Mittwoch, 27. Juni 2012

T+I+C+K+E+R : Künftige Allianzen, wankende Imperien, aktuelle Sanierungsfälle ...


"gegenteilige Beteuerungen" ... siehe unten: "Gerüchteküche"
(Buchreport 24/2012)


Gefährdete Arbeitsplätze und 
Discounter-Mentalität der Großfilialisten kommen im Börsenblatt zur Sprache: 
aus Autoren- und aus Buchhändlersicht; die Fakten liegen offen auf dem Tisch – und Schriftsteller üben sprachmächtige Solidarität mit den Buchhandels-Angestellten ...


Das FAZ-Wirtschafts-Ressort hat zu vermelden: Nina Hugendubel führt ein wankendes Imperium ... und kommentiert Desaster und Ende der schicken Glaspaläste.  Denn:
Kaum einer kauft mehr Bücher bei Hugendubel, Thalia & Co.; die  Bücherketten als Sanierungsfall!
Wieder einmal fordert N.H. von den Verlagen eine drastische Titelreduktion, dieses Mal gar sollen es nur noch höchstens ein Drittel der jährlichen Novitäten-Auflagen sein! Stattdessen: Schmuserollen, Kressetöpfe, Würstchen-Grill – Krimskrams und Tinnef also. 


Dieses Buchkaufhaus ist sehr schlecht sortiert – meint Tom König in der Spiegel-Online-"Warteschleife" und berichtet aus dem Haus der traurigen Bücher
Er stellt fest: Die großen Filialketten haben unsere Tempel der Lesekultur in Ramschrampen für Flitter und Firlefanz verwandelt: Schnickschnack statt Literatur - und geht ins Detail:    
... Honig-Lippenbalsam oder aztekische Traumpüppchen ... Der Laden ist voll mit diesem Tand. Und jedes Mal, wenn ich herkomme, ist es ein bisschen mehr geworden. Hinter dem Aufsteller mit den bereits zweimal reduzierten Welpenkalendern stöbere ich nach Gedichtbänden. Stattdessen finde ich handbemalte Hartplastik-Tierfiguren von Schleich. Auch schön. Ich frage einen Verkäufer nach Gedichten, nach Benn und nach Neruda. Sind beide aus. Er winkt vage in Richtung der Yogamatten und sagt, da hinten in der Ecke gebe es vielleicht ein bisschen Poesie. Ich laufe an einem Point-of-Sale-Display mit Gartenschaufeln und Designergießkannen vorbei, kann aber nichts finden.
Die "Warteschleife" schließt mit:
Erinnern Sie sich noch an Woolworth? Die Firma Woolworth hatte irgendwann vergessen, was eigentlich ihr Konzept war. Und auch die Kunden wussten bald nicht mehr, warum sie dort eigentlich hineingehen sollten. Ich glaube, den großen Buchketten droht ein ähnliches Schicksal. Aber wer Bücher so lieblos behandelt, der hat es nicht besser verdient. 


Derselbe Tom K. übrigens präsentiert – diesmal unter seinem wahren Namen Tom Hillenbrand – fast zeitgleich Zehn steile Thesen zum E-Book, sowohl im eigenen Blog als auch bei Buchreport. Bekanntermaßen ist er Krimiautor, steigt also folgerichtig ein mit Die Buchläden werden (fast alle) sterben – und bekundet den Buchhändlern deshalb eingangs schon mal sein aufrichtiges Beileid. Und die Thesen werden steiler und steiler ...


Die Lage der Branchenführer im stationären Sortiment also wird enger und enger: Die großen Einbrüche bei Thalia sind beschlossene Sache – bloß: wann und wo und wer und wie viele exakt von McKinsey auf die Liste gesetzt wurden ... das wird (außer der bereits angekündigten Schließung am Kölner Neumarkt) noch unter Verschluss gehalten. 
Dagegen ist nun die erste große Mayersche-Flaggschiff-Schließung raus: 4.000 Quadratmeter werden in der Kölner Schildergasse dicht gemacht, weiß der Kölner Stadt-Anzeiger. Und hat erfahren: Die Mitarbeiter sollen in Geschäften außerhalb von Köln untergebracht werden. Die Geschäftsleitung dagegen könne den Sachverhalt „weder bestätigen noch dementieren“ ...


Wen wundert’s da noch: 
Unter diesen Voraussetzungen kocht und brodelt die Gerüchteküche allerorten - trotz GL-Schweigen und/oder -Dementis (vgl. auch Börsenblatt, Heft 24/2012, Seite 10) heftig weiter ...
... weiß von dramatischen Umsatzeinbrüchen (teilweise gar zweistellig!) ... spekuliert über auslaufende Mietverträge/Schließungspläne ... ja, bei Hugendubel ... ja, auch in München (Stachus, OEZ, HSC ?) ... zudem bei DBH-Warenhaus (Karstadt-Buchabteilungen) ... und: Einstellungsstopp/Aufhebungsverträge/Personalabbau 
... demnächst also (höchst wahrscheinlich) mehr ... 

Kommentare:

  1. Das sieht ganz danach aus, als ob uns bald Schlimmes bevorsteht. Was tun, wenn die KollegInnen trotz allem weiterhin so träge bleiben (siehe die Beteiligung bei den letzten Betriebsversammlungen und der Marx-Demo)??

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  2. In der Spiegel App ist ein Bericht dass Weltbild nun nicht verkauft wird, sondern in eine Stiftung umgewandelt wird...???

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  3. .................
    "Die Verlagsgruppe Weltbild wird nicht veräußert, sondern von der katholischen Kirche in anderer Rechtsform weitergeführt......"

    Zum Weiterlesen und zur Quelle hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-doch-kein-verkauf-von-weltbild-11801330.html

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  4. Was auch immer mit Weltbild in Augsburg passieren wird: Dort geht es um das Onlinegeschäft und das hat auf jeden Fall irgendeine Zukunft. Dem Filialgeschäft der DBH aber (Hugendubel, Weltbildplus) geht es gehörig an den Kragen. Da wird mächtig abgebaut werden, besonders bei den "Vollsortimenten" (??) von Hugendubel. Das heißt: Filialschließungen und Kündigungen! Damit müssen wir rechnen in den nächsten Monaten und Jahren!!!

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