Donnerstag, 26. April 2012

Rettet Wohlthat! Offener Brief der Belegschaft

Berlin, den 22.3.2012

An die Gesellschafter der DBH   

Sehr geehrte Damen und Herren, Eure Exzellenzen,

wir, die Belegschaft der Wohlthat Berlin, möchten uns auf diesem Wege an Sie wenden, um Sie zu bitten, uns nicht, zumal ohne betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, in die Arbeitslosigkeit zu schicken.

Im Jahr 2005 wurde die Wohlthat’sche Buchhandlung im Vorfeld der DBH Gründung 2006 zu 51 % von Weltbild Plus übernommen, im Jahr 2008 kaufte die DBH dann die restlichen 49 % und wurde somit alleiniger Anteilseigner.

Im Jahr des ersten Teilverkaufs war Wohlthat ein Unternehmen mit einer weitestgehend  ausgeglichenen Ertragslage. Leider verstetigte sich jedoch in den folgenden Jahren eine negative Ertragsentwicklung und stabilisierte sich auf erschreckend negativem Niveau.

Hierfür gab es sicher unterschiedliche Gründe, die zum Teil auch bereits durch den alten Eigner zu verantworten waren. Anstatt jedoch frühzeitig grundsätzlich umzustrukturieren und schonend zu sanieren, wozu man spätestens nach der 100%igen Übernahme alle Möglichkeiten gehabt hätte, wurden im Grunde genommen die Läden nur oberflächlich aufgehübscht und Symptome behandelt. Erst im Jahr 2009 zog man dann die Reißleine. Ein neues Geschäftskonzept wurde angekündigt, dass sich jedoch ausschließlich als radikale Personalreduzierung entpuppte, während tiefergehende inhaltliche Umstrukturierungen weiterhin unterbleiben.


Im letzten Jahr kam es dann zum nächsten Cut. Während die Filialen im Bundesgebiet von Jokers bzw. Weltbild übernommen wurden, wurden die Berlin/Potsdamer Filialen zur Wohlthat Berlin GmbH &  Co. KG und sollten im Paket  zum Verkauf gestellt werden.

Erst aus diesem Anlass schickte man uns mit den neuen Geschäftsführern nun endlich wirkliche Sanierer, die jeden Kostenposten prüften, entsprechende Maßnahmen einleiteten und tatsächlich schreiben wir jetzt wieder schwarze Zahlen.

Nachdem man in den letzten Monaten dann jedoch nicht gleich einen entsprechenden Käufer fand, will man nun Wohlthat nicht mehr, wie ursprünglich geplant, im Paket, sondern als Einzelstandorte verkaufen und dies durchaus auch an branchenfremde Interessenten, die nicht einen Kollegen, nicht eine Kollegin übernehmen werden.

Auch  jedwede Verlängerung von Filialmietverträgen wird inzwischen, unabhängig von den jeweiligen Ertragszahlen, grundsätzlich abgelehnt.

Als neueste Variante bietet man die Läden, für die es keine lukrativen Angebote externer Interessenten gibt, auch uns Mitarbeitern zum Kauf an. Doch natürlich müssten zunächst die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit aus diesem Angebot das zukunftsfähige Projekt eines echten „employee buy out“ werden könnte. Das lässt sich bisher leider überhaupt nicht erkennen.

Wie es aussieht, will man uns nun also um jeden Preis zerschlagen und so schnell als möglich abwickeln. Und all dies ohne Not, denn Wohlthat ist in Berlin eine gut eingeführte und bekannte Marke, wir schreiben schwarze Zahlen, und laut einer Dankesrundmail der Geschäftsführung zum gelungenen Weihnachtsgeschäft an die Mitarbeiter waren wir „… unter allen Filialkonzepten und Ländern … mit Wohlthat Berlin neben Jokers am erfolgreichsten“.

Wir finden, auch wenn wir nur noch 50 Beschäftigte in Berlin/Potsdam sind, ist es ein Skandal, dass unsere Arbeitsplätz ohne wirtschaftliche Notwendigkeit aufs Spiel gesetzt werden sollen. Wir möchten Sie daher bitten, Ihre Entscheidung zur Auflösung bzw. zum Verkauf von Wohlthat Berlin noch einmal zu überdenken und die Möglichkeit eines Weiterbetriebs unter dem Dach der DBH, ob als Wohlthat, Jokers oder Weltbild, zu prüfen,  zumindest aber doch zunächst die Mietverträge nicht defizitärer Filialen zu verlängern und in aller Ruhe weiter nach einem Käufer aus dem Buchhandelsbereich zu suchen, der auch willens ist, uns Mitarbeiter zu übernehmen.

Die Belegschaft der Wohlthat Berlin GmbH & Co. KG
c/o  Wohlthat Berlin GmbH & Co. KG
Betriebsrat
Schönhauser Allee 45
10435 Berlin

Kommentare:

  1. Was sich die Hugendubel-Geschwister zusammen mit dem bischöflichen Weltbild im DBH-"Discount"-Bereich leisten, unterscheidet sich nicht grundlegend von den Zuständen bei Lidl-Aldi-Schlecker-usw.

    Das gilt für alle Filialen, bei denen WELTBILD oder JOKERS oder eben WOHLTHAT über dem Eingang steht:

    Personalbesetzungen unterhalb eines akzeptablen Minimalniveaus, aktive Behinderung von Betriebsratsarbeit, permanente Kontrolle und Überwachung der Kollegen, usw.

    Auch im Arbeitsleben haben grundlegende Rechte zu gelten, die aber werden dort tagtäglich verletzt. Das alles geschieht innerhalb eines Unternehmens (DBH), das sich nach außen hin als von kulturellen Idealen, von Buchhandels-Ethos und von christlichen Prinzipien geprägt präsentiert: Eine infame Lüge!!!

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  2. Dann seid doch froh, daß Ihr verkauft werden sollt! Dann seid Ihr endlich diese "schrecklichen" Arbeitgeber los!

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  3. Die Agentur für Arbeit wird Euch bestimmt besser behandeln!

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  4. Solche sinnlosen Kommentare zeigen nur wie hirnlos manche durchs Leben gehen

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  5. ... oder wie lästig manchen innerhalb der Firma kritische Kolleginnen und Kollegen sind, die nicht alles von vornherein super finden, was ihnen von oben vorgesetzt wird.

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