Montag, 19. März 2018

Das ist UNSER Erfolgsrezept



Bildergebnis für daumen hoch

Ein wichtiges Erfolgsrezept der US-Wirtschaftspolitik - eigens geschaffen und
trefflich geeignet, Reiche reicher und Arme ärmer zu machen - wird in Noam
Chomskys Requiem für den amerikanischen Traum so beschrieben:

 "Halte die Arbeiter in Ungewissheit und sie lassen sich bestens an der Kandare halten.
Sie verlangen dann keine höheren Löhne, keine besseren Arbeitsbedingungen und
auch nicht die Freiheit, sich zusammenzuschließen ... Wenn man dafür sorgt,
dass die Erwerbstätigen in Unsicherheit leben, werden sie nicht allzuviel
fordern. Sie werden einfach froh sein, Jobs zu finden, und seien diese noch so
mies und ohne jede soziale Absicherung."

Das Land, dessen Verhältnisse hier kritisch aufs Korn genommen werden, mag
zwar weit weg sein. Aber die Einschüchterungsstrategien der Unternehmer
funktionieren bei uns kaum anders - und sind inzwischen auch im Buchhandel
bestens bekannt: wiege die Arbeitnehmer in Unsicherheit, schüre unter ihnen
die Angst, ihre Arbeitsplätze zu verlieren!


Gib alle Schuld dem Markt und der Konkurrenz! Sag ihnen, du könnest sie künftig
nur entweder für ein geringeres Gehalt, als sie wollen und brauchen, oder einfach 
gar nicht mehr beschäftigen! 

Stell sie dann vor die Alternative: Lohnverzicht oder Arbeitslosigkeit! - und sie
werden das vermeintlich kleinere Übel wählen.
Die Arbeitgeber tun gern so, als ginge es dabei um den Erhalt unserer
Arbeitsplätze. Sie schwingen sich öffentlich sogar zu Advokaten ihrer
Beschäftigten auf - ohne dass irgendwer darüber lachen würde. Denn zur Taktik
gehört es, dem gutgläubigen Publikum einzuhämmern, dass Gewerkschafter
und Gewerkschaften nicht wirklich Vertreter und Verfechter der
Arbeitnehmerinteressen seien, sondern lediglich Unruhestifter, vor denen man
diese schützen müsse: ein leibhaftig organisierter Gottseibeiuns, der in den
Prekärlohnparadiesen des Einzel- und Buchhandels die Belegschaft verführe,
leichtfertig vom verbotenen Baum des Personalbudgets zu naschen.

Wahrhaft ein Vorzeigestück derart perfider und perverser Propaganda ist die
vom Arbeitgeberverband der Verlage und Buchhandlungen in Bayern letztes
Jahr herausgegebene Tarifinformation. Dort werden "die kontroversen
Positionen" der Tarifparteien folgendermaßen erklärt:

"Bei unverändert schwierigen Rahmenbedingungen ist für die Arbeitgeber
... der Erhalt der Arbeitsplätze weiterhin von entscheidender Bedeutung. 
Die Gewerkschafthingegen beharrt unverändert auf ihrer Forderung im
Entgeltbereich und damitauf nicht tragbaren Kostensteigerungen. 
Änderungen im Mantel wurden vonder Gewerkschaft kategorisch abgelehnt."

Im Klartext: wir sagen euch, wie das Spiel geht - das sind die Regeln - und der
nicht mitspielt, spielt mit dem Feuer. Wenn wir euch beim Entgelttarif nichts
geben müssen und euch vom Manteltarif etwas nehmen können, mag es sein,
dass ihr eure Stellen behaltet, oder auch nicht! Wir bieten zwar keine Garantien, 
aber vage Hoffnung (bei voller Hose) darfst du haben, soviel dein Herz begehrt. 
Denn lieber den Strohhalm in der Hand als die Euros in derTasche! 

Für die Chefs ist dies nicht nur ein lohnender, sondern auch einsauberer Deal. 
Sie versprechen nichts und verpflichten sich weder vertraglichnoch moralisch, 
anders zu handeln als bisher.


Ihre Ziele bleiben dieselben: Zentralisierung und Personalabbau! Wer sich nicht
einsparen lässt, weil er gebraucht wird, soll wenigstens für weniger Geld
arbeiten. Was sie sagen, sagen sie, um uns zu ködern oder uns zu drohen,
damit wir brav Verzicht üben. 

Wäre es ihnen mit der vorgeschobenen Sorge um Arbeitsplätze nämlich ernst, 
stünde ihnen frei, das in den Manteltarifvertraghineinzuschreiben. Doch stattdessen 
versuchen sie, den erweitertenKündigungsschutz herauszustreichen. So macht man keine Arbeitsplätzesicherer, man verschlechtert nur Arbeitsbedingungen und Löhne.

Jeden Cent, den der Arbeitgeber uns nicht zahlen muss, wird er sehr wahrscheinlich 
sogar darauf verwenden, uns loszuwerden. Deshalb kann manallen Kolleginnen und 
Kollegen, die noch ein Quäntchen Selbstachtungbesitzen, nur den einen vernünftigen
Rat geben: lasst euch nicht länger insBockshorn jagen! Stellt euch auf die Seite derer, 
die sich trauen, für ihre undeure Sache zu kämpfen! 

Das ist unser Erfolgsrezept - und es hat sich bewährt!


Kommentare:

  1. Genau so ist es. Man muss sich wirklich wundern, dass immer noch so viele glauben, sie würden ihre Arbeitsplätze retten, wenn sie die Füße still halten. Wir alle können doch jeden Tag sehen, dass das nicht stimmt.

    AntwortenLöschen
  2. Kann mir bitte mal jemand erklären, wann und wo sich dieses angebliche Erfolgsrezept bewährt haben soll. Schon das Zitat, mit dem der Beitrag anfängt, besagt doch eindeutig das Gegenteil. Meiner Ansicht nach zeigt diese haltlose Behauptung wieder mal, dass irgendwo südlich des Weißwurstäquators die Realität aufhört.

    AntwortenLöschen
  3. Das kann ich Dir ganz einfach erklären: in Bayern gibt es einen Tarifvertrag mit Tariflohn, 37,5-Stunden-Woche, 150% Weihnachtsgeld, Spätöffnungszuschlägen, besonderem Kündigungsschutz für Ältere, vermögenswirksamen Leistungen und vieles mehr.

    Das kannst Du gerne mit Deiner Vergütungsordnung vegleichen und über die Unterschiede hier berichten.

    AntwortenLöschen

Ihr könnt Eure Kommentare vollständig anonym abgeben. Wählt dazu bei "Kommentar schreiben als..." die Option "anonym". Wenn Ihr unter einem Pseudonym schreiben wollt, wählt die Option "Name/URL". Die Eingabe einer URL (Internet-Adresse) ist dabei nicht nötig.

Wir freuen uns, wenn Ihr statt "Anonym" die Möglichkeit des Kommentierens unter Pseudonym wählt. Das Kommentieren und Diskutieren unter Pseudonym erleichtert das Austauschen der Argumente unter den einzelnen Benutzern.