Montag, 29. August 2011

Die Zukunft von Hugendubel (16): Ich bleibe hier

Oft hört man hier im Blog und auch im persönlichen Gespräch mit den KollegInnen den Satz „Dann kündige halt!“, wenn man sich über die schlechte Stimmung und die aktuelle Entwicklung in der Firma beschwert. Aber ist eine Kündigung tatsächlich die einzige Möglichkeit, die einem bleibt, wenn man unzufrieden ist mit dem, was bei Hugendubel passiert?
In unserer 16. und zugleich auch letzten Folge unserer Montagsreihe „Die Zukunft bei Hugendubel“ gehen wir dieser Frage nach und beantworten sie auch gleich: Nein! Eine Kündigung ist nicht die einzige Möglichkeit. Gemeinsam für eine bessere Arbeitssituation zu kämpfen und somit an einer Verbesserung für alle zu arbeiten, ist auch ein Weg.



„Warum bist Du überhaupt noch hier, wenns Dir nicht mehr gefällt“, „Geh doch, wenn Du meinst, dass es woanders besser ist“ und „Selbst schuld, dass Du noch hier bist.“ Diese und ähnliche Kommentare gab es hier im Blog immer wieder, wenn einmal mehr über unhaltbare Zustände im Arbeitsalltag berichtet wurde oder über Fehlentscheidungen der Geschäftsleitung. Sobald man kritisiert, kommt wie aufs Kommando auch schon der anonyme Kollege angelaufen, der einem empfiehlt, sich gefälligst anderswo umzusehen, wenn man mit der Situation hier unzufrieden sei. Kündigung scheint der einzige Ratschlag zu sein, der Kolleginnen und Kollegen gegeben wird, wenn man kritisiert, auf Missstände hinweist oder Mut zur Kritik hervorbringt. 


Aber was ist das für eine Firma, wo einem als einziger Ratschlag die Kündigung gegeben wird? Sind wir tatsächlich schon so weit, dass es bei Hugendubel heißt: „Kuschen oder gehen“?


Nicht mit jeder Kritik kann von dem kritisierenden Mitarbeiter gleich eine Ersatzlösung gefunden werden, nicht für jeden Missstand gleich eine Alternative. Aber sollte es nicht trotzdem erlaubt sein, auf diese Kritik und den Missstand hinzuweisen? Sollte eine Firma nicht dankbar dafür sein, MitarbeiterInnen zu haben, die sich eigene Gedanken machen und versuchen, das Bestmögliche sowohl für die Firma als auch für die KollegInnen zu erreichen? Wie hieß es in unseren Schulungen zum Professionellen Umgang mit Kunden doch gleich? Jede Beschwerde ist eine Chance!


Die Frage, die ich mir stelle ist die:  warum wird mir jede Kritik, die ich an der Firma vorbringe, gleich als Hochverrat ausgelegt? Wann sind wir in dieser Firma an dem Punkt angelangt, an dem von mir nur noch erwartet wird, zu funktionieren, Entscheidungen ohne Wenn und Aber zu akzeptieren und keinesfalls aufzumucken? Wie kann es sein, dass mir selbst Kollegen und Kolleginnen, die die rosarote Brille noch nicht abgesetzt haben und weiterhin standhaft jede Entscheidung der Geschäftsleitung verteidigen, nur eine Kündigung als Lösung empfehlen können?


Kann das wirklich sein? Ist Kündigung tatsächlich die EINZIGE Lösung? Warum kündige ich eigentlich nicht wirklich und suche mir einen neuen Job? 


Ich bin lange genug in der Firma, um noch die Zeiten erlebt zu haben, als man stolz war, bei Hugendubel als Buchhändler zu arbeiten und man sich mit der Firma identifiziert hat. Diese Zeiten sind für mich und auch für viele meiner KollegInnen mittlerweile vorbei, doch heißt das nicht, dass ich nicht trotzdem noch Spaß an meiner Arbeit habe. Ja, ich bin nicht mit allem zufrieden, was bei Hugendubel passiert. Erst wurde die Einkaufskompetenz aus den Abteilungen in die Büros verlagert (und von dort Schritt für Schritt in die Zentrale nach München), dann blieb vom Gehalt, schon immer nie wirklich hoch, am Monatsende immer weniger übrig, weil zwar die Kosten stiegen, aber nicht das Einkommen. Und schließlich wurden reihenweise Filialen geschlossen und Mitarbeiter gekündigt. 


Aber: trotzdem ist Buchhändler mein Traumberuf und ich genieße die wenigen positiven Erlebnisse, die ich mit dem Job mittlerweile verbinde, umso mehr.
Eines ist mir dabei ganz klar: eben weil ich meinen Beruf liebe und ihn gerne ausübe, werde ich niemals kampflos danebenstehen, wenn ich merke, dass irgendwas falsch läuft. Ich werde immer wieder kritisieren und auf Missstände hinweisen. Eben genau, weil ich diesen Job liebe.
Und dann kann mir noch so oft  ein „Kündige halt, wenns Dir nicht gefällt“ entgegengeschleudert werden. Nein! Ich kündige nicht! Im Gegenteil! Ich kämpfe für meinen Job und ich kämpfe dafür, die Situation, in der wir Mitarbeiter bei Hugendubel gerade stecken, zu verbessern. Ich lasse mir nicht sagen, dass ich die Firma doch verlassen soll, nur weil mir etwas nicht passt. Mag sein, dass andere da so kreativlos wären und für sich keine Alternative neben der Kündigung sähen. Aber nur, weil sich andere nicht vorstellen könnten, für etwas zu kämpfen, weil ihnen etwas daran liegt, muss das nicht auch für mich gelten. 





Dies ist die letzte Folge unserer Reihe „Die Zukunft bei Hugendubel“
In insgesamt 16 Beiträgen haben wir uns über die verschiedensten Themen unsere Gedanken zur Zukunft der eigenen Firma und der Buchbranche allgemein gemacht. Wer die Reihe nochmals nachlesen möchte, kann dies ganz einfach tun. Unter http://hugendubelverdi.blogspot.com/search/label/Zukunft  haben wir alle Beiträge zusammengefasst.

Kommentare:

  1. Ich denke auch dass man nicht gleich kündigen muss. Jedem soll gestattet sein auf Dinge hinzuweisen und zu kritisieren. Und trotzdem habe ich auch schon gesagt: dann geh doch.
    Und zwar wenn:
    - hier von Kollegen geschrieben wird dass für sie die Zustände absolut unhaltbar sind
    - dass sie nur in Angst und Schrecken leben
    - dass sie unterdrückt werden
    - etc.

    Dann, wenn man dieses Gefühl hat, sollte man wirklich gehen.
    Und dieses Gefühl wurde hier in den Kommentaren so massiv beschrieben, dass eigentlich tatsächlich eine Kundigung die einzige Möglichkeit ist. Wer aber kämpft- klar warum nicht?
    Nur dieses Dauergenörgel wie aus der Maschinenpistole. Das nervt einfach. Wenn wirklich kein gutes Haar mehr an der Firma gelassen werden kann. Dann frage ich tatsächlich: warum gehst du nicht?

    Aber berechtigte, konstruktive Kritik sollte immer vorgebracht werden dürfen, ohne dass man gleich empfohlen bekommt, zu gehen.

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  2. Nun muß man einfach auch bedenken, dass dieser Blog nicht dazu da ist, die Firma in höchsten Tönen zu loben. Es ist klar, auf was hier abgezielt wird: die Missstände aufzudecken und zu kritisieren.

    Ein "Dauergenörgel wie aus der Maschinenpistole" kann ich nicht erkennen. Aber dass hier verstärkt kritisiert und nicht gelobt wird, sollte klar sein. Schließlich kommt der Blog von Verdi und nicht von der GL. Für Firmenwerbung ist Verdi nicht zuständig.

    Und mal davon abgesehen gibt es einfach auch viel zu kritisieren.

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  3. Vielleicht ist Kritik gelegentlich auch möglich, aber: wer hört schon zu? Bzw: in das eine Ohr rein...
    Gibt es noch Vorgesetzte, die sich für Kritik oder Anregungen interessieren? Vielleicht hört man zu, damit mal der Druck ein wenig sinkt, Dampf abgelassen werden kann. Mehr geschieht dann aber nicht.
    Und bei grundsätzlichen Entscheidungen, bei Kritik an dauernder Unterbesetzung der Filialen und den Folgen etc. wird einfach dicht gemacht. Oder die kritikübenden Mitarbeiter als Nörgler denunziert.

    Es verhält sich ähnlich wie mit der Kritik der Kunden, die auch ausgesessen wird. Irgendwann ist der unhaltbare Zustand der Normalzustand, man rechnet mit einem Gewöhnungseffekt.

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  4. Dieser Infoblog ist eine gewerkschaftliche Kommunikations-Plattform f. Hugendubel- (und DBH-) MitarbeiterInnen und kein Propaganda-Blaettchen wie der Seitenblick.

    "Irgendwann ist der unhaltbare Zustand der Normalzustand, man rechnet mit einem Gewöhnungseffekt." Genau darum geht es: die Bedingungen verschlechtern sich seit Jahren und wir sollen alles stumm schlucken. Jede Form von (konstruktiver) Kritik dringt nicht mehr nach oben durch, bzw. wird aus Opportunismus von den unteren und mittleren Fuhrungskräften erst gar nicht mehr geäussert.

    Damit hat dieser Blog aufgeräumt, und zwar grundlich. Und das ist gut so.

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  5. Es gibt bei Hugendubel Vorgesetzte, denen gegenüber man besser keine Kritik an der Unterbesetzung übt und auch nicht darauf hinweist, daß die Arbeitsqualität darunter leidet. Sie reagieren darauf nämlich grundsätzlich, indem sie die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in Zweifel ziehen und ihm oder ihr nahelegen, über einen Stellen- oder Jobwechsel nachzudenken. Wer Kritik übt, gilt schlicht als überfordert.

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