Montag, 6. März 2017

"Zeigt Haltung!"





Twitter-Diskussion um rechte Literatur bei Hugendubel

 
Empört Kunden: Auslage mit Kopp-Titeln in der Ulmer Hugendubel-Filiale




Seit einigen Tagen tobt eine heftige Diskussion auf Twitter um rechte Titel bei Hugendubel.

Einer Kundin waren in der Ulmer Hugendubel-Filiale die offensiv präsentierten Titel u.a. des Kopp-Verlages unangenehm aufgefallen. Auf Twitter schrieb sie:  

"Schockiert über rechtsextremistische Bücher prominent ausgestellt im Ulmer Hugendubel. , bitte zeigt Haltung!" 


Am Freitag berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) unter der Schlagzeile Wirbel um bei Hugendubel verkaufte Titel vom Kopp-Verlag über den Fall und zitierte dabei auch eine Unternehmenssprecherin von Hugendubel:



 "Alle Titel, die von der Bundesprüfstelle freigegeben werden, möchten wir im Sinne der Presse- und Meinungsfreiheit anbieten“. Inhaltlich wolle sich Hugendubel nicht zu den Titeln positionieren. Hugendubel biete dem gegenüber auch viele Titel an, „die in andere politische Richtungen gehen“, wie die Sprecherin sagt. Das Unternehmen, das mehr als 100 Filialen in Deutschland betreibt, will die Bücher des Kopp Verlages trotz Kritik nicht aus dem Sortiment nehmen, weil die Nachfrage nach den Titeln hoch sei, wie sie sagte.

Im gleichen Artikel zitierte die WAZ auch den ehemaligen Hamburger Spitzenkandidaten der Piratenpartei, Claudius Holler, der sich über Statement von Hugendubel äußerst unzufrieden zeigte:

„Die Aussage ist vorgeschoben. Ich erwarte auch von Unternehmen ein bisschen Haltung“.
Und weiter: „Eine Auslage, die prominent das ‘who is who’ rechtsextremer Publikationen und deutschtümelnder Verschwörungstheorie platziert, ist eine unterstützende Werbemaßnahme und fällt auf denjenigen zurück, der diese Plattform bietet.“


Liebe Kolleginnen und Kollegen, was meint Ihr dazu?






Kommentare:

  1. Das Zeug geht weg wie warme Semmeln, also: verkaufen, verkaufen, verkaufen! Total neutral, klar. Die Firma stand schließlich erst neulich am Abgrund, und wir wollen doch unsere schönen Arbeitsplätze nicht verlieren, ODER?

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  2. Laut Maximilian Hugendubel sind wir eine "Familienbuchhandlung". Rassisitische und rechtsradikale Literatur gehört wohl nicht zu diesem Konzept. Zudem ist "Verkaufen" eine Sache, offensives Präsentieren und Bewwerben eine andere.

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    1. Zum Konzept der Familienbuchhandlung haben wir unter der Überschrift "kein Faschingsscherz" genug gehört. Man verschone uns mit solchen hohlen Phrasen. Offensives Präsentieren, ja nun, was machen wir halt mit Titeln, die sich gut verkaufen. Wer will bestimmen, wie rechts, wie türkisch-nationalistisch, wie drogenverherrlichend ein Titel sein darf, damit er präsentiert wird? Ich wills nicht machen und diese unselige Twitter-Gemeinde besser auch nicht. Man muss den Kopp nicht zum Tipp des Monats machen und keine Lesungen mit den Leuten veranstalten. Alles andere macht der Markt.

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  3. Das Thema gabs auch auf der letzten Betriebsversammlung am Standort München. Grund war, dass die GL ihre Praxis in Sachen brauner Literatur offiziell geändert hat. Früher wurden nämlich neofaschistische Titel z.B. aus dem Grabert- oder Druffel-Verlag nicht bestellt. Es gab dafür eine Art inoffizieller Black List. Jetzt werden alle Titel bestellt, die lieferbar sind

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    1. Nitz hat auf der Betriebsversammlung aber auch klar gesagt, dass niemand Kundenanfragen nach Nazi-Literatur bearbeiten muss, wenn es gegen sein Gewissen geht, sondern es an den Vorgesetzten abgeben kann. Genau das werde ich tun.

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    2. Okay. Aber wenn man dabei direkt neben dem Tisch steht, auf dem mehrere Kopp-Stapel liegen, wirkt das etwas seltsam.

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  4. Ob "Familienbuchhandlung" oder nicht, man könnte in der Tat mal Flagge zeigen und den braunen Mist nicht verkaufen. Vielleicht würde man dann die 15% AfD-Wähler vergraulen, aber bei den anderen 85% Punkten. Und das ist immer noch die große Mehrheit.

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  5. Bei dieser Aktion geht es doch nur darum, die Meinungsfreiheit einzuschränken. So lange die Bücher nicht rechtlich beanstandet werden, gibt es keinen Grund, sie aus dem Sortiment zu nehmen.
    Warum will man Wähler einer bestimmten Partei vergraulen? Soll es bald überall Gesinnungstests geben?
    Was hier geschieht, ist doch nur, den eigenen Rassismus unter dem Deckmäntelchen des Anti-Faschismus auszuleben. Merkt denn niemand, dass das genau Faschismus ist?
    Alle reden über hate-speech, aber wann werden endlich diese heuchlerischen Denunzianten mal für ihr Treiben zur Verantwortung gezogen? Das ist doch eindeutig Erpressung - entweder, du tust, was ich will, oder ich stelle dich in die rechte Ecke, ganz egal, dass dies nichts mit der Wahrheit zu tun hat ...
    Einfach nur erbärmlich solche Leute ... Diederich Heßling lässt grüßen.

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    1. Diejenigen, die die Aktion unserer Ulmer Kundin gegen die Präsentation von Kopp-Titeln kritisieren, berufen sich auf Meinungsfreiheit und reden gar von "Bücherverbrennung" oder wie oben von "Faschismus". Da sind anscheinend einige Maßstäbe verloren gegangen. Bücher wie Ulfkotte und anderen schüren Ausländerhass und machen Flüchtlinge zu Sündenböcken, für das was am Kapitalismus schief läuft. Diesem Dreck sollte eine Buchhandlung, die ethische Grundsätze hat, keine Premium-Präsentation geben und am besten gar nicht verkaufen. Wer den rassistischen, homophoben, islamfeindlichen und neofaschistischen Dreck kaufen will, kann dies jederzeit woanders finden.
      Nochmal: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

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    2. Shitstorms durch interessiert​e Kreise sind mittlerweile​ Bestandteil der Medienkultur. Will man sich wirklich von den Inszenierungen einiger weniger selbst ernannter Aktivisten abhängig machen? Eine willkürliche Einschränkung​ der Meinungsvielfalt gefährdet die Demokratie. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden​.

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    3. Und die nopassaran-Front setzt sich in der Freizeit hin und erstellt eine Liste, was genehm ist und was nicht? Danke!
      Das wird bei den neuen Azubis, die Horst Wessel nicht von Helene Fischer unterscheiden können, schwer nötig sein. Wenn Du dann alle Titel ausgemerzt hast, die vertuschen und verschweigen, was am "Kapitalismus schief läuft", wird das keine bessere Welt, aber Du wirst Dich besser fühlen.

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    4. Es gibt Leute, die Meinungsfreiheit mit dem Verbreiten von rassistischem Dreck gleichsetzen. Als Handelsunternehmen hat Hugendubel die Entscheidungsfreiheit, was verkauft wird und was nicht. Mittlerweile hat sich ein breites rechtes Titel-Spektrum etabliert. Es reicht vom rechten SPD-Mitglied Sarrazin über den rechten Rand von CDU/CSU/FDP über Neokonservative, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger, Islamhasser, Antifeministen, Afd/Pediga-Sympathisanten bis hin zu Neo-Nationalisten wie NPD, Dritter Weg etc. Nicht alles entspricht der Definition von "faschistisch", aber fast alles ist rassistisch und menschenverachtend. Niemand zwingt einen Buchhändler das zu verkaufen. Es handelt sich auch nicht um Zensur, da ja genügend Leute den Dreck verkaufen. Im Übrigen sagte Herr Hugendubel 2011 dem Börsenblatt, dass Hugendubel keine pädophilen Titel oder Naziliteratur verkauft. Herr Hugendubel, übernehmen Sie!

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    5. Du hast die Turko-Faschisten und Islamo-Faschisten vergessen, um das Spektrum zu umschreiben. Macht nix. Das ist allgemein als politisch korrekt anerkannt. Deswegen aber nicht besser. Ebenso wenig wird es helfen "Neokonservative" (was genau isn das) mit Holocaust-Leugnern in einen Topf zu werfen. Ebenso wenig wie jeder Linke automatisch ein steinerwerfender Anarchist ist und nicht jeder Antifa-Aktivist automatisch ein guter Mensch. Und ganz ehrlich, was 2011 in der Firma Hugendubel gesagt wurd das ist so was von tot, toter ist nur der Kommunismus.

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    6. Meinungsfreiheit ist wirklich ein hohes Gut. Um ihretwillen lässt sich, obwohl das echt voll blöd ist, irgendwie sogar verschmerzen, dass man für Ausdrücke wie "Turko-Faschisten" oder "Islamo-Faschisten" keinem eine reinhauen darf.

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    7. Gib mir bessere Ausdrücke, dann lasse ich sie gerne weg.
      Wie genau würdest Du jemanden bezeichnen, der Repressalien gegen Nichttürken (Kurden, Armenier etc. pp.) oder Andersgläubige gutheißt oder befördert? Die aktuellen Ereignisse von Rotterdam geben Dir ein weites Feld, Nomenklaturen zu finden, die Dir besser gefallen. Denk mal an die Grauen Wölfe und so. Auch die Äußerungen diverser türkischer Regierungsmitglieder verdienen diese Überlegung. Eine reinhauen werden mir diese Turko-Wasauchimmer schon morgen, wenn es gilt, Solidarität mit dem maghrebinisch-stämmigen Bürgermeister zu zeigen. Das ist auch echt voll blöd.

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  6. "Vielfalt"? Wo ist denn die ganze linke Literatur bei Hugendubel? SEHEN kann man sie jedenfalls nicht. PRÄSENTIERT wird die rechte.

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  7. Was würde geschehen, wenn Unternehmen einfach immer denjenigen nachgeben würden, welche behaupten, jederzeit ein Medienspektakel namens Shitstorm - man könnte auch von Erpressung oder Nötigung sprechen - über sie hereinbrechen lassen zu können?
    Wer glaubt ernsthaft, dass so etwas gut für Meinungsfreiheit und Demokratie wäre?
    Was ist demnächst mit dem Titel Die Getriebenen von Robin Alexander über die Hintergründe der Grenzöffnung 2015, erschienen im renommierten Siedler Verlag?
    Will man sich da auch von dem Wohlwollen einiger Protestler abhängig machen? Wer darf entscheiden, was die Menschen zu lesen bekommen dürfen, um sich selbst eine Meinung bilden zu können.
    Der leider immer noch vorhandene Rassismus wird zu Recht beklagt und kritisiert. Es wäre langsam an der Zeit, auch über die Tendenz einiger Linker zu sprechen, die Gesellschaft am liebsten bevormunden und abhängig halten zu wollen. Wodurch, ganz nebenbei, die Prinzipien der Aufklärung verraten werden. Verdient so eine Haltung überhaupt noch die respektable Bezeichnung "links"?

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    1. Es gibt VERDAMMTNOCHMAL UNTERSCHIEDE. Sehen Sie sich doch nur einmal den Webauftritt des Kopp-Verlages an. Vergleichen Sie ihn mit dem des Siedler-Verlages. Damit möchte ich nicht sagen / Aber ich befürchte, Ihre Antwort zu kennen. Es ist offensichtlich sinnlos geworden, mit Buchhändlern einer gewissen Couleur zu diskutieren / die "gewisse Couleur" werden Sie aufgreifen, ich hingegen verabschiede mich an dieser Stelle. Einer, der anderswo kauft.

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    2. Ja, der Kopp-Verlag ist etwas anderes als der Siedler-Verlag. Deswegen habe ich darauf hingewiesen, dass es ein breites rechtes Spektrum gibt. Aber ein Sarrazin vom rechten SPD-Rand hat seine auch bei der konservativ-bürgerlichen DVA publiziert. Und diese ganze renommierte Bürgerlichkeit hilft nichts, wenn er trotzdem ein islamophober Rassist ist.

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    3. Der Enkel eines linken BevormundersSonntag, 12. März 2017 um 01:37:00 MEZ

      Dem Anonym vom 8. März um 22:54:00 MEZ möchte ich nur sagen, dass ich eine Diskussion über Demokratie sowie über die Prinzipien der Aufklärung - insbesondere vor dem Hintergrund unserer historischen Erfahrungen - lieber mit meinem Frühstücksei führen würde. Wer sich ein Bild davon machen möchte, was rechten Rassismus in Deutschland von angeblicher linker Bevormundung unterscheidet, sollte sich das Krematorium in Dachau ansehen.

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    4. Lieber "Enkel eines linken Bevormunders", selbstverständlich​ steht es Ihnen frei, in einer Diskussion​ über Meinungsfreiheit​ auf das verbrecherischste Regime aller Zeiten, das dritte Reich, zu rekurrieren. Damit daraus allerdings nicht eine Liberalität a la DDR​ resultiert, sollten der Fairness halber die Abermillionen​ Toten, die weltweit auf das Konto der kommunistischen​ Ideologie gehen, nicht unerwähnt bleiben. Vielleicht​ denken Sie bei Gelegenheit​ z. B einmal an den 2008 vom Europäischen​ Parlament​ als Verbrechen gegen die Menschlichkeit​ anerkannten Holodomor, dem allein schon Millionen zum Opfer gefallen​ sind.

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  8. Sind das hier die gleichen, die gegen den Kirchenfilter geschrien haben? Kann doch nicht sein. Zensur ist also nur schlimm, wenn Sie gegen die eigene Einstellung geht? Ich mag auch keine braune Literatur und noch weniger muss sie auffaellig praesentiert werden, aber zensieren? Geht gar nicht.

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  9. Was soll das hier eigentlich werden? Demokratismus für höhere Töchter mit Augenklappe rechts-außen? Wenn in unserer Verfassung die Meinungs- und Pressefreiheit garantiert wird, bindet das ja wohl die Staatsmacht und nicht den Buchhandel. Da steht mit keinem Wort, dass irgendein Händler verpflichtet wäre, mit allem zu handeln. Was einer verkauft und was nicht, ist immer noch seine Sache. Wenn einer also meint, er muss mit rechtskonservativem bis reaktionärem Schund sein Geld verdienen, kann er die Verantwortung dafür nicht auf das Grundgesetz oder die Demokratie schieben, sondern er trägt sie selber. Das ganze Herum-ge-eiere von wegen Zensur oder Nichtzensur ist dabei einfach nur Quatsch!

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    1. Lieber Jacob Marley, lieber Enkel eines "linken Bevormunders": Aber wie halten Sie beide es dann in dieser Buchhandlung aus?

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