Freitag, 21. Dezember 2012

"Ausverkauf und strukturelle Zerstörung auf den Marktplätzen der Kultur und des geschriebenen Wortes gehen munter weiter ..."


Norbert Niemann (Bachmann-Preisträger und stellvertretender Vorsitzender des VS Bayern) schreibt:


"Ich freue mich sehr für den Erfolg des Blogs der Buchhändler von Hugendubel. Eine Millionen Zugriffe beweisen, wie kritisch die Lage ist, aber auch, dass das Bedürfnis nach Einspruch und Widerstand wächst.


Ich komme gerade von einem Autorentreffen mit russischen Kollegen in Moskau. Es hat meine Ahnung bestätigt, dass die Parallelen weltweiter sozialer Verwerfungen nach einem Vierteljahrhundert entfesselter Märkte zu neuen, internationalen Formen literarischer und künstlerischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart geführt haben und weiter führen werden. Nichts davon spiegelt sich in der deutschen Öffentlichkeit. Die Entwertung des Denkens, der Kritik und Selbstkritik im Namen der Verkäuflichkeit geht weiter. Die Schnittstellen zu einen differenzierten geistigen Austausch sind infiziert mit dem Virus der Marktideologie. Zu diesen Schnittstellen zählt nicht zuletzt der Buchhandel. Während im Zug der Finanzkrise das kriminelle Gebaren im Bankenwesen zurecht an den Pranger gestellt und von der Politik hoffentlich bald in rechtliche Schranken verwiesen wird, gehen Ausverkauf und strukturelle Zerstörung auf den Marktplätzen der Kultur und des geschriebenen Wortes munter weiter. Es wird höchste Zeit, gegen die Verantwortlichen für den drohenden kulturellen Bankrott anzukämpfen, soll die Fähigkeit zur geistigen Selbstvergewisserung unserer  Gesellschaft –  eine der wesentlichen Grundlagen von Demokratie – bewahrt werden."



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siehe auch:

http://hugendubelverdi.blogspot.de/2012/11/nichts-ist-machtiger-als-eine-idee.html


Kommentare:

  1. Nachdem was man hier und den anderen Blogs (Weltbild, OBI, Dehner, EDEKA, H&M, etc.) liest, sollte man sich mal das folgende ernsthaft durchlesen:

    "... Hamburg - Die Weiber arbeiten nicht mehr. Sie sitzen jetzt wohl an den Maschinen herum und lesen Romane, brüskierte sich einst der Hosenfabrikant Alfons Müller-Wipperfürth über seine Arbeiterinnen in Ossona bei Mailand. Tatsächlich streikten vor rund 40 Jahren die mit "Weibern" gemeinten 750 Näherinnen der damaligen Hosen- und Hemdenfabriken.

    Sie wollten einen höheren Lohn erstreiken. Der deutsche Schneider-Großfürst der 70er Jahre ließ schließlich die Fabriken schließen, "weil mir der ewige Ärger mit Streiks, Lohnforderungen und dergleichen zu bunt wurde" . Daraufhin zogen die Wipperfürth-Mitarbeiterinnen mit Plakaten durch die Straßen, besetzten obendrein Büros - und hatten Erfolg. Mit den Gewerkschaften wurde 25 Prozent mehr Lohn ausgehandelt.

    Hätten sich die heutigen "Schlecker-Weiber" davon eine Scheibe abschneiden können? Warum sind die knapp 25.000 Mitarbeiterinnen nicht auf die Straße gegangen und haben ..."
    Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,844113,00.html

    Nur durch Zivielcourage und gemeinsames Vorgehen gegen Sozialabbau, Verschlechterung von Arbeitsbedingungen, Dumpinglöhne, etc. etc. hat Frau und Mann eine Chance. Kontraproduktiv ist jedoch darauf zu warten, dass es die Anderen machen weil Frau/Mann es sich selbst angeblich nicht leisten kann.

    http://2.bp.blogspot.com/-ZuQqJvy8Lyc/T87ntR0270I/AAAAAAAAA1Y/EC4oEL92syg/s1600/organisierteuch.jpg

    Frohe Weihnachten und guten Rutsch in neue Jahr

    Ein Kunde

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  2. Mensch sag mal wie dumm bist du eigentlich ?? Denkst du die Schlecker Mitarbeiter halten zusammen, jeder ist sich selbst der nächste ! Es ist wie bei Hugendubel ! Wessen Brot ich Führungskraft ess , dessen GL Lied sing ich !

    Jeder wird gegen jeden ausgespielt , Hugendubler gegen Ärzte, Weltbildler gegen kleine , Lokführer gegen Pendler usw. Niemand gönnt dem anderen was.
    Deswegen geht es in D so abwärts mit den Arbeitsbedingungen ! Niemand hält zusammen , alle heucheln Sie.

    Würden alle Arbeitnehmer aufstehen , für Standards kämpfen die in allen Branchen gelten , jeden Mitarbeiter sollte Standards haben ! Denkst du wie schnell würden die da oben reagieren, hast du ne Ahnung.

    Man sieht es doch schon bei Streiks, kaum einer beteiligt sich, alles geht vor die Hunde !

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  3. Gewerkschaftlich organisierte BuchhändlerinFreitag, 28. Dezember 2012 um 19:58:00 MEZ

    Wer die letzte Betriebsversammlung nicht besucht hat, wer sich nicht informiert hat, wer nicht gewerkschaftlich organisiert ist, wer nicht am Warnstreik teilgenommen hat:

    die nächste Betriebsversammlung, der nächste Streik kommt mit Sicherheit.
    Es liegt an Dir, daran teilzunehmen, vorher mit KollegInnen zu sprechen, kollektives Handeln zu organisieren. Diese Sache ist noch lange nicht entschieden.

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    1. Genau - macht mit und streikt! Ich bin dabei!

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    2. Ich verfolge den Blog schon lange und als langjähriger Mitarbeiter der Firma Hugendubel habe ich beschlossen, aktiv zu werden und u.a. mitzustreiken. Ab Januar 2013 wird es bei Hugendubel von Arbeitgeberseite sicher heiss hergehen - ich bin bei allen Aktionen gegen das schändliche Verhalten der Gl dabei.
      Ich hoffe, auch der Rest der Belegschaft erkennt den Ernst der Lage!

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  4. Wann kann man hier endlich mal was über die Arbeit von ABK und ABB Avus Bücherdienst Köln bzw. Berlin lesen, die gehören doch auch zu Weltbild und dort werden ,massenhaft sogenannte Mängelexemplare für den Internethandel hergestellt, vormals reguläre Ware durch Stundenkräfte beschädigt und gestempelt, also ausdrücklich keine regulären Remittenden!! Die waren mal die wichtigsten Zulieferer für Wohlthat, jetzt für dutzende Preisbrecher bei amazon, wer kann darüber was sagen?
    Einer der Gründer ist 2012 verstorben , Gerd Fiegweil, damals auch "Berater" des Börsenvereins bei der Zanolli-Pleite. Kein Nachruf im BöBla, nur ne große Anzeige der Firma.

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    1. Die angesprochenen Mängelexemplare werden nicht nur für den Internethandel "hergestellt". Jede aufrechte Buchhandlung mit eigener Einkaufsbefugnis (also nicht die Hugendubel-Filialen) kann dort gemängelte Bücher und Reste beziehen. Wenn die Bücher gemängelt sind, können die Bücher natürlich auch bei Amazon verkauft werden, ebenso wie in den Buchläden. Das muß mit WIssen und Billigung der Verlage geschehen, wo ist das Problem?

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  5. Interessante Infos; warum schreibst Du nicht selbst was und schickst es (anonym) an die Infoblog-Redaktion: hugendubel.ve4erdi@yahoo.de ?

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    1. Ich meine natürlich: hugendubel.verdi@yahoo.de

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