Montag, 2. April 2012

Jesus T. Kirk, die Himmelskönigin Maria und das Opium des Volkes

Kardinal Meisner schreibt für rechten Esoterik-Verlag

Der Weltbild-Verkauf wurde von der Bischofskonferenz nicht nur mit dem Vertrieb von erotischen, sondern auch dem von esoterischen Titeln begründet. Dies entspräche nicht der katholischen Morallehre. Die treibende Kraft unter den deutschen Bischöfen war Kardinal Meisner. Auf seine Anweisung hin verkaufte die Erzdiözese Köln bereits 2008 ihren Weltbild-Anteil an den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD).

Recherchen der Infoblog-Redaktion ergaben nun, daß Kardinal Meisner selbst für einen rechten Esoterik-Verlag geschrieben hat.

Esoterik, Verschwörungstheorien und Remote Viewing

Konkret geht es um ein Vorwort, das Kardinal Meisner zum Buch "Das Fatima-Geheimnis" des Autors Michael Hesemann beigesteuert hat. Dieser Titel ist im Kopp-Verlag erschienen. Der unter Buchhändlern einschlägig bekannte Verlag produziert laut eigener Aussage "Bücher, die Ihnen die Augen öffnen", nämlich zu Themen wie "Verbotene Archäologie", "Geheimbünde", "Fernwahrnehmung", "Phänomene","Finanzwelt", "Prophezeiungen", "Freie Energie", "Geomantie", "Zeitgeschichte", "Verschwörungstheorien", "Remote Viewing" (alles aus der Eigenwerbung des Verlags). Bemerkenswerterweise gibt es auch Titel zum Gebiet "Kirche auf dem Prüfstand", was Verfechter der katholischen  Orthodoxie besonders interessieren dürfte.

Bei Remote Viewing geht es übrigens nicht um Reparatur-Anleitungen für kaputte TV-Fernbedienungen, sondern um eine "Technik", mit der man versucht, Objekte oder Vorgänge wahrzunehmen, die mit den gebräuchlichen fünf Sinnen nicht erfasst werden können. Dieser auch "Fernwahrnehmung" genannte Hokuspokus wird von ihren Anhängern zum Bereich der Parapsychologie gezählt. Außerdem publiziert Erich von Däniken über Ufos und prähistorische Astronauten.Die wegen ihrer Sympathien für die NS-Familienpolitik gefeuerte TV-Moderatorin Eva Herman (bürgerlicher Name: Eva Herrmann) verbreitet hier ihre Thesen. Anti-Islam-Titel von Udo Ulfkotte stehen neben Büchern über "Linke Lebenslügen". Also das gesamte Sammelsurium an Pseudo-Themen, was auf dem Buchmarkt für esoterische Spinner so vertreten ist.


Jan van Helsing und der Kopp-Verlag

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik schrieb in einem Beitrag, daß sich die Autorenliste des Kopp-Verlags wie ein „Who-is-Who der deutschen Verschwörungsliteratur“ lese, darunter einige Autoren „mit Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut“, die „in der rechten Szene gerne rezipiert werden“. Vertrieben würden zudem auch Bücher von Jan Udo Holey, dessen Werke „durchsetzt mit rechtsextremer Esoterik“ wären. Jan Udo Holey (nicht zu verwechseln mit seinem Vater Johannes Holey, ebenfalls Esoterik-Autor) ist vermutlich besser bekannt unter seinem Pseudonym Jan van Helsing.

Von 1996 bis 2001 unterlagen zwei seiner Bücher wegen antisemitischer Volksverhetzung auf Antrag der Staatsanwaltschaft Mannheim der Beschlagnahme. Der Historiker Wolfgang Wippermann kam zu folgendem Urteil: „Die esoterischen Verschwörungsideologien gleichen den nationalsozialistischen aufs Haar, wie sich besonders an den Schriften Udo Holeys verdeutlichen lässt". Die Verbindung zum Kopp-Verlag wird nicht auf den ersten Blick deutlich; sie ergibt sich nicht nur aus der inhaltlichen Nähe, sondern aus der Tatsache, daß der Kopp-Verlag den Vertrieb der in Holeys eigenem Verlag Ama Deus publizierten Titel übernommen hat sowie aus gemeinsamen Medienprojekten. (Quelle: Wikipedia-Artikel "Holey" und "Kopp-Verlag" sowie eigene Recherchen). Das ist also der verlegerische Kontext von Meisners Vorwort.


"Das Fatima-Geheimnis": Geschichte eines Buches

Was hat es nun mit dem Buch selbst auf sich, für das Kardinal Meisner ein Vorwort geliefert hat? Das Buch des Autors Michael Hesemann erschien - noch ohne Meisners Vorwort - zuerst im September 1997 im Bettendorf-Verlag unter dem leicht vatikanfeindlichen Titel: "Geheimsache Fatima. Vom Vatikan verschwiegen". Eine 2. Auflage folgte bereits im Dezember 1997. (Im folgenden "Erstversion" genannt).

 2002 veröffentlichte Hesemann dann das in Teilen umgeschriebene Buch unter dem nun eher vatikanfreundlichen Titel "Das Fatima-Geheimnis. Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit" im auf "Prophezeiungen" spezialisierten Kopp-Verlag. Hier erschienen von 2002 bis 2010 insgesamt fünf Auflagen. Zwischen 2003 und 2006 gab es Lizenz-Ausgaben bei Weltbild. Meisners Vorwort zu Hesemanns Buch basiert auf einem Predigttext des Kardinals zu seiner ersten Wallfahrt nach Fatima am 13. Mai 1990. Der Kardinal schickte dem Autor am 22.Juni 2001 den Text als Vorwort zu seinem Buch zu. Gegenwärtig ist die Kopp-Ausgabe überall im Buchhandel erhältlich, auch bei Weltbild.


"Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer"

Worum geht es in Fatima überhaupt und was hat es mit den Prophezeiungen auf sich?

Fatima in Portugal ist nach dem französischen Lourdes einer der größten Marienwallfahrtsorte der Welt.  1917 hatten drei Kinder nahe beim portugiesischen Ort Fatima angeblich eine Marienerscheinung, in der ihnen die Muttergottes drei Geheimnisse anvertraut haben will: 

Das Erste Geheimnis war eine Art Höllenvision, die mit dem Ende des Ersten Weltkrieges in Verbindung gebracht wurde: "Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt.(...)".

Im Zweiten Geheimnis gab die Jungfrau Maria eine Art antikommunistisches Statement zur im gleichen Jahr (1917) siegreichen bolschewistischen Oktoberrevolution ab: "Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden."


"Göttliche Gegenrevolution": Die drei Fatima-Prophezeiungen


Um das Dritte Geheimnis rankten sich lange Zeit allerlei Spekulationen wie die Ankündigung eines Dritten Weltkrieges, da sein Inhalt erst am 26. Juni 2000 durch Kardinal Ratzinger und Erzbischof Bertone öffentlich gemacht wurde:  "Wir sahen verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen.(...)"

Von den meisten Gläubigen wird es heute mit dem 1981 erfolgten Attentat auf Papst Johannes Paul II. in Verbindung gebracht. Nicht-Gläubige werten die ganze Geschichte eher als ein weiteres Indiz für den im Katholizismus weiterlebenden vormodernen Wunderglauben, der sich wunderbar mit den neuesten Verschwörungstheorien in Einklang bringen läßt und deswegen eigentlich doch recht gut in das obskure Programm des Kopp-Verlags passt. Ganz falsch war die dritte Prophezeiung der Jungfrau Maria aber doch nicht: mit tatkräftiger Unterstützung der CIA und der katholischen Gewerkschaft Solidarnosc konnte die Implosion des real existierenden Sozialismus in Polen vorangetrieben werden. Und nicht nur in Polen:  Neunzig Jahre nach der Oktoberrevolution erfreut sich die (russisch-orthodoxe) Kirche in Putins Präsidentialdiktatur höchster Protektion: Thron und Altar sind in Russland wieder eine Einheit.


Ufos, Kornkreise, Gralsritter

Michael Hesemann bezeichnete sich selbst als "erfolgreichen Autor, Historiker, Zukunftsforscher sowie Experten für Grenzwissenschaften und außerirdische Phänomene" (Klappentext der Erstversion). In den neunziger Jahren beschäftigte sich Hesemann vor allem mit Ufos ("Die wahre Geschichte der unbekannten Flugobjekte", UFOs über Deutschland. Ein praktisches Handbuch") und Kornkreisen ("Die Kornkreis-Chroniken").
Er war Chefredakteur eines Magazins für "Ufo-Forschung" und ""Parawissenschaften" ("Magazin 2000").
Er schrieb ein Buch über die Kennedy-Ermordung ("Warum mußte der amerikanische Präsident sterben?"). Schließlich findet Hesemann 2003 in einem Pyrenäenkloster den Heiligen Gral ("Die Entdeckung des Heiligen Grals: das Ende einer Suche"). In einem Satz: Unser Autor arbeitet sich durch den kompletten Esoterik-Dschungel, läßt dabei kein Schwachsinns-Thema aus und vermischt sie noch kräftig.


Jesus T. Kirk und der Tag der christlichen Raumfahrt


Das Ufo-Thema läßt Hesemann auch bei den an sich erzkatholischen Fatima-Prophezeiungen nicht los: "Ufos, Außerirdische und Christentum - sind sie überhaupt miteinander vereinbar?"  Zuerst weist er auf einen wichtigen Unterschied hin: Ufos werden meist als "metallisch" beschrieben, während die Gottesmutter eher in einem "Lichtgefährt" gekommen sei (S.346, Erstversion). Er stellt weitere Überlegungen an und holt sich prominente Unterstützung, nämlich das Buch Genesis des Alten Testaments: "Es ist in der Heiligen Schrift der Juden und Christen fest verankert als Teil der menschlichen Schöpfungsgeschichte, daß einst Außerirdische die Erde besuchten - und wie es weiter in der Bibel heißt, `die Helden der Vorzeit, die Hochberühmten´zeugten - die Großen der Vergangenheit als Hybride, halb Mensch, halb Außerirdischer!" (S. 332 in der Erstversion)

In der Zweitversion seines Fatima-Buches hat Hesemann die UFO-Stellen interessanterweise entfernt und auch das Literaturverzeichnis von Pro-UFO-Titeln gesäubert. Die Kornkreise waren abgegrast. Hesemann hielt sich jetzt mit Sympathien für Autoren zurück, die von engelsgesteuerten Raumschiffen mit Commander Jesus T. Kirk und der Himmelskönigin Maria sprachen. Mariä und Christi Himmelfahrt waren nun nur noch simple katholische Feiertage und keine Feste der christlichen Raumfahrt mehr.


Neues Geschäftsmodell: Katholizismus

Hesemann hat mittlerweile in den Schoß der Heiligen Mutter Kirche zurückgefunden und gleichzeitig ein neues lukratives Geschäftsmodell entdeckt:  die Kirche und den katholischen Glauben.  Im „Paulusjahr 2008/9“ betreute Hesemann die deutschsprachige Website des Vatikans. Seine Arbeit fand Zuspruch auf höchster Ebene und so wurde Hesemann von Benedikt XVI. zwischen 2006 und 2011 fünf Mal in Audienz empfangen. Im Mai 2009 begleitete er den Papst auf seiner historischen Reise ins Heilige Land und recherchierte für sein Buch „Jesus von Nazareth. Archäologen auf den Spuren des Erlösers“, das er am 17. Februar 2010 in einer Privataudienz dem Papst übergab. 2010 erschienen zwei Arbeiten zum Turiner Grabtuch, das Sachbuch „Das Bluttuch Christi“ und das Kinder- und Jugendbuch „Auf den Spuren des Grabtuchs von Turin“, 2011 das Buch „Maria von Nazareth“, in dem er u.a. lokalen Traditionen von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten nachgeht. Ebenfalls 2011 erschienen Georg Ratzingers Erinnerungen "Mein Bruder, der Papst", die von Hesemann aufgezeichnet wurden. Zudem fungierte er als Herausgeber und Kommentator der Predigten und Ansprachen, die Benedikt XVI. auf seiner Deutschlandreise im September 2011 hielt. (Quelle: Wikipedia).

Wie sagte doch Kardinal Meisner im Vorwort zu Michael Hesemanns Buch "Das Fatima-Geheimnis":

 "So sind die Menschen nicht Karl Marx gefolgt, sondern Jesus Christus. Sie haben nicht dem kommunistischen Manifest geglaubt, sondern eher dem Magnifikat. Nicht Marx hat den Menschen Größe und Würde gebracht, wohl aber Maria." Im Falle Hesemann hätte er sagen können: sie laufen jetzt nicht mehr den Ufos, sondern den Kardinälen hinterher.


Esoterik oder Religion: Opium des Volkes

Da hier nicht der Kardinal das letzte Wort haben soll, folgt zum Schluß noch ein nachdenkenswertes Zitat, in dem klar wird, daß Esoterik oder Religion nur Spielarten und Widerspiegelung des gleichen Elends sind:

"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. “

Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1844)




















Kommentare:

  1. Keine einfache Kost, dieser Artikel. Der Inhalt ist aber höchst interessant

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  2. Wann wird Kardinal Meisner exkommuniziert?

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  3. Sehr geehrte Damen und Herren,
    als Mitbetroffener wehre ich mich entschieden gegen Ihren bedauerlichen Versuch, Seine Eminenz, Joachim Kardinal Meisner und mich in die Ecke rechtsextremer Verschwörungstheoretiker zu stellen. Das ist in jeder Hinsicht falsch.
    Tatsache ist, dass Kardinal Meisner nie für den Kopp-Verlag geschrieben hat. Er hat mir lediglich erlaubt, seine Predigt, die er in Fatima hielt, als Vorwort für mein Buch "Das Fatima-Geheimnis" zu benutzen, das ihm vorher zur inhaltlichen Überprüfung übersandt worden war. Zum Zeitpunkt der Anfrage sollte "Geheimsache Fatima" jedoch nicht bei Kopp, sondern noch im Humboldt-Verlag erscheinen!

    Tatsächlich habe ich erstmals 1997 für den Bettendorf-Verlag über Fatima geschrieben. Da das "Dritte Geheimnis" von Fatima damals noch nicht veröffentlicht worden war, nahm natürlich die Frage nach seinem Inhalt einen breiten Raum ein.

    Im Juni 2000 schließlich veröffentlichte die Glaubenslehrekongregation den Text des "Geheimnisses". Also bot es sich an, quasi ein abschließendes, jetzt nicht mehr auf Spekulationen angewiesenes neues Buch zu veröffentlichen. Da Bettendorf gerade an die Verlagsgruppe Herbig Langen Müller verkauft worden war, bot ich dieses neue Buch zunächst Herbig an. Dort glaubte man aber, dass mit der Veröffentlichung durch den Vatikan das Thema "erledigt" sei, zudem hatte man noch ein paar hundert Exemplare der dritten Auflage meines Buches auf Lager, die man zunächst abverkaufen wollte. Stattdessen kam ich mit dem Humboldt-Verlag in Kontakt, der spontan von dem Projekt begeistert war und mir einen Vertrag übersandte. Für ihn stellte ich das Buch samt dem genehmigten Kard. Meisner-Vorwort fertig. Wie Sie hier sehen, hat Humboldt das Buch auch bereits angekündigt, es sollte 2002 erscheinen (http://www.amazon.de/Humboldt-Taschenb%C3%BCcher-Das-Fatima-Geheimnis/dp/3708101030/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1336338060&sr=8-8), als der Verlag plötzlich Konkurs anmeldete. Quasi aus der Konkursmasse erwarb der Kopp-Verlag die Rechte und den bereits fertig gestellten Satz.
    Zwar informierte ich den Kardinal über den Verlagswechsel, doch da Kopp damals ein junger, unbekannter Verlag war, hatte auch dieser keinen Einwand. Ich war froh, dass das Buch endlich erscheinen konnte, denn je weiter ich mich zeitlich von der Veröffentlichung durch den Vatikan entfernte, je größer wurde die Möglichkeit, dass ein anderer Autor mir zuvorkommen würde und die Arbeit vergebens wäre. Da ich an das Buch glaubte, wollte ich, dass es zumindest auf dem Buchmarkt eine Chance bekommt.

    Noch einmal: Als Kardinal Meisner mir am 22.6.2001 den Text übersandte, stand ich mit dem Buch bei HUMBOLDT unter Vertrag, sollte das Buch 2002 im HUMBOLDT-Verlag erscheinen. Es ist also völlig falsch, zu behaupten, er habe für den Kopp-Verlag geschrieben. Im Gegenteil: Er konnte damals beim besten Wissen nicht ahnen, dass 1/ das Buch einmal von Kopp gekauft werden würde und 2/ war Kopp damals weder als rechtsextrem noch als verschwörungstheoretisch bekannt.
    (Fortsetzung folgt)

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  4. Wahr ist, dass ich neben Geschichte in Göttingen auch Kulturanthropologie/Volkskunde studiert habe und mich daher auch mit modernen Mythen befasste (ich gehörte u.a. zur Doktorandengruppe von Prof. R.-W. Brednich, die die deutsche urban legends-Sammlung "Die Spinne in der Yuccapalme" zusammenstellte), darunter auch mit Themen wie Ufos und Kornkreisen. Dass ich das von mir dazu gesammelte Material auch veröffentlichte, ist gewiss nicht ehrenrührig. Magazin 2000 war allerdings damals kein UFO-Magazin, sondern eine populärwissenschaftliche Zeitschrift, die sich auch mit Grenzgebieten der Wissenschaft befasste und versuchte, modernen Mythen kritisch auf den Grund zu gehen (was sich nach dem Verkauf der Zeitschrift leider änderte, weshalb ich als Chefredakteur dann auch kündigte). Richtig ist weiter, dass ich in meinem 1997er Fatima-Buch auch über die Spekulationen anderer Autoren BERICHTETE, die glaubten, es bestünde eine Verbindung zwischen dem UFO-Mythos und Marienerscheinungen. Leider erweckt Ihre Zitatauswahl den Eindruck, ich hätte diese These auch vertreten, was jedoch nie der Fall war.

    Dass Sie eine verstärkte Hinwendung zu meinem katholischen Glauben als "Geschäftsmodell" zu diskreditieren versuchen, ist nicht nur ehrabschneidend, es ist auch völliger Unsinn. Die von Ihnen zitierte website etwa war gerade NICHT und in keiner Hinsicht "offiziell", sondern eine private Initiative, die ehrenamtlich zustande kam. Ich habe mit ihr keinen Cent verdient, die einzigen Einnahmen durch links zu amazon deckten gerade einmal die webhosting-Kosten, auch Werbeflächen wurden keine verkauft.
    Ich versuche heute, meine Arbeitskraft in den Dienst der Neuevangelisierung Europas zu stellen, die der große Papst Johannes Paul II. als Gebot der Stunde gefordert und die sich auch sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., auf die Fahne geschrieben hat. Auch wenn das völlig Ihrem marxistischen Weltbild zu widersprechen scheint, gibt es auch andere Motive dafür als jene, die Sie "Geschäftsmodelle" nennen. In meinem Fall ist es die reine Freude am christlichen Glauben - und der fromme Wunsch, diese Freude weiterzugeben!

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Hesemann

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  5. Eine Replik auf die Replik einer Replik ist nicht gerade meine Sache, aber nachdem mich als Autorin des obigen Artikels die Infoblog-Redaktion um eine kurze Stellungnahme gebeten hat: bitte sehr.

    Autor Hesemann steht mit seinem Fatima-Buch vor einem doppelten Problem.
    Zum einen muß er ein Buch mit hochobskuren Inhalt, das in einem harmlosen Verlag (Bettendorf) erschienen ist, verteidigen. Hochobskur deswegen, weil der Inhalt ein Patchwork verschiedenster esoterischer und religiöser Elementen ist, nach dem das Eso-Publikum giert um sich so seine individuelle Privatreligion zusamenzustellen. Synkretismus nennt das die Religionssoziologie.
    Die Hinweise auf das Kulturanthropolgie-Studium und die "Doktoranden-Gruppe" sollen dabei einem nicht-akademischen Publikum wissenschaftliche Seriosität suggerieren. Im Klartext: hinter der "Doktoranden-Gruppe" verbirgt sich meist gescheitertes Dissertations-Projekt. Nota bene: das ist keine Schande, auch nicht, daß man mit Eso-Büchern seine Brötchen verdient. Hier herrscht Religionsfreiheit - allerdings auch die Freihet, Religion zu kritisieren.

    Das z w e i t e Problem, vor dem Hesemann steht, ist die Verteidigung der Zweitversion seines Fatima-Buches; diesmal verhält es sich genau umgekehrt:
    ein nun lupenrein auf den Meisner´schen Rechtskatholizismus getrimmtes, von allen esoterischen Elementen gereinigtes Buch erscheint nun in einem höchst problematischen Verlag, den die Zensur-Abteilung bei Weltbild eigentlich auf den Index setzen müßte. Tut sie natürlich nicht wegen des Meisner-Vorworts.
    Ihre Behauptung, daß der Kopp-Verlag damals unbescholten gewesen sei, ist sachlich falsch: viele wichtige Autoren haben bereits 2001 damals dort schon publiziert, u.a. auch v.Däniken und weitere Verschwörungstheoretiker.

    Das sind die beiden Dilemmata in denen sie stecken, Herr Hesemann.
    Ihren "Glauben" spreche ich Ihnen übrigens gar nicht ab, so wenig wie ich einem Devotionalienhändler in einem Wallfahrtsort seinen Glauben absprechen möchte. Sie haben ja in Peter Seewald und Matthias Matussek erfolgreiche Vorgänger. Beides übrigens ehemalige Maoisten, die anscheinend den einen autoritären Führer durch den anderen ersetzt haben.

    Zum Schluß bleibt mir nur der Hinweis auf die Aufforderung von Kant "Sapere aude - habe Mut, Dich deines Verstandes zu bedienen" und die Definition, dessen, was uns aus dem Sumpf herausführen kann: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit".

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  6. Leider geht Ihre Antwort völlig an der Kernaussage meiner Richtigstellung vorbei: Dass nämlich Seine Eminenz, Joachim Kardinal Meisner, NIE, wie Sie behaupteten, "für den rechten Kopp-Verlag" geschrieben hat. Dass ich diese Ihre Behauptung widerlegt habe, daran ändern auch Ihre Versuche, meine Person zu diffamieren, nichts. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Ihre Unterstellung haltlos ist.

    Noch einmal also: Kardinal Meisner hat in Fatima eine Predigt gehalten. Ich bat ihn um Genehmigung, diese als Vorwort für mein Buch zu verwenden, das damals im Humboldt-Verlag erscheinen sollte. Das wurde mir von ihm erlaubt.

    Der Humboldt-Verlag geriet in finanzielle Turbulenzen, verkaufte die Rechte an meinem Buch an den Kopp-Verlag. Darüber wurde Kardinal Meisner informiert, es gab keinen Einwand. Kopp war damals noch nicht als "rechtsextremistisch" bekannt, wie Sie ihm heute unterstellen, und das wird auch dadurch nicht widerlegt, dass er damals vielleicht schon Däniken verlegte; denn Däniken erschien auch in namhaften Verlagen wie Econ, Bertelsmann und (als Taschenbuch) Droemer-Knaur, ohne dass die seriösen Titel dieser Häuser darunter gelitten hätten.

    Dass mein zweites Fatima-Buch nach der Veröffentlichung des "Dritten Geheimnisses" durch den Vatikan im Jahr 2000 weniger spekulativ ausfiel als der Erstling, ist wohl nachvollziehbar. Ebenso machte ich nie einen Hehl daraus, dass ich mich erst im Jahr 2000 entschied, meine bescheidenen Fähigkeiten in den Dienst der Neuevangelisierung zu stellen.

    "Das Fatima-Geheimnis" sollte, wie jedes Buch, nach seinem Inhalt beurteilt werden - nicht danach, welche Titel sein Verlag Jahre später verlegte oder vertrieb. Denn auch ein Autor kann nicht voraussehen, welche Titel sein Verlag in Zukunft verlegt.

    Dass ich vorhatte, zu promovieren, es dann aber doch nicht tat, ist gewiss keine Schande. Der Grund dafür ist übrigens kein wissenschaftliches Scheitern, sondern ein simpler Unfall. Ich konnte das zweite Semester des Doktorandenkolloquiums nicht mehr besuchen, weil ich damals erst ans Krankenbett und dann an den Rollstuhl gebunden war. Es war der letzte Doktorandenjahrgang von Prof. Brednich, den ich gerne zum Doktorvater gehabt hätte. Also war ich gezwungen, einen anderen Weg zu gehen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich mich mit modernen Mythen zuallererst volkskundlicher Perspektive befasst habe.

    Dass ausgerechnet ein verbohrter Ideologe, wie Sie es zu sein scheinen, mir "selbstverschuldete Unmündigkeit" unterstellt, ist tatsächlich amüsant. Ich antworte auf Ihren Kant lieber mit Jesus von Nazareth: "Die Wahrheit wird euch befreien" (Joh 8,32)!

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  7. In der Süddeutschen Zeitung vom 29.01.2013 schreibt Rudolf Neumaier über die dubiosen Aktivitäten des Herrn Hesemann im Umfeld der rechtskatholisch-homophob-antisemitischen Seite kreuz.net:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/rechtsstreit-um-kreuznet-parakatholische-aktivitaeten-1.1585483

    So, Herr Hesemann, jetzt sind Sie dran!

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