Montag, 29. Juli 2013

Altersarmut für Hugendubel-Beschäftigte?

Wer bei Hugendubel nach Tarifgruppe II des für Bayern gültigen Entgelttarifvertrages bezahlt wird, kommt nach 40 Jahren durchgehender Arbeit ohne Unterbrechung in Vollzeit auf eine Rente, die nur wenige Euro über der gesetzlichen Mindestsicherung von derzeit 688 Euro liegt. Die Kolleginnen und Kollegen von Ex-Weiland oder Weltbildplus/Jokers erreichen - nicht zuletzt als Folge von Tarifflucht oder Teilzeitjobs - bei wesentlich geringeren Gehältern nicht einmal das.

Und dennoch müssen wir uns alle, egal ob zu Konditionen von Alt-Hugendubel, Ex-Weiland, Ex-Habel oder Ex-Schmorl arbeitend, von den Unternehmensbesitzern und ihren Managern anhören, dass wir nichts weiter als Kostenfaktoren auf zwei Beinen sind. Dass wir abgruppiert werden sollen. Dass wir durch neue Rationalisierungs-Software überflüssig gemacht werden sollen. Weil wir alle angeblich zu "teuer" sind.

Ein Leben lang arbeiten für nicht mal eine Armutsrente? In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?
Was ist das für ein politisch und ökonomisches System, das diese Zustände produziert?
Und wie können wir es verändern, dass wir als lohnabhängig Beschäftigte ein gutes Leben führen können?
Höchste Zeit also, um nicht nur über unsere Löhne, sondern auch über unsere Renten zu diskutieren!




Arbeiten bis zur Rente für viele unvorstellbar

Mit 67 in Rente gehen? Für viele Menschen ist dies unvorstellbar, denn dazu sind die Arbeitsbedingungen, denen sie täglich ausgesetzt sind, zu belastend und krank machend. 47 Prozent von 4895 befragten Beschäftigten glauben nicht, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten. In einzelnen Berufsgruppen sind es noch deutlich mehr. 

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Repräsentativumfrage aus 2012 zur Ermittlung des DGB-Index Gute Arbeit, die jetzt ausgewertet und veröffentlicht wurde. Der ermittelte Indexwert, die Kennzahl für die Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten, liegt bei 61 Punkten und damit im unteren Mittelwert. Als „gut“ haben die Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen nur bei der Frage nach dem Sinn ihrer Arbeit bewertet (80 Punkte). Besonders schlecht steht es um die Arbeitsintensität (46 Punkte). Arbeitshetze und Leistungsdichte nehmen zu. Und das wiederum erschwert es, die Arbeit bis zur Rente zu schaffen.


In Pflegeberufen ist die Arbeit so belastend, dass sich nur noch 20 Prozent der Befragten vorstellen können, unter den derzeitigen Bedingungen bis zur Rente durchzuhalten. Und von allen, die unter Arbeitshetze leiden, glaubt nur ein Drittel, es bis zur Rente zu schaffen. Große Unterschiede gibt es in einzelnen Branchen: Während im Wissenschaftsbereich 65 Prozent davon ausgehen, bis zur Rente arbeiten zu können, sind es im Gastgewerbe nur noch 23 Prozent und bei den Leiharbeitern nur 24 Prozent.
Krank machende Arbeitsbedingungen, Hetze und Stress am Arbeitsplatz machen für viele Menschen ein Arbeiten bis zur Rente unmöglich. Damit aber wird die Rente mit 67 automatisch zur Rentenkürzung. Und selbst um bis 65 Jahre arbeiten zu können, brauchen die Menschen gute und gesunde Arbeitsbedingungen.

Kommentare:

  1. Nicht nur wer TG 2 hat, ist von Altersarmut bedroht. Wer TG 3 hat ist ebenfalls betroffen!

    Man kann sagen, Einzelhandel und Buchhandel brauchen später die Aufstockung vom Staat.

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  2. Das mit der TG2 sollte wohl nur ein beispiel sein. Bei TG3 ist der Höchstsatz der Mindestrente nach ungefähr 35 Jahren Vollzeit erreicht.

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  3. Wir Mitarbeiter müssen uns jetzt gegen die soziale Ignoranz unserer Geschäftsführer zur Wehr setzen. Dass es im Rest der DBH oder gar der gesamten Branche nicht besser aussieht, kann kein Grund sein, Verschlechterungen hinzunehmen. Der Niedergang des Unternehmens und der Branche wird sicher nicht durch Lohndrückerei aufgehalten, wertgeschätzte, motivierte und in der Folge leistungsbereite Mitarbeiter sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, auch wenn Nina und Maximilian Hugendubel und die anderen alle nicht von Altersarmut bedrohten Geschäftsführer das nicht wahrhaben wollen. Eine wirklich schlimme Mentalität hat sich da in der Geschäftsführung breit gemacht, wir sollten das nicht hinnehmen und dem jetzt offen widersprechen.

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