Donnerstag, 1. März 2012

iPad? iPhone? iBetriebsrat!

Apple-Betriebsrat gegründet

Kürzlich wurde in München der erste Apple-Betriebsrat bundesweit im Einzelhandelsbereich gegründet (in der Apple-Zentrale gibt es schon länger einen). Grund genug für die Infoblog-Redaktion, dazu mit Victoria Sklomeit, ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel, ein Kurzinterview zu führen.

Infoblog: Die Beschäftigten im Apple-Store in der Münchener Rosenstraße haben den ersten Betriebsrat bei Apple Deutschland gegründet. Wie kam es dazu?

Victoria Sklomeit: Es gab ein paar Apple-Beschäftigte, die wohl relativ unzufrieden waren mit einigen Dingen bei Ihrem Arbeitgeber und dann haben sie bei ver.di angerufen und einen Termin mit uns gemacht mit dem Ziel einen BR zu gründen. Nach den ersten Gesprächen war dann klar, dass wir einen Wahlvorstand wählen...


Infoblog: Was sagst Du zum ganzen Medienhype? Wenn bei Weltbildplus ein Betriebsrat gebildet wird, ruft bei Dir vermutlich höchstens jemand von der Branchenpresse an, oder?

Victoria Sklomeit:  Der Medienhype hat mich selbst sehr überrascht. Ich dachte nicht daß eine Betriebsratswahl solche "Wellen schlagen" würde. Aber gerade ist das öffentliche Interesse an Apple generell sehr groß, schon auf Grund der Arbeitsbedingungen bei Zuliefererfirmen in China und der Probleme in den Stores in Amerika, die erst vor Kurzem aufgedeckt wurden. Ich schätze, dass das natürlich auch mit ein Grund ist warum das Interesse derart groß ist.


"Einfach mal fragen, ob es einen Betriebsrat in meinem Supermarkt um die Ecke gibt!"


Infoblog: Wenn es um schlechte Arbeitsbedingungen bei Apple ging, dann war bislang allenfalls von den Zuständen in den chinesischen Fabriken die Rede (ohne die Situation in Deutschland damit gleichsetzen zu wollen). Sollten sich die KäuferInnen dieser Produkte nicht viel mehr ihrer Verantwortung als Konsumenten bewußt werden?

Victoria Sklomeit:  Ich denke es ist grundsätzlich wichtig, dass KäuferInnen bei allem was sie einkaufen etwas mehr hinterfragen. Es gab in letzter Zeit ja genug Beispiele (auch außerhalb von Apple) für schlechte Arbeitsbedingungen besonders im Ausland, aber auch in Deutschland. Die KonsumentInnen haben die Möglichkeit sich zu entscheiden welche Produkte sie erwerben und damit auch Einfluss auf die Arbeitsbedingungen zu nehmen. Einfach mal im Geschäft fragen in welchem Land das T-Shirt genäht wurde, woher die Rohstoffe in dem Smartphone stammen das ich kaufen möchte oder ob es einen Betriebsrat in meinem Supermarkt um die Ecke gibt. Ich denke dieses Interesse der Kundinnen und Kunden würde schon viel bewirken.


Infoblog: In den USA haben sich die Angestellten der Apple-Einzelhandelssparte 2011 zur Apple Retail Workers Union zusammengetan. Was ist an weiterer betrieblicher bzw. gewerkschaftlicher Organisierung in Deutschland geplant? Folgen weitere Apple Stores?

Victoria Sklomeit:  Ich hoffe, dass sich durch das Medieninteresse weitere Menschen aus Apple-Stores bei uns melden und sich trauen ebenfalls einen Betriebsrat zu gründen. Toll wäre natürlich wenn wir irgendwann einen Gesamtbetriebsrat hätten und am Besten natürlich eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen.


Infoblog: Wir danken Dir für das Gespräch!"

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