dehnen, bis selbige wieder in das berufsbild passen.
    wir werden nicht ernst genommen also sorgen wir dafür damit, daß wir die regeln hugendubel-weit einfach in den skat drücken. natürlich könnten sie uns kündigen aber wenn wir erfolg haben und mehr geld in deren taschen schelffeln wenn wir NICHT gehorchen geben sie uns irgendwann vielleicht recht.
    ein solches verhalten wäre nachhaltiger und stärker als jeder streik!
    sie können nicht alle auf einmal kündigen!

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