Mittwoch, 26. Oktober 2016

Free Words Turkey

Petition für Meinungsfreiheit in der Türkei



Zehn Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels unterstützen eine Petition für mehr Meinungsfreiheit in der Türkei. Sie haben gemeinsam die Petition "Für das Wort und die Freiheit 'FreeWordsTurkey'" unterzeichnet.

Die Unterzeichner, darunter Navid Kermani, Swetlana Alexijewitsch, Liao Yiwu, Boualem Sansal, Friedrich Schorlemmer und Alfred Grosser, fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf, sich eindeutig für die Meinungsfreiheit in der Türkei einzusetzen, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mitteilte.

"Journalistinnen und Schriftsteller zu verfolgen, weil sie als unabhängige Instanzen des politischen Wissens und Gewissens ausgeschaltet werden sollen - das alles schützt keine Demokratie. Es zerstört sie", sagte die diesjährige Friedenspreisträgerin Carolin Emcke. "Eine jede Demokratie lebt dann und nur dann, wenn sich die Menschen, die in ihr leben, darüber verständigen können, wie sie miteinander leben wollen", begründet Emcke ihr Engagement. "Dafür braucht es das offene Denken und angstfreien Widerspruch, die Freiheit der Kritik wie die der Utopie."

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt alljährlich zur Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die europaweite Online-Petition ist nach eigenen Angaben mittlerweile von mehr als 77.000 Menschen unterzeichnet worden. Sie wurde Ende August vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem PEN-Zentrum Deutschland und der Organisation "Reporter ohne Grenzen" gestartet.

Seit dem Putschversuch Mitte Juli in der Türkei würden dort regierungskritische Autoren, Journalisten, Verleger und andere Medien- und Kulturschaffende massiv drangsaliert und verfolgt, heißt es in der Petition. Mehr als 110 Journalisten und Autoren seien verhaftet und mehr als 130 Medienhäuser geschlossen worden, darunter 45 Zeitungen, 29 Buchverlage und 15 Magazine.





Kommentare:

  1. Ich werde mir ehrlich gesagt noch ein bißchen überlegen, ob ich das wirklich unterschreiben soll. Wem die Türkei wirklich am Herzen liegt, der hätte sich schon vor vielen Jahren für ihre Aufnahme in die EU einsetzen können - als die meisten Türken sich politisch und kulturell noch stärker dem Westen zugehörig fühlten. Aber das hat man aus einem dummen Ressentiment heraus versäumt und damit auch die wirksamste Möglichkeit verschenkt, auf das Geschehen dort Einfluss zu nehmen.
    In dem Petitionstext kann ich leider nicht die geringste Absicht erkennen, diesen Fehler zu korrigieren. Das aber wäre wichtiger als noch mehr moralische Flickschusterei. Davon nämlich haben die Türken spätestens seit der scheinheiligen Armenien-Resolution schon mehr als genug - und zwar mir einigem Recht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Resolution zum Völkermord an den Armeniern war überfällig und deutlich gemäßigt formuliert. Wovon "die Türken" mehr als genug haben, kann dabei nicht Maß der Dinge sein. Es gibt bestimmt auch viele Deutsche, die mehr als genug davon haben, mit den Verbrechen der NS-Zeit und deren schlechten Aufarbeitung konfrontiert zu werden. Dies ist aber unumgänglich. Wer sich dem Westen zugehörig fühlen will, muß den Völkermord thematisieren (dürfen) und auch die jahrzentelange nicht eben kulturell fortschrittliche Behandlung der Kurden zur Kenntnis nehmen und ändern wollen. Die beleidigte (Kalbs-)Leberwurst spielen ist zu wenig. Das kann Herr E. auch alleine.

      Löschen
    2. Kemal Pascha hat auch beschlossen, was für die Menschen am besten ist, ohne sie zu fragen. Das macht Erdogan nun auch. Dass es einem Kemalisten daher schwerfällt, den Sinn hinter einer Petition zu sehen, in der es um Freiheit von Wort und Schrift geht, mag nicht überraschen. Dennoch ist sie gut. Was die Resolution zum Völkermord an den Armeniern oder die Hängepartie mit der Annäherung der Türkei an die EG/EU mit einer Petition zur Meinungsfreiheit, Pressefreiheit etc. angeht, bedarf einer Erläuterung!

      Löschen
    3. Erstens gab es seit 1937 in der Türkei zwei Verfassungsänderungen, von denen Anonym vom Sonntag, 30 Oktober 2016 um 18:20:00 offenbar nichts mitgekriegt hat. Ich frage mich, ob er auch noch Gamaschen trägt?
      Zweitens: den Zusammenhang, den "Frustrierter Kemalist" zwischen einem deutschen Engagement für Pressefreiheit in der Türkei und der Armenien-Resolution sieht, hat er ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht.
      Drittens: warum spielt es eigentlich immer so eine enorme Rolle, welchen Pass einer hat? Wollt ihr mich auf die Abschußliste für die nächste Hottentottenjagd setzen?
      Viertens: es ist schon irre, dass im Notfall sogar das liebe Jesulein und weiß der Geier was noch für Autoritäten herhalten müssen, damit die deutschen Saubermänner sich aus der Verantwortung für ihre Morde in Südwest herauslabern können. (Solche Ausflüchte wären selbst der Jungtürken würdig gewesen.)
      Die Sache mit dem ersten Stein hätten sich mal besser die Verfasser der Armenien-Resolution zu Herzen genommen - und dann vielleicht auch noch den Spruch, dass nicht mit solchen werfen sollte, wer im Glashaus sitzt.

      Löschen
    4. Wir fassen also kurz zusammen, was Erdogan, die Türkei und die Türken machen ist sakrosankt, Armenier und Kurden sind irrelevant und die Deutschen sind alles Schuld.
      Die Sache mit dem Paß ist ganz einfach. Schreibt jemand von "ihr Deutschen" (die alles Schuld sind s.o.) ist er offenbar keiner, aber es wäre doch interessant, welchen Paß er hat, damit wir uns sicher sein können, daß er berechtigt Steine schmeißt. Viel fällt mir da nicht ein... Isländer vielleicht (auch doof wegen der Wale), Armenier geht auch nicht (ganz doof, weil die immer diese bösen Resolutionen wegen dieses Völkermords initiieren), es darf weiter gerätselt werden.

      Löschen
    5. O.K. Er trägt Gamaschen.

      Löschen
    6. Das ist wirklich ein geiles Verständnis von freier Meinungsäußerung, dass einer den richtigen Pass haben muß, um die Deutschen oder ihre Politik kritisieren zu dürfen. Wie wäre es mal mit einem Blick ins Grundgesetz?

      Löschen
    7. Du darfst hier (i.e. in Deutschland) fast alles und fast jeden kritisieren. Anders als in Ländern, in den Beleidigung des Türkentums bestrafbar sein kann, was auch immer ein Türkentum ist. By the way - Springerstiefel solltest Du wenigstens unterstellen, keine Gamaschen.

      Löschen
  2. Ihr deutschen Saubermänner, arbeitet erst mal eure Völkermorde in Afrika auf und entschädigt die Nachkommen der Opfer! Aber da weigert ihr euch mit denselben Argumenten wie die Türken! So viel
    Scheinheiligkeit ist zum Kotzen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wer ohen Sünde sei, der werfe den ersten Stein, da hast Du Recht!!!
      Deutschland war jedoch nicht der erste Staat, der das Betragen der Osmanen/ Türken gegenüber den Armeniern als Völkermord bezeichnet hat. Es waren auch Staaten mit deutlich weißerer Weste dabei.
      Was für einen Paß hast denn Du, daß Du so fröhlich Vorwürfe verteilst ohne brechreizerregende Scheinheiligkeit zu verbreiten?

      Löschen
  3. Dem Kemalismus kommt als historisches Verdienst die Durchsetzung der Laizität zu, die Kehrseite ist die Herausbildung des türkischen Nationalismus. Die CHP als kemalistisch-sozialdemokratische Partei bietet dem AKP-Regime zu wenig Widerstand. Erdogan lud kürzlich die Vorsitzenden der CHP und der faschistoiden MHP zu Gesprächen ein - die einzig Progressive Kraft HDP nicht. Ihre Funktionäre werden verfolgt. Dabei wäre diese Kraft mit ihrem Bündnis von progressiv-kurdisch-alewitischen Kräften ein Lichtblick für eine demokratische Entwicklung. Am Beispiel von Kobane/Rojava läßt sich zudem erahnen, was in der Region möglich wäre: eine basisdemokratische Selbstverwaltung mit Frauenemanzipation und einem friedlichen Miteinander von arabischen, kurdischen, jesidischen und türkischen Bevölkerungsgruppen.

    AntwortenLöschen

Ihr könnt Eure Kommentare vollständig anonym abgeben. Wählt dazu bei "Kommentar schreiben als..." die Option "anonym". Wenn Ihr unter einem Pseudonym schreiben wollt, wählt die Option "Name/URL". Die Eingabe einer URL (Internet-Adresse) ist dabei nicht nötig.

Wir freuen uns, wenn Ihr statt "Anonym" die Möglichkeit des Kommentierens unter Pseudonym wählt. Das Kommentieren und Diskutieren unter Pseudonym erleichtert das Austauschen der Argumente unter den einzelnen Benutzern.