Dienstag, 2. Oktober 2012

Weiland: Offener Brief an die Hugendubel-Belegschaft - Widerstand gegen Tarifflucht!






Zu unserer freudigen Überraschung - und gerade rechtzeitig zur Münchner Hugendubel-Betriebsversammlung - erreichte uns eine aufrüttelnde und motivierende Solidaritätsadresse vom nördlichen Rand des Weltbild/Hugendubel-Imperiums: "Tarifflucht" ist das Thema des offenen Briefes eines Kollegen der ehemals eigenständigen Lübecker Buchhandelskette Weiland, die 2012 (unter dem Konzerndach von Weltbild/DBH) in Hugendubel umbenannt wurde. Geschäftsführer von "Hugendubel-Nord" sind die Mitglieder der Hugendubel-GL Stefan Höllermann und Thomas Nitz. 

Thomas Nitz ist auch derjenige, der heute die Geschäftsleitung auf der Münchner Betriebsversammlung im DBG-Haus (seit 9:30 Uhr) vertritt - und dies, obwohl bis dato die Devise galt, als Hugendubel-GL keinesfalls die Räume des Gewerkschaftshauses (anlässlich einer etwa dort stattfindenden Betriebsversammlung) betreten zu wollen! 

Wir gratulieren zu diesem Gesinnungswandel (fragen uns selbstverständlich dennoch, was diesen 180-Grad-Schwenk bewirkt haben mag). Und wir freuen uns sehr, Thomas Nitz (als Stellvertreter der Hugendubel-GL) innerhalb der DGB-Räumlichkeiten begrüßen zu dürfen - mit diesem mutigen Appell eines Weiland-Kollegen

Und dir, lieber Kollege aus dem hohen Norden: Ganz herzlichen Dank für deine kämpferische Grußbotschaft! 


Hier der offene Brief im Wortlaut:  
 

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Liebe Kollegin, lieber Kollege bei Hugendubel! 


Große Veränderungen stehen bei Hugendubel an:

Tarifflucht – und damit verbunden Gehaltssenkungen, Arbeitszeitverlängerung und weitere Verschlechterungen. 

Der Willkür der Geschäftsleitung werden Tür und Tor geöffnet.

Willst Du das? 


Bei Weiland haben wir diese Erfahrung bereits vor einigen Jahren machen müssen. Wir wurden massiv unter Druck gesetzt, und das ging so: 

In unserer Filiale erschienen zwei Vertreter der Geschäftsleitung und schilderten die wirtschaftliche Lage des Unternehmens in düstersten Farben. (Kommt Dir das bekannt vor?)

Als "sozialverträglichste Lösung" nannten sie die "freiwillige" Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Um unserem "freien Willen" ein wenig auf die Sprünge zu helfen, drohten sie uns mit "betriebsbedingten Kündigungen". 

Diesem enormen Druck hielt auf Dauer niemand stand, weil die Solidarität in unserer Firma schon damals unterentwickelt war. Lediglich "ein kleines gallisches Dorf", d.h. die Filiale Hamburg-Altona, leistete Widerstand. 
Aber auch diese Festung wurde von der Geschäftleitung erobert und geschleift.
Also gilt auch hier: Länger arbeiten – und dies bei seit vielen Jahren eingefrorenem Gehalt! 


Liebe Kollegin, lieber Kollege bei Hugendubel! 
Willst Du das auch?

Es geht nicht nur um Dich.
Wenn Du jetzt nachgibst, verschlechtern sich die Bedingungen für alle bei Hugendubel.
Und mittelfristig für die gesamte Branche, und letztlich für alle ArbeitnehmerInnen.
Willst Du das?? 

Du persönlich trägst eine Mit-Verantwortung für die Entwicklung.  
Und: Du hast die Wahl! 


Grüße an Euch alle bei Hugendubel! 


Ein Weiland-Kollege 

(Oktober 2012)


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mehr hier im Infoblog: 
zu Weiland
zu Tarifflucht   



Kommentare:

  1. Sehr guter Aufruf, danke! Hoffentlich bewirkt er etwas in München. Hier in Berlin verläßt einen manchmal sämtliche Hoffung und aller Mut!

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  2. Wie lief die Münchener Betriebsversammlung denn heute ab? Wir Nicht-Münchener sind sehr gespannt!

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  3. Ja, auch ich würde sehr gerne was erfahren: Schreibt doch bitte einfach hier bei den Kommentaren das rein, was Ihr aus München, die Ihr dabei wart, Wichtiges wißt!!!

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  4. War denn keiner dort? Oder lief das so ab, dass alle jetzt ganz erschlagen davon sind und keine Worte mehr finden? (Ihr Münchner KollegInnnen, bitte versteht unsere Ungeduld. Geografisch sind wir zwar weit entfernt von euch, sonst aber eher nicht.)

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  5. Nitz war sehr zurückhaltend. Tarifflucht sei 'aktuell' kein Thema, wie es zu einem späteren Zeitpunkt sei, sei völlig offen. Also nichts Konkretes, keine klare Aussage.

    Die Frage ist: wie sieht es nach dem Weihnachtsgeschäft aus?

    Es wurde vom BR klar gesagt, dass man mit der GL im Gespräch wegen neuen Arbeitszeiten ist, aber gewisse Forderungen hat von denen man nicht abweicht. Planbare Arbeitszeit, feste Turnustage u freie Samstage. Es kam klar rüber, dass die Betriebsvereinbarung von Berlin mit dem Münchner BR so nicht zu machen ist.

    Die Reden von den Verdi Vertretern waren toll und sehr gut nachzuvollziehen in ihrer Argumentation.

    Uwe Kramm hat u a über die Aufhebungsverträge referiert und erzählt, wir übel in einigen Regionen mit den Kollegen, denen einer angeboten wird umgegangen wird. Druck von allen Seiten. Er hat dann noch von den ganzen Filialschliessungen gesprochen u dass jede Filiale geprüft wird. Ob diese Zukunft hat; wenn sie jetzt gut läuft, hängt es trotzdem davon ab, ob die GF ihr eine positive Zukunftsprognose gibt. Das heißt dann: entweder geht es weiter oder der Mietvertrag wird nicht verlängert.

    Und: wir alle müssen uns für den Tarifvertrag einsetzen, denn wenn wir es nicht tun, wer soll es sonst tun?
    Das war noch eine wichtige Aussage.

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    1. ........"die Reden von Verdi Vertretern waren toll und sehr gut nachzuvollziehen in ihrer Argumentation"

      Genung der Selbstbeweihräucherung!

      Was gab´s von den wirklich Betroffenen? All´ den Kollegen und Kolleginnen im Kampf um das tägliche Brot?

      Gab es Widerstand zu spüren, oder befanden sich alle wiesnmäßig im "FreeFall"?

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    2. Dein Pseudonym deutet darauf hin, daß Du Dich ebenfalls "wiesnmäßig im "FreeFall"" befindest.
      "Gab es Widerstand zu spüren" - wieso gehst Du nicht selber zur Betriebsversammlung? Oder bist Du bloß ein passiver Konsument, der die Aktionen der engagierten Kollegen voyeuristisch beobachtest um anschließend daran herummäkeln zu können?

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  6. Selbstbeweihräucherung?
    Hallo?? Selbst Hingehen und nicht solch unqualifizierte Äußerungen von sich geben.

    Der Blog hier ist kein Nachrichtenstudio!

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    1. Doch! Dafür ist der Blog eingerichtet worden, dass Betriebsrat und
      ver.di uns bundesweit informieren können. Damit alle Mitarbeiter relativ zeitgleich erfahren können, was sich in München (dort sitzt nun mal die Zentrale/GL) alles tut. Auch dafür, dass jeder seine persönliche Ansicht oder Befürchtung äußern kann. Allerdings sollten gewisse Regeln des Anstandes eingehalten und respektiert werden, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt. Ein Teil der Blogger möchte halt das Unternehmen und die GL am liebsten in die Luft sprengen und zerstört wissen, und andere wollen wirklich, dass die Firma weiter lebt, engagieren sich dafür und müssen sich dafür noch beschimpfen lassen und rechtfertigen. Nu denn......

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    2. "Ein Teil der Blogger möchte halt das Unternehmen und die GL am liebsten in die Luft sprengen und zerstört wissen" - Wie kommst Du auf diese abenteuerliche Unterstellung?

      Der Blog hat tatsächlich die Funktion zu informieren, besonders auch die Kollegen an anderen Standorten. Er hat jedoch nicht die Funktion, die Teilnahme an einer Betriebsversammlung zu ersetzen, weil man es ja bequem im Blog nachlesen kann.

      Der Blog hat auch nicht die Funktion, eigenes Handeln zu ersetzen, weil man ja im Blog so schön bequem nachlesen kann, wie a n d e r e für einen die Kastanien aus dem Feuer holen.

      Eine Frage an Dich mit der Bitte um eine ehrliche Antwort.
      Wenn Du am Standort München arbeitest: Hast Du an der Betriebsversammlung am Dienstag teilgenommen? Falls nicht, warum?
      Wenn Du an einem anderen Standort arbeitest: Nimmst Du dort an der BV teil? Falls nein, warum nicht?

      Hast Du Dir schon mal überlegt, einen BV-Bericht zu schreiben? Falls nein, warum nicht?

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    3. @Kartoffeln mit Stippe: NEIN, der Blog ist kein Nachrichtenstudio! Dort arbeiten keine Hauptberuflichen Journalisten, sondern Kollegen in ihrer Freizeit. Diese Erwartungshaltung ständig mit Infos versorgt zu werden kot.. mich allmählich an.

      Oder arbeitest Du beim Blog mit, schreibst Du sofort Artikel wenn in deiner Filiale was aktuell ist, opferst Du Deine Freizeit?
      Wenn nein, dann hör auf hier ständig Nachrichten einzufordern, sondern setz Dich an den PC und schreib selbst was!

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  7. Keine klare Aussage?
    Der Herr Nitz ist ja nicht so deppert und stellt sich hin und sagt:
    "Liebe Kinderlein, die Bescherung kommt dieses Mal nach spanischer Sitte – nämlich zum Dreikönigstag..."
    Klare Verhältnisse kann man nur aus eigener Kraft schaffen, indem man einen Verbandsaustritt für die GL zum unkalkulierbaren Risiko macht.


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  8. Meiner Meinung nach hat die Betriebsversammlung ihre Hauptaufgabe erfüllt: Nitz/Drouet sollte klar geworden sein, dass ein Ausstieg aus dem Tarifvertrag in München auf Widerstand treffen wird (andernorts hoffe ich auch!). Auch wenn die GL nur von Überlegungen spricht und das Ganze herunterspielt, war es wichtig, sofort ein Zeichen zu setzen, dass uns die Tarifverträge nicht gleichgültig sind. Also bitte: wo in nächster Zeit noch Versammlungen stattfinden, das Thema unbedingt in den Mittelpunkt rücken!

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  9. Buchreport Nr. 40- Seite 10
    Einfach mal lesen...

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