Donnerstag, 25. April 2013

Maschine ersetzt Mensch?

Eine kleine Technikkunde: Teil 2 XPace


Wenn es angesichts der Lage bei Hugendubel zwei Dinge gibt, auf die man sich relativ sicher verlassen kann, ist es zum einen der sich stetig fortsetzende Personalabbau (mit Ausnahme vielleicht der Zentralen Dienste. In Zukunft auch noch?), zum anderen der immer stärker um sich greifende Einsatz von Technik/IT.

Während nun die allermeisten KollegInnen mit einem altbekannten Handwerkszeug wie unserer Bibliographier-Software BUB (sei es die alte oder die neue Version) bestens vertraut sind, und etwas weniger unsere Kundensoftware KKM in- und auswendig kennen, liegt die Sache bei IT-Lösungen ganz anders, mit denen es nur einige wenige Spezialisten zu tun haben. So wie beim „Regalmanagementsystem“ XPACE.

Damit arbeiten seit einiger Zeit (ausschließlich) unsere KollegInnen aus der Abteilung Sortimentsmanagement in den Zentralen Diensten in München. Nun gut, wird sich die BuchhändlerIn im Laden vielleicht sagen, was soll mich diese Software verdammt nochmal also interessieren?

Durchaus nachvollziehbar dieser Gedankengang, nicht wahr? Leider hat Software vielfach aber die unangenehme Eigenschaft, dass sie nicht nur die Arbeit desjenigen beeinflusst/erleichtert/erschwert(?), der sie anwendet, sondern auch Auswirkungen auf Menschen hat, die sie ihr Lebtag nicht zu Gesicht bekommen werden. Anhand von „XPACE“ lässt sich das ziemlich gut demonstrieren.

Aber stellen wir uns zunächst einmal dumm und fragen: Was ist XPACE überhaupt?

Die Software „XPACE 3“ ist eine IT-Lösung für computergestützte Regalplanung und wurde von der deutschen Firma Numerikon entwickelt.

In XPACE können Regale und Pyramiden abgebildet werden, und zwar nicht nur Möbel mit standardisierten Maßen. In diese Darstellung werden anschließend die Bücher (oder sonstigen Artikel) platziert. Man kann festlegen, was frontal zu präsentieren, bzw. was um die Frontalpräsentation herum zu gruppieren ist. Es können prozentuelle Füllungsvorgaben pro Regalbereich gemacht werden, der Gesamtfüllungsgrad des Regals wird dargestellt. So wird ein Planogramm erstellt, aus dem man (idealerweise) erkennen kann, wo was zu platzieren ist.

XPace wird bei Hugendubel im Rahmen des sog. „Zentralen Sortimentsmanagements“ eingesetzt. Schon seit einiger Zeit gibt es ja für verschiedene Bereiche sog. „Standardsortimente“ (z.B. in der Reise). Vorgegebene Titel sind mit einer ebenfalls vorgegebenen Mindeststückzahl im Laden zu führen. Da eine FeinSteuerung mit den bisherigen Bordmitteln kaum möglich war, kam es immer wieder vor, dass Lager aus allen Nähten platzten, weil der Platz in der Filiale für die Masse an Ware einfach nicht gereicht hat. XPACE soll hier Abhilfe schaffen.

Getestet wurde das Ganze in der zweiten Jahreshälfte 2012 in ausgewählten Filialen mit dem Sortimentsbereich „Hobby“. Dieser wurde gewählt, weil er relativ überschaubar ist und man sich dort ein erhebliches Wachstumspotential versprach. Je nach Größe der Testfiliale gab es ein großes bzw. kleines Modul mit einem von der Zentrale gesteuerten „Basissortiment“, das vor Ort um weitere Titel ergänzt werden konnte.

Mit dem Ergebnis dieses Pilotprojekts war man bei Hugendubel offensichtlich so zufrieden, dass in diesem Jahr in weiteren Filialen das neue Hobby-Sortiment eingeführt wird. Basissortimente wird es anschließend u.a. im Bereich Reise geben.

Kommen wir auf die Frage in der Überschrift zurück, ist bei XPACE zu konstatieren, dass hier im Augenblick wohl keine direkte Gefahr für Arbeitsplätze in den Läden besteht?! Zum Konzept Sortimentsmanagement gehört, den BuchhändlerInnen vor Ort einen Teil des Sortiments in eigener Verantwortung zu belassen. Fragt sich nur, wie groß dieser Teil sein und bleiben wird.

Auch muss man abwarten, ob das Sortimentsmanagement wie versprochen eine Arbeitserleichterung darstellt und hilft, Umsätze wenigstens zu stabilisieren.



Anmerkung der Infoblog-Redaktion

Die Blog-Redaktion erhielt diesen Beitrag vor derm 12. April.
Nachdem wir Herrn Nitz dort auf der Betriebsversammlung reden gehört haben, gehen wir stark davon aus, dass `jedes Rationalisierungspotential genutzt` werden soll. Auch dieses hier.



Kommentare:

  1. Wer trifft die zentrale Titelauswahl bei XPace und nach welchen Kriterien? Können Verlage sich "einkaufen"? Bietet man den Verlagen Platzierung und erwartet im Gegenzug besonders gute Konditionen? Kennt jemand Details? Welche Erfahrungen haben Mitarbeiter in den Testfilialen gemacht?

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  2. Ich habe noch weitere Gedanken. Es soll jetzt nicht provozierend klingen, das ist wirklich nicht, was ich will. Aber mir wurde immer gesagt wie wichtig ein BR sei.
    Nun frage ich mich, was er verhindert?
    Kündigungen? Nein.
    Personalabbau? Nein.
    Software, die letztlich zu Personalabbau führt? Nein.
    Filialschliessungen? Nein.
    Abgabe von Aufgaben an externe Firmen? Nein.

    Ich habe schon gegoogelt und alles mögliche versucht, herauszufinden, was genau ein BR verhindern kann.

    Ich habe nix gefunden. Das hat mich erschreckt.

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    1. Weiterbeschäftigung gesichert!
      Tatsächlich! Betriebsräte bei Hugendubel haben KollegInnen mit befristeten Arbeitsverträgen zur Weiterbeschäftigung verholfen.
      Und wie haben sie das erreicht?
      Gänzlich einfach, die Arbeitgeberseite hat Fehler gemacht und dort wurde nach Recht und Ordnung eingegriffen.
      Viele solche Aktionen Euerer und Deiner Interessenvertretung kommen nicht an die Öffentlichkeit, weil sie als personelle Maßnahmen unter den Mantel der Verschwiegenheit fallen.
      Woher mir solche Inhalte bekannt sind?
      Ich habe den Ball angestoßen, der zur Weiterbeschäftigung oben genannter, befristet Beschäftigter geführt hat.

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    2. @ Freistoss

      Danke für den Hinweis und danke für das Engagement in diesem Fall.

      Das ändert aber leider nichts an den sehr beschränkten (die deswegen trotzdem genutzt werden müssen!) Möglichkeiten des Betriebsrates.
      Denn was war in diesem Fall der Grund für den "Erfolg" des betriebsrates? Ein Formfehler des Managements, wie er auch in anderen Zusammenhängen schon öfters passiert ist, z.B. Formfehler bei Abmahnungen - deswegen unwirksame Kündigung etc.). Das alles soll das Engagement des BR nicht schmälern, aber doch auf die Grenzen durch das Betriebsverfassungsgesetz hinweisen. Denn hätte die personalabteilung nicht schlampig gearbeitet, dann kann der BR zwar Widerspruch einlegen, der Arbeitgeber kündigt trotzdem, der Arbeitnehmer kann dann Individualklage vor dem Arbeitsgericht einlegen; das Gericht schaut sich zwar den BR-Einspruch an, der Ausgang ist aber offen. Und die Tendenz der Arbeitsgerichte in den letzten Jahren fällt nicht immer zugunsten des Arbeitnehmers aus.

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  3. Wenn man sich das Betriebsverfassungsgesetz einmal zu Gemüte geführt hat, weiß man wie wenig Möglichkeiten ein BR eigentlich hat.
    Als BR doktort man an Problemen herum und versucht das Schlimmste zu verhindern; was aber leider oft nicht wirklich funktioniert.
    Die Endstation ist dann die Einigungsstelle, die dann entscheidet.

    Da hilft nur eines: die politische Ebene, dh. Gewerkschaft, in unserem Falle ver.di!

    Nur hier ist es möglich gute Ergebnisse zu erzielen und zu streiken

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  4. Die politische Ebene sind sicherlich nicht die Verdi-Repräsentanten, die auf bundesebene weichgekochte Pseudoforderungen deklamieren. In diesem Jahr wird gewählt. Dann gilt's! Dann werden wir sehen, ob sich irgendjemand beim Kreuzchenmahen um Löhne schert, von denen sic leben läßt, oder doch nur um Eurobonds oder Ehegattensplitting für Gleichgeshlechtler.

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