Mittwoch, 29. Februar 2012

Offener Brief an die Bischöfe

Weltbild-Beschäftigte schreiben an Weltbild-Gesellschafter


Seit Montag tagt die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg. Wie auch wir bei Hugendubel mit unseren 400 Karten an Kardinal Marx haben sich die Beschäftigten von WELTBILD mit einem Offenen Brief an die Gesellschafter in Erinnerung gebracht. Unterschrieben haben stellvertretend für die Belegschaft 18 Mitglieder des Betriebsrats und ver.di-Vertrauensleute. Hier dokumentieren wir den Offenen Brief im Wortlaut.


Bitte nehmen Sie unsere Sorgen ernst und schenken Sie uns und unseren Familien eine sichere Zukunft!



Hochwürdige Exzellenzen, sehr geehrte Bischöfe,


die meisten von uns arbeiten seit vielen Jahren – zum Teil seit Jahrzehnten – für WELTBILD. In dieser langen Zeit haben wir alles gegeben, um aus einem kleinen Zeitschriftenverlag den Marktführer im deutschen Buchhandel zu machen.

Wir respektieren Ihren Beschluss, die Verlagsgruppe WELTBILD zu verkaufen. Aber wir haben auch Angst: Angst um unsere Arbeitsplätze, Angst um die Sicherheit unserer Familien und Angst um die Arbeitsbedingungen, die wir als Mitarbeiter eines christlichen Unternehmens bisher hatten. Wir haben Angst um unsere Zukunft.

Deshalb verhandeln wir seit fast drei Monaten um einen Zukunftstarifvertrag, der unsere Leistung am Aufbau Ihres Unternehmens berücksichtigt. In vielen Punkten sind wir uns mit Ihrem Beauftragten, Herrn Carel Halff, schon einig: der Standort Augsburg soll erhalten bleiben, genauso Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Auch unsere Auszubildenden sollen übernommen werden. Das sind wichtige Fortschritte.

Bei dem wichtigsten Punkt – Beschäftigungssicherung – kommen wir dagegen gar nicht weiter. Die Geschäftsführung möchte sich angesichts schwieriger Marktbedingungen gern alle Wege offen halten und will nicht auf die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen verzichten. Das mag man aus unternehmerischer Sicht verstehen; die Menschen im Betrieb verstehen es nicht.

Wir haben WELTBILD aufgebaut. Wir sind sicher, dass Sie einen würdigen Käufer finden können, der den Kolleginnen und Kollegen bei WELTBILD für vier Jahre ihre Arbeitsplätze garantiert. Mag sein, dass Sie als Eigentümer unter diesen Voraussetzungen einen etwas geringeren Verkaufspreis erzielen. Aber wir meinen: Das haben wir uns in den letzten 30 Jahren verdient.

Bitte unterstützen Sie unser Anliegen und machen Sie Ihren Einfluss gegenüber dem Aufsichtrat und der Geschäftsführung geltend. Wir brauchen einen Zukunftstarifvertrag, der diesen Namen verdient.



Vergelt’s Gott und herzliche Grüße von

2100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei WELTBILD





Die Infoblog-Redaktion dankt den Kolleginnen und Kollegen von Weltbild für die Überlassung des Artikels, der am Montag im Weltbild-Verdi-Infoblog erschienen ist.
http://weltbild-verdi.blogspot.com/2012/02/offener-brief-die-deutsche.html

Kommentare:

  1. Aha, bei Weltbild also läuft das ganze mal wieder vorbildlich über Betriebsräte UND engagierte Kollegen UND Verdi-Tarifkommission: alle gemeinsam! Bei Hugendubel kommt mir das so vor, als sind da ein paar Leute in der Tarikommission und im Blog aktiv. Aber sonst: die große Masse der Kollegen? Und der Betriebsrat? Warum taucht der bei uns nicht auf? Was meint Ihr, wozu haben wir Euch gewählt?

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  2. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sowohl der Betriebsrat als auch sein Vorsitzender engagiert und kämpferisch arbeiten!!!

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    1. ...aha und was hat es bisher gebracht? Nichts!!! Der Betriebsrat sollte lieber mal überlegen wie er in der Filiale helfen kann, um die Umsätze abzusichern und nicht dauernd auf irgendwelchen Seminaren sich rum treiben!

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    2. @05:36

      ...und was tust du für die umsatzsicherung?
      wer schuld auf andere schiebt hat sie vorher auf sich geladen!
      die br´s kämpfen um unsere jobs und inflationsgerechtigkeit!
      keiner von uns hat sich die hausordnung ausgesucht und irgendwie funktioniert sie ja auch nicht.
      die waffe des br ist information und dazu gehören schulungen!
      unsere waffe ist gute arbeit, welche umsatz bringt und protest, damit wir unsere arbeit gut machen können (arbeitsbedingungen und so...job des br).
      augen auf beim argumentelauf!

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  3. Der Betriebsrat ist kein Manager.
    Da kennt wohl jemand die Aufgaben der BRs nicht.

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  4. @Anonym 5:36

    Mund halten, Arbeit verrichten, GL-Anweisungen ausführen, keine Fragen stellen:

    Diese Strategie funktioniert in dieser Firma schon seit zehn Jahren nicht mehr. Frag mal nach bei den KollegInnen in Nürnberg/Ludwigsplatz, Kassel-Citypoint, Berlin/Tauentzien oder wetzlar nach. Weitere werden folgen.

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