Mittwoch, 13. November 2013

Buch-Laden statt Buch-Läden

Gestern erschien als "Kooperation von Focus und hugendubel.de" (!) das Focus-Spezialheft "Die besten Bücher 2013". Im Editorial versprach Chefredakteur Quoos die "schönsten, klügsten, unterhaltsamsten Bücher des Jahres". Heraus kam eine langweilige Melange aus Bestseller-Rezensionen, zudem wie bei Focus üblich, schlecht geschrieben. Quoos wies nicht nur darauf hin, daß das Heft "in den bundesweit 86 Filialen unseres Kooperationspartners Hugendubel angeboten" wird, sondern lobte auch die "Zusammenarbeit, bei der wir die Hugendubel-Mitarbeiter als exzellent informierte und leidenschaftliche Buchhändler kennen lernten".

Im Heft selbst ist davon nichts zu sehen: kein einziger Hugendubel-Mitarbeiter taucht mit einem Buch-Tipp auf. Das Heft ist auch nicht exklusiv bei Hugendubel erhältlich, wie das Editorial suggeriert, sondern ganz normal im Zeitschriftenhandel erhältlich. Dafür gibt es zwei große Werbeseiten, eine mit Werbung für den Tolino, der auch auf der Titelseite symbolkräftig über einem Bücherstapel thront - die andere Werbeseite verheißt "Buch-Laden leicht gemacht. Rund 1 Mio. eBooks sofort verfügbar!" Von den Buch-Läden und ihren MitarbeiterInnen ist nirgends die Rede. Warum auch? Es gibt doch die schöne, kluge, unterhaltsame Welt des Herunter-Ladens.

Der verantwortliche Focus-Literaturredakteur Wittstock, dem es bei dem Projekt "zu aller erst um die Qualität der Bücher" geht, verliert natürlich auch kein Wort über den seit vier Jahren andauernden Skandal, daß bei Hugendubel aus ideologischen Gründen tausende Bücher dem Kirchenfilter zum Opfer fallen.

Verrückte Welt der Bücher bei Hugendubel: die Kolleginnen und Kollegen werden in Verkaufs-Seminaren geschult und kämpfen um jeden Cent Umsatz, aber die GL verzichtet dank Kirchenfilter auf viel Geld und nimmt den Imageschaden achselzuckend in Kauf. Erotik-Bestseller, die bei Amazon in den Top 100 gelistet sind, tauchen nicht auf, Kirchenkritiker werden wegzensiert und durch fromme Ersatz-Titel ersetzt.

Das unwürdige Trauerspiel geht mittlerweile in das vierte Jahr:

2010 wurde mit dem Übergang von Hugendubel.de auf die technische Plattform von Weltbild der Kirchenfilter installiert, seine Existenz gleichwohl offiziell immer bestritten.

2011 deaktivierte man nach Presseberichten den Kirchenfilter, um ihn klammheimlich nach einigen Monaten wieder zu aktivieren.

2012 gab sich Hugendubel-Personalchef Nitz auf einer Betriebsversammlung ahnungslos.

2013 ließ er die ihm auf der Betriebsversammlung in München vom Betriebsrat gestellte Frage vorsichtshalber unter den Tisch fallen. Die Belegschaft schien dies auch nicht weiter zu interessieren. Aber warum sollen sich KollegInnen, die sich nicht einmal für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze interessieren, ausgerechnet beim Thema Kirchenfilter kritische Fragen stellen?

Und 2014?

In diesem Infoblog erschienen bislang 27 Artikel zum Thema Zensur und Kirchenfilter bei Hugendubel.
Es ist zu befürchten, daß weitere folgen werden.


Kommentare:

  1. WTF ist Dein Problem? Das klingt doch nach einer schönen und für Hugendubel positiven Marketing-Aktion. Warum versuchst Du, das Unternehmen, für das Du "arbeitest", ins schlechte Licht zu rücken und kaputt zu machen? Was ist los mit Dir?

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    1. Das Kaputtmachen des Unternehmens schafft die Geschäftsführung ganz alleine, dazu bedarf es keiner Mitarbeiter.
      Und ich habe auch noch kein Unternehmen gesehen, welches an den Mitarbeitern zugrunde gegangen wäre.
      Die Ursachen dafür liegen beim Kopf, der bereits gewaltig stinkt.

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    2. Von den ebooks und dem Internet haben die Mitarbeiter in den Läden so gut wie nichts. Schon mal daran gedacht?
      Das Geld schöpft Weltbild ab. die Läden hingegen werden entweder verkleinert oder gleich ganz geschlossen. Das schizophrene dabei ist, wir in der Filiale sollen auch noch ständig fürs Internet werben und schaufeln uns damit das eigene Grab. Wir können uns darauf gefasst machen, dass in naher Zukunft nur ein Bruchteil der Filialen übrig bleiben wird

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    3. Freilich schadet diese Stimmungsmache einem Unternehmen. Wenn sich Kunden von ewig nölenden Kollegen wir Dir davon abschrecken lassen, bei ihnen zu kaufen, dann kann ein Unternehmen auf Dauer sehr wohl auch an den Mitarbeitern zugrunde gehen.

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    4. @ Mittwoch, 13. November 2013 15:50:00 MEZ

      Von eBooks und Internet haben aber die Kunden was. Schon mal daran gedacht?

      Wenn immer weniger Kunden gedruckte Bücher kaufen wollen, dann bringt es doch nichts, die Filialen als trotzige gallische Dörfer zu betreiben. Und ja, Du kannst Dich darauf gefasst machen, dass künftig nur noch ein Bruchteil der Filialen übrig bleiben wird. Aber das liegt nicht an der Unternehmensführung, sondern an den Kunden.

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    5. Und ob die Filialmitarbeiter dadurch ihre Jobs verlieren ist völlig egal, Hauptsache ich hab meine Arbeit, oder wie?

      Sorry, aber Deinen Kommentar kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Da hat man wohl wieder jemand Stiefelleckenden beauftragt irrwitzige Kommentare zu verfassen.

      Tut mir leid, ich muß lachen, das ist so lächerlich, dass es schon wieder lustig ist. Wenn jemand keine Ahnung von der Materie und der Situation hat, sollte er lieber den Mund halten.

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    6. @ Stefan P: der Kunde kann bei hugendubel.de so wie so nicht alles kaufen, was er möchte. Du vergisst die Zensur. Auch wenn er sich durch kritische Mitarbeiter nicht 'abschrecken' lässt, kann er bei uns sein Geld nicht loswerden, weil es bei Hugendubel schlicht und einfach nicht alle Bücher gibt. Tja, und wer ist daran Schuld?
      Der 'kritische' Mitarbeiter wohl kaum, sondern die Unternehmensführung!
      Das ist nicht wegzudiskutieren!

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    7. Vielleicht solltet Ihr dann nicht bei einem halbkirchlichen Unternehmen arbeiten, wenn Ihr mit dieser Tatsache nicht umgehen könnt. So läuft das eben. Beim Frauenbuchladen um die Ecke bekommt Ihr auch keinen Playboy. Beschuldigt Ihr diesen dann auch eines Feministenfilters?

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  2. Arbeiten ohne AnführungszeichenMittwoch, 13. November 2013 um 14:39:00 MEZ

    Der Artikel kritisiert die einseitige Ausrichtung auf eBooks und die Tatsache, dass die BuchhändlerInnen gar nicht vorkommen. Die seit 4 Jahren auf hugendubel.de stattfindende Kirchenzensur ist Wahnsinn, sowohl für das Image wie auch für den Umsatz der Firma. Kritik daran ist absolut legitim und notwendig. Duckmäusertum und Schönfärberei bringen uns jedenfalls nicht weiter.

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  3. Enagierte, aber nicht gehirngewaschene KolleginMittwoch, 13. November 2013 um 18:40:00 MEZ

    Lieber "Kollege" Stefan P.,

    der Anteil von Shades of Grey machte laut Nitz ca 3% vom Gesamtumsatz aus (Aussage 2012);
    schwachsinnige Kommentare auf der Homepage vergraulten potienzielle KundInnen, eine Kundin sagte verärgert, daß sie die Folgendebände woanders kaufen wird. Vina Jackson etc taucht überhaupt nicht auf.

    Ist hier ver.di oder der Blog schuld? Ich bitte um eine Antwort, "Kollege" Stefan P.!

    Die Firma verzichtet auf riesige Umsätze, gleichzeitig wird mit allen Mitteln versucht, Löhne zu drücken. Dieses unprofessionellen, chatischen und verlogenenen Kurs der GL lasse ich mir nicht bieten. Dagegen werde ich Widerstand leisten.

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    1. Was hast Du denn an dem Fakt, kirchliche Mitgesellschafter zu haben, nicht verstanden? Was erwartest Du denn z.B. vom Esoterik-Shop nebenan? Bist Du da auch so engagiert und forderst die Aufnahme von Papst-Biografien ins Sortiment? Überleg doch mal in einer ruhigen Minute (und davon hast Du ja scheinbar einige, denn Du hast ja kaum noch Kunden), was Du hier schreibst!

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    2. Engagierte, aber nicht gehirngewaschene KolleginMittwoch, 13. November 2013 um 21:59:00 MEZ

      Wo steht in meinem Arbeitsvertrag, dass für mich die Grundsätze der katholischen Kirche verbindlich sind?

      Wo ist das Statement der Gesellschafter oder der Geschäftsleitung von Hugendubel zu finden, in dem auf die Lehren der katholischen Kirche Bezug genommen wird?

      Warum wird auf der Hugendubel-Homepage Deschner oder Dawkins nicht verkauft, obwohl es laut Dr. Maximilian Hugendubel (Januar 2011) keinen Kirchenfilter gibt.

      Warum ist es möglich, dass auf buecher.de all dies verkauft wird, obwohl Weltbild dort mit 33% und demnächst mit 66% beteiligt ist?

      Im Gegensatz zum von Dir angeführten Esoterik-Shop versteht sich Hugendubel als universaler Anbieter; an diesem offiziellen Selbstanspruch messe ich die Firma.
      Du scheinst damit ja kein Problem zu haben. Aber genau wegen solchen kritiklosen Mitläufern wie Dir, die jeden Befehl der GL widerspruchslos ausführen, wurde die Firma, in der ich lange Jahr e sehr gern gearbeitet habe, an die Wand gefahren. Übrigens kann ich mich nicht über zu wenige Kunden beklagen, höchstens darüber, daß wir da, wo ich arbeite, total unterbesetzt sind.

      "„Dem Mitarbeiter darf aus einer Anregung, Beschwerde oder Kritik kein Nachteil erwachsen. Die Furcht vor ‚Revanche’ des Vorgesetzten unterdrückt Kreativität, Phantasie und Arbeitsfreude der Mitarbeiter; sie werden dann nicht mehr wagen, Kritik an bestehenden Zuständen zu üben und sich in Resignation zurückziehen. Ein solches Verhalten schadet dem Unternehmen und gefährdet seine Innovationsfähigkeit.“

      „Führungskräfte auf allen Ebenen sollten immer davon ausgehen, daß Mitarbeiter mit Kritik und Anregungen bestehende Zustände verbessern wollen. Durch unsachliches oder selbstherrliches Abkanzeln der Mitarbeiter werden gute Ideen im Keim erstickt – zum Schaden des Unternehmens.“

      DAS waren mal die "Unternehmensgrundsätze / Führungs- und Verhaltensgrundsätze
      der Buchhandlung Hugendubel".

      WAS IST DAVON HEUTE NOCH ÜBRIG GEBLIEBEN?

      Ein paar armselige Ja-Sager...

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    3. Dawkins ist in der Tat ein erschreckendes Beispiel. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, kann sich so einen Quatsch wie den Filter nicht leisten.
      Der normale Internetnutzer wird geradezu gezwungen, bei Amazon oder Thalia zu bestellen. Bei so einer Geschäftspolitik können wir uns wirklich nur noch die Sargnägel bestellen. Bei Amazon natürlich.

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  4. ich kann mich gut erinnern, dass es vor über einem jahr öfters dazu kam, dass kunden gesagt haben "dann bestelle ich bei amazon", als der zentrallagerfilter mal wieder wichtige titel nicht aufgenommen hatte...
    oder so sätze wie "das brauchen wir hier nicht" zu massiven umsatzeinbrüchen führte...

    naja, da, wo ich jetzt bin, bin ich glücklich: WOANDERS

    ich bin schockiert, dass es meinen ex-kollegen inzwischen noch beschissener geht

    lieber stefan p.: erst denken, dann posten! ach ja, ich vergaß...denken ist schwierig für die besserverdienenden...die müssen das ja nicht mehr

    by the way, in einem feministenbuchhandel würde frau natürlich den playboy bestellen, ohne diskussion, es geht ja um umsatz ;P

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    1. Kunden sagen laufend, dass sie was bei Amazon bestellen wollen, weil ihnen die Diskussion um die Arbeitsbedingungen dort, Umweltverschmutzung durch Over-Night-Kleinstsendungen usw. vollkommen schnuppe sind. Da sind fehlende Zentrallagertitel noch das kleinste Problem.

      Und wenn schon so fortschrittlich sein, dass Sie alles klein schreiben, dann bitte auch so fortschrittlich, von einem feministInnenbuchhandel zu sprechen...

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  5. @Anonym 13:17

    Ich habe völlig andere Erfahrungen gemacht: Kunden sagfen fast immer, dass sie bei Amazon Titel recherchiert haben, aber auf keinen Fall dort einkaufen wollen, weil sie diese Arbeitsbedingungen keinesfalls unterstützen wollen. Daraus könnte man eine Kampagne machen. Allerdings nicht, wenn bei Weltbildplus Hungerlöhne gezahlt werden und die Hugendubel-GL permanent mit Tarifflucht droht.

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