Montag, 14. Februar 2011

365 Vierundzwanzig-Stunden-Tage

Rentieren sich längere Öffnungszeiten?

Ganz eindeutig: Nein.
Man sollte bedenken, dass die finanziellen Mittel der Konsumenten auch bei völliger Freigabe der Ladenöffnungszeiten immer noch beschränkt sind. Dies würde nur zu einer Verlagerung der Käufe führen.
Eine Studie der Deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Jahr 2008 ergab, dass trotz längerer Verkaufszeiten der Einzelhandelsumsatz in Deutschland im vergangenen Jahr preisbereinigt um 2,2 Prozent geschrumpft ist. In Sachsen etwa, wo die Geschäfte werktags von 6 bis 22 Uhr öffnen dürfen, sackten die Umsätze um 5,1 Prozent.


Laut Gewerkschaft gab es zwar einen leichten Zuwachs bei den Beschäftigten, seit die Ladenöffnungszeiten von den Ländern festgelegt werden können, doch seien dies fast ausschließlich geringfügig Beschäftigte und Teilzeitkräfte. Die Zahl der Vollzeitstellen gehe dagegen weiter zurück. Besonders drastisch sei dies in Sachsen-Anhalt zu beobachten, wo der Anteil der geringfügig Beschäftigten um mehr als neun Prozent zunahm.

Mehr als die Hälfte der Verkäufer, die zu 70 bis 75 Prozent Frauen sind, arbeiten Teilzeit. Davon ist ein Großteil geringfügig beschäftigt. Sie klagen darüber, dass die geforderte Flexibilität beim abendlichen Arbeitseinsatz nur schwer zu stemmen ist.
Besonders für die 2,1 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland wird die von den Arbeitgebern gewünschte Flexibilität zum Problem.
Die angestrebte Liberalisierung der Ladenöffnung ginge in erster Linie zu Lasten der Familien und der sozialen Kontakte. Die Arbeitnehmer würden dadurch noch mehr belastet werden.
Untersuchungen, u. a. von dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung zeigen auf, dass es schädlich für Gesundheit und für die sozialen Bindungen ist, die Kernarbeitszeiten immer weiter auszudehnen.

Um diesem Trend der immer längeren Ladenöffnungszeiten entgegenzuwirken sind alle MitarbeiterInnen gefragt.
Leider gibt es immer wieder KollegInnen die ‚freiwillig’ länger arbeiten und sogar den Sonntag als Arbeitstag in Kauf nehmen. Diese KollegInnen unterstützen damit direkt die Unternehmen, bei deren Forderungen nach längeren Ladenöffnungszeiten und Öffnung an Sonntagen.

Deshalb:

Setzt Euch für einen nachhaltigen Ladenschluss in Bayern ein und damit gegen eine Verschlechterung der Arbeits- und Lebensqualität.

Sagt "Nein" zu Sonntagsöffnungen und längeren Öffnungszeiten!



Quellen:

http://www.verdi.de/
http://www.boeckler.de/

Kommentare:

  1. "Leider gibt es immer wieder KollegInnen die ‚freiwillig’ länger arbeiten und sogar den Sonntag als Arbeitstag in Kauf nehmen"

    Was für eine Agitation ist das wieder!?

    Wie soll es Ihrer Meinung nach aussehen? Die ganze Innenstadt hat verkaufsoffenen Sonntag, nur bei Hugendubel bleibt das Licht aus, weil die Mitarbeiterinnen nicht bereit sind, am Sonntag zu arbeiten?
    Wenig öffentlichkeitswirksam!
    Viele Menschen scheinen Sonntags einkaufen gehen zu wollen. (Ist mir privatissime vollkommen unverständlich). Also ist eine BEGRENZTE Anzahl von Sonntagen wirtschaftlich vertretbar. Ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden, weil ich auch am Sonntag mal gerne arbeiten gehe - und dafür, an einem Wochentag meine Ruhe habe, wenn es in vielerlei Freizeitangeboten ruhiger ist, als am Wochenende. Da brauche ich keine linken Einpeitscher

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  2. "Setzt Euch für einen nachhaltigen Ladenschluss in Bayern ein und damit gegen eine Verschlechterung der Arbeits- und Lebensqualität."

    Mh, stimmt! Wo kämen wir denn hin, wenn wir sonntags nicht mehr in die Kirche gehen oder schlimmer noch, ständig per Mobiltelefon ständig erreichbar sind! Am Ende müssen wir etwa auch in Kauf nehmen, im Ausland arbeiten zu müssen????? Englisch sprechen????
    Wie heißt es so schön, wer nicht will, der hat schon. Und Schuld sind natürlich die Kunden. Verdammt! Warum ändert sich eigentlich die Welt ständig???? Ich wär so gerne auf meinem Hintern sitzen geblieben...

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  3. "der Wandel der Welt". Dies hier hat nichts mit dem Wandel der Welt zu tun, das konsumorientierte Leben ist ein gesellschaftliches Problem. Dagegen muss etwas unternommen werden. "Am Sonntag arbeiten", werde ich persönlich nie, dafür bleibt vom Stundenlohn netto zu wenig übrig. Und hier wird jetzt auch wieder nur vom Buchhandel gesprochen, denn unsere Zuschläge sind super ausgehandelt, doch vergessen wir nicht die Kolleginnen und Kollegen im restlichen Einzelhandel, die nicht freiwillig und ohne Zuschläge Sonntags arbeiten müssen.

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  4. "Die ganze Innenstadt hat verkaufsoffenen Sonntag, nur bei Hugendubel bleibt das Licht aus, weil die Mitarbeiterinnen nicht bereit sind, am Sonntag zu arbeiten?"

    Die Läden werden am Sonntag geöffnet, weil die Betriebsräte der anderen Innenstadt-Geschäfte umgefallen sind und sich von ihren Chefs haben erpressen lassen.

    Da der Gesetzgeber keinen klare Grenze zieht,
    setzt jedes Geschäft, das zusätzlich öffnet, die anderen Läden unter Druck, die dann wiederum... undsoweiterundsofort.

    Ausserdem wurde nach wie vor die eine Frage nicht beantwortet: warum reichen Öffnungszeiten von 9.30 Uhr bis 20.00 von Montag bis Samstag nicht aus?

    Der Widerstand gegen die Sonntagsöffnung hat nichts zu tun mit der hier öfter behaupteten Inflexibilität der KollegInnen, sondern damit, weil man sich noch einen minimalen Rest an Lebensqualität und Familienleben bewahren möchte.

    Dass das die FDP-Einpeitscher nicht verstehen, ist völlig klar; sie müssen ja am Sonntag nicht im Laden stehen, sondern schicken ihre Billigarbeitskräfte ohne Zuschläge rein.

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  5. Lieber Thor oder doch nur ein Tor? Hast Du Dir schon mal überlegt, dass es ohne einen Sonntag gar keinen Montag geben würde?

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  6. @ Chemnitz

    Wenn ich das Wochenende durcharbeite entfällt dieser lausige Montagmorgen, an dem das Wochenende vorbei ist und ich wieder arbeiten muß... Das ist wahrscheinlich nicht, was Du mir mit auf den Weg geben wolltest?
    Um auf Deine Frage zu antworten, ich habe mir das noch nicht überlegt. Bisher hat es jemand noch immer nach jedem Sonntag wieder Montag werden lassen und ich bin zuversichtlich, dass es so bleibt!

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