Freitag, 24. Dezember 2010

Katholische Kirche verkauft DBH-Anteil nicht!

Kardinal Marx kündigt Gründung einer Stiftung an

Auf einer Pressekonferenz im Erzbischöflichen Palais in München stellte Kardinal Reinhard Marx unmißverständlich klar, daß die seit Jahren kursierenden Verkaufspläne des DBH-Anteils der Kirche ad acta gelegt worden sind. Als Eigentümer der Weltbild-Verlagsgruppe gehört 14 katholischen Diözesen  sowie der Soldatenseelsorge 50 % des DBH-Konzerns.

Marx dementierte damit nicht nur die Verkaufsgerüchte, sondern ging noch einen Schritt weiter und kündigte die Gründung einer Stiftung namens "Pro Libro" an, deren Kapitalstock aus dem DBH-Anteil der katholischen Kirche gebildet werden solle.

Der Kardinal eröffnete die Pressekonferenz mit einem kurzen Resumee seiner zweiwöchigen voradventlichen Exerzitien in einem abgelegenen Kloster nahe der österreichischen Grenze.

Dort habe er sich nicht nur vertieft mit der katholischen Soziallehre des 20. Jahrhunderts beschäftigt, sondern auch "Das Kapital" seines Namensvetters Karl Marx nochmals in Ruhe studiert. Er habe, so Marx gegenüber den anwesenden Journalisten, zwei grundlegende Konsequenzen daraus gezogen, die er auch dem Heiligen Vater in Rom anläßlich seiner Kardinalernennung habe vortragen dürfen.

Die  e r s t e  Konsequenz sei die Errichtung der "Pro Libro"-Stiftung. Als Vorsitzenden der Stiftung schlug Marx mit dem Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach einen der profiliertesten katholischen Sozialethiker vor. Dieser war nicht nur Professor für  Christliche Sozialwissenschaft, sondern auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von attac und einer der schärfsten Kritiker der Hartz IV-Gesetze.

Mit den Erträgen aus den Firmengewinnen sollen in Zukunft drei große Bereiche finanziert werden:

Ein Drittel der Kapitalerträge solle den MitarbeiterInnen des Unternehmens direkt zugute kommen, denn, so Marx, "sie haben es schließlich auch erarbeitet." Gedacht werde dabei z.B. an den nach modernsten architektonischen und ökologischen Standards ausgerichteten Bau preiswerter Wohnungen für die Beschäftigten. Auch die medizinische Versorgung der Angestellten oder die Ausbildungsfinanzierung ihrer Kinder solle so auf dem bestmöglichen Niveau gewährleistet werden.

Ein weiteres Drittel solle einem ambitionierten Projekt gewidmet werden, das sich mit der Aufarbeitung einer historischen Schuld der katholischen Kirche beschäftigt. "Wir müssen uns endlich unserer Vergangenheit stellen", sagte Marx sichtlich betroffen. Er werde persönlich den Vorsitz einer Kommission übernehmen, die die wissenschaftliche Edition aller Titel zum Ziel hat, die einst auf dem Index librorum prohibitorum standen, also all jener Bücher, die von der Kirche verboten oder gar verbrannt worden sind.

Das letzte Drittel der Kapitalerträge der Stiftung solle - und hier hellte sich Marxens Miene wieder auf - in die Zukunft investiert werden. Gemeint sei damit die kulturelle Zukunft der Literatur, die ja die Basis für die im Buchhandel verkauften Bücher sei. "Wir brauchen wieder mehr qualitätvolle Bücher. Und die Voraussetzung für das Schreiben sei eben "nun mal nicht nur Talent und Kreativität, sondern auch eine sorgenfreie Existenz" der AutorInnen. Geplant sei deshalb die Förderung besonders jener SchriftstellerInnen, die experimentelle oder avantgardistische Texte veröffentlichen, von Verlagen, die Lyrikbände in Kleinstauflagen herausbringen oder von Übersetzern für seltene Sprachen.

Die Buchhandlungen des Unternehmens sollen all diesen Bestrebungen ein Forum bieten.
"Denn", so Marx, "wir haben auch einen intellektuellen Auftrag und wollen kulturelle Vielfalt fördern und nicht den sterilen Einheitsbrei der Beststeller-Listen noch verstärken!".

Die  z w e i t e  Konsequenz zog der Kardinal für sich persönlich: "Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, auf den weisen drei Finger selbst zurück!". Was er damit meinte, erläuterte er sogleich den erstaunten Pressevertretern. Er werde nämlich das Erzbischöfliche Palais verkaufen und das Geld einem zukunftsweisenden sozialen Projekt der Obdachlosen-Zeitschrift BISS (=Bürger in sozialen Schwierigkeiten) zur Verfügung stellen.

Das Projekt sah die Umwandlung des historischen Gebäudes eines ehemaligen Frauengefängnisses in ein Hotel vor. Dort sollten dann vor allem Menschen mit sozialen oder psychischen Handicaps eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz erhalten. Als Hildegard Denninger, die Geschäftsführerin von BISS und treibende Kraft hinter dem Hotel-Projekt, vom Kardinal den symbolischen Scheck überreicht bekam, standen der sonst so resoluten und kämpferischen Frau die Tränen in den Augen.

Der Verkauf des Palais hatte für den Kardinal auch unmittelbare Folgen. Er mußte sich nämlich eine neue Wohnung suchen. Auch dieses Problem hatte Marx bereits in Angriff genommen. Er werde, so verkündete er den verdutzten Journalisten, mit seiner Haushälterin in eine kleine, bescheidene Drei-Zimmer-Wohnung in den Stadtteil Hasenbergl ziehen, "näher an die Menschen", wie er es formulierte.

Zum Abschluß dieser denkwürdigen, ja historischen Pressekonferenz beschwor Marx mit einem nun sehr ernsten Pathos die Zukunftsaufgabe der katholischen Kirche: "Wir dürfen keine Kirche der Paläste mehr bleiben, sondern müssen eine Kirche des Volkes werden!".

Als Weihnachtsgruß gab er den sichtlich gerührten Anwesenden folgenden Wunsch mit auf den Weg:

"Friede den Hütten, ...!"





Hinweis:

Unter dem Label "Die gute Nachricht" veröffentlichen wir in dieser Vorweihnachtswoche Meldungen von Ereignissen, die bisher noch nicht stattgefunden haben.
Gerne würden wir diese Nachrichten einmal als Tatsache verkünden. 

Bis es soweit ist, sind sie unsere Wünsche zu Weihnachten.

Kommentare:

  1. Ein genialer Artikel. Jeder Satz ein Treffer. Wirklich ganz toll geschrieben; ich bin begeistert. Würde gerne mehr davon lesen ;)

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  2. Mist, da bin ich doch jetzt tatsächlich drauf reingefallen, und habe es bis fast zum Schluß geglaubt, daß sich endlich mal einer aus der Kirche auf seinen ursprünglichen Auftrag besinnt ! Ich war schon ganz gerührt. Schade eigentlich, daß das nur ein Traum bleibt.

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  3. Kompliment an den Verfasser!
    Wenn die Frohe Botschaft bei den Würdenträgern derartige Gestalt annähme, würde ich mir auch über einen Wiedereintritt ernsthaft Gedanken machen müssen.

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  4. Labsal für die Seele. Danke für den tollen Artikel....
    Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein den Text NICHT unter "Die gute Nachricht" lesen zu müssen, aber....träum weiter..... Alles nur Gelaber. Wasser predigen und Wein saufen, nicht wahr Herr Marx?

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  5. Huch, und ich dachte schon ich könnte einpacken...ich als Agnostiker habe es ja genauso schwer wie die Kollegen Satanisten...
    schlimm genug wenn der Halff bei Hugendubel rumposermentiert...aber jetzt noch rumknien vor einem gasförmigen Wirbeltier mit Rauschebart in Jesuslatschen wäre doch ein wenig viel verlangt. Zumal ich ja immernoch der Meinung bin, daß der Kapitalismus von Loki erfunden wurde um uns in Ameisen zu verwandeln...Halff, Hugendubels und Nitz als königinnen und wir als Drohnen...
    Wir müssen jetzt nur noch unser Revier mit Urin markieren, dann ist eigentlich alles perfekt...aus Ameisensicht

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