Mittwoch, 16. Februar 2011

Deklassierung des Personals?

Aus einem aktuellen buchreport-Kommentar

Die Beschäftigung von qualifiziertem und damit teurem Personal wurde in vielen Zweigen des Einzelhandels in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgefahren. Ob der Buchhandel dieser schädlichen Entwicklung folgt und wegen des hohen Kostendrucks in Zukunft verstärkt auf den Einsatz von Billigkäften setzen wird, kann niemand voraussagen.

Eines steht allerdings fest: Die Deklassierung des Personals ist keine adäquate Antwort auf die tiefgreifenden Umbrüche, mit denen die Branche konfrontiert ist. Der starke Veränderungsdruck verlangt nach neuen Typen von Buchhändlern, die nicht aus der tradierten „alten Schule“ kommen. Um gute Köpfe für den Einstieg zu begeistern, ist zugleich noch viel Imagearbeit zu leisten.

Auch hier gilt: Wer im Sparstrumpf tanzt, kann keine anziehenden Pirouetten drehen.


Auszug aus dem Kommentar von Rainer Uebelhöde "Billig wird teuer", in: Buchreport  4. Februar 2011.
www.buchreport.de/nachrichten/kommentar/kommentar_nachricht/datum/2011/02/04/billig-wird-teuer.htm

Kommentare:

  1. Ein wesentlicher Faktor bei der Dequalifizierung des Personals spielt in der Firma Hugendubel das von der Geschäftsleitung seit Jahren als Vorzeigemodell gehandelte und forcierte neue betriebliche Organisationsmodell. Die starre Trennung von einerseits (sehr wenigen) Mitarbeitern im Einkauf und andererseits Mitarbeitern im Verkauf führt zu Kompetenzverlusten auf beiden Seiten. Verlags- und Vertreterinformationen z. B. kommen bei den Mitarbeitern im Verkauf nicht mehr an, darunter hat die Beratungsqualität in den Hugendubel-Filialen in den letzten Jahren stark gelitten. Es ist auch nicht zu sehen, dass dieses Problem von der Geschäftsleitung überhaupt erkannt wird. Wichtiger scheint ihr die Möglichkeit gewesen zu sein, die im Verkauf beschäftigten Buchhändler entgelt-tariflich zu deklassieren.
    Auf diese Weise werden sicherlich in Zukunft nicht mehr 'gute Köpfe' für den Beruf des Buchhändlers gewonnen werden können. Der Zukunft des qualitativen Standort-Buchhandel gehen somit auch langsam die Argumente und Perspektiven aus.
    Es ist erstaunlich, in welch kurzer Zeit eine Firma in der Branche (und sicher auch bald beim Kunden)ihren ehemals guten Ruf verspielt hat.

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  2. Ist in den anderen DBH-Firmen dieses Konzept "Organisationsmodell" auch übernommen worden? Weiss jemand, wie es bei Weiland aussieht?

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  3. "Vorzeigemodell" für wen und warum?
    Für Firmen die besonders schnell und einfach ihre Unternehmensphilosophie, ihre Personalkultur und die Unternehmenskommunikation an die Wand fahren wollen, ohne Gurt und Airbag.
    Unsere neuen Azubis sollten über diese Dinge aufgeklärt werden, bevor sie ihren Ausbildungsvertrag unterschreiben.

    Hugendubel deklassiert nicht nur seine Mitarbeiter/innen, sondern auch die gesamte Branche.

    B.

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  4. @anonym 18:42 Uhr: Das Modell der Hausorga ist in jeder DBH-Filiale anzutreffen: sprich Hugendubel, Habel und auch Weiland! Bei Weiland mittlerweile auch schon seit fast 2 Jahren!

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  5. Früher bescherten die Besuche der Verlagsvertreter dem Buchhändler eine Art 'Basisqualifikation': wichtige neue Titel, Programmschwerpunkte, Branchenentwicklungen - das alles war den interessierten Mitarbeitern vertraut. Heutzutage kann man froh sein, wenn Zeit ist, in ein paar Vorschauen zu blicken. Die Informationen der Verlagsvertreter bleiben in der Regel den Einkäufern und einigen Abteilungsleitern vorbehalten - und dort hängen; ein 'Transfer' zu den Mitarbeitern im Verkauf findet in der Regel nicht statt.
    Das muss auch vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass firmeninterne Weiterbildungen schon lange, eigentlich seit Jahren nicht mehr stattfinden.

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  6. @B.
    zum Thema Auszubildende:
    also in Berlin sind die Verantwortlichen mittlerweile so dreist, denunziatorisch mit dem Finger auf die Berufsschule vor Ort zu zeigen, um von den Zuständen bei der betrieblichen Ausbildung abzulenken. Absolut armselig.

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  7. @Lernwillige
    "denunziatorisch..., um... abzulenken"
    das ist vielleicht etwas zu stark formuliert.
    Tatsache aber bleibt, dass das Ausbildungsniveau bei Hugendubel stark verbessert werden muss. Wie aber, wenn die Buchhändler gar keine Zeit für einen solchen Luxus wie Ausbildungstätigkeit haben.

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  8. Wie soll denn ein neues Berufsbild des Buchhändlers aussehen? Ob unsere Geschäftsleitung, bei der manches Mitglied meint, dass die Kunden keine Beratung mehr brauchen oder wollen, eine befriedigende Antwort finden wird?

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  9. Das neue Berufsbild Buchhändler(in Zusammenarbeit erstellt vom Börsenvereins, den Unternehmen, der Gewerkschaften, dem Bundesbildungsministerium und den Berufsschulen) hat nichts mit dem Berufsbild des Buchhändlers bei Hugendubel zu tun.

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  10. Und wieder ein Geschäftsführergehalt, während sonst am Personal gespart wird. Frau Lange übernimmt den Teil "Filialmanagement" von Herrn Nitz und rückt in die GL auf, Herr Nitz ist weiterhin Personalchef. Und wieder muss die Belegschaft es durch die Presse erfahren!

    Hier der Artikel des Buchreports:


    "Hugendubel erweitert Geschäftsführung
    Filialen im Fokus
    Der Münchner Filialist Hugendubel verteilt die Aufgaben in der Geschäftsleitung neu: Thomas Nitz konzentriert sich künftig auf den Bereich Personal und wird mit Stefan Höllermann und Henning Hamkens Co-Geschäftsführer bei Weiland. Stephanie Lange rückt zum 1. Februar 2011 in Geschäftsleitung auf und übernimmt das Filialmanagement von Nitz.

    Mit der Neuordnung und Aufstockung der Geschäftsleitung setze Hugendubel die 2010 begonnene vertriebliche Offensive fort, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Sortiment sei erweitert und damit an den Wünschen der Kunden ausgerichtet worden: im Bereich Kinder- und Jugendbuch sowie den Unterhaltungs- und Medien-Abteilungen.

    „Wir stehen vor der großen Herausforderung, uns an die sich immer schneller ändernden Wünsche unserer Kunden anzupassen. Mit der erweiterten Führungsmannschaft, den klar verteilen Aufgabenbereichen und der Stärkung unserer Aktivitäten im Filialmanagement haben wir die dafür notwendigen Strukturen geschaffen und sind für die Zukunft bestens aufgestellt“, erklärt Maximilian Hugendubel, geschäftsführender Gesellschafter von Hugendubel.

    Neben Stephanie Lange (Filialmanagement) gehören der Hugendubel-Geschäftsleitung Thomas Nitz (Personal), Torsten Brunn (Einkauf, Logistik), Nina Hugendubel (Marketing, PR, Direktvertrieb), Maximilian Hugendubel (Expansion, Finanzen) und Stefan Höllermann (Finanzen, Rechnungswesen) an.



    B.

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  11. Qualifizierung findet also doch statt, halt eben nur an der Spitze! So erwarten wir nun viele kreative Impulse, auch was die Abwendung anstehender Filialschliessungen angeht. Die Standard-Floskel der letzten Zeit: "uns an die sich immer schneller ändernden Wünsche unserer Kunden anzupassen" wird durch ständige Wiederholung nicht überzeugender und kaschiert weiterhin Konzeptionslosigkeit - ist vielleicht sogar eine Beleidigung der Kunden.

    Immerhin war in den letzten Monaten eine zunehmende Zivilisierung in der Tonlage gegenüber den Mitarbeitern festzustellen, auch die früher gelegentlich auftretenden rabaukenhaften Äußerungen à la "Service können wir uns nicht leisten!" sind schon länger nicht mehr zu vernehmen.
    Ändert sich da etwas oder ist man lediglich geschickter in der Außendarstellung. Nina Hugendubel repräsentierte die Firma in einem Interview gar wieder als Familienunternehmen, lange hatte man den Global Player gegeben. Vielleicht wagt T. Brunn sich auch bald wieder mit seiner alten These nach vorn, Großflächen müssten neben dem Geklotze bei den Spitzentiteln auch eine für den Kunden attraktive Sortimentstiefe bieten.

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  12. Dieser Beitrag und die Kommentare (zumindest bis hierher )sollten in jeder Filiale am Schwartzen Brett hängen!!!

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  13. Nun ja, ein Geschäftsführergehalt mehr ist doch nun kein Problem, dafür wurde doch am anderen Ende der Skala genügend gespart!
    Guter Lohn für gute Arbeit!
    Ich benötige Übersetzungshilfe: bedeutet "vertriebliche Offensive" und "Filialmanagement" Übernahme von Buch Habel und Weiland (der ehemaligen Vielfalt des deutschen Buchhandels) und Abwicklung der heruntergewirtschafteten Flächen?

    Zum Thema oben:
    Eine "Deklassierung des Personals" werden wir so lange hinnehmen müssen, wie wir nicht Qualitätsstandards auf Seiten unserer Vorgesetzten einzufordern beginnen, auch vor Ort in den Filialen. Denn auch dort liegt vieles im Argen.

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  14. @Anonym 17. Febr. 21:33

    Wunderbar. Treffen uns dann dort auf einen Schwatz. Erkennungszeichen: 25. Auflage.
    ;-)

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  15. Ich bin Kunde.
    Das qualifizierte Personal ist der letzte starke Punkt von Hugendubel. Ansonsten Stapel mit Bestsellern, sinkende Auswahl, Verkäufer dürfen nicht mehr über Sortiment entscheiden. Hugendubel wird immer mehr von diesen katholischen Kommerzgurken mit schlechtem Geschmack, Arroganz und null Liebe zum Buch beherrscht. Halleluja.

    Mitarbeiter sollten eigene Läden mit klarem Profil und guter Beratung gründen. In Hamburg gibt es da eine jüdische Buchhandlung mit Cafe. Das ist die Zukunft. Und da kauf ich auch wieder ein.

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