Montag, 17. Oktober 2011

Kuschelparty oder Polterabend?


Wer wird schon „poltern“, wenn er zu einem Abendessen mit der Geschäftsleitung eingeladen ist und in harmonischer Gesprächsrunde angenehme Fragen stellen darf?
„Kusche(l)n“ trifft da wohl eher zu!

Keine Ahnung, wovon hier die Rede ist?



In verschiedenen Münchner Filialen fanden auf Einladung der Geschäftsleitung Gesprächsabende mit  anschließendem Buffet statt. Schon im Vorfeld bestand die Möglichkeit, Themen oder konkrete Fragen einzureichen und sich zur Teilnahme anzumelden.

Eher enttäuschend waren die Teilnehmerzahlen aus der Belegschaft:
  • Marienplatz: 25-30 MitarbeiterInnen
  • Stachus: 25-30 MitarbeiterInnen
  • Fünf-Höfe: 12 MitarbeiterInnen
  • Olympiaeinkaufszentrum: 8 MitarbeiterInnen
Gesichter, die man auf Betriebsversammlungen nie sieht rundeten das Gesamtbild ab; 
KollegInnen, die nie auf innerbetriebliche Veranstaltungen kommen, haben auch hier gefehlt. 
Man hat das Gefühl, dass sich Interesselosigkeit breitmacht, oder wie ein Kollege es formuliert: „Politikverdrossenheit“.  

Über folgende Themen wurde gesprochen:
  • Multichannel
  • Umbaupläne
  • Renovierungsarbeiten
  • Zentralisierung allgemein und im speziellen in der Sortimentsgestaltung
  • Regelbesetzung (1 Frage am Stachus)

Keine Fragestellungen kamen zu den Themen:
  • Filialschließungen
  • Personal
  • Arbeitszeiten und Regelbesetzung
  • Wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Die Leute, die im Vorfeld angekündigt hatten, wie sie der Geschäftsleitung kräftig „einschenken“ werden, sind nicht gekommen oder haben den Mund nicht aufgetan.
Die anwesenden Betriebsräte haben zum großen Teil auch geschwiegen, was aber auch daran liegen kann, dass dies nicht ihre Veranstaltung war.

In naher Zukunft folgen noch GL-Abende für 2 weitere Münchner Filialen, wobei in einem Fall bekannt ist, dass es einen Fragenkatalog mit ca. 15 Fragen an die Geschäftsleitung geben soll.

Über die Inhalte einer weiteren, schon erfolgten Zusammenkunft zwischen GL und Abteilungsleitern ist (noch) nichts bekannt.

Sehr Werbewirksam haben sich die Abende ausgewirkt, denn an den nächsten Tagen war die neue freiwillige „Hugendubel-Dienstkleidung“ in einigen Filialen verstärkt im Einsatz und dies ist nicht auf erhöhten Alkoholkonsum am Vorabend zurückzuführen.

Es bleiben die (ebenso) wichtigen personellen Fragen unbeantwortet und ich schließe meinen Bericht (ohne Gesprächsinhalte) mit einem großen Fragezeichen:


Bildmontage: wallgünther

Kommentare:

  1. Tja aber DA kann nun die GL tatsächlich nichts dafür.
    Außerdem finde ich es gut dass sie solche Abende anbietet. Täte sie es nicht würde ihr mangelndes Interesse etc vorgeworfen. Dass die Mitarbeiter feige sind, dafür kann die GL nichts.

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  2. Zwei Fragen?

    - Hugendubel Dienstkleidung? Seit wann? Wie? Warum?

    - Finden diese Buffets nur in Münchemn statt? Ohne den Münchener Kolleginnen und Kollegen zu nahe treten zu wollen - das ist nicht der Nanbel der Welt. Ist geplant, auch in den nördlichen Provinzen solche Abende abzuhalten?

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  3. Es war der Wunsch, den eine Kollegin auf einer Münchner Betriebsversammlung geäußert hatte, doch einmal solche Abende durchzuführen. Dem ist die Geschäftsleitung jetzt nachgekommen. Es wurde auch des öfteren der Wunsch geäußert, dass die GL die Nähe zum "Fußvolk" sucht.
    Stimme grundsätzlich zu, dass es gut ist, solche Abende anzubieten.
    Überspitzt ist die Formulierung "Hugendubel-Dienstkleidung". Tatsächlich gibt es rote T-Shirts, mit Werbung drauf und dem zusaätzlichen Effekt, der Erkennbarkeit im Laden. Das Tragen der T-Shirts ist freiwillig.
    Ob, wann und wo noch weitere Abendveranstaltungen mit der Geschäftsleitung stattfinden ist nicht bekannt. Selbst in München war es nicht so einfach an Informationen zu kommen, wann und wo was stattfindet.

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  4. Ich finde es schade, dass hier wieder einmal so eine Negativpropaganda betrieben wird. Ich kann mich wallgüntherfreund nur anschließen und rechne es der GL an, dass sie in unserer Filiale war und ein offenes Ohr hatte.

    Ich kann nachvollziehen, dass einige Kolleginnen und Kollegen nicht dabei waren. Für einige es eben ein zusätzlicher Aufwand nach Feierabend nochmal in die Filiale zu kommen oder auch zu bleiben.

    Übrigens waren die letzten Betriebsversammlungen in Summe auch nicht besser besucht, obwohl diese während der Arbeitszeit statt fanden...

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  5. Es ist positiv, wenn die Gl den Kontakt mit dem Arbeiter sucht, der für sie das Geld verdient. Doch bleibt bei allen Kolleginnen und Kollegen immer eine große Skepsis übrig. Es ist in den letzten Jahren zu viel schlecht gelaufen. In Unternehmenskommunikation muss unsere GL noch sehr viel lernen.

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  6. ""Gesichter, die man auf Betriebsversammlungen nie sieht rundeten das Gesamtbild ab -- KollegInnen, die nie auf innerbetriebliche Veranstaltungen kommen, haben auch hier gefehlt""

    Es gibt einfach sehr viele Leute die noch trennen können zwischen Beruf mit Arbeitszeit und den dazugehörenden Pflichten und Aufgaben und dem Privaten. Die ihr Leben ab dem Moment des Arbeitszeitendes selbst gestalten und für "Endgeltfreie Zusatzgeschichterl" keine Lebenszeit geben wollen. Egal ob von GL oder Verdi organisiert!

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  7. @ wallgünthersfreund

    Besten Dank! Diese Shirts als Dienstkleidung zu bezeichnen, wäre mir in der Tat nicht in den Sinn gekommen. Damit bleiben Anspruch und Ernsthaftigkeit doch etwas auf der Strecke. Geht eigentlich nur im Mall-Sonderverkauf o.ä.
    Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, für welch seltsamen Dinge wieder Geld investiert werden soll, das anscbeinend nicht da ist (Hugendubel-Westen oder so)
    Dann warten wir Nichtbayern also ab, ob wir Lebenszeit für "Zusatzgeschichterl" investieren wollen. Würde ich nämlich tun. Obwohl ich keine Ahnung habe, was "Geschichterl" in der lokalen Mundart für Konnotationen haben mag.
    Nochmal danke für die Aufklärung :-)

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  8. @Buchhändler

    "die noch trennen können zwischen Beruf mit Arbeitszeit und den dazugehörenden Pflichten und Aufgaben und dem Privaten."

    Betriebsversammlung ist einmal im Quartal.
    "Wer sein "Leben ab dem Moment des Arbeitszeitendes selbst gestalten" will, d.h. wer keinerlei Interesse für seine Kollegen, Abteilung, Filiale, oder Firma hat, braucht sich auch nicht zu wundern, wenn dann so mit ihm umgesprungen wird, wie mit ihm/ihr umgesprungen wird.

    Das Desinteresse vieler Kolleginnen und Kollegen ist das eigentlich Erschreckende.

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  9. Das Desinteresse vieler Kolleginnen und Kollegen ist das eigentlich Erschreckende.

    So nicht - das eigentlich Erschreckende ist, daß immer mehr Kolleginnen und Kollegen überhaupt nicht anders mehr können und wollen, als sich permanent für die Firma aufzuopfern. Deren Gedanken permanent um H. kreisen, die Montags völlig fertig aus einem WE kommen, weil die nur an H. gedacht haben und einem ihre Gedanken erzählen müssen. Solagne es H. als Arbeitgeber gibt ist das OK, Gehalt ist am 30. auf dem Konto. Sollte das mal nicht mehr so sein, dann findet sich auch wieder ein anderer Arbeitgeber. Aber mehr als die übertragene Aufgabe korrekt zu erfüllen, gibt es nicht. Kein Zusatzgedanke und keine Zusatzzeít.

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  10. @Fliegenpilz
    "Geschichterl" sind kleine, nette aber völlig belanglose Begebenheiten über die man sich nachdem sie passiert sind gern unterhält

    Gruß in den Norden

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  11. Das Desinteresse vieler Kolleginnen und Kollegen ist das eigentlich Erschreckende

    Noch als Ergänzung: Wieviel mehr entsprechen die angeblich "Interessierten" dem Bild eines für die Wirtschaft brauchbaren Arbeitnehmers ohne familiäre und persönliche Ansprüche, im Gegensatz zu denjenigen Arbeitnehmern, die auch ein Familien- und Privatleben haben und auch darauf auch bestehen. Eigentlich sollte sich doch jedes Verdi-Mitglied für eine Sicherung des privaten Leben gegen die permanente Verfügbarkeit einsetzen

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  12. Logisch, dass die GL nicht die nächsten Filialschliessungen im Kreise einzelner Belegschaften ausdiskutieren mag.
    Auch logisch, dass niemand aus der Belegschaft auf den Tisch schlägt und sich alles von der Leber redet, was uns täglich gegen den Strich geht. Es sei denn, es würde reichlich Alkohol gereicht auf einem solchen Abend.
    Wenn aber die GL dem Wunsch einzelner Mitarbeiterinnen nachkommt und so einen Abend anbietet, ist das doch eher ein gutes Zeichen.
    Denjenigen in den Belegschaften, deren Gedanken immer um die Firma kreisen und die nicht einmal am Wochenende abschalten können, muß natürlich anders geholfen werden. Da muß professionelle Hilfe her. Wobei Hugendubel dabei keine unrühmliche Ausnahme bildet. Dieses Leiden nimmt überall mehr zu.

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  13. @Buchhändler

    Ich wüsste nicht, dass der Besuch einer Betriebsversammlung (während der Arbeitszeit!)alle drei Monate oder eines GL-Abends einmal in 10 Jahren zum sofortigen physischen und psychischen Zusammenbruch führen soll.

    Wer Tag und Nacht an die Firma denkt und nicht mehr schlafen kann, sollte vielleicht psychotherapeutsiche Hilfe in Anspruch nehmen oder den Job wechseln.

    Ich bleibe dabei: das Desinteresse der KollegInnen in dieser Firma an ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen scheint mir das Hauptproblem zu sein. Bestes Beispiel: die grösste Filiale in Berlin macht dicht und man kann sich nicht mal zu einem symbolischen Mini-Warnstreik von einer Stunde aufraffen.

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  14. ""Bestes Beispiel: die grösste Filiale in Berlin macht dicht und man kann sich nicht mal zu einem symbolischen Mini-Warnstreik von einer Stunde aufraffen.""
    Was soll ich sagen - der "Drops ist gelutscht" und statt der Vergangenheit hinterherzulaufen ist es sinnvoller in die Zukunft zu sehen. Unter der Fragestellung: Wo kommt der nächste Job her? - Will ich weiter Buchhandel machen oder die Branche wechseln? - Will ich in Berlin bleiben - oder doch woanders mein Glück versuchen? und ähnliches

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  15. @Ebenfalls Buchhändler
    Buchhändler und BerlinerRegaleinräumer haben doch recht. Warum soll man denn die noch vorhandenen Energiereserven für irgendwelchen Aktionismus verbraten. Demos und Streiks für und gegen alles ist politisch korrekt und entsprechend gefördert. - Wer voller Wut und Frust steckt kann sich dabei auch mal austoben, aber für diejenigen Arbeitnehmer, für die Arbeit und Arbeitsplatz nur noch eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, bringt das überhaupt nichts. Ich war auch lange Zeit engagiert, war bei jeder Betriebsversammlung, war BR-Mitglied, hab Streiks unterstützt und und. Jetzt zähle ich die Jahre bis zur Rente und wenn ich Samstag ordentlich im Lotto gewinne ist mein Arbeitsplatz Montag neu zu besetzten.

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  16. @NochArbeitnehmer

    "ist politisch korrekt und entsprechend gefördert": mir ist nicht bekannt, dass die Führung der DBH dies tut.

    "kann sich dabei auch mal austoben": hier geht es nicht um "austoben", sondern um das Verteidigen der wenigen Rechte, die wir noch haben.

    "Ich war auch lange Zeit engagiert": vielleicht solltest Du Dich mal wieder engagieren anstatt Eskapismus und schlechte Stimmung zu verbreiten.

    "Jetzt zähle ich die Jahre bis zur Rente": ich muss bis zur Rente noch solange arbeiten, dass das mit dem Zählen nichts wird.

    "wenn ich Samstag ordentlich im Lotto gewinne":
    ich spiele kein Lotto.

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  17. Die Resignation z.B. unter den Berliner Kollegen und Kolleginnen ist schockierend; hier herrscht Fatalismus, selbst unter den Führungskräften. Auch eine Kuschelparty der GL würde hier nichts mehr bewirken, da der Vertrauenverlust bereits zu groß ist.
    Vielleicht ist es hier nicht wirklich Desinteresse an den eigenen Arbeitsbedingungen, sicher aber Mutlosigkeit und fehlende Zuversicht, etwas bewegen zu können - und von den Vorgesetzten fühlen sich die meisten im Stich gelassen.

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  18. Realistisch betrachtet, ist es für uns alle höchste Zeit, sich nach einem anderen Job umzusehen. Die Tage von Hugendubel als klassische Buchhandlung mit großem Buchsortiment und qualifiziertem Personal sind endgültig gezählt. Intern machen sich nicht einmal mehr Führungskräfte die Mühe, dies zu leugnen.

    Niemand glaubt weniger an die Zukunft des Buches und des Buchhandels als unsere GL. Aber es ist auch absurd, sich eine Lösung von der Neuausrichtung als Spielwarenhändler oder Downloadanbieter zu versprechen. Egal, mit wem man spricht - es überwiegen die Zweifel. Der ganze Aktionismus von wegen Multi-Chanelling und Non-Book-Welten wirkt wie ein letztes hilfloses Sich-Aufbäumen im Angesicht des Medienwandels. Und eines ist bei allen perspektivischen Planungen offensichtlich: Wir Buchhändler stören nur noch.

    Angesichts dieser Situation kann ich es verstehen, wenn die meisten Berliner Kollegen sich nicht mehr groß für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen interessieren und einfach nur noch ihren Job machen wollen, solange die nächste Kündigungswelle noch nicht rollt. Wer nicht verdrängt, der steckt vorhandene Energien lieber in die Suche nach beruflichen Alternativen als in Gewerkschaftsarbeit, die am Ende doch fruchtlos bleiben muß, weil die GL am längeren Hebel sitzt.

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  19. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung in diesem Unternehmen gemacht, daß man jederzeit Kritik äußern kann und darf, solange sie sachlich vorgebracht wird. Leider habe ich selbst innerhalb meiner eigenen Kollegen festgestellt, daß Kritik auf gleicher Ebene nicht gerne geübt wird, sondern lieber um Ecken herum gemeckert wird oder der BR bemüht wird. Wie sollen Mitarbeiter konstruktive Kritik nach oben formulieren, wenn sie nicht einmal miteinander offen umgehen können?

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  20. kann es sein dass ihr vom thema abkommt?

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