Montag, 11. Februar 2019

Ausgepresst und weggeworfen?

Ausbildung bei Hugendubel Bildergebnis für zitrone auspressen hand hilgers


"Auszubildende beschweren sich immer häufiger über die mangelnde Qualität der Berufsausbildung. Wissensvermittlung findet in vielen Filialen nur noch dürftig statt. Oftmals ist auf Grund der Personal-Entwicklung keine Zeit mehr, den Auszubildenden Lehr- und Lerninhalte zu vermitteln. Lehrgespräche werden selten, unregelmäßig oder gar nicht geführt.
Leider sind unsere Azubis oftmals nur dafür da, eventuell entstandene Lücken in anderen Abteilungen, am Service und an der Kasse zu füllen. Leider wird dadurch oft nur ein geringer Standard an Mindestbildung vermittelt. Dieser reicht leider oft nicht aus, um auf dem Buchmarkt eine Anstellung zu finden.
Auszubildende haben bei Hugendubel eine besondere Funktion, die der günstigen Arbeitskraft. Junge Menschen, die die Hoffnung auf eine Zukunft im Buchhandel gesucht und diese bei Hugendubel vermeintlich gefunden haben, werden leider zu oft enttäuscht."
Obiger Textauszug stammt aus einem Infoblog-Artikel vom 5. Oktober 2010 unter dem bezeichnenden Titel "Ausbildung? Ausbeutung!" 
In den folgenden Jahren bildete Hugendubel kaum noch aus. Als die Geschäftsführung 2016 großspurig eine "Ausbildungs-Offensive" mit bundesweit 50 Auszubildenden ankündigte, schwante dem Gesamtbetriebsrat nichts Gutes. In einem Offenen Brief vom 21.7.2017 stellte der GBR trotz gegenteiliger GL-Zusagen ernüchtert fest, dass " in der aktuellen Personalplaung für das Geschäftsjahr 2017/2018 ein Stellenabbau in der ungefähren Größenordnung der neu eingestellten Azubis festgeschrieben ist."
Es kam noch schlimmer.

"Welche Erwartungen hattest du vor dem Start an die Ausbildung und das Unternehmen?", fragte das Unternehmen auf seiner Firmen-Homepage Nina, eine Buchhändlerin im 3. Ausbildungsjahr in der Hugendubel-Filiale in Hannover. Antwort: "Dass ich als Auszubildende von meinen AusbilderInnen gut betreut werde und immer einen Ansprechpartner vor Ort habe, die mich in meiner Entwicklung unterstützen."

Und treuherzig versicherte das Unternehmen: "Wir garantieren dir eine intensive Ausbildungsbetreuung in der Filiale durch ein freundliches und hilfsbereites Team."
Die Realität sah anders aus.
Eine zentrale Koordinierung der Ausbildung fand durch die Firma, die sonst alles gerne zentralisiert, nicht statt. Die extra eingestellte Betreuerin verließ nach kurzer Zeit das Unternehmen. Zentrale Inhalte, die früher bei Hugendubel intern ausführlich vermittelt wurden, entfielen wie der kaufmännische Bereich ganz oder wurden auf Schmalspur-Niveau eingedampft. Es blieb dem Zufall überlassen,ob in der jeweiligen Filiale der/die AusbilderIn sich darum kümmerte und sich die Zeit für die notwendige Betreung nahm. So wurden an einem Ort Lehrgespräche durchgeführt und die Berichtshefte mit den Azubis besprochen - oder eben nicht. Und wenn ein Azubi allein auf der Fläche agieren muß, dann ist das nichts anderes als Ausbeutung billiger Arbeitskräfte ohne ihnen etwas vernünftiges beizubringen.
Letzte Chance!
Die Betriebsräte haben diese Fehlentwicklung und das Versagen der Personalabteilung mehrfach hart kritisiert. Jetzt hat sich die GL anscheinend - glaubt man den Zusagen - dazu aufgerafft, die Ausbildung bei Hugendubel wieder auf Kurs zu bringen. Dies ist auch dringend notwendig: im Sinne der KundInnen, die keine Drückerkolonne, sondern kompetente BuchhändlerInnen erwarten, im Sinne einer nachhaltigen Personalpolitik zum Wohle der Firma und nicht zuletzt im Sinne der Azubis, die das Recht auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung haben.
Die Infoblog-Redaktion wird die weitere Entwicklung in Sachen Ausbildung aufmerksam verfolgen.

Was sind Eure Erfahrungen?





Kommentare:

  1. Genau so ist es. Ein Kurswechsel ist dringend notwendig.

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  2. Die logische Konsequenz kann nur sein, dass bei Hugendubel gar nicht mehr ausgebildet wird. Keiner der aufgezeigten Missstände scheint in der Zentrale zu interessieren und es wird nicht besser werden, eher schlimmer. Dann lieber gleich so ehrlich sein und billige Aushilfen einstellen anstatt jungen Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die Zukunft zu verbauen. Und hey - wer braucht im neuen Zukunftsstore noch ausgebildete Buchhändlerinnen und Buchhändler!

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    1. Richtig! Mir graut bei der Vorstellung, dass meine Kinder an solche Blender geraten könnten.

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