Mittwoch, 23. Mai 2012

Werte, Weltbilder, Wutreden: Eine durchaus beunruhigende Bildergeschichte

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Von Geheimwaffen und tragischen Schlachten - oder:  
Wohin treibt das stationäre Geschäft von Weltbild/Hugendubel? 
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DBH (Weltbild/Hugendubel) - Geheimwaffen ??
Foto: wallguenter

Schrumpfende Sortimente, verschwundene Sortimentsgestalter

Buchhändlerbereinigte Filialen präsentieren ein standardisiertes Schmalspurangebot, 
sortiert allein nach zentral definierten Verkäuflichkeitskriterien – 

und so geraten die Bibel, Anselm Grün, ein verstorbener Papst und die protestantische Ex-Bischöfin in sonderbare Nachbarschaften …  


M. & N. Hugendubel  +  Weltbild-Unternehmenschef C. Halff 
haben die Zukunftsperspektiven des stationären Filialgeschäfts der DBH bereits weitgehend gekappt:

Die unternehmerischen Investitionsströme sind nicht (mehr) für die Beschäftigten vorgesehen; sie dienen fast ausschließlich dem Auf- und Ausbau gigantischer Rationalisierungs- und Automatisierungs-Systeme in einem fast mitarbeiterfreien Filialbetrieb. Und das Hauptgeschäft ("Multichannel") wird - in Konkurrenz zu Amazon - über Internet/Versand erfolgen.

Die einstige DBH-Expansionsabteilung betreibt inzwischen vor allem den Flächen-Rückbau und wickelt Filialschließungen ab (wie in diesen Tagen beim Hugendubel-Stammhaus am Münchner Salvatorplatz) - und verlagert das Geschäft mehr und mehr in den Augsburger Onlineshop (weltbild.de / hugendubel.de).  


Der Belegschafts-Protest gegen diese Arbeitsplatzvernichtungspolitik (verantwortet einerseits von Familie Hugendubel, andererseits von den deutschen Bischöfen) hat nun auch  die Redaktion (Verfasser: Tobias Lill)  der  Bayerischen Staatszeitung  erreicht: 


Ausschnitt  "Bayerische Staatszeitung"  (Ausgabe 19 vom 11.05.12 / Politik) 
http://www.bayerische-staatszeitung.de/archiv/artikel.html

Tchibo und Aldi lassen grüßen ...

Ein Bestsellerboulevard-Einheitsbrei türmt sich höher und höher in den Läden der DBH, ausufernd flankiert von NonBook-Krimskrams:

sowohl in den "Weltbild-XL-Filialen", gemeinhin (noch) unter dem "Markennamen Hugendubel" bekannt

als auch bei den  "DBH-Discount-Marken":  Weltbild(plus)  /  Jokers  /  Wohlthat


DBH-Innenansicht:  weltbildhugendubel 
Foto: wallguenter

So prägen mittlerweile die in den Weltbild-Läden "bewährten" Discounter-Prinzipien ebenfalls die gesamte Hugendubel-Welt; diese "Aldisierung des Buchhandels" zeichnet sich vor allem auch durch strenge Hierarchisierung aus:

Individualität und (relative) Autonomie der Filialen sind verschwunden; die Befehlshierarchie degradiert alle Beschäftigten unterhalb des wasserkopfartig aufgeblähten Top-Managements zu bloßen - beliebig austauschbaren - Befehlsempfängern. 
  

Von "bauchfreien Buchhändlern" und "Regalschlampen"

Die vorbildlichen, die Mitarbeiterinitiative fördernden "Hugendubel-Unternehmensrichtlinien" sind in der Versenkung (bzw. im Papier-Abfallcontainer) verschwunden. An ihre Stelle getreten ist ein "PoS Leitfaden", der für das wenige in den Filialen verbleibende Personal jedes Detail im Arbeitsalltag verbindlich regeln und vorschreiben will.

In das Discounter-Unternehmenskonzept passen die (häufig beklagte) fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter/innen, Misstrauen, Kontrolle, StoreChecks, Testkäufer, Überwachung, Mobbing ...

Und so trifft dann auch der seit Blog-Start kolportierte "Managementsprech Regalschlampe" auf ein entlarvendes Mitarbeiterbild im PoS-Leitfaden, bei dem die "Individualität der Beschäftigten" vorzugsweise über Vorschriften wie das "Tragen des Namensschildes" und von "seriöser und ordentlicher Kleidung (bspw. keine freizügigen Träger Tops, bauchfrei, sehr kurze Miniröcke)" definiert wird. 



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... äußerst beunruhigend alles, gar deprimierend:
... Gegenwart + Zukunft bei Weltbild/Hugendubel ... 
... wohin soll das noch führen? 


Aber (wie zuletzt auch die Bayerische Staatszeitung feststellte) 
es gibt sie:


Die Protestbewegung

Die Strategie des Weltbild/Hugendubel-Managements, den gesamten Konzern über die Köpfe der Beschäftigten hinweg (und auf deren Kosten) komplett umzugestalten, gelingt nicht störungsfrei, stößt auf Widerstand -

hierzu zählen

dieser gewerkschaftliche Infoblog;
der Kampf um eine tarifvertragliche Zukunftssicherung (STV);
Kardinalsdemo samt "betriebsrätlicher Wutreden"




... gegen "Raubbau" und "Discounter-Mentalität" im Buchhandel ! 

...

Kommentare:

  1. Die andere Alternative: Schnell weg aus diesem Laden, bevor es zu spät ist!

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  2. Ganz ehrlich? Ich verstehe nicht, was uns dieser wild zusammengewürfelte Beitrag sagen soll. Ich verstehe ihn nicht.

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    1. Vielleicht sagt er eigentlich: Wir arbeiten bei gar keinem Discountarbeitgeber und alles ist in bester Ordnung. Die Hugendubels sorgen für uns und die katholische Kirche auch. Deshalb einfach weiterarbeiten und nicht aufmucken.

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  3. @ Anonym 2:29: Vielleicht will man sich dagegen auflehnen im Laden als Mitarbeiter erkannt werden zu können. Manche lehnen lieber in Miniröcken bauchfrei am Infostand herum. Aber nein, das kommt ja nie vor und wenn, ist es die GL schuld, weil sie uns so ausbeutet. Wer Ironie findet, darf sie behalten.

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  4. Was helfen uns diese Einsichten konkret? Hier in Berlin jedenfalls wird alles immer schlimmer und die meisten Kollegen haben vollkommen resigniert. Die anderen sind sowieso schon entlassen. Ich bin sehr pessimistisch und sehe keine starke "Protestbewegung"! Leider!!!

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  5. Buchhändler und Hugendubel-Kollegen kann man auspressen bis kein Tropfen mehr drin ist und dabei wird man kaum jemanden finden, der protestiert.
    Ganz im Gegenteil, sie verzichten sogar noch, anstatt zu kämpfen. Harmonie über alles. Ja nicht auffallen, keinen Ärger und keine Diskussion.

    Sie kommen sogar auch noch als leere Hülle in die Firma gekrochen.

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  6. Egal was kommt, der "Jammerlappen" steht treu und fest zur GL. Niedlich. Nibelungentreue nannte man sowas früher. Hagen von Tronje...
    Oder doch nur einfach Gehirnwäsche? Selbstsuggestion? Oder Hypnose?

    Meine Lektüre-Empfehlung für Dich:
    www.hugendubelverdi.blogspot.de/2010/10/die-kleine-sprachkritik-1.html

    Da kannst du lesen, was mit der letzten Mitarbeiterin am letzten Tag passiert. Es sei denn, Du bist gar nicht die letzte Mitarbeiterin, sondern die andere Figur in der Geschichte...

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  7. Also als ob es sonst hier keine Probleme gäbe als die m.m nach korrekte Vorschrift, dass man sich ordentlich anziehen soll. Den Beitrag verstehe ich auch nicht. Lange kein neuer Skandal geschehen also muss man das, was hinreichend bekannt ist, nochmal Schreiben.

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    1. Also wenn eine Firmenleitung intelligenten Leuten vorschreibt,
      was sie (nicht) anzuziehen haben,
      was sie wo hinzuräumen haben,
      was sie wann zu tun und zu lassen haben,

      dann hält sie diese Leute wohl nicht für intelligent,
      sondern für ziemlich deppert,unselbständig und führungsbedürftig.

      Lasse ich mir so etwas gefallen
      oder nicht?

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  8. Womöglich hat sie Recht?
    Zumindest, wenn du "intelligent" daran ausmachst, wie man sich anzieht *kopftipp*
    In unserer Filiale gab es durchaus Mitarbeiter, denen schon gesagt wurde, dass man bestimmte Dinge eben nicht tragen kann und soll.
    Keiner hat es krumm genommen, einfach am nächsten Tag was anderes angezogen und gut war`s.

    Also - diese Dinge geschehen in der Tat, also muss es dafür Regelungen geben. Und?

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  9. Anonym antwortet anonym und anonym antwortet anonym. Das ist ja mal super.

    Und ja, wenn man gar nicht mehr weiter weiss, dann wird der andere als GL hörig oder schlimmeres beschimpft. Wie wäre es mit: "Jammerlappen macht sich seine eigenen Gedanken und hört weder blind auf die GL noch auf die Scharfmacher von verdi/BR/Kollegen?" Darf nicht sein, kann nicht sein.

    Um zum Bekleidungsthema zurückzukommen. Warum in Gottes Namen (immerhin sind wir ja, wenn ich meinen Kollegen hier glauben kann, katholisch kontrolliert) sollen wir keine Namensschilder tragen, oder sogar Hugendubel Hemden (solange sie einigermaßen schick sind). Warum soll man nicht direkt erkennen, dass wir Hugendubel MA sind? Warum will jemand als intelligenter Repräsentant der Firma Hugendubel und des Berufsstandes der Buchhändler mit bauchfreiem Top und Minirock rumlaufen. Seltsamerweise sind das in 90% der Fälle die MA die sich das sowieso 2x überlegen sollten.

    Wenn man nicht stolz ist, für das Unternehmen zu arbeiten, sollte man zumindest alles unternehmen dies zu ändern. Wenn es nicht klappt, kann man ja bleiben und aktiv positiv sein Unternehmen repräsentieren, nicht aber immer nur destruktiv sein und andere Kollegen, die vielleicht eine Zukunft hier sehen runterziehen. Das ist das was mich bei uns echt ankotzt.

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    1. Lieber Jammerlappen,

      mag sein, dass Du Dir Deine eigenen Gedanken machst und nicht "blind" auf die GL hörst. Desto mehr wundert es mich, dass Du dennoch eine solch obrigkeitshörige Meinung vertrittst. Aber gut...

      Zu Deiner Bekleidungseinstellung: warum sollen wir Hugendubel-MA uns uniformieren? Sollen wir dann auch recht artig salutieren, wenn die GL mal vorbeischaut?
      Es geht doch nicht darum, dass man nicht als MitarbeiterIn erkennbar sein will (so ein Quatsch!), sondern dass man nicht im aufgezwungenen Einheitsbrei herumlaufen möchte! An Schulen mit eventuellem Sozialneid ist das ja verständlich, aber was hat das bei uns zu suchen? Und warum haben die früheren Hugendubel-Anstecker ohne Namen nicht ausgereicht? Man war schon immer als MitarbeiterIn erkennbar!

      Du meinst, KollegInnen, die sich dem und anderen fragwürdigen Machenschaften der GL widersetzen oder widersetzen würden und nicht alles brav abnicken seien "destruktiv" und ziehen "andere Kollegen, die vielleicht eine Zukunft hier sehen" runter.
      Du, wir "Destruktiven" sehen hier auch eine Zukunft - eine Zukunft mit Kompetenzentzug in sämtlichen Bereichen, die den Beruf des Buchhändlers eigentlich ausmachen, mit niedrigen Gehältern, unzumutbaren Arbeitszeiten, stupiden Arbeitsabläufen, Kontrolle usw.
      Dies alles ist die wirkliche Destruktivität und wer befürwortet DAS??

      Was MICH ankotzt, sind NICHT die KollegInnen, die sich für den STV engagieren und seit Jahren darum kämpfen, mutig sind, Rückgrat haben, zur BR-Sitzung gehen, sich gewerkschaftlich organisieren, Aktionen von BR und ver.di unterstützen, sondern solche, die immer den Schwanz einziehen und/oder diese ganzen krassen, arbeitnehmerfeindlichen Gegebenheiten auch noch für richtig halten!
      Was ist bloß los mit denen??

      Hab ich nie verstanden, versteh ich jetzt nicht und werde ich auch nie verstehen!

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  10. Jetzt mal weg von der überflüssigen Diskussion über bauchfrei und Namensschild.
    Schaut Euch im Spiegel online den Artikel "Schnickschnack statt Literatur" an, dann wißt Ihr, was die öffentliche Wahrnehmung ist. Dem Teppich nach könnte es Thalia sein, aber der Inhalt betrifft uns ebenso! Da wird die Schlacht geschlagen, nicht auf Eurem Nebenschauplatz! Einheitliche Kleidung hilft bei Kompetenzverlust auch nicht. Wobei - wenn die Mitarbeiterinnen schlechter gekleidet sind, als die Kundinnen, wie ich das neulich in einem Bekleidungsgeschäft bewundern durfte, hilft das auch nicht weiter

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    1. Einheitskleidung = kundenfreundlich! Also was spricht dagegen?

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  11. Von wem stammt diese Gleichung?
    Vor allem stimmt diese doch nie und nimmer. Kundenfreundlichkeit hat nicht das Mindeste mit Einheitskleidung zu tun. Sollte wohl ein Witz sein?

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    1. Also ganz langsam zum mitschreiben:

      Der Kunde erkennt den Buchhändler auf den ersten Blick und findet so
      schneller einen Ansprechpartner (siehe C&A, IKEA etc.) Logisch, oder?

      Schöne Pfingsten!

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