Montag, 19. Juni 2017

Ein Antisemit auf der Bestenliste

Biedermänner & Brandstifter (6):  Der Fall Sieferle






Zusammen mit der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichte NDR Kultur bisher regelmäßig die "Sachbücher des Monats". Nun hat NDR Kultur die Zusammenarbeit mit der Jury bis auf weiteres ausgesetzt. Mit der Empfehlung von "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle in der Juni-Liste hat die Jury - so der NDR in einer Pressemitteilung - "eine gravierende Fehlentscheidung getroffen, die für NDR Kultur nicht tragbar ist. Nach Einschätzung von NDR Kultur und anderen Kritikern äußert der Autor in seinem Buch rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich die Redaktion entschieden distanziert. Auch die Jury distanziert sich von Buch und Verlag und bedauert dessen Nominierung."


Der Jury der renommierten Sachbuch-Liste gehören Wissenschaftler und Journalisten an, die monatlich allein auf Qualitätskriterien beruhende Literaturempfehlungen abgaben. Jeder Juror kann 20 Punkte verteilen, die üblicherweise auf mehrere Titel verteilt wurden. Nun hat das Jury-Mitglied und SPIEGEL-Redakteur Johannes Saltzwedel seine 20 Punkte auf einen Titel, nämlich das Buch von Sieferle kumuliert, damit er den Einzug in die Besten-Liste schafft. Was ihm auch gelang: Sieferles Machwerk schaffte es auf Platz neun. 


Laut eigener Aussage wollte Saltzwedel den "provokanten Titel eines final Verbitterten zur Diskussion stellen." Sieferle vertauschte in seinem Pamphlet Täter und Opfer:

"Die Schuld der Juden der Kreuzigung des Messias wurde von diesen selbst nicht anerkannt. Die Deutschen, die ihre gnadenlose Schuld anerkennen, müssen dagegen von der Bildfläche der realen Geschichte verschwinden." Hannes Hintermeier, der bei der FAZ verantwortliche Sachbuch-Redakteur, konstatierte dazu: "Ein typischer, ein antisemitischer Satz des späten Rolf Peter Sieferle." 


Das Migrationsproblem




Sieferle, der früher als durchaus seriöser Umwelthistoriker bekannt wurde, driftete immer stärker nach rechts und schrieb, so die FAZ in einem Nachruf, "giftige, rechtsradikale Bücher." (Sieferle beging im September 2016 Suizid).  Seine Schrift Finis Germania erschien posthum im Antaios-Verlag des Götz Kubitschek, der mit seinem Verlag und seinem "Institut für Staatspolitik" eine Schlüsselrolle im neurechten Feld zwischen AfD, NPD und Identitärer Bewegung spielt.

Zuvor hatte Sieferle für die neurechte Zeitschrift Tumult geschrieben sowie im einschlägig bekannten Manuscriptum-Verlag (dort publiziert u.a. Pirincci) den Titel "Das Migrations-Problem" veröffentlicht, in dem er rassistische Positionen zur Flüchtlingspolitik vertrat.

Und was macht Hugendubel?

Der antisemitische Titel wird natürlich verkauft, damit kann man ja Umsatz machen. Begründet wird das mit "Meinungsfreiheit" und außerdem sei es ja auch nicht verboten. Ja, die NPD ist auch nicht verboten, deswegen ist sie dennoch eine neofaschistische Partei. Und wer mit der "Meinungsfreiheit" kommt, dem sei gesagt, daß Faschismus und Antisemitismus keine Meinung, sondern Verbrechen sind.

Im übrigen gilt nach wie vor die Aussage von Nitz, daß kein Mitarbeiter Nazi-Machwerke verkaufen muß, sondern sofort ohne Diskussion an einen Vorgesetzten abgeben kann. Das sollte man nutzen, da unsere "Führungskräfte" anscheinend jeden GL-Befehl ausführen und keinerlei Skrupel haben, mit antisemitischem Dreck Kasse zu machen.



Kommentare:

  1. und wenn Du Dich hinter Deiner Führungskraft versteckst, das Dir mißliebige Buch dann aber dennoch selbstverständlich verkauft wird, dann kannst Du ruhiger schlafen? Nach dem Motto Ich habs ja nicht verkauft, war doch die Filialleitung!
    Was für eine verlogene Einstellung! Wer es wirklich nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, welcher gequirlte Mist da für Kunden bestellt und verkauft wird, sollte die Konsequenzen ziehen und kündigen.

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    1. Wieso kündigen? Er sollte es zum Thema z.B. auf einer Betriebsversammlung machen und darauf hinwirken, daß die Firma diesen Dreck nicht verkauft. Und wenn die GL glaubt, auch das verkaufen zu müssen, dann gebe ich das meinem Vorgesetzten. Wenn ich bei jeder Fehlentscheidung des Hugendubel-Managements kündigen würde, dann müßte ich jeden Tag ein Kündigungsschreiben verfassen.

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    2. Duckmäuser ist der, der widerspruchslos alles macht und nicht der, der sagt, daß er den Dreck nicht verkauft. Anstatt daß ein Filialleiter mal gegenüber der Geschäftsführung den Mund aufmacht, wird nur gekuscht. Und das zieht sich durch alle Bereiche in unserer Firma.

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    3. Ihr seht es als unsere Aufgabe, Kunden zu erziehen und zu belehren, welche Bücher sie nicht kaufen dürfen? Dazu fühle ich mich nicht ernannt.
      Wenn Ihr wirklich wißt, daß Deutschland unbegrenzt Menschen von anderswo aufnehmen kann, daß Glyphosat schädlich ist oder welche homöopathischen Methoden Hirngespinste sind (wahlweise jeweils das Gegenteil des Erwähnten), dann solltet Ihr Eure Talente nicht im Handel verschwenden sondern die Welt retten. Mutmaßlich aber habt Ihr dazu nur eine festgefaßte, begründete oder unbegründete Meinung dazu. Die soll wichtiger oder besser sein, als die der Kunden? Ja jetzt kommt wieder einer mit dem abgedroschenen Statement mit der Nicht-Meinung und dem Verbrechen um die Ecke. Was ein Verbrechen ist, bestimmt nicht der Buchhandel, sondern der Gesetzgeber. Wenn das Buch so schlimm ist (hats hier irgendwer überhaupt mal aufgeschlagen?), solls auf einen Index und fertig.

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    4. Anstatt auf den Gesetzgeber zu warten kann man als Händler ja wohl selber mal eine klare Position beziehen und antisemitischen Dreck aus dem Sortiment nehmen.

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    5. In diesem Fall mag das einfach sein, weil das Buch anscheinend wirklich Dreck ist. Aber wer definiert grundsätzlich, was Dreck ist? Du alleine, Deine Abteilung als Kollektik oder Deine Filialleitung? Und was wenn es unterschiedliche Meinungen zu einem Buch gibt? Abstimmen? Wer soll denn den ganzen Mist lesen, um sicher hernach eine qualifizierte Meinung zu bilden?

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  2. Das Buch von Sieferle ist klar antisemitisch. Es ist ekelhaft, daß wir sowas verkaufen.

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  3. Die selbsternannten Retter des Abendlandes sind nicht mal fähig, einen korrekten Genitiv zu bilden.

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  4. Es hat leider nicht mal Sinn, mit Kollegen über sowas zu reden. Ich versuche es immer wieder, aber die Grundüberzeugung lautet: "wir haben ein ausgewogenes Sortiment, und außerdem soll jeder lesen, was er will". Zumindest ist das in der Filiale so, in der ich momentan arbeite, ich kenne es aber auch von anderen Filialen. Sehr ketzerisch will ich jetzt mal sagen, daß das möglicherweise einfach an fehlender Bildung liegt - analog zum Seufzer eines 3sat-Literaturkritikers: "in einer Zeit, in der erwachsene Menschen Harry Potter lesen..."

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    1. Damit das bildungsbürgerliche Ego nicht zu riesig wird, sei daran erinnert, dass Bildung auch was mit Bildungspolitik und Dummheit was mit Verdummung zu tun hat. Und wenn Leute sich mit solcher Inbrunst an der Phantasie ergötzen, ein exemplarischer kleiner Scheisser und Globalisierungsverlierer im thatcheristischen England könnte in irgendeiner parallelen Zauberwelt eine ganz große Nummer sein, liegt das vielleicht daran, dass sie vorher auf ein ganz anderes Märchen hereingefallen sind. Wer sich damals dagegen gewehrt hat, werfe den ersten Stein! Denn vermutlich bräuchten wir uns jetzt gar nicht mit selbsternannten Rettern des Abendlandes und unfreiwilligen Gefährdern des Genitivs herumzuschlagen, wenn wir beides (Okzident und Genitiv) ein bisschen weniger eifrig wegliberalisiert und kaputtprivatisiert hätten. Mal ganz ketzerisch gesagt!

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  5. Formal betrachtet ist Deutschland eine parlamentarische Demokratie, aber es wird anscheinend nichts unversucht gelassen, um den Eindruck zu erwecken, als lebten wir in einer DDR 2.0, quasi mit Mehrparteiensystem. Das Ergebnis ist eine Art (medial) gelenkter Demokratie, mit dem Ziel, den politisch korrekten und mithin erwünschten Status Quo aufrechtzuerhalten. Wäre dies denn überhaupt sinnvoll in einer Phase in der sich dieses Land, die EU, und sogar die geopolitischen Koordinaten​, tiefgreifend verändern? Ist eine Diskussion darüber etwa nicht genehm? Falls ja, für wen, und warum nicht?
    Wie anders wäre es denn zu erklären, dass man unwidersprochen zum Mittel der Zensur in Form eines Verkaufsboykotts greifen möchte, um ein möglichst einheitliches Meinungsbild in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten? Hat man am Ende SO wenig Vertrauen in die Kraft der eigenen Argumente?
    Leute, politisch arbeitet man nicht, indem man sich weigert, Bücher aus einem bestimmten Verlag zu verkaufen - und somit die Meinungsfreiheit, und mit ihr die politische Kultur, beeinträchtigt. Man tut dies vielmehr, indem man (in seiner Freizeit) selbst aktiv wird, demonstriert, publiziert, oder sich zumindest so artikuliert, dass die eigenen Argumente über ein simples Doof-Finden hinausgehen.
    Finis Germania kann übrigens man mit Ziel Deutschland übersetzen. Frage: soll es eine lebendige Demokratie bleiben? Das will ich doch hoffen dürfen.
    PS Antisemitismus ist ein schwerwiegender Vorwurf. Ist dies denn durch Zitate belegbar (die bereits angeführte Analogie ist diesbezüglich nicht aussagekräftig genug )?

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    1. Du hast gerade gefragt, wem eine Diskussion über das absurde Hirngespinst von einer medial gelenkten Mehrparteien-DDR, die sich zusammen mit der EU und geopolitschen Koordinaten (was immer das sein soll!) verändert, nicht genehm sei und warum nicht. Da ich dies für eine rhetorische Frage halte, möchte ich darauf hinweisen, dass du die Antwort schuldig geblieben bist. Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass man "Finis Germania" tatsächlich mit "Ziel Deutschland" übersetzen kann, aber nur dann, wenn man wenig Ahnung und kein Gefühl für die lateinische Sprache hat. Mit beidem hast du mir daher schlecht geholfen, über ein simples Doof-Finden hinauszugelangen. Aber ich gebe zu, du hast dir, was den pseudoschlauen TV-Kommentatorenstil (mit seinen tiefschürfenden, aber unbeantworteten Fragen, der großtönenden Ahnungslosigkeit etc.) betrifft, welchen du übrigens (trotz der von dir geäußerten Skepsis gegenüber den Medien) echt gut drauf hast, wenigstens die Mühe gemacht. Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas. In diesem Sinne: CURA, UT VALEAS!

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  6. Die Biedermänner sind nicht wir, die auf Nachfrage reagieren, sondern die Biedermann ist derjenige, der durch seine Punktevergabe das Buch auf die Sachbuchbestenliste gebracht hat. Das nachdem die Fakten über dieses "Missgeschick" geklärt waren, es im Feuilleton keinerlei Diskussion darüber gab, wieso so etwas eigentlich mittlerweile in Deutschland möglich ist, ist für mich in dieser Angelegenheit das eigentliche Problem. Es kann nicht Aufgabe für die Nummer 2 im stationären Buchhandel sein, ihre Kund*Innen zu erziehen, und erst Recht halte ich es für kontraproduktiv , wenn durch einen Verkaufsboykott Kund*Innen in ihrerm Wahn bestätigt würden, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr gäbe. Der Journaliat, der durch seine Nachfrage beim NDR den Stein ins Rollen brachte, äusserte sich heute in der taz über den Verkaufserfolg so:

    "Was die Herren nicht bedenken ist, dass dem unerwarteten Verkaufserfolg garantiert eine politische Ernüchterung folgt. Jeder, der das Buch kauft und nicht bereits hoffnungslos im rechten Milieu steckt, wird sich beim Lesen mit Grausen abwenden. Sieferles Texte sind unstrukturiert, die Argumente erwartbar, die Rhetorik voller Rechtsjargon und Antisemitismus. Mit dem Buch demonstriert die „Neue“ Rechte, dass sie nichts Neues zu sagen hat" http://taz.de/Kolumne-Right-Trash/!5421721/

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    1. "Achtung: Aufgrund enormer Nachfrage wird nachgedruckt – lieferbar wieder ab 26. Juni!" Das steht aktuell auf der Internetseite des Verlages. Wer gewinnt? Die Aufklärung (Spiegel-Autor) oder der Rechtsextremismus?

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    2. Das ganze demokratistische Gewäsch hier ist nicht auszuhalten. Als es aus wirtschaftlichen Gründen opportun war, den sogenannten den WB-Kirchenfilter zu akzeptieren, hat Hugendubel brav mitgespielt. Aber jetzt, wo rechte Hetze immer mehr zu Gewalt führt und zur Gefahr wird, einfach anständig zu sein - und zu sagen: da machen wir nicht mit! - das soll irgendwelcher hehren Freiheitsideale wegen jetzt plötzlich nicht gehen! Bei so viel Scheinheiligkeit und Profitgier wird mir schlecht! Aber ehe ich jetzt gleich kotze, möchte ich unsere allesverkaufenden Superlibalisten noch mit einer Frage konfrontieren, die unsere Bundeskanzlerin mal einem Zwischenrufer stellte: Wie kleinkariert sind sie eigentlich?

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