Dienstag, 2. Juli 2013

Keine Ruhe bei den Streiks im bayerischen Einzelhandel


Würzburg u.a. 02.07.2013. Im harten Tarifkonflikt um existenzsichernde Tarifverträge im bayerischen Einzelhandel sind heute eine Vielzahl von Orten und Betrieben vom neuen Streikhöhepunkt betroffen. Konkret aufgerufen werden die Beschäftigten von mehr als fünfzig netto Filialen in der Oberpfalz, Niederbayern und Beilngries sowie H&M und Kaufhof in Würzburg, das Zentrallager von H&M in Großostheim, H&M in Memmingen, Augsburg mit 2 Filialen und Regensburg, Kaufland in Bad Kissingen, Schweinfurt, Regensburg, real,- in Passau, Pfarrkirchen, Pocking, Regensburg, Pentling und Feneberg in Kempten sowie Dehner Senden und Neu-Ulm.
 
„Die Handelskonzerne müssen lernen, dass sie nicht Tarifpolitik mit der Brechstange auf dem Rücken der Beschäftigten betreiben können“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer.
 
„Gigantische Gewinne und fünf der zehn Reichsten in Deutschland kommen aus dem Handel. Auf der anderen Seite haben wir die meisten Aufstocker aus dem Handel, also Beschäftigte die von ihrer Arbeit nicht leben können. Das ist ein Skandal und muss geändert werden“, so Georg Luber, ver.di Streikleiter in der Oberpfalz.
 

„Die Arbeit der Beschäftigten wurde in den letzten Jahren so verdichtet, dass sie in den Spitzenzeiten auf dem Zahnfleisch aus der Arbeit kommen. Gleichzeitig haben sie real immer weniger in der Tasche. Deshalb sind die Angriffe der Konzerne ein Angriff auf die Substanz der Beschäftigten“, sagte Monika Linsmeier, ver.di Streikleiterin in Niederbayern.
 
„Was die Konzerne „Modernisierung“ nennen ist schlicht und ergreifend Gier nach immer mehr Profit, finanziert durch die eigenen Beschäftigten“, so Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken.
 
„Die Ausdauer der Beschäftigten in der bisherigen Tarifrunde und ihre Entschlossenheit verdient Respekt“, so Manuela Schraut, ver.di Streikleiterin im Allgäu
 
 
Hintergrund:
Tarifsituation Einzelhandel
Nach Beschäftigtenbefragungen, an der sich über 2.000 Beschäftigte des bayerischen Einzelhandels beteiligt haben, hat die Große Tarifkommission am 12. März folgende Forderungen für den bayerischen Einzel- und Versandhandels beschlossen:
·         die Erhöhung der Tabellen für die Löhne und Gehälter um 6,5 %, mindestens jedoch um 140 € im Monat,
·         die Erhöhung der Tabellen für die Auszubildenden um 90 € im Monat,
·         bei einer Laufzeit des neuen Tarifvertrages von 12 Monaten.
 
In der ersten Tarifverhandlung am 7. Mai lehnten die bayerischen Arbeitgebervertreter ein Angebot ab. Sie forderten stattdessen Eingriffe in die Schutzregelungen für die Beschäftigten bei der Arbeitszeit, Einschnitte bei der Bezahlung der Verkaufstätigkeiten, Kürzungen bei den Nacht- und Spätzuschlägen sowie Billiglöhne für die Beschäftigten der Warenverräumung.
 
In der zweiten Tarifverhandlung am 14. Juni beharrten die Arbeitgeber auf ihren Verschlechterungen und machten kein Angebot zu mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten.
 
Die Verhandlungen im Einzelhandel werden am 15. Juli in München fortgesetzt.

Kommentare:

  1. Wenn, wie hier vielfach gewünscht, jedem Asylsuchenden selbiges geboten wird, ohne nähere Prüfung, wird bald "real" noch weniger in der Tasche sein. Das alles kostet Geld, nicht zu glauben und auch nicht wahrhaben zu wollen, ist aber so.

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  2. Genau, BHV. Deswegen: TARIFERHÖHUNG! Damit "real" bald wieder mehr in der Tasche ist.

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  3. Wenn man nun ganz genau schaut, wäre das aber falsches politisches Handeln (jeden ohne Prüfung aufnehmen und dafür zahlen) austragen auf dem Rücken von Firmen (die die dadurch höheren Abgaben der Bürger durch Lohnerhöhung wett machen sollen)
    Kanns ja irgendwie auch nicht sein.

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  4. Teilweise merkwürdige Kommentare hier.
    Konkret geht es um die Kündigung der Tarifverträge durch die Arbeitgeber, um den Kampf um mehr Gehalt in einer Branche, wo die meisten ohnehin sehr wenig verdienen. Bei Hugendubel wurde mit Tarifflucht gedroht.
    Diese Entwicklung wird sich nur stoppen lassen, wenn sich mehr Kolleginnen und Kollegen gewerkschaftlich organisieren. Bei Weltbild ist das so, deswegen haben Sie die Lohnerhöhungen schon längst in der Tasche, erkämpft mit mehreren Tagen Warnstreik. Bei Hugendubel ist ein großer Teil der Belegschaft nicht bereit, für die eigenen Interessen sich zu engagieren.
    Es sollen immer andere für sie auf die Straße gehen (vgl. den Streik vom 6.7.) Mit dem Trittbrettfahrertum kommt man aber nicht weiter. Deshalb gab´s für uns auch nichts. Darüber sollte hier diskutiert werden.

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    1. Die Gewerkschaft kann auch nichts erzwingen und garantieren, taugt leider nicht als Weltformel ;) Ihr einziges Werkzeug ist Streik und das wirkt ab einem bestimmten Moment leider eher kontra produktiv!

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    2. Streiks sind kontraproduktiv? Das Gegenteil ist der Fall.

      Ein großer Teil der Weltbild-Belegschaft ist gewerkschaftlich organisiert und nimmt aktiv an Streiks teil. Resultat: der Entgelttarifvertrag ist längst abgeschlossen mit bis zu 1000 Euro für die Kollegen. Bei Hugendubel ist nur ein kleiner Teil gewerkschaftlich organisiert und nimmt kaum an Streiks teil. Resultat: kein ETV, NULL Lohnerhöhung.

      Alles andere ist Arbeitgeber-Propaganda.

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  5. Konkret sollte es in diesem Blog sowieso nur um hugendubel gehen. Als ich das vor jahren mal anbrachte wurde ich sofort niedergewalzt dass man das mit anderen Themen verknüpfen kann und muss. Also bitte. Da hast du nun ein anderes thema, welches ausserdem hier selbst vor einigen tagrn angebracht wurde und selbstverständlich damit zutun hat, wenn geklagt wird dass netto immer weniger bleibt. Nimmst du jeden Asylsucheneden bleibt immer und immet weniger netto.

    Aber die Konsequenz wird ausgeblendet, da heisst es, man solle bitteschön beim Thema bleiben.

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    1. Welche Themen in diesem Blog erscheinen bestimmst nicht Du, sondern die Blog-Redaktion, die den Grundwerten unserer Gewerkschaft verpflichtest ist. Dazu gehören Solidarität und Internationalismus. Dass dir das nicht passt, konntest du hier mehrfach äussern.
      Warum du dich in einem Gewerkschaftsblog darüber empörst, dass hier Gewerkschaftspositionen vertreten werden, weisst wahrscheinlich nur du allein.
      Dass die lohnabhängig Beschäftigten immer weniger Geld in der Tasche haben, daran sind mit Sicherheit nicht die Flüchtlinge schuld. Das möchten höchstens rechte Stammtische und Neonazis glauben machen. Wer Banken, Rüstungskonzernen und Hotelliers Geld hinterherwirft, hat keine finanziellen Probleme.

      Zu den Themen Arbeitskämpfe im Einzelhandel, Tarifflucht, Streik,etc hört man von dir nichts. Nicht mal heisse Luft.

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    2. Wie du darauf kommst weisst wiederum nur du :-)

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    3. Och, ich find die Gewerkschaftspositionen hier immer ganz interessant. Besonders, weil sie sich zum Teil keinen Deut besser ist als die Gegenseite gebahrt. Am Ende ist es doch egal, ob einer im Glashaus mit Steinen wirft oder im Steinhaus mit Gläsern.

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  6. Im deutschen Einzelhandel herrscht allgemein eine angespante Stimmung. Die Gewerkschaft Verdi hat innerhalb des laufenden Tarifstreits mit dem Handelsverband Deutschland weitere Streiks angekündigt. Deshalb könnte es in den kommenden Wochen zu Streik-Wellen im deutschen Einzelhandel kommen. Beide Kontrahenten stellen sich auf längere Verhandlungen ein. „80.000 Mitarbeiter haben bereits protestiert. (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/deutschem-einzelhandel-droht-streik-welle/ )
    Mal sehen, wie weit das geht und wie lang es schon wieder dauert.
    Gruß, W.

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    1. Die hier zitierte Seite Markt und Mittelstand ist laut Eigenaussage "die Pflichtlektüre für jeden mittelständischen Unternehmer". Die Klientel besteht aus "vorwiegend Unternehmensinhabern, Geschäftsführern und leitende Angestellten".

      Dass diese Herrschaften nichts von Gewerkschaft und Streik halten, dürfte klar sein.

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  7. Es dauert so lange, bis im Einzelhandel die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt ist und im Buchhandel bzw. bei Hugendubel ein Entgelttarifvertrag abgeschlossen ist.

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  8. Nachdem hier zunächst erst etwas verdruckst aus einem Magazin für mittelständische Unternehmer zitiert wird (hat man das in der Hilblestr. jetzt abonniert?), werden jetzt endlich die Karten auf den Tisch gelegt. Das Ergebnis war vorhersehbar:

    von Streiks wird abgeraten, Interessens-Unterschiede zwischen lohnabhängig Beschäftigten und Unternehmern bzw. Gewerkschaft und Arbeitgebern geleugnet, ein Entgelttarifvertrag höchstens zu GL-Konditionen gewährt(falls nicht sowieso gleich Tarifflucht begangen wird, und so weiter und so fort.

    Dass ein Unternehmer solche Positionen vertritt, ist nachvollziehbar; dass er sie seiner Belegschaft schmackhaft machen will, ebenfalls.
    Kritisch wird es nur, wenn die Belegschaft darauf hereinfällt.

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  9. Ausstand allerorten: Frankfurt, Essen, Oberhausen, Würzburg – überall wird im Einzelhandel gestreikt. Einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde erreichten die Streiks und Aktionen in Nordrhein-Westfalen am Dienstag einen Höhepunkt. Über 1000 Beschäftigte traten mit Beginn der Frühschicht landesweit in den Ausstand. Sie protestieren gegen das Verhalten der Unternehmer, den Abschluß eines neuen Lohn- und Gehaltstarifvertrages an drastische Verschlechterungen im Manteltarifvertrag zu koppeln. Auch in Bayern wurde eine Vielzahl von Betrieben bestreikt. Darunter mehr als fünfzig Netto-Filialen

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