Montag, 11. Juli 2011

Die Zukunft von Hugendubel (9): E-Books

Foto: hugendubel verdi infoblog


Verdrängt das E-Book das gedruckte Buch und vor welcher Herausforderung steht Hugendubel und der Buchhandel gesamt damit in den nächsten Jahren?
Eine im März veröffentlichte Studie des Börsenvereins liefert die Erkenntnis: der digitale Buchmarkt in Deutschland (wie in ganz Europa übrigens) entwickelt sich nur sehr langsam. Der Blick über den Teich nach Amerika zeigt jedoch:  E-Books gewinnen bei den Verlagen erheblich an Bedeutung und gerade reine Internet-Händler wie Amazon.com profitieren überdurchschnittlich vom Interesse der Kundschaft.

Im Buchhandel geht ein Schreckgespenst um: das E-Book. Vernichter von Arbeitsplätzen, eine Gefahr für die ganze Branche und damit der Untergang des Abendlandes. Niemand wird mehr gedruckte Bücher kaufen, alle lesen ihre Bücher in Zukunft nur noch auf dem Tablet, E-Book-Reader oder Smartphone.
Sicher, das Szenario ist übertrieben und kaum jemand nimmt ernsthaft an, dass das E-Book das normale Buch ganz ersetzen wird. Aber wie steht es eigentlich wirklich – fernab jeder phantastischen Prognose und Kaffeesatz-Leserei - um die Zukunft der E-Books?

Der Börsenverein veröffentlichte im März 2011 eine umfassende Studie zum Thema „Umbruch auf dem Buchmarkt – das E-Book in Deutschland“ (nachzulesen unter http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/E-Book-Studie_2011.pdf)
Dabei zeigt sich ganz deutlich: auch wenn das E-Book beim ein oder anderen Kunden die Alternative zum herkömmlich gedruckten Buch geworden ist, spielt der Markt in Deutschland noch eine sehr kleine Rolle. Der Umsatz mit E-Books beträgt 2010 gerade einmal 21,2 Mio. Euro und damit nur 0,5 Prozent des Käufer-Buchmarkts. Insgesamt wurden 2 Mio. Bücher an ca. 540.000 E-Book-Kunden verkauft.  Nicht sonderlich berauschend.

Aber: diese Zahlen sind aus dem Jahr 2010, also noch vor dem Start des deutschsprachigen Kindle-Angebots von Amazon und den massiven Preissenkungen bei den Reader-Geräten, die mittlerweile schon ab 70 Euro zu haben sind. Verlage und Buchhandel rechnen deshalb für 2011 mit einem stärkeren Interesse bei den Kunden und damit auch mit höheren Umsätzen.

Wie meist lohnt sich auch in diesem Fall ein Blick nach Amerika und die Entwicklung dort:
Dort feiert vor allem amazon.com großen Erfolg mit seinen Kindle-Geräten (ca. 5-8 Mio. verkaufte Geräte allein 2010) und dem Verkauf von elektronischen Büchern. Zwischen 01. April und 19. Mai 2011 betrug das Verhältnis von verkauften gedruckten zu digitalen Bücher 1 : 1,05. Damit wurden also erstmals mehr digitale als gedruckte Bücher verkauft.

Großverlage wie Random House vermelden, dass Kunden in Amerika immer mehr zum E-Book greifen, wenn sie die Wahl zwischen gedruckten und digitalem Wort haben. Schon in 4 Jahren möchte man über 50% des Umsatzes mit digitalen Inhalten machen.
Während E-Books in Deutschland noch mit 0,5 Prozent Marktanteil eine untergeordnete Rolle spielen, macht der Anteil von digitalen Büchern in Amerika bereits 10% aus. Tendenz stark steigend.

Woran liegt das?
Während man in Deutschland noch händeringend nach Argumenten FÜR das E-Book sucht („Man muss nicht immer so ein schwereres Buch mitschleppen“, „Man kann im Urlaub gleich mehrere Bücher mitnehmen und hat trotzdem noch Platz im Koffer“) gibt es in Amerika ein Argument, das alle schlägt: der Preis. Denn dadurch, dass es keine Preisbindung gibt, können dort aktuelle Bestseller bereits zu E-Book-Preisen von unter 10 Dollar angeboten werden, während die Gebundenen Erstausgaben oftmals mit mehr als 25 Dollar zu Buche schlagen. Sicher, der Preis ist nicht alles und die große Verbreitung von Endgeräten, mit denen man E-Books lesen kann, mag zum Erfolg ebenfalls beitragen. Gerade der Amazon Kindle und das iPad sind in Amerika ein großer Erfolg und dadurch, dass beide Hersteller hauseigene Shops anbieten, mit denen man kinderleicht Lektüre herunterladen kann, kassieren die Unternehmen doppelt ab: erst beim Kauf des Geräts und dann beim nochmal beim Inhalt.

Was bedeutet das also für Deutschland? Werden wir in Deutschland (trotz Buchpreisbindung) zeitlich verzögert die gleiche Entwicklung durchmachen wie in Amerika?

Vor allem mittlere und kleinere deutschsprachige Verlage tun sich mit der Bereitstellung von digitalen Inhalten bisher schwer, während große Verlage den E-Book-Vertrieb pushen und damit (nach eigener Auskunft) auch in Deutschland bereits große Erfolge feiern. Gerade der fehlende Content scheint eine der Hauptgründe zu sein, weshalb sich in Deutschland (und Europa gesamt) der E-Book-Markt so schleppend entwickelt.
Bisher bieten lediglich 35% der deutschen Verlag ein E-Book-Sortiment an. Schon in den nächsten Jahren soll diese Zahl jedoch wachsen: 80 Prozent der Verlage wollen nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren  auf den E-Book-Zug aufspringen.

Hugendubel hat sich bereits sehr früh mit eigenen Angeboten im Markt positioniert. Nach der hauseigenen iPhone-App, mit der Leser ihre Bücher auf ihren iPhones, iPods und iPads lesen können, bietet Hugendubel seit kurzer Zeit (und vorläufig auch exklusiv) eine App für Samsung-Handys an. Diese wird in den nächsten Monaten allen Besitzern von Android-Handys (und damit einer Großzahl aller aktuell verfügbaren Smartphone-Modelle) zugänglich sein. Schon seit längerem ist es möglich, über hugendubel.de E-Books herunterzuladen.
Auch wenn man damit nach Auskunft der Geschäftsleitung große Erfolge verbucht, darf bezweifelt werden, dass die Umsätze im Vergleich zur restlichen Branche erheblich größer sind. Trotzdem ist es wichtig, sich frühzeitig als Anbieter von digitalen Inhalten zu positionieren und damit beim Kunden präsent zu sein.

Und auch wenn die Börsenverein-Umfrage zeigt, dass die deutschen Buchhandelskunden zum Großteil noch kein Interesse daran haben, ihre Bücher in Zukunft ausschließlich digital zu kaufen, muss man sich einer Tatsache bewusst sein: ein Wandel wird stattfinden. Nicht komplett weg vom gedruckten Buch. Aber trotzdem hin zum digitalen Bücherregal als gute Alternative. Alleine dadurch, dass immer mehr junge Leser (und damit potentielle Kunden) heranwachsen, die an den täglichen Umgang mit Smartphone und PC und damit an das Bildschirmlesen allgemein gewohnt sind, werden eben diese Kunden weniger zum gedruckten Buch greifen, wenn sie die Wahl haben. Die romantische Vorstellung, dass Bücher gedruckt sein müssen, um ein Leseerlebnis zu ermöglichen, ist genau für diese Zielgruppe mittlerweile nicht mehr richtig. Dessen muss sich die Buchhandels-Branche bewusst sein und Strategien entwickeln, auch jene Kunden bedienen zu können, für die es nicht zwingend notwendig ist, ein echtes Buch in der Hand zu halten,  um Spaß an Literatur zu haben.

Genau diese Entwicklung ist der Musikindustrie zum großen Verhängnis geworden. Eine Vernachlässigung des Themas bewirkt nicht, dass die Entwicklung aufgehoben wird, sondern, dass sie am stationären Handel vorbeigeht und im Internet und damit eventuell fernab der Branche stattfindet. Und sei es auf illegalen Tauschbörsen.

Der Hugendubel Verdi Infoblog wird auch in Zukunft öfter über aktuelle Entwicklungen im E-Book-Bereich berichten.

Kommentare:

  1. Hallo, eine Frage, da ich mich in dem Bereich nicht so gut auskenne: Wenn ich Hardware von Amazon habe, dann bin ich bei den Downloads auch an Amazon gebunden (das gleiche gilt dann für Apple), also E-Books und E-Book-Reader hängen zusammen. Wenn ich Geräte von DBH oder Thalia habe, ist dies nicht so. Stimmt das?

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  2. Um die Frage von "Analogue Addict" zu beantworten: Nur amazon arbeitet mit einem so genannten geschlossenen System, heißt, ich muss das "Kindle" Lesegerät von amazon besitzen, um auch bei amzon ein eBook lesen zu können. Die DBH bietet überhaupt keine eigenen Geräte an, die Reader werden von Sony, Bookeen, Trekstor etc. hergestellt. Damit kann von überall eBooks downloaden - außer bei amazon eben. Oben im Text steht noch, dass das App bald auf allen Android-Handys laufen wird - das ist Quatsch: Hugendubel hat einen Vertrag mit Samsung abgeschlossen, damit gibt´s das App nur für Samsung-Kunden und natürlich nicht für die Samsung-Konkurrenz. Darum findet man das App auch nicht im Google-Marketplace - eben nur bei Samsung.
    Wenn Du von Apple ein tragbares Gerät besitzt, iPad, iPhone etc. lädst Du Dir Deine eBooks über das HugendubelApp runter. Diese Downloads sind nicht übertragbar auf die "normalen" eBook-Reader. Die HugendubelApp gibt es mittlerweil auch für Samsung-Handys mit dem Betriebssystem "Android".

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  3. @Anonym 22:18

    Kann nicht nachvollziehen, was an der Aussage quatsch sein soll. Da steht doch ganz deutlich:

    "bietet Hugendubel seit kurzer Zeit (und vorläufig auch exklusiv) eine App für Samsung-Handys an. Diese wird in den nächsten Monaten allen Besitzern von Android-Handys (und damit einer Großzahl aller aktuell verfügbaren Smartphone-Modelle) zugänglich sein."

    1. Das App ist zur Zeit exklusiv nur für Samsung-Besitzer erhältlich und bereits auf dem Telefon vorinstalliert. Das ist richtig (und wird durch die Aussage oben ja auch nochmal verdeutlicht und nicht widerlegt)

    2. Nach Ablauf der Exklusiv-Frist wird das App (so ist es zumindest geplant) im Google-Appstore erhältlich sein. Und damit dann für alle zur Verfügung stehen, nicht nur den Samsung-Kunden.

    Nochmal? Was ist also an der Aussage des Textes quatsch?

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  4. Hugendubel wäre schön blöd, wenn er die App auf Dauer nur den Samsung-Kunden anbieten würde!

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