Montag, 26. Mai 2014

"Keine inhaltlichen Beschränkungen mehr"

Hugendubel schaltet den Kirchenfilter ab

Eines der peinlichsten und reaktionärsten Kapitel in der Geschichte Hugendubels wie in der Historie des deutschen Buchhandels ging vergangene Woche nach fast vier Jahren zu Ende: mit der Betreuung des Online-Shops durch buecher.de wurde auch der unsägliche Kirchenfilter abgeschaltet. Wie auf einem GL-Aushang für die Mitarbeiter verdruckst in einem einzigen Satz zu lesen war, "wird es keine inhaltlichen Beschränkungen mehr geben".

Kirchenkritische Titel wie Deschners Kriminalgeschichte des Christentums, Dawkins´ Gotteswahn, Bergers Heiliger Schein oder der Brief an meinen Bischof des langjährigen katholischen CSU-Bundestagsabgeordneten Martin Mayer sind jetzt wie in allen normalen Buchhandlungen in Deutschland auchbei Hugendubel problemlos zu bekommen.

Wer das für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 nominierte Aufklärungsbuch Make love sucht, wird es im Online-Shop finden, ebenso Sachbücher zum Thema schwul-lesbische Regenbogenfamilien. Und wer sich neben Shades of Grey - ein Titel der zeitweise 3 % vom Gesamtumsatz ausmachte -  auch für Bücher von Sylvia Day oder Vina Jackson interessiert, wird sich in Zukunft keine verlogenen moralinsauren Kommentare mehr anhören müssen.

Nur auf eine Sache wird die Hugendubel-Belegschaft sowie die Öffentlichkeit wohl vergeblich warten:



Auf eine Entschuldigung von Herrn Dr. Maximilian Hugendubel, von Frau Nina Hugendubel sowie der Hugendubel-Geschäftsführung für ihre Dreistigkeit, diesen für alle offensichtlichen Sachverhalt fast vier Jahre lang zugelassen und zugleich abgestritten zu haben.


Hier nochmal alle 30 Infoblog-Artikel über die Schande des deutschen Buchhandels zum Nachlesen:
                                      Das Zensur-Dossier


 
 

Kommentare:

  1. Sollen wir uns freuen? (ja, ein bisschen wenigstens!). Doch leider existieren weiterhin genügend Anlässe für Ärger und Protest, dafür sorgen vor allem die beiden Hugendubels selbst. Selbstverständlich halten sie ihre Klappe und bewahren verschämt-verlogenes Stillschweigen, wenn es um ihre Verantwortlichkeiten für die zahlreichen desaströsen Firmenentwicklungen der vergangenen Jahre geht (und wie allgemein bekannt stellen hier die Zensur-Angelegenheiten nur einen kleinen Posten unter zig anderen Unsäglichkeiten dar)!

    Eine Frage noch:

    Wieso steht im hugendubel.de-Impressum weiterhin

    buecher.de GmbH & Co. KG
    Steinerne Furt 65 a
    86167 Augsburg

    http://www.hugendubel.de/show/service-hugendubel/unternehmensinformationen/impressum/271118/

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    1. Steinerne Furt ist doch der Augsburger Unternehmenssitz von Weltbild, oder täusche ich mich da?

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  2. Buecher.de gehört zum Teil Weltbild

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  3. Herr Hugendubel behauptete Anfang 2011, daß "nur Nazi- und Pädophilen-Literatur" ausgefiltert werde, sonst läge es höchstens an "technischen Problemen." Nach der Berichterstatung im Blog schaltete man schnell die zensierten Bücher wieder frei. Faz, Spiegel, Süddeutsche etc berichteten darüber. Daß nach einigen Monaten der Kirchenfilter wieder voll aktiv war,darüber berichtete die selbsternannte "Qualitätspresse" nichts.

    Weshalb eder Hugebndubel-Online-Shop nicht schon damals von buecher.de betrieben wurde, erklärt sich vermutlich damit, daß buecher.de damals noch nicht zu 66% Weltbild gehörte, sondern zu jeweikls einem drittel Weltbild, Holtzbrinck und Springer. Weltbild wollte sich damals wohl nicht mit nur einem Drittel des Profits zufrieden geben.

    Fazit: eine ganz große Zensur-Schweinerei von Herrn/Frau Hugendubel sowie der Hugendubel-GL
    und ein Armutszeugnis für den deutschen Buchhandel. Dem Blog sei Dank für die hartnäckige kritische Berichterstattung.

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  4. In einer Stellungnahme gegenüber "Buchreport-Online" zum Thema Kirchenfilter verbreitet die GL weiterhin die Unwahrheit, nach dem Motto: den "Kirchenfilter" gab es nie bei Hugendubel. Wie soll man einer GL vertrauen, die nach wir vor so dreist lügt? Dieser Umgang mit der Wahrheit verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

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  5. Jetzt ist der Kirchenfilter aus und es entsteht der Eindruck dass hier einige von uns traurig darüber sind. Ein Punkt weniger über den sie schimpfen können. Hey, es gibt noch genug anderes!

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  6. Genug anderes heißt: Stellenabbau, Verkleinerung der Flächen, Kürzung von Gehalt, Erhöhung der Arbeitszeit, Ausstieg aus den Tarifen. Genug zu tun für die Betriebsräte.

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