Mittwoch, 23. November 2016

Buch Dir Deine Zukunft?

34 Cent über dem Mindestlohn:  Kann man von einem Buchhändlergehalt leben?





Betrachtet man die Zukunft einer ehemaligen Auszubildenden von Hugendubel, gerät man ins Grübeln und ins Zweifeln.

Nach ihrer dreijährigen Ausbildung bei Hugendubel erhielt sie einen auf ein Jahr befristeten Vertrag als Buchhändlerin Verkauf. In der Entgeltgruppe/-stufe der gültigen Vergütungsordnung, in die sie eingruppiert war, zahlt unsere Arbeitgeberin einen Stundenlohn, der um 0,34 € über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt (zum Vergleich: in Bayern bekommen Buchhändlerinnen Verkauf in der TG II im ersten Jahr gemäß Tarif ca. 12 € pro Stunde). Sie hatte eine 40-Stunden-Woche, ohne Spätöffnungs-zuschläge.

Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder gar vermögenswirksame Leistungen waren nicht für sie vorgesehen. Als das Jahr vorbei war, erhielt sie erneut einen auf ein Jahr befristeten Vertrag zu gleichen Bedingungen. Als dieses Jahr sich dem Ende zuneigte, wartete sie nicht auf ein weiteres Zukunftsangebot. Sie fand für sich eine Alternative.

Es gab niemanden in der Filiale, der sie nicht dazu beglückwünscht hat.

Wer seine Erfahrungen zu diesem Thema äußern möchte, kann eine Mail an die Infoblog-Redaktion schicken:  hugendubel.verdi@yahoo.de. Wir veröffentlichen den Beitrag dann anonym.

Kommentare:

  1. In Bayern ist ja der Manteltarifvertrag vom Arbeitgeber gekündigt worden.
    Ich denke, die Arbeitgeber in Bayern streben eine Entlohnung an, wie im obigen Artikel beschrieben.
    Also: die Arbeitgeber wollen den Buchhändlern in Bayern am liebsten auch kein Weihnachtsgeld usw mehr zahlen und auch uns 40Std/Woche arbeiten lassen.
    Das die Arneitgeber dies wahrmachen, sieht man ja zb in Berlin...
    Buchhändler wehrt Euch! Verteidigt Euren Mantel und fordert mehr Engelt.
    Noch im Jahr 2000 zb konnte man in München ganz gut mit einem Hugendubelgehalt leben.
    Jetzt nicht mehr - wenn kein Hauptverdiener zur Verfügung steht, siehts mau aus.
    Wir sind gut ausgebildet und leisten in der Beratung hoch qualifizierte Arbeit! Verlangt entsprechenden Lohn! Mindestens 5 Prozent mehr Lohn nach den Nullrunden u der letzten Erhöhung von 1,9 Prozent!

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  2. Seid Piloten und streikt, wenn die Zeit gekommmen ist!!!! Die Piloten haben erkannt, dass Geld nicht vom Himmel fällt!!!!! Die Piloten bekommen nur deshalb soviel Geld, da sie streiken!!! BUCHHÄNDLER STREIKT FÜR GUTES GEld und euren Tarif!!!!!!!!!!!!!

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  3. Im obigen Artikel ist von einer "Vergütungsordnung" die Rede, d.h. dieser Hungerlohn basiert nicht auf einem zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband abgeschlossenen Tarifvertrag, sondern einer Vereinbarungb zwischen Hugendubel-GL und dem lokalen BR. Solche "Vergütungsordnungen" sind aber nicnt mehr als das Resultat kollektiver Bettelei, da ein BR zur Durchsetzung seiner Ziele keinen Arbeitskampfmaßnahmnen ergreifen darf. Fazit: Statt zu Jammern sollte man sich endlich geweerkschaftlich organisieren, sonst wird man auch weiterhin zu Hungerlöhnen arbeiten.

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  4. Und streiken!
    Gut, dass hier Tacheles geredet wird.
    Redet mit Euren Kollegen und überzeugt sie von der Notwendigkeit von Streiks im nächsten Jahr!
    Ich bin ein Hugendubler und dies sehr gerne. Ich identifiziere mich mit meinem Arbeitgeber und bin stolz auf "mein" Unternehmen...
    Trotzdem muss und will ich streiken, damit unser Tarifvertrag weiterhin gilt! Wir brauchen keine "Anpassungen" wie unsere GL das will. Da wirds nur schlechter - weniger Geld und Mehrarbeit.
    Ein Schelm, wer sowas denkt?
    Also: Streikt für mehr Geld etc, damit ihr auch morgen noch gut und gerne in München bzw Bayern leben könnt!
    Die Aussage "Seid wie die Piloten" ist super.
    Danke dem Anonymus!

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    1. Der Unterschied zu den Pilotinnen und Piloten ist, daß Flugstreiks Geschäftstermine, Urlaube und persönliche Schicksale versauen und daher die meisten Beteiligten daran interessiert sind, eine schnelle Lösung zu finden. Stell Dich mal mit einem Gewerkschafts-Shirt an den Bahnhof, wenn die Bahn streikt, dann weißt Du, welche Anfeindungen ich meine.
      Aber welche gesellschaftliche Zugkraft hat ein Streik im Buchhandel??? Die Gesellschaft ist doch nicht mal willig, wichtige Aufgaben wie Pflege angemessen zu bezahlen. Was wir verdienen, ist den Leuten da draußen vollkommen egal.

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    2. Es sollte aber UNS nicht egal sein, wie unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen sind. Der erste Schritt dazu ist die gewerkschaftliche Organisierung der Beschäftigten. Aus dem obigen Artikel geht nicht hervor, ob das dort der Fall ist.
      Deshalb stimme ich Verdi-Mitglied zu: nicht jammern, sondern sich organisieren!

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  5. Bei der Auseinandersetzung um Löhne kommt den jeweiligen Betriebsräten eine Schlüsselrolle zu. Sie haben Schulungen in Arbeitsrecht und einen besonderen Kündigungsschutz. Wie sieht es da aus?

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    1. Wird das denn nicht auch im Gesamtbetriebsrat diskutiert?

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    2. Ich erkläre es Die, wie es gesetzlich geregelt istDonnerstag, 24. November 2016 um 23:51:00 MEZ

      Hallo Gewerkschaftsmitglied!
      Zur Info: Tarifverhandlungen sind gesetzlich so geregelt, dass einerseits die Arbeitgeber und andererseits die Arbeitnehmer daran teilnehmen.Die Arbeitnehmer werden zwingend von VERDI vertreten, nicht vom BR. In Bayern ist von Arbeitgeberseite unser Herr Nitz vertreten; von Arbeitnehmerseite als VERDImitglied Herr Kramm.
      Mit den Tarifverhandlungen an sich hat der BR gesetzlich nichts zu tun. Nichtsdestotrotz hat unser BR viel mit arbeitsrechtlichen Dingen zu tun. ZB mit Betriebsvereinbarungen hinsichtlich Arbeitszeiten,der Arbeitsbedingungen im HSC...Oder mit der Lösung von arbeitsrechtlichen Problemen Schwerbehinderter...oder mit der arbeitsrechtlichen Hilfe, die der BR oft Kollegen leistet.Auch bei tariflichen Eingruppierung schaut der BR genau hin.
      Wir in Münchem haben wirklich einen guten BR - ohne diesen TopBR wären unsere Arbeitsbedingungen-und Zeiten ganz anders.
      Siehe auch die Situation von Hugendubelmitarbeitern in anderen Bundesländern - da siehts überall schlechter für die Mitarbeiter aus!


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    3. Ich erkläre es Dir, wie es gesetzlich geregelt istFreitag, 25. November 2016 um 00:04:00 MEZ

      Hallo Anonym,
      der Gesamtbetriebsrat hat gesetzlich auch nichts mit den Tarifverhandlungen in Bayern zu tun.

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    4. Selbstverständlich werden Tarifverträge nicht zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung abgeschlossen, sondern zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband.
      ABER: in der betrieblichen Realität sind es die gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte, die auch die Mitglieder der Tarifkommission stellen; sie haben Seminare besucht, sollten überdurchschnittlich betriebspolitisch engagiert sein und haben einen besonderen Kündigungsschutz. Das entläßt nicht den Normalbeschäftigten nicht aus seiner Verantwortung, weist aber auf den betrieblichen Rahmen hin, on dem aus Arbeitskämpfe organisiert werden können. Beispielsweise hat 2014 der hessische ver.di-Sekretär Horst Gobrecht im Rahmen eines Treffens des Gesamtbetriebsrates den Versuch eines gemeinsamen koordinierten Vorgehens unternommen. Außer einer Unterschriftenliste, daß Tarifverträge ganz nett wären, kam da aber offensichtlich nichts raus. Warum? Arbeitskämpfe? Fehlanzeige! Betriebsräte haben deshalb auch eine gewerkschaftliche Signalfunktion - positiv oder negativ.

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    5. Hier der Link zur damaligen Initiative von Horst Gobrecht:
      https://handel-hessen.verdi.de/++file++544512a3ba949b45c7000c71/download/BR-Info-SH_10_2014.pdf

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    6. Stimme Gewerkschaftsmitglied voll zu. Warum gibt es ausser am Standort München bei Hugendubel bundesweit seit Jahren keinen einzigen Streik? Warum ist das anscheinend bei Konferenzen des GBR nie ein Thema? Welche Rolle spielen die jeweiligen Betriebsräte? Und natürlich mischen Betriebsräte bei Lohnverhandlungen mit, wenn sie nämlich mit Nitz und Drouet miese Vergütungsordnungen abschliessen.

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    7. Gewerkschaftsmitglied,viel ist richtig, was Du sagst!
      Lasst uns also zusammen zumindest in Bayern/München einen Streik/mehere Streiks für unseren guten Tarifvertrag und mehr Lohn durchführen. Unser Betriebsrat, der wirklich top ist, unterstützt uns tausendprozentig. Wir haben wirklich einen super Betriebsrat, allen voran Ariane Kische, Jürgen Horn und Uwe Kramm. Ohne den BR gings uns Beschäftigten nicht mehr so gut in München.
      Warum nicht mehr Streiks bundesweit stattfinden - ja, das ist eine gute Frage. Liegt aber nicht nur an Betriebsräten, sondern auch an allen Mitarbeitern.

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  6. Wenn Lufthansa-Piloten streiken, dann ist natürlich nicht nur der Arbeitgeber Lufthansa betroffen, sondern auch viele Flugäste. Stimmt, lieber Anonymus!
    Wenn wir Buchhändler endlich mal gescheit streiken würden, wäre es auch sehr schnell sehr erfolgreich! Und zwar, weil streikendes Personal den Geschäftsbetrieb zb bei uns beim Hugendubel sehr einschränken würden Ein Streik der Mitarbeiter trifft den Arbeitgeber Hugendubel empfindlich: Keine Mitarbeiter im Laden zb an der Kasse, am Info, beim Verräumen, beim Auspacken, im Einkauf,im HSC, in der Zentrale - weil alle streiken!
    Das trifft Hugendubel, das legt den Betrieb lahm, das kostet Umsatz an jedem Streiktag!
    Mit einem Streik können wir viel erreichen! Higendubel wird durch Streiks empfindlich getroffen!
    Und nur durch Streiks kann man die Arbeitgeber bzw die GL Hugendubel dazu bringen, den Manteltarifvertrag unverändert zu lassen und uns mehr Gehalt zu zahlen!
    Streik im Buchhandel ist 100Prozent erfolgsversprechend!
    Also:Streikt!

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  7. Genau, Du sagst es, Buchhändler!!!
    Bei einem Streik wird unser Arbeitgeber finanzielle Einbussen haben. Und nur das wird Hugendubel und die anderen Arbeitgeber in Bayern dazu bringen, den Manteltarifvertrag unverändert zu lassen und uns mehr Lohn zu zahlen!!!!

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  8. Buchhändler argumentiert absolut richtig.

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  9. Szreiken ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um unseren Tarifvertrag zu erhalten und mehr Geld zu bekommen.
    So isr das leider.Herr Nitz ist nicht der Weihnachtsmann, so nett er auch sein kann☺.

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  10. Die KollegInnen von Amazon in Graben/Augsburg haben am heutigen Black Friday für einen Tarifvertrag gestreikt. Solidarische und kämpferische Grüße nach Graben/Augsburg! Black Friday für Lohndrücker auch bei uns!

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  11. @Buchhändler

    Genau das ist es was die meisten Arbeitnehmer nicht verstehen. Hugendubel hat eine geschätzte Gewinnmarge von 2% pro Buch vor Steuern. Wenn jetzt Heldenhaft gestreikt wird und damit ein Umsatzminus von 2M € entsteht, dann ist es nicht damit getan mehr umzusetzten in den Wochen nach dem Streik - dann ist die sehr dünne Marge aus der sich Expansion und Entwicklung speisen zum Teufel. Und dann muss gespart werden - Ihr dürft exakt einmal raten wo das sein wird....
    Der Vergleich mit der Lufthansa ist ein nicht so kluger - das ist ein Konzern der etwas anders aufgestellt ist als Hugendubel.

    Mein Tipp: sucht Euch eine Branche die expansiv agiert, der stationäre Buchhandel ist ein toter Fisch...

    Gruß,

    Insider

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    1. Die Beschäftigten von Hugendubel haben ein Jahrzehnt Reallohnverluste hinter sich: keine oder nur geringe Lohnerhöhungen, Streichung aller freiwilligen Leistungen, an vielen Standorten Personalabbau, längere Wochenarbeitszeiten und miese Vergütungsordnungen. Die "Margen", von denen Du redest, müssen das Resultat eines funktionierenden Geschäftsmodells sein und nicht ständig den Beschäftigten abgepresst werden. Bei der kommenden Tarifrunde werde ich mich deswegen an Arbeitskampfmassnahmen auf jeden Fall beteiligen.

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