Mittwoch, 7. Dezember 2011

Um Himmels willen! Noch ein Gremium?!

 Der Konzernbetriebsrat – Warum wir ihn jetzt besonders dringend brauchen

In kleinen Unternehmen gestaltet sich die Lage in Sachen Mitbestimmung zumeist recht übersichtlich: es gibt einen Betrieb und (hoffentlich) einen Betriebsrat. Hat das Unternehmen mehrere Betriebe (z. B. im Einzelhandel mehrere Filialen) und mehrere gewählte Interessenvertretungen, bilden diese einen Gesamtbetriebsrat. Sind schließlich mehrere Unternehmen in einem Konzern zusammengeschlossen, kann sich ein Konzernbetriebsrat konstituieren.

Ein solcher existiert bei unserer Konzernmutter DBH seit Herbst 2009 und vereinte bis vor kurzem BR-KollegInnen der DBH-Warenhaus (ehemalige Karstadt-Buchabteilungen), von Hugendubel, Weiland, Weltbild Plus und Wohlthat. Vorsitzender ist derzeit Uwe Kramm (GBR Hugendubel), stellvertretende Vorsitzende ist Antje Krüger (ebenfalls Hugendubel).


Der Konzernbetriebsrat - Gegenseitige Unterstützung

Ein Konzernbetriebsrat (KBR) ist in erster Linie eine Plattform zum Austausch von Informationen und zur Koordination gemeinsamer Aktionen. Grundsätzlich gilt: Was auf Betriebsebene entschieden werden kann, wird auch dort – also vom eigenen Betriebsrat – geklärt. Der KBR ist den anderen Gremien nicht übergeordnet und gar weisungsbefugt. Er kann Beschlüsse der BR/des Gesamtbetriebsrats nicht toppen.

Seit es den DBH-Konzernbetriebsrat gibt, sind wir in Sachen Stärkung der Betriebsratsstrukturen ordentlich vorangekommen: bei Weiland gibt es jetzt einen Gesamtbetriebsrat und bei Weltbild Plus/Jokers beginnt das zarte Pflänzchen Mitbestimmung immer kräftiger zu blühen.

Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns auf Basis einer festen Plattform regelmäßig austauschen, wechselseitig gute Lösungen für die jeweilige BR-Arbeit nutzbar machen und uns tatkräftig gegenseitig unterstützen. Es hat sich also in jedem Fall gelohnt, Zeit in dieses Gremium zu investieren.

Was allen Akteuren jetzt erst richtig bewusst geworden ist: dem Konzernbetriebsrat fehlte bisher ein wichtiger Teil. Und das waren die BetriebsratskollegInnen von Weltbild in Augsburg! Der Konzern umfasst nämlich nicht nur die DBH (wie sich auch in der täglichen Praxis immer wieder zeigt), sondern besteht aus dieser und dem Weltbild-Verlag zusammen.

Als hätten wir schon geahnt, wie wichtig dieser Schritt sein würde, hat sich Ende Oktober deshalb der erweiterte KBR Weltbild/DBH zum ersten Mal getroffen.


Der große Knall

Kurze Zeit später schlug dann die Nachricht vom bevorstehenden Weltbild-Verkauf wie eine Bombe ein.
Weil dieser mit Sicherheit über Augsburg hinaus Folgen haben wird, kommt dem Konzernbetriebsrat jetzt eine noch wichtigere Rolle zu.

Zum einen, um über ihn parallel zum BR Weltbild alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, die sich für die Betriebsräte im Verkaufsprozess ergeben.

Zum anderen werden wir gemeinsame Aktionen planen, um die Forderung nach einem Zukunftstarifvertrag zu unterstützen und mitzuhelfen, Arbeitsplätze zu sichern.

Dazu wird es Anfang Januar die nächste Sitzung geben.
Womit unsere Frage vom Anfang noch einmal klar beantwortet ist.


Kommentare:

  1. Und was passiert bis Anfang Januar? Jetzt ist Weihnachtsgeschäft, jetzt könnten wir richtig Druck machen!

    In Augsburg ist richtig was los, da findet schon diesen Montag die nächste Betriebsversammlung statt! In der riesigen Schwabenhalle, mit Bustransfer! Mit den Bischöfen von Augsburg und München! Lest nach im Weltbild-Verdi-Blog.

    Und wir? Wir hängen total mit drin in diesem riesigen Kirchenkonzern, der gerade verkauft wird und bei uns passiert so gut wie gar nichts!!!

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  2. Der Sozialtarifvertrag ist doch jetzt brandaktuell für uns. Bei Weltbild geht es soeben um genaudasselbe, heißt dort bloß anders: Zukunftstarifvertrag.

    Divided we fall, united we win!!!

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  3. Vollkommen richtig!
    Bei unseren KollegInnen sind ja immer wieder Befürchtungen zu hören, wir seien längst Weltbild. Ich habe den Wunsch, dass wir möglichst bald so weit wie die Weltbild-Leute sind!

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  4. Fragen einer arbeitenden BuchhändlerinMittwoch, 7. Dezember 2011 um 20:37:00 MEZ

    Die Etablierung eines Konzernbetriebsrates ist dringend notwendig und war überfällig. Trotzdem bleiben für mich offene Fragen. Vielleicht kann sie ein betriebsrat/eine Betriebsrätin, die diesen Infoblog liest, beantworten. Am besten vielleicht die Kollegin aus Berlin oder der Kollege aus München, die von Hugendubel im KBR sind (was ist eigentlich mit Weiland, Wohlthat, Schmorl, Ganghofer?):

    1. Wann gibt es vom BR in Berlin, München oder anderswo eine Stellungnahme zum Weltbild-Verkauf?

    2. Wann ist in Berlin, München oder anderswo eine Betriebsversammlung geplant, wo auch der Weltbild-Verkauf Thema ist?

    3. Werden auf Betriebsversammlungen in berlin, münchen und anderswo dann auch die zuständigen katholischen Bischöfe eingeladen, um Rede und Antwort zu stehen?

    4. Welche Maßnahmen sind geplant, um bei Hugendubel einen Sozialtarifvertrag durchzusetzen?

    5. Fallen darunter auch Arbeitskampfmaßnahmen?
    (eine Frage an die STV-Kommission)

    6. Werden die Betriebsrätinnen und Betriebsräte diesmal geschlossen eine STV-Kampagne unterstützen? (Bei der "Farbe bekennen"-Aktion hat sich nur eine Minderheit der BR daran beteiligt. Ich meine hier übrigens nicht eine bloße Unterschrift,sondern ein deutlich sichtbares und aktives Eintreten)

    7. Wie verträgt sich die aktuelle Situation und die zukünftig notwendigen Maßnahmen zur verteidigung der ArbeitnehmerInnen-interessen mit einem Verfahren wie der Mediation?


    So viele Fragen.
    Wer antwortet?

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  5. Du erwartest Antworten? Von Berliner Betriebsräten? Die genau dieselbe Informationsschiene fahren wie die GL? Nada, Rien, NÜSCHT?
    Sorry, aber die Aushänge des Berliner Betriebsrats sind nicht da! In den Filialen findet kein Austausch mit der Belegschaft statt! Was machen die eigentlich an ihren Tagen, an denen sie frei gestellt sind???????????????

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  6. Aktionen zur Durchsetzung des Sozaltarifvertrags hat es zumindest in München ja schon einige gegeben (Warnstreik im Juli, im Herbst der Brief an Kardinal Marx) und unsere Münchner Betriebsräte standen voll dahinter. Unsere GL kann sich bequem zurücklehnen, solange das Interesse der KollegInnen höchstens lauwarm bleibt.
    Was wollt ihr von den Betriebsräten zum Weltbild-Verkauf hören? Natürlich sind sie dagegen, dass der Konzern zerschlagen wird. Selbstverständlich werden sie kämpfen, wenn es um den Erhalt von Arbeitsplätzen geht.
    Aber bleiben wir mal auf dem Boden: Sollen sie der GL drohen? Soll es im Weihnachtsgeschäft Betriebsversammlungen geben, wenn zu den normalen schon ach so viele Hugendubler Lust hatten? Wenn man den Mund spitzt, muss man auch pfeifen können.
    Ich setzte darauf, dass wenn bei Weltbild die Post abgeht, auch bei uns die Dinge in Schwung kommen werden.

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  7. @arbeitende Buchhändlerin
    Du stellst exakt die richtigen Fragen. Danke!

    @Anonym 21:19
    "Ich setzte darauf, dass wenn bei Weltbild die Post abgeht, auch bei uns die Dinge in Schwung kommen werden."
    Von nichts kommt nichts. Der BR spielt hier eine zentrale Rolle. Am Warnstreik haben auch nicht wahnsinnig viele teilgenommen, trotzdem war er wichtig. ich habe den Eindruck, dass ein Teil des BR sich hinter Mediation und Dialog verstecken will. Das können wir uns aber nicht mehr leisten. Der BR ist gefordert. Beginnen kann man Information der Belegschaft. Hier tut sich nichts. Warum? Auf was wollt ihr warten?

    Augsburg agiert. München reagiert.

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