Dienstag, 27. August 2013

"Wenn Sie hier nicht unterschreiben, dann..."

Geschäftsführung erpresst Betriebsrat von Jokers-Filiale

Wenn sich Ferien-Pläne ändern oder wichtige geschäftliche Termine anstehen, verschiebt mensch schon mal einen Urlaub. Keine große Sache, eigentlich… ein neuer Urlaubsantrag genügt im Allgemeinen.

Außer es steht die Schließung der "eigenen" Filiale bevor und mensch ist zudem auch noch BetriebsrätIn. Der BR hat nämlich mitzureden, wer wie und zu welchen Bedingungen auf die Straße gesetzt wird.

Das ist unbequem für den Arbeitgeber. Und so kann die Verschiebung eines geplanten Urlaubs plötzlich Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Verhandlungen um einen Sozialplan/Interessenausgleich werden.
Darum erhielt die Betriebsrätin einer demnächst schließenden JOKERS-Filiale kürzlich diese Antwort auf ihre Bitte um Urlaubsverschiebung:


Sehr geehrte Frau XY,

wir möchten Ihnen in Rücksprache mit Hr. Brettschneider[*] folgende Rückmeldung geben:

wir stimmen Ihrem Antrag auf Urlaubsverschiebung zu, sofern Sie sich bereit erklären, beigefügte Verhandlungsvereinbarung zu akzeptieren.

Um zügige und ergebnisorientierte Verhandlungen zu gewährleisten, wird auf diesem Weg der zeitliche Ablauf der Verhandlungen Interessenausgleich/Sozialplan geregelt.

Für den Fall, dass Sie mit der Vereinbarung nicht einverstanden sind, werden wir die Urlaubsverschiebung nicht gewähren.

Bitte geben Sie uns bis zum Freitag, 23.08.2013 schriftliche Rückmeldung.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen




Mit dieser unverblümten Erpressung zeigt die Geschäftsführung von Weltbildplus/Jokers, dass ihr jedes Mittel Recht ist, um die eigenen Interessen gegen die MitarbeiterInnen durchzusetzen. Ein unwürdiger Tiefpunkt in der Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und GL, den mensch so tumb und dreist höchstens aus dem Discounter-Milieu kennt. Ist die DBH schlimmer als SCHLECKER? 


*Dirk Brettschneider ist als Geschäftsführer für die Jokers-Filialen innerhalb der Weltbildplus Medienvertriebs GmbH zuständig. Weitere Geschäftsführer sind Dr. Jürgen Höllermann, Hans-Jürgen Junker und Jochen Laabs. Die Weltbildplus Medienvertriebs GmbH ist Teil der DBH, die zu gleichen Teilen den Hugendubel-Erben Maximilian und Nina Hugendubel sowie der katholischen Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg gehört.






Anmerkung der Infoblog-Redaktion:
Wir danken den Kolleginnen und Kollegen vom Weltbild-Verdi-Blog, die diesen Artikel gestern gebracht haben, für den Text.


Kommentare:

  1. "Liebe Geschäftsleitung", ist dieses das Verhalten von ehrbaren und anständigen Kaufleuten???
    Auch in diesem Zusammenhang könnte man sich wünschen, dass Bundespräsident Joachim Gauck mehr als nur repräsentative Aufgaben hätte - siehe dazu:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundespraesident-zur-verantwortung-der-wirtschaft-gaucks-wutrede-1.1524214

    Und wenn man sich, unabhängig von der arbeits- und strafrechtlichen Beurteilung, beispielsweise "Psychopathen in der Chefetage" (http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-09/managertypen-psychopathen-chef/seite-1) der ZEIT ONLINE durchliest, wirft sich auch die Frage auf, ob die Geschäftsleitung möglicher Weise "Psychopathen-Verseucht" ist.
    Interessant ist auch der erste Kommentar zu diesem Artikel der ZEIT ONLINE: "1. die andere Seite - Noch schlimmer als psychopatische Chefs sind die Mitarbeiter, die sich diesen Typen andienen. Da finden sich Topf und Deckel, Hund und Herrchen. Ganz schlimm hier in Deutschland.
    Zeit, bringt mal eine Charakterstudie von den Speichelleckern und Lakaien ..."

    Um gewappnet zu sein, sollte Frau und Mann auch die Methoden von (professionellen) Union Bustern kennen. KollegenInnen bei UPS haben reichhaltige Erfahrungen mit Antigewerkschaftsspezialisten gemacht und die wichtigsten Methoden der Union Buster zusammengetragen - siehe "Union Busting und Kampf gegen Betriebsräte" auf http://www.netzwerkit.de/projekte/galeere/busting

    Übrigens, lieber in einem "betriebsratsverseuchten Unternehmen" arbeiten, als einen "geschäftsleitungsverseuchten Betriebsrat im Unternehmen" zu haben.

    Ein Kunde

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    1. Wenn eine BR in Urlaub geht, vielleicht auch um nicht zu verhandeln, ist es doch in Ordnung, wenn ein GF im Gegenzug um eine Vereinbarung bittet.

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    2. Genau. Bitte lieber BR, fragt in Zukunft bei der GL nach, ob die Schließung eurer Filiale ansteht. Falls das verneint wird, könnt ihr gerne euren Urlaubsantrag abgeben!


      Geht's noch??

      Da steht außerdem: nur wenn der BR mit der vorgelegten Vereinbarung einverstanden ist.... da steht nicht, daß verhandelt werden soll!

      Noch mal: Geht's noch?

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  2. wer ist denn Dr. Jürgen Höllermann?

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    1. Das ist der lange verschollen geglaubte Bruder von Jürgen Möllemann. Er wuchs unter Kasper-Hauser-ähnlichen-Umständen in der Albrechtstraße auf. Lediglich ein e-book-Reader und ein FDP-Parteiprogramm diente seiner Sozialisation. Als er nach Jahren wieder ans Tageslicht durfte, sah er zum ersten mal ein Tablet und und eine Handy-Uhr. Durch diese Prägung nachhaltig traumatisiert, stellte er sein Leben in den Dienst der Digitalisierung und ging als Pionier des digitalen Lesens in die Buchhandelsgeschichte ein.

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  3. Leider hat sich die Verrohung der Sitten bei WBplus/Jokers inzwischen so manifestiert, dass die meisten Mitarbeiter es nicht einmal mehr wahrnehmen. Die Angst um den Arbeitsplatz ist riesengroß und führt zu Duckmäusertum... Umso schöner, dass sich die BR wehren und weder erpressen noch mundtot machen lassen...

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  4. Nicht zu vergessen das Tretauto, mit dem der kleine Jürgen immer nach Einbruch der Dämmerung durch die leeren Flure der Albrechtstraße sauste. Nichts wünschte er sich so sehr, als möglichst schnell groß zu werden, um mit einem richtigen Auto fahren zu können. Leider ist nur das Auto groß geworden.

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