Freitag, 13. Mai 2011

Erfolgreiche Streiks bei Dehner Gartencenter in Bayern

12. Mai 2011

Begeisterung und große Beteiligung gab es bei den Streikaktionen der Beschäftigten der Dehner Gartencenter für ihre existenzsichernde Tarifbindung.
Im Dehner Gartencenter Königsbrunn nahmen die Beschäftigten morgens ihre Arbeit auf und gingen dann um 10.00 Uhr aus dem laufenden Geschäft in den Streik.
In Bayern sind die Dehner Gartencenter in Kempten, Kaufbeuren, Memmingen, Neu-Ulm, Senden, Augsburg, München-Trudering und Königsbrunn in den Streik getreten. Die Streiks werden voraussichtlich bis Samstag fortgesetzt.



 
 
Der Gesamtbetriebsrat Dehner Gartencenter GmbH & Co. KG fordert: Wir brauchen den Schutz des Tarifvertrags und keine „betrieblichen Bündnisse“


Auch im letzten Gespräch zwischen Vertretern des Dehner Gesamtbetriebsrats und der Dehner Geschäftsleitung, zur Lösung des Konfliktes hinsichtlich der Tarifflucht des Unternehmens, gab es keine Annäherung.
Alle bislang geführten Gespräche gehen einzig auf die Initiative der Arbeitnehmervertreter zurück. „Wir haben der Unternehmensleitung Gespräche angeboten, um Wege und Möglichkeiten zu erörtern, die uns zurück in die Tarifbindung führen“, sagt Thomas Loihl, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der größten Gartencenterkette in Deutschland. Loihl weiter,

„Es wurden uns so genannte >betriebliche Bündnisse< vorgeschlagen. Solche Vereinbarungen geben den Beschäftigten aber keinerlei Rechtssicherheit. Wir brauchen den Schutz eines Tarifvertrags“.

Die möglichen Inhalte von innerbetrieblichen Vereinbarungen wurden in allen bislang geführten Gesprächen überhaupt nicht angesprochen.

Die Arbeitnehmervertreter fordern weiterhin die Rückkehr zum branchenüblichen Tarifvertrag, während die Geschäftsführung Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di über einen Tarifvertrag weiterhin strikt ablehnt.
Gerhard Feda, ist Betriebsratsvorsitzender der Dehner Unternehmenszentrale in Rain am Lech. Er ärgert sich darüber, dass die Beschäftigten bei Dehner schlechter behandelt werden als andere Einzelhandelsbeschäftigte. „Wir sind doch keine Beschäftigten 2. Klasse! Die Beschäftigten bringen enorme Leistungen für deutlich weniger Einkommen und zu unsicheren Arbeitsbedingungen“, sagt Feda.

Unsichere Vereinbarungen in Form betrieblicher Bündnisse lehnt auch der Betriebsratsvorsitzende aus Königsbrunn, Thomas Gürlebeck, strikt ab. „Dehner war nie in der Krise. Das Gerede der Geschäftsführung über eine Notwendigkeit zum Tarifausstieg wegen der Wirtschaftskrise verärgert mich. Gesicherte Mindesteinkommen und Arbeitsbedingungen sind für meine Kollegen/innen elementar wichtig und für Dehner ohne weiteres machbar“, so Gürlebeck.

Auch der Kemptner Betriebsratsvorsitzende, Joachim Weiland, erklärt: „Dehner hat mit seiner Tarifflucht das betriebliche Miteinander empfindlich gestört. Die Beschäftigten haben Angst um Einkommen, Arbeitsbedingungen und die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze“.
Alle Versuche mit der Geschäftsführung vernünftig darüber zu reden sind gescheitert. „Die Dehner Unternehmensleitung hat immer wieder betont, dass manden Beschäftigten nichts wegnehmen will. Wer das wirklich ernst meint, kann den Tarifvertrag wieder anwenden“, so Weiland.

„Die Behauptung der Dehner Geschäftsleitung, dass wir eine vorgeschlagene Schlichtung vollkommen abgelehnt hätten, kann man so wohl nicht stehen lassen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende, Reinhold Merkl aus dem Dehner Markt in Augsburg. „Wenn aber von vorne herein eine Rückkehr zum Tarifvertrag kategorisch ausgeschlossen wird, dann macht eine Schlichtung ja wohl wenig Sinn...“


Hintergrundinformationen:
 
Die Unternehmensleitung hatte am 20. März 2009 die Tarifbindung bei allen regionalen Einzelhandelsverbänden durch eine so genannte OT-Erklärung (OT = Ohne Tarifbindung) gekündigt.
 
Dies wurde dem Gesamtbetriebsrat und den Beschäftigten aber erst 5 Monate später, nach der Landesgartenschau in Rain am Lech und nach Abschluss der Tarifrunde im Einzelhandel, am 20. August 2009 mitgeteilt.
Die Beschäftigten bei Dehner sind seit März 2009 ohne Tarifvertrag und mussten zwischenzeitlich erhebliche Einkommensverluste hinnehmen. Neu eingestellte Mitarbeiter/innen erhalten deutlich verschlechterte Arbeitsbedingungen.
Mit vielfältigen Aktionen haben die Dehner-Beschäftigten immer wieder ihrer Forderung nach Existenzsicherung durch Tarifverträge Nachdruck verliehen. Auch Kunden solidarisierten sich in Emails, Briefen und Leserbriefen. Mit einer Protestkartenaktion der Gewerkschaft ver.di, an der sich mehr als 30.000 Kundinnen und Kunden solidarisiert haben, wurde der Protest gegen die Tarifflucht fortgeführt.
 
Mittlerweile gibt es ein breites Bündnis an Solidarität für die Beschäftigten in ihrem Kampf um für geschützte Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge, welches von den Arbeitnehmerorganisationen der katholischen und evangelischen Kirche, anderen Gewerkschaften und Betriebsräten wichtiger Betriebe am Stammsitz des Unternehmens und auch darüber hinaus, unterstützt wird.
In der Frühjahrssaison 2010 zeigten die Beschäftigten mit über 80 Streikaktionen bereits ihre Entschlossenheit im Kampf um die Tarifbindung. Anfang April 2011 nahmen die Beschäftigten die Streikaktionen wieder auf und haben diese auch über das Osterwochenende 2011 fortgeführt. Die Beschäftigten bei Dehner haben damit im Saisongeschäft weiterhin ihre Forderungen unterstrichen und deutliche Zeichen gesetzt.
 
Zwischenzeitlich hat der Gesamtbetriebsrat die Unternehmensleitung immer wieder zu Gesprächen über die Wiederherstellung der Tarifbindung aufgefordert. Dazu gab es insgesamt 3 Gespräche, die leider ohne Ergebnis geblieben sind.
 

Unter der Internetadresse www.dehner-verdi.blogspot.com können aktuelle Ereignisse, sowie die Meinung der Beschäftigten eingesehen werden.

 
Quelle:

http://www.handel.bayern.verdi.de/

Kommentare:

  1. "Erfolgreich" bedeutet dass man etwas erreicht hat. In diesem Artikel wird nur beschrieben was alles nicht funktioniert. Was also war nun der Erfolg?

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  2. Erfolgreich bedeutet:
    es hat funktioniert einen Streik zu organisieren
    Erfolgreich bedeutet auch:
    an diesem Streik haben viele Beschäftigte teilgenommen. Viele sind für ihre Interessen auf die Strasse gegangen.
    Das ist ein Erfolg.

    Der große Mut und die Ausdauer der Beschäftigten nicht aufzugeben, kann nur gelobt werden

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  3. Achso. Dann habe ich das missverstanden.

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  4. Das Verhalten des Dehner-Managements erinnert m ich irgendwie an die Haltung der Hugendubel-GL zum Sozialtarifvertrag: die Gewerkschaft rauskicken, weil man angeblich lieber mit dem BR verhandeln will; den BR dann über Monate hinhalten und höchstens ein armseliges Angebot unterzeichnen wollen. Die KollegInnen von Dehner haben darauf die einzige richtige Antwort gegeben: STREIK! Und was machen wir?

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  5. Liebe Hugendubel Kolleginnen und Kollegen,

    ich kann Euch nur dazu ermutigen für Eure Interessen vor den Betrieb zu gehen. Wir bei Dehner streiken ja nicht zum Spaß, sondern weil wir unseren Tarifvertrag ganz dringend zurück haben wollen!
    Euer Interesse an vernünftiger Entlohnung und vernünftigen Arbeitsbedingungen dürfte da wohl ganz ähnlich gelagert sein. Also Herz in die Hand nehmen und kämpfen!

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