Donnerstag, 5. April 2012

April, April?!

Hugendubel - einer der spannendsten Arbeitgeber Münchens

Seit ein paar Wochen gibt es eine Serie in der Münchner TZ mit dem Titel: Die besten und spannendsten Arbeitgeber Münchens.
In der Wochenendausgabe vom 31.03 / 01.04 wurde nun über den „Bücher-Giganten“ Hugendubel berichtet. Man beachte hier bitte das Datum: 1.April!
Und Nein, dieser Bericht sollte wohl kein Aprilscherz sein. Oder etwa doch?


"Undercover Boss" - heute mit Nina H.


Die Schlagzeile des Artikels lautet: Hugendubel - Die Welt der Bücher.
Dieser Bericht steht ganz im Zeichen von Nina Hugendubel. Gleich zu Anfang wird erläutert, wie fleißig sie an der Kasse in der Filiale Marienplatz mithilft - getarnt mit einem ‚Praktikant’-Schild am Revers. Fast hat man den Eindruck, dass sie regelmäßig dort mitarbeitet.
"So komme ich mit den Kunden direkt in Berührung, aber sie sollen nicht erkennen, dass ich die Chefin bin“ wird sie in der TZ zitiert.

An anderer Stelle kann man lesen, wie wichtig ihr der enge Kontakt zu den Mitarbeitern ist.
Haben wir etwas verpasst? Doch auf den Betriebsversammlungen konnten wir Frau Hugendubel noch nie entdecken. Auch sonst sehen die Mitarbeiter sie eher selten bis gar nicht.

Auf die Gründung der Finanzholding DBH im Jahre 2007 mit Weltbild wird nur kurz eingegangen.
Für Nina Hugendubel ist das „Herz des Unternehmens“ die Filiale Marienplatz, die sie von klein auf kennt. Etwas verwundert sind wir über folgende Aussage:
(..) Einmal im Jahr lädt die Geschäftsführerin ihre Mitarbeiter zusammen mit ihrem Bruder in fast jeder der deutschlandweit 54 Filialen zu einem Gesprächsabend ein…(..)
Aha. Auch dieses regelmäßige Ereignis scheint uns entgangen zu sein.

Wer suchet - der findet?

Ihre Aussage "Der Anteil der Leute, die beim Betreten des Ladens nicht wissen, was sie suchen, liegt bei 85 Prozent. Wir bieten themenbezogene Anreize“, finden wir sehr bemerkenswert.
Würde das aber nicht bedeuten, dass die Kunden eine gute Beratung geradezu suchen?
Wäre dies nicht eine Möglichkeit Kunden zu binden und zu begeistern? Allerdings benötigt man dazu natürlich ausreichend MitarbeiterInnen. Wie wir ja alle wissen, ist gerade das Personal ein Faktor, der immer weiter nach unten geschraubt wird.
Stattdessen werden 'themenbezogene Anreize' geboten. Das soll wohl heißen, dass die Kunden ihre Wünsche 'selbstständig' befriedigen sollen, ohne Hilfe von fachkundigem Personal.

Einer Buchkrise, die uns von unserer Geschäftsleitung ständig in Erinnerung gerufen wird, sieht Nina Hugendubel anscheinend wacker entgegen. "Die Art zu lesen verändert sich, aber das Buch wird nicht untergehen". Schön dies zu lesen.
Allerdings zählt die TZ gleich im Anschluß die Unmengen an Nonbooks auf, die durch den Onlineshop vertrieben werden: Spielzeug, Deko, Büro- und Elektroartikel.
Soll man da nun lachen oder weinen?
Der letzte Satz des TZ-Artikels liest sich übrigens folgendermaßen: (…) über Urlaub brauchen wir jetzt erst mal nicht reden – „Praktikantin“ Nina will wieder zurück an die Kasse...
Ja, dann wollen wir sie mal nicht aufhalten.

In dem kleinen Firmensteckbrief wird der Umsatz 2011 von Weltbild /DBH  mit 1,657 Mrd. Euro angegeben. Zusätzlich werden dort unter anderem die Leistungen für Mitarbeiter aufgezählt:
Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Jubiläumszahlungen für langjährige Mitarbeiter, Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen, flexible Betreuung in Ausnahmesituationen, Vergünstigte Einkaufskonditionen für Mitarbeiter bei Hugendubel



Ein kleiner Hinweis:

Das oben genannte Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist Bestandteil des Bayerischen Manteltarifvertrags und dort festgelegt. Nachzulesen unter § 9. Diese zusätzlichen Leistungen wurden von der Gewerkschaft und deren Mitgliedern erkämpft und sind keine freiwilligen Leistungen.



Kommentare:

  1. Ob freiwillig oder nicht- aber gezahlt wird es! Wo wollt ihr eigentlich lieber arbeiten? Lidl? Aldi? Kik?
    Oder irgendwo unter übelsten Bedingungen?
    Ist das besser?
    Ich verstehe zwar grundsätzlich was ihr meint, aber es gibt garantiert schlimmere Arbeitsbedingungen und wenn es SO furchtbar ist, meine Güte dann geht doch dahin wo es besser ist.
    Nein ich bin nicht von der GL.
    Ja ich bin Verdi Mitglied.
    Ja ich gehe zu den BVs.

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  2. Was ich nicht verstehe: wenn hier im Blog auf etwas hingewisesn wird wie z.B. diese absolut lächerliche "Praktikantinnen"-Inszenierung, dann kommt jedenfalls immer der Hinweis, dass es woanders noch schlimmer sei oder man doch gehen könne. Ich will aber nicht gehen. Sondern ich will, dass sich unsere Arbeitsbedingungen nicht permanent verschlechtern.

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  3. Es wird nicht "hingewiesen" sondern so getan als ob hier alle unter Folter und ohne Geld dahin siechen müssten.
    Und DAS ist es was ICH nicht verstehe.

    Und ja, tatsächlich, bevor ich mich immer wieder zur Arbeit quäle, würde ich wirklich gehen.
    Aber ich quäle mich halt auch nicht hin und sehe auch die Positiven Dinge.

    Ist übrigens dasselbe wie wenn jetzt jemand schreibt : ja wenn du den Blog so furchtbar findest dann lies ihn halt nicht.
    ;-)
    Ich will ihn aber lesen weil ich viele gute Infos bekomme. Aber ich will NICHT diese übertriebenen Bemerkungen lesen bei denen ich fast glaube dass wir in unterschiedlichen Firmen arbeiten.

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  4. Welche übertriebenen Bemerkungen? Ich sehe hier z.B nur diesen sachlichen Hinweis am Ende vom Text.

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  5. @anonym 9:35 was du willst interessiert halt niemanden. So ist es nunmal. Ganz im Ernst:
    Wenn man damit nicht leben kann dass Hugendubel den "Ramsch" verkauft dann muss man wirklich gehen.
    Man kann als Mitarbeiter nun mal nicht überall mitbestimmen. Ich arbeite auch nicht in einer Tierhandlung weil mir das eben nicht gefällt.
    Der Vergleich hinkt, ich weiß.
    Aber wenn sich mein Berufsbild, nein- wenn sich die Firma in der ich arbeite so verändert dass es mir nicht mehr gefällt, dann muss ich mich entweder mitverändern oder gehen. Es ist einfach so.
    Aber bleiben und sich jahrelang darüber aufregen ist verschwendete Energie.
    Ich kann nicht erwarten dass das verkauft wird was ich gerne hätte. Oder dass auf meine Wünsche da Rücksicht genommen wird.

    Und Frau Hugendubel hat sicher andere Dinge zu tun als am Marienplatz regelmäßig an der Kasse zu stehen.

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  6. Der Artikel kritisiert vollkommen zurecht zum einen die eher peinliche Inszenierung von N.H. sowie auch die Selbstdarstellung des Unternehmens als sozialer Firma. Die Wirklichkeit sieht anders aus: freiwilligie soziale Leistungen wie Fahr- und Essensgeldzuschuss wurden gestrichen, die berufliche Tätigkeit des Buchhändlers wurde zunehmend dequalifiziert. Im Gegensatz zu Weltbild, wo nach drei Monaten ein Zukunftstarifvertrag abgeschlossen wurde, wird uns dies seit 2 Jahren verweigert.
    Es lässt sich immer eine Firma oder ein Land in der Dritten Welt finden, wo es noch schlechter ist - aber was soll das für ein Argument sein?

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  7. Es wurde nicht nur darauf hingewiesen dass es Firmen gibt in denen es schlimmer ist. Sondern auch dass es welche gibt in denen es besser ist. Aber die kommen ja auch nicht in Frage. Es MUSS Hugendubel sein. Gehen will man nicht. Nicht dahin wo es besser ist und natürlich nicht dahin wo es schlechter ist.
    "Ich finde es bei Hugendubel scheisse aber ich muss dort unbedingt bleiben" - ja ist DAS denn ein Argument?
    Ja aber dann muss man Hugendubel eben nehmen.

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  8. Nur weil man denkt, es verändert sich ja doch nichts oder ich kann nichts tun, es dann sein zu lassen, finde ich tragisch. Man kan immer etwas verändern oder bewirken. Auch wenn es erst einmal nur kleine Dinge sind. Oder man kann ein Umdenken bzw. Nachdenken erreichen.
    Ansonsten hätte es niemals Revolutionen oder Aufstände gegen Unterdrückung gegeben. Auch dort hat man sich gewehrt.

    Versuchen sollte man es immer! Egal um was es geht.

    Zu gehen ist die einfachste Methode. Damit gibt man auf. Das bedeutet auch, man lässt alles mit sich machen.
    Seine Energien in eine sinnvolle Sache stecken, z.B gute Arbeitsbedingungen schaffen, für den STV kämpfen der allen zu gute kommt, auf Mißstände aufmerksam machen, das lohnt sich!
    Für einen selbst, für die Kollegen. Solidarität und Kampfesgeist sind zwei wichtige Worte im Leben.

    Versuch doch mal umzudenken!

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  9. Dito :-)
    Den letzten Satz gebe ich einfach mal zuruck.

    Aber wenn jeder mal über die Sätze des anderen nachdenkt geht's vielleicht besser. Aber auch hier kann es nicht einseitig sein.

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  10. @ Punkt

    "Zu gehen ist die einfachste Methode. Damit gibt man auf. Das bedeutet auch, man lässt alles mit sich machen."

    Das kann man nicht so stehen lassen. Zu gehen ist in den heutigen Zeiten durchaus nicht einfach und kein Zeichen des Aufgebens und dass jemand alles mit sich machen lässt. Zu gehen, weil es in einer Firma nicht mehr passt, wegen der grundsätzlichen Ausrichtung oder weil vor Ort die Ansprüche der Firma der eigenen Gesundheit und dem Wohlbefinden schaden, kann eine sehr bewußte und vernünftige Entscheidung sein. Zu Zeiten des Personalabbaus hat es auch Kollegen gegeben, die freiwillig gegangen sind, weil sie das neue beratungsfreie DBH-System nicht mitspielen wollten - bevor ausgeknobelt wurde, wer gehen MUSS. Ob es in anderen Firmen besser ist, weiss niemand und ob die anderen Firmen jemanden haben wollen, ebenso wenig.

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    1. Wie wäre es denn, das Gehen als Chance zu betrachten. Wenn denn der Kunde eine individuelle Beratung, einen schönen schnuckeligen Buchladen will, dann macht ihn doch auf. Schnappt euch ein paar Kollegen und eröffnet den Buchladen, von dem Ihr glaubt das die Kunden ihn wollen. Wenn es keine Krise im stationären Buchhandel gibt, sollte das doch kein Problem sein. Aber dann wäre man ja Unternehmer, das kommt von etwas unternehmen. Ständiges Beklagen gehört nicht dazu.

      Ein Unternehmen in der Krise ist leider kein Wohlfühl-, rund-um sorglos Paket mehr.

      Ach ja, vielleicht hat NH ja etwas übertrieben, aber ich sehe sie zumindest jedes Weihnachten an der Kasse bei uns im MPL und Mitarbeiterabende habe ich auch schon erlebt. Ich hätte an ihrer Stelle auch keinen Bock mehr die ganze Zeit das Gejammer zu ertragen.

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  11. Ach, Anonym antwortet Anonym, Anonym widerspricht Anonym, Anonym gibt Anonym recht - ist das immer dieselbs Person, die sich da mit sich selbst ausspricht? Leute, gebt Euch doch einen Namen.

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