Mittwoch, 26. Januar 2011

Ausbildung kostet, Hugendubel spart

Die Ausbildung junger Frauen und Männer kostet viel Geld, so behaupten es manche Firmen.  Geld, welches nicht zum Fenster hinaus geschmissen wird, sondern gut in Fachkräfte investiert ist.
Auch im Buchhandel gibt es verschiedene Möglichkeiten in die Ausbildung zu investieren.
So gibt es die Möglichkeit, Auszubildende zu  Seminaren des Börsenvereins zu entsenden, welche eine herausragende Qualität haben, auch die Buchmessen und Verlagsbesuche ergänzen das Wissen.
Thalia begann im letzten Jahr, alle Auszubildenden an die kompetenteste Buchhändlerschule Deutschlands zu schicken, nach Frankfurt Seckbach. Blockunterricht, Campusbuchhandlung, Bibliothek und Lehrer aus der Branche verteilen hier das know-how.
Also nach den vielen kleineren Buchhandlungen kam Thalia und jetzt zieht Hugendubel nach.
Unsere Azubis gehen nach Seckbach!!!
Sie müssen es sich nur leisten können!

Denn anders als andere Buchhandlungen will Hugendubel dafür nicht alle Kosten übernehmen. Insgesamt müssen die Azubis 1500€ selber zahlen. Bei einem monatlichen Nettogehalt von unter 500€ im ersten Lehrjahr ist dies nicht wenig. Da Hugendubel ausschließlich ältere Azubis einstellt, wohnt auch niemand mehr bei den Eltern, eine Miete muss parallel bezahlt werden. Einen Zwischenmieter für 8-10 Wochen zu finden erscheint auch eher unrealistisch. Hugendubel spart, warum auch Geld in die Ausbildung investieren, Hugendubel bildet für den Arbeitsmarkt und nicht für sich aus. Übernahmen gab es seit Jahren nicht mehr, abgesehen von denen die Hugendubel laut Gesetz übernehmen musste.

Ein anderes Beispiel: Derzeit fahren einige Azubis nach Leipzig um dort am Berufsschulunterricht teilzunehmen, darunter Azubis aus Berlin. Wird bezahlt, denken manche, falsch: Hugendubel setzt die Azubis in Leipzig auf die Straße, obdachlos.
Denn: Hugendubel übernimmt die Internatskosten von Montag bis Freitag, außerdem zahlt Hugendubel jeweils eine Hin- und Rückfahrt pro Berufsschulblock. Blöd nur, dass ein Berufsschulblock 3-4 Wochen dauert. An den Wochenenden zwischendurch sind die Azubis in Leipzig gestrandet, das Internat hat geschlossen. Die Azubis müssen sich entweder auf eigene Kosten ein Hotelzimmer buchen oder  aus eigener Tasche die Bahn bezahlen. Da kommt in drei Jahren einiges zusammen.

Kommentare:

  1. Und,weiter? Ich musste beide Berufsschulblöcke selbst bezahlen. Meine damalige Firma zahlte gar nichts.
    Da gabs keine empörten Artikel. Da habe ich "einfach" bezahlt- was alles andere als einfach war.
    So ein Theater darum kam mir auf jeden Fall nicht in den Sinn. Ich wäre froh gewesen wenn meine Fa. einen Teil übernommen hätte...

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  2. @anonym
    Wenn du es damals geschafft hast: Glückwunsch!

    Die Azubis müssen mit dem Geld auch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ich bin Azubi bei Hugendubel und mein Gehalt wird vom Staat aufgestockt, ich könnte mir 1500€ nicht leisten, ich bekomm kaum das Geld für die Monatskarte zusammen.

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  3. Korrektur:
    Das Internat in Leipzig hat am Wochenende NICHT geschlossen, es gibt ein kleines Haus, welches allerdings nur begrenzte Aufnahme-Kapazitäten hat für Azubis, deren Heimweg zu weit weg ist, vorzugsweise in Selbstversorgung zur Verfügung steht.
    Und worauf beziehen sich die 1500 Euro Selbstbeteiligung? Pro Jahr?
    Seckbach bietet definitiv ein umfangreicheres Umfeld, auch wenn Leipzig sehr aktiv ist, genau wie andere Berufsschulen der Republik - ich denk da z.B. an München. Berlin ist als Berufsschulstandort eher durch negative Erzählungen aufgefallen.
    Seckbach ist somit für die Azubis genial. Vielleicht könnte man den Azubis ein Info-Blatt zusammen stellen, wo sie sich zusätzliche Unterstützung holen könnten (Wohngeld, Azubi-BaFöG)?

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  4. Seckbach ist genial. Die 1500€ beziehen splitten sich in je 750€ pro Block Verpflegungskosten. Also insgesamt 1500€. Hugendubel sollte den Azubis die Wahl lassen, ob sie an eine staatliche Berufsschule oder nach Seckbach wollen.
    Zu Leipzig: Auch das kleine Haus zur Selbstversorgung kostet die Azubis Miete, die Plätze reichen knapp für 1/3 der Nachfragen! das eigentliche Internat hat geschlossen.

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  5. Finde die Idee mit dem Info-Blatt genial. Das wäre doch was für die JAV, oder?
    Wenns wirklich Möglichkeiten gibt, für Azubis staatliche Unterstützung für die Ausbildung zu bekommen, sollten sie es wissen.

    Klar, man kann jetzt sagen: sucht Euch die Infos doch selber raus. Aber wenn die JAV sowas machen würde, vereinfacht das sicher für viele die Arbeit und dann ist allen geholfen.

    Also, JAV: werdet aktiv!

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  6. Auch der praktische Teil der Ausbildung in den Filialen ist dringend reformbedürftig. Vergleiche mit anderen Buchhandelsunternehmen fallen für Hugendubel wenig schmeichelhaft aus.

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  7. Zum neuen Berufsbild Buchhändler:

    http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/01/26/aus-prinzip-offen.htm

    http://www.boersenblatt.net/411337/template/bb_tpl_sortiment/

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  8. @azubi:
    auch ich musste damals meinen Lebensunterhalt bestreiten ;-)
    Ich bekam kein Geld vom Staat.
    Allerdings kann es gut möglich sein, dass das Leben damals etwas günstiger war, ebenso die Kurse in Seckbach. Das weiß ich nicht mehr.

    Aber meine Ausbildung war mir das wert.

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  9. Nur weil man Angebote des Staats zur Unterstützung annimmt, bedeutet das ja nicht, daß einem die Ausbildung nichts wert ist. Ich denke, das hast Du damit auch nicht gemeint.

    Ich war damals "ahnungslos", was solche Sachen anging und wäre froh über solche Infos gewesen.

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