Mittwoch, 31. August 2011

Nur noch Weltbild in Wetzlar: Spaß und Lügen bei der DBH – oder: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“

Foto: wallguenter



Wie Maximilian Hugendubel, Thomas Nitz und Carel Halff (u.a.) es mit der Wahrheit halten.


DBH/Hugendubel macht nach Lust und Laune die Läden dicht, grad so wie es Halff mal eben passt (respektive dem AugsburgerRenditeKalkül / catholic-WELTBILD-controlling) – völlig ungeachtet früherer Beteuerungen und Versprechen. 


Zunächst zum Adenauer-Spruch: 


"Wat kümmert mich ming Jeschwätz von jestern?"



"Janz-so-mächtich" wie Konrad A. ist Carel H. nicht, aber der kölsche Spruch dürfte ihm als niederländisch-deutschen Grenzgänger (falls nicht gar aus früheren Tagen schon vertraut) irgendwann mal aus der nahen KatholischRheinischenKarnevalsHochburg entgegengehallt sein.  
  

Jedenfalls: er hat ihn sich zu eigen gemacht – und dann (von Berufs wegen) ins schwäbisch-schwarze Augsburg weiter transportiert - zur WELTBILD-Keimzelle „Winfriedwerk“. 
Spätestens zu DBH-Gründungs-Zeiten wurde der Slogan dann an den Münchner Halff-Zögling Max H. sowie dessen komplette TraditionsBuchhandelsLeitungsCrew (und dort mit Bestimmtheit auch an Thomas N.) weitergereicht. 


Jetzt, im August 2011, war nun – ganz im Widerspruch zum „gestrigem DBH-Geschwätz“ Wetzlar dran: 
Buch Habel in Wetzlar. 


Es geht hier um eine derjenigen Buchhandlungen, die 2006 in den DBH-Konzern aufgenommen worden waren: damals mit der vollmundigen Ankündigung, Buch Habel werde als neu gewonnener gleichwertiger Partner von Hugendubel und Weltbild (von nun an sozusagen „DBH-gestärkt“) erfolgreich und selbständig weiter wirtschaften können, einer goldenen Zukunft entgegen.


Das DBH-programmatische DoublePack-Halff/Hugendubel-BöBla-Interview  
"Zwei Arten von Spaß" 
 enthielt dann eine Vielzahl von unzweifelhaft als zynisch zu wertenden Statements der beiden DBH-Topmanager (der Nummer Eins C.H. - sowie der Nummer Zwei M.H.); darunter auch folgende Aussage:

"Wir führen mit vielen Buchhändlern Gespräche und suchen Augenhöhe".

 

Was dagegen mit der DBH-Definition von „Partnerschaft auf Augenhöhe“ tatsächlich gemeint war, zeigte sich bereits wenig später: 2008 wurde Buch Habel zu 100 Prozent von der DBH geschluckt und der DBH-Marke „Hugendubel“ komplett einverleibt (die Geschäftsleitung des Habel-Segments wurde übertragen an Thomas Nitz). 


"DBH stockt Anteil an Buch Habel auf 100 Prozent auf

Die DBH Buch Handels GmbH & Co. KG erhöht ihren Anteil am Darmstädter Traditionsunternehmen auf 100 Prozent / Keine Auswirkungen auf Beschäftigte / Name und Konzept von Buch Habel bleiben bestehen"


so hieß es in der Presseverlautbarung



und weiter ging es im Text: 


„Buch Habel bleibt Buch Habel. 
Denn die regionalen und traditionellen Eigenheiten jedes Partners stellen im Buchmarkt große Werte dar, auf die wir nicht verzichten möchten. 
Die Kunden sollen nach wie vor ‚ihren’ Buchhändler in ihrer Heimatstadt besuchen.“ 


Doch ohne Atempause ging's ganz unverfroren voran im großen DBH-Lügen- und Einverleib-Reigen:


Zunächst war jetzt erst mal der Verlust von (Habel-)Arbeitsplätzen „en masse“ angesagt: das „große Aufräumen“ in den DBH-Betriebsteilen überrollte Weltbild  – und nach einer initialen Habel-Schrumpf-Aktion standen auch bald schon die bundesweiten Hugendubel/Habel-Massenentlassungen auf der Tagesordnung der DBH (2009).


2010 ist es dann komplett vorbei mit dem gerade erst verkündeten „Buch Habel bleibt Buch Habel“: 

Der Name Habel verschwindet jetzt vollständig aus der Buchhandelslandschaft – wo einst mal Habel drin gewesen war (und wo inzwischen de facto DBH/“Hugendubel“ schon längst Einzug gehalten hatte), da stand jetzt (vollzogen zum Jahreswechsel 2010/2011) draußen überall – ganz wahrheitsgemäß - auch “Hugendubel“ drauf! 


Schluss – und Aus – mit Habel  


Übrig geblieben waren nur wenige ganz besonders unliebsame „Verlierer“-Kandidaten, die es nicht mal für wert befunden worden waren, wenigstens vorübergehend noch mit dem glorreichen „Hugendubel“-Namenszug verziert zu werden.


Nun sind wir also definitiv bei Buch Habel in Wetzlar angelangt: einer derjenigen Habel-Filialen, die die DBH ganz und gar nicht mehr gewollt hatte / behalten wollte; deren Aus stattdessen schon seit Längerem „beschlossene Sache“ war.


Und in Wetzlar wartete man nun nicht mal mehr das Monatsende ab – sondern machte den gesamten Laden schon zehn Tage früher dicht (20.August 2011). 


So war dann vorletzten Samstag „Der allerletzte Tag“ für die Wetzlaer Habel-Belegschaft; um 20 Uhr ging die Ladentür „für immer“ zu; und alle, denen kurz zuvor noch „das Blaue vom DBH-und-Hugendubel-Himmel“ versprochen worden war, die waren nun endgültig „nach draußen befördert“ worden.  


Ob und wie unsere Wetzlaer Habel-Kolleg/innen künftig anderswo Arbeit haben oder finden werden: das schert die GL-Besatzung ganz offensichtlich recht wenig.


Die Blog-Redaktion protestiert gegen solch unlauteres und verantwortungsloses Verhalten; sie klagt die DBH-Verantwortlichen an – und wünscht den betroffenen Kolleg/innen genügend Kraft und Ausdauer zum Weitermachen bzw Neuanfang!  


Eine telefonische Kurz-Umfrage in der Wetzlaer Buchhandelsszene erbrachte zumindest den Hinweis auf die eine (oder vielleicht sogar auch zweite) eventuell derzeit zu besetzende (Teilzeit-)Stelle für Buchhändler/innen – außerhalb der DBH!


Und vom großen DBH-Augenhöhen-Verbund verbleibt in Wetzlar einzig der Weltbild-Laden: wohl ein "Modellfall" für einige weitere DBH-Standorte: Hugendubel-Filiale wird dicht gemacht - Weltbild reicht!?


Zum DBH-Konzept passt im Übrigen der ganz und gar un-rühmliche (und äußerst un-ethische) Auszug aus einer Stadt mit einer keineswegs unbedeutenden literarischen Tradition:


Wetzlar dient als literarischer Schauplatz - hier reicht der Bogen von Peter Untuchts Roman „Zwei hinterm Limes“ (2002) zurück bis zu Goethes „Die Leiden des jungen Werther(s)“ (1774).


„Wie froh bin ich, daß ich weg bin!“ lautet der Eröffnungssatz des Werther – dies würden wir nur allzu gerne aus dem Munde des DBH-Top-Managements vernehmen: 
bezogen auf den eigenen Verbleib auf hochdotierten Leitungsposten eines Unternehmens, welches den teilweisen Niedergang des deutschprachigen Buchhandels ebenso wie die Gefährdung und Zerstörung von Hunderten von Buchhandels-Arbeitsplätzen zu verantworten hat.  

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Zur Erinnerung:

„Ihre Aufforderung zur Verhandlung eines Sozialtarifvertrags habe ich erhalten. Die „dringliche Notwendigkeit im Hinblick auf drohende Filialschließungen“ kann ich nicht erkennen"

(Thomas Nitz)

Kommentare:

  1. Was bleibt uns denn noch außer Streik für den STV?
    !!!

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  2. Ihr solltet besser endlich einmal selbst mit gutem Beispiel vorangehen und wirklich Verantwortung zeigen, anstatt denjenigen zu bekämpfen, der Euch Arbeit gibt (also Euern Arbeitgeber!) und der Euch das Gehalt zahlt!!
    Streiken ist ja nun wirklich das Allerletzte!!!
    Denkt Ihr eigentlich gar nicht an Eure Mitmenschen?!?
    Und eine unrentable Filiale muß einfach geschloßen werden, zum Wohl der gesamten Firma und ihrer Angestellten!!

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  3. @Anonym 15:30

    "Streiken ist ja nun wirklich das Allerletzte!!!" - Streik ist ein im Grundgesetz garantiertes Recht.

    "Denkt Ihr eigentlich gar nicht an Eure Mitmenschen?!?" - Ich denke derzeit vor allem an die demnächst arbeitslosen KollegInnen in Berlin.

    "wirklich das Allerletzte" - seit zwei Jahren werden wir in Sachen STV von der GL hingehalten (ver.di, STV-Kommission, Gesamtbetriebsrat, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter) - deshalb ist JETZT wirklich die Zeit für Arbeitskampfmassnahmen gekommen: STREIK!

    "endlich einmal selbst mit gutem Beispiel vorangehen" - genau! Ich hoffe daher, dass DU beim nächsten Streik mit dabei bist und nicht andere die Kastanien für Dich aus dem Feuer holen lässt (die letzte Gehaltserhöhung hast Du docvh auch kassiert, oder? von ver.di verhandelt).

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  4. Wann geht es denn endlich mal los mit unserem Pro-STV-Streik? Worauf warten wir denn eigentlich immer noch?

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