Samstag, 17. Dezember 2016

Not for sale: unser freier Sonntag

Verkaufsoffene Sonntage haben keine Zukunft




In der aktuellen Diskussion um eine Ausweitung verkaufsoffener Sonntage – der Handelsverband Deutschland hatte kürzlich  vorgeschlagen, bundesweit zehn verkaufsoffene Sonntage mit Öffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr einzuführen, ohne dass dafür wie bisher ein besonderer Anlass bestehen soll – haben sich Vertreter aus Politik, Gewerkschaften und aus der Kirche gegen eine solche Ausweitung ausgesprochen.

Roland Hacker und Philip Büttner vom kda Bayern haben einen Kurzfilm produziert, der anschaulich macht, warum verkaufsoffene Sonntage keine Zukunft haben. Der knapp drei Minuten lange Beitrag zeigt Kriterien für die Prüfung der Rechtmäßigkeit von Sonntagsöffnungen.
 
Erfreulicherweise zeichnet sich eine Trendwende in der Rechtsprechung zur Sonntagsöffnung ab:
nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes im Herbst 2015 bestätigen entsprechende Urteile in Bayern, Thüringen und Hessen in diesem Jahr die Durchsetzung des gesetzlichen Schutzes der Sonntagsruhe. Vor wenigen Tagen stellte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in einem Verfahren gegen die Gemeinde Aschheim  bei München die Rechtswidrigkeit der Sonntagsöffnung eines Möbelhauses fest.

Kommentare:

  1. Ich weiß echt nicht, was für ein Problem Ihr plötzlich (!) mit diesen Sonntagen habt. Der Verkaufsoffene Sonntag ist seit einigen Jahren da. An ein paar Sonntagen im Jahr. Einige Mitarbeiter machen gerne mit, andere weniger gerne, wieder andere gar nicht. Ist genau so, wie die Übernahme ungeliebter Schichten, wenn jemand anderes plötzlich ausfällt, einige helfen gerne mit, andere weniger gerne, wieder andere verdrücken sich mit Hinweis auf irgendwelche Turnusse. Nix besonderes also.
    Nun, diverse Jahre nach Freigabe einzelner Sonntage, treten plötzlich Gewerkschaftsaktivisten und lebensferne Juristen auf den Plan und behaupten, das alles wäre sehr, sehr böse. Nur, die Kirchen waren vorher schon sehr leer und wir lesen wenig in Deutschland über verwarloste Kinder und zerrütete Familien wegen der wenigen Sonntage, die in normalen Städten überhaupt geöffnet werden kann. Sinnig ist, davon Tage wie Ostersonntag auszunehmen, wie das diverse Bundesländer tun. Alles andere ist blinder Aktionismus. Ebenso wie die Forderung nach mehr offenen Sonntagen. Wenn jeder Sonntag offen ist,ist das nichts Besonderes mehr und hat keinen Reiz. Also - hat die Gewerkschaft bei niedrigem Mindestlohn, Hartz III bis IX, Zuwanderung, Wegbrechen von Jobs wegen der Komkurrenz des Internets nichts wichtigeres zu tun, als über die "Rechtswidrigkeit der Sonntagsöffnung eines Möbelhauses" in einem Ort, den kein Mensch kennt, entscheiden zu lassen? Mensch, was geht es uns gut in Deutschland! Schöne Weihnachtszeit Euch allen!

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    1. Von "plötzlich" kann keine Rede sein. Die Sonntagsallianz aus Kirchen, Gewerkschaften und vielen anderen Organisationen gibt es seit über 10 Jahren.
      Ziel der Allianz war und ist die Bewahrung des Sonntages als gemeinsamen Tag für Familie, Freunde, für kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten.
      Bei einer Arbeitszeit im Handel von Montagfrüh bis Samstagabend ist dies bei der permanenten Aufweichung des Sonntagsschutzes auch dringend geboten.
      Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Durchsetzung bestehenden Rechts in Form des Ladenschlußgesetzes, gegen das andauernd verstoßen wird, notwendig.

      Mit einigen wenigen Verkaufssonntagen gibt sich die Kapitalseite aber nicht zufrieden, sondern sie wollen einen verkaufsoffenen Sonntag pro Monat und planen langfristig die totale Freigabe. Hugendubel hatte selber zeitweise in Mecklenburg-Vorpommern in einer Filiale 26 Verkaufssonntage. Wenn das Argument mit der Konkurrenz durch den Online-Handel stichhaltig wäre, dann müßte man aber jeden oder jeden zweiten Sonntag aufmachen. Übrigens ist ver.di auch gegen Sonntagsarbeit bei Amazon vorgegangen. Wenn der Sonntag zu einem normalen Arbeitstag wird, dann wird es aber auch keine "Freiwilligkeit" und keine Zuschläge mehr geben. Mit der "Freiwilligkeit" ist es sowieso nicht weit her, wie man an den Verhandlungen zu den Silvesteröffnungszeiten in München sehen konnte. Mehr Umsatz gibt es auch nicht, sondern nur eine Verschiebung. Das hat die GL selber zugegeben. Sie machen es aus "Marketinggründen". Den Sonntag fürs "Marketing" zu opfern, dafür ist er einfach zu schade.

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