Mittwoch, 4. Februar 2015

Keiner da

Was war da gestern bei der Tarifverhandlung los?

Gestern, um kurz vor 9.00 Uhr morgens, war die Tarif-Welt des bayerischen Buchhandels noch halbwegs in Ordnung. Eine Delegation von Arbeitnehmer-Vertretern, darunter unser Gewerkschaftssekretär Stefan Kraft sowie der Hugendubel-Betriebsratsvorsitzende Uwe Kramm, waren auf dem Weg in den Konferenzraum eines Münchner Hotels, um nicht gerade vergnügungssteuerpflichtige Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite unter Führung von Thomas Nitz zu führen. Schließlich war der Entgelttarifvertrag bereits am 31. März 2014 ausgelaufen und der wichtige Manteltarifvertrag zum 31. Juli 2014 von der Kapitalseite gekündigt worden.
Schwierige Verhandlungen standen also bevor.

Doch die Tür zum Konferenzraum war verschlossen!





Was war passiert?

Die Hotelleitung informierte die perplexe Tarifkommission, daß von der Arbeitgeberseite niemand gekommen sei. Und auch nicht mehr kommen werde. Denn es kam noch härter: die Kapitalseite hatte den Konferenzraum bereits am 20. Januar storniert! Und obwohl es diverse persönliche Kontakte gegeben hatte, hielt es niemand von den "Arbeitgebern" für notwendig, ihre Verhandlungspartner darüber zu informieren!

Damit  wurde in der traurigen Tarifgeschichte des bayerischen Buchhandels ein neuer Tiefpunkt erreicht:
Minimale mitteleuropäische Höflichkeitsstandards? Für die "Arbeitgeber" offensichtlich ein Fremdwort! Tarifkultur verrottet - Sitten verludert.

Die Beschäftigten können dies ruhig als Kriegserklärung der Kapitalseite auffassen.
Das Gequatsche von Sozialpartnerschaft und Familienunternehmen kann man getrost in die Tonne treten.
Womit wir wieder beim Thema des Blogartikels vom Montag wären:  sich gewerkschaftlich organisieren ist das Gebot der Stunde:    Mitglied werden!

Wie heißt es doch so klar und deutlich in einem Song:  
THE FUTURE HOLDS NOTHING ELSE BUT CONFRONTATION !

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Ich finde das Verhalten von der Arbeitgeberseite unglaublich!!!!
      Einfach den Konferenzraum stornieren und nix zu sagen.
      Die Beschäftigten dürfen sich so ein Verhalten nicht gefallen lassen.
      PS: Gegenüber der IGMetall würden sich Arbeitgeber so etwas nicht trauen! Da würde seitens der Gewerkschaftsmitglieder sofort reagiert und zb gestreikt.IGMetaller kämpfen für ihr Geld -das müssen wir auch tun, um Respekt zu ernten!

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  2. Ist denn auch mal jemand auf die Idee gekommen, bei der Arbeitgeberseite nachzufragen was da los war? Das wäre ja auch einmal ganz interessant deren Begründung zu hören. Soweit ich Kommissionen kenne, geht es da recht förmlich zu und es gilt Fristen etc. einzuhalten. So einfach kann man da nix ausfallen lassen. Eine Nachfrage wäre das doch mal wert, oder?

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    1. Nachfragen könnte man - aber warum?
      In Zeiten von modernen Medien hätte ja Einer der Arbeitgeber mal kurz Bescheid sagen können...werden ja nicht alle auf einmal die Grippe bekommen und unfähig gewesen sein, Bescheid zu sagen..
      Ich kann Herrn Nitz nicht mehr verstehen. Ist wohl schon zu lange Chefchef.

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  3. Na aber das Hotel wurde Wochen davor storniert ohne der anderen Partei Bescheid zu sagen. Was hat das mit Fristen zu tun?

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  4. Dass die laufende Tarifrunde kein Vergnügen werden würde, war wohl allen klar. Mit der Insolvenz von Weltbild haben wir auf der Seite von ver.di eine starke, kampfbereitschafte Belegschaft verloren. Dann gibt es noch die aufrechten KämpferInnen beim Verlag Jehle Rehm und mit einigem Abstand dazu die Hugendubel-KollegInnen aus München.
    Kein Vergnügen auch, weil sich der Arbeitgeberverband (an dessen Spitze übrigens eine wohlbekannte Führungspersönlichkeit von Hugendubel steht) seit Längerem in einem ziemlich erbärmlichen Zustand befindet und nicht gerade durch seriöse Verhandlungsführung auffällig geworden ist. Indiz dafür ist u.a., dass Absprachen entweder nicht eingehalten oder zumindest sehr eigenwillig interpretiert wurden.
    In der letzten Verhandlungsrunde im November war man übereingekommen (und hatte des auch schriftlich festgehalten), den von der Arbetgeberseite gekündigten Manteltarifvertrag bis mitte 2016 wieder in Kraft zu setzen. Im Gegenzug würde ver.di darauf verzichten, auf der Fläche bis 2016 Entgelforderungen zu stellen. Einzelne Belegschaften, so sie es denn dazu in der Lage sind (Streikbereitschaft!) hätten dann in ihren Betrieben versuchen können, für Lohnerhöhungen zu streiten.
    Die Arbeitgeber hatten sich dann ausbedungen, in ihrem Verband die Bereitschaft zu diesem Kompromiss klären zu wollen und mit ver.di Ende Januar/Anfang Februar die Verhandlungen fortzusetzen.
    Die Arbeitgeber waren es dann, die den Termin 03.02. fixiert haben. Ohne die ver.di-Tarifkommission zu unterrichten wurden dann am 20.01. die gebuchten Räume in einem Münchner Hotel storniert. Am 26.02. erhielten unsere VerhandlungsleiterInnen ein Schreiben des Arbeitgeberverbandes mit einem Formulierungsvorschlag für den im November erzielten Kompromiss. Dieser Text entsprach in wichtigen Punkten aber nicht den damaligen Vereinbarungen. Dass der Termin am 03 Februar gecanzelt wurde, hielt man in diesem nicht für nötig mitzuteilen.
    Kurz vor besagtem 03.02. gab es dann noch telefonischen Kontakt zwischen Arbeitgeberverband und ver.di. Auch da kein Wort über die Absage!! Dabei wäre es aufgrund der inhaltlichen Differenzen dringend notwendig gewesen, sich erneut auszutauschen.
    Kurzum: diese Stillosigkeit und der mangelnde Anstand machen wirklich sprachlos! Das unverschämte Verhalten der Arbeitgeber zeugt vom Fehlen jeglichen Respekts gegenüber den VertreterInnen ihrer Beschäftigten.
    Zu befürchten steht allerdings, dass ein solches Verhalten so lange keine Konsequenzen haben wird solange wir uns das gefallen lassen. Aufwachen!!!!!

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  5. komischerweise noch immer motivierter HugendubelbeschäftigterDonnerstag, 5. Februar 2015 um 10:44:00 MEZ

    Schade, dass die meisten Hugendubelmitarbeiter für ihren Tarifvertrag nicht streiken würden -bis jetzt jedenfalls.
    Ich würde streiken für meinen unveränderten Manteltarivertrag.
    Und auch für mehr Geld.

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  6. Am Besten hängt man diese Konversation an die schwarzen Bretter.

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  7. Tja, liebe KollegInnen in Bayern,
    wenn ihr jetzt nichts unternehmt, wenn ihr jetzt nicht aufsteht, dann ist es bald vorbei mit eurem Tarifvertrag, mit 37,5 Stunden in der Woche, mit den schönen TGs, mit dem Urlaubsgeld, dem Weihnachtsgeld, den schönen Spätöffnungszuschlägen, vorbei mit den gern genommenen Tariferhöhungen.
    Niemand ist mehr da, der das alles für euch erstreitet und verteidigt.
    Unterstützt eure Tarifkommission! JETZT!
    Bringt der wohlbekannten Führungspersönlichkeit zivilisiertes Benehmen bei!
    JETZT!

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  8. http://weltbild-verdi.blogspot.de/2015/02/arbeitgeberverband-erscheint-nicht-zu.html

    das hört sich noch einmal ein bisschen anders an...

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    1. Das hört sich überhaupt nichts anders an. Denn am 3. Februar hätte man - schon im Interesse der Beschäftigten, dass etwas vorankommt - über all diese Positionen sprechen können und müssen, egal wie weit sie auseinanderliegen. Ohne jede Entschulidigung nicht zu erscheinen und den Termin 2 Wochen vorher schon zu stornieren ist eine Frechheit.

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