Freitag, 31. August 2012

Schick und Schicklichkeit





Ein Leserbrief

Ich bin ein sehr ausgeglichener Kunde. Ein Kunde der Buchhandlung Hugendubel am Marienplatz. Gewisse Erlebnisse dort, haben mich aber emotional sehr aufgewühlt. Von diesen Vorkommnissen möchte ich nun berichten:


Es war ein heißer Tag in der Stadt. Ein sehr heißer. Gleichwohl in der Filiale war die Hitze noch viel unerträglicher, als draußen vor der Ladentür.
Ich schlenderte also frohgemut durch das Geschäft. Trotz dieser äußeren überhitzten Umstände ließ ich mir viel Zeit und stöberte in verschiedenen Abteilungen, um nach einer interessanten Urlaubslektüre Ausschau zu halten. Nebenbei bemerkt: ich gehe gerne dorthin, da man äußerst zuvorkommend behandelt wird und die Mitarbeiter wirklich sehr freundlich sind.
Allerdings wurde ich an diesem Tag Zeuge eines sehr irritierenden Vorfalls, was mich meine Urlaubslektüre schnell vergessen ließ:

Eine adrett gekleidete Verkäuferin wurde von einer streng gekleideten Vorgesetzten nach Lehrerinnenart gemaßregelt.

Die Mitarbeiterin sei nicht korrekt gekleidet, wurde ihr (zu meinem Erstaunen) mitgeteilt. Das Kleid, das sie trage sei nicht schicklich, da die Träger die Schultern nicht vollständig bedecken würden (meine Verwirrung steigerte sich).
Es fehle an beiden Trägern je ca. 1,857 cm Stoff. So könne sie sich den Kunden nicht weiter zeigen.
Überhaupt sei das Kleid insgesamt viel zu kurz. Es müsse zwingend die Knie verhüllen und ihres würde 1,021 cm über dem Knien enden. So könne sie sich den Kunden nicht weiter zeigen (ich rieb mir verwundert die Augen. Hatte ich etwas übersehen?).
Die Mitarbeiterin wurde aufgefordert, sich weniger freizügig zu kleiden und sich jetzt sofort eine Jacke zu kaufen, um ihre 'Blöße' - in diesem Fall die Schultern - zu bedecken.

(Gedächtnisprotokoll)


Ich bin gelinde gesagt überrascht, dass es im Hause Hugendubel eine Kleiderpolizei gibt.
Diese 'Polizei' inspiziert offenbar penibel genau - bewaffnet mit Zollstock und Maßband - die Schultern und Beine der Mitarbeiterinnen und misst Millimeter genau, wie viel Stoff an gewissen Stellen vorhanden ist?

Das erinnert mich stark an die guten alten Zeiten, in denen Damen ihre Fußknöchel nicht zeigen durften; sie ansonsten Gefahr liefen, als nicht anständig bezeichnet zu werden. War ich doch der Meinung diese Zeiten seien nun wirklich lange vorbei! Allerdings nicht - so scheint mir - in der Filiale Marienplatz.
Hier läuft die Kleiderpolizei in erzieherischer Mission im Hause herum, um angebliche Verfehlungen aufzudecken. Mir als Kunde war und ist es vollkommen neu, dass die Buchhandlung Hugendubel auch Arbeitsplätze im Kontroll- und Ordnungsdienst anbietet.
Ich frage mich, wie viel Zeit und Geld kostet diese äußerst sinnvolle (Ironie meinerseits) Kleider-Kontrolle dem Unternehmen täglich?

Ich habe mir die Mühe gemacht und mir ihre Mitarbeiter und vor allem ihre Mitarbeiterinnen (!) sehr genau angesehen. Ich konnte beim besten Willen nichts entdecken, was das Kundenauge hätte beleidigen können.
Ganz im Gegenteil.
Ich war über deren Anblick mehr als erfreut. Ihre Mitarbeiter sind allesamt nett anzusehen (keine Ironie meinerseits).

Eines würde mich aber dennoch interessieren:

Wer hat denn nun das Jäckchen bezahlt, welches die Mitarbeiterin sich kaufen sollte?




Kommentare:

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen um die Position "Hugendubel Control Staff".

    Von meinen sämtlichen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern hebe ich mich ab durch mein hervorragendes Augenmaß. Ich benötige keinen maßnehmenden Zollstock beim täglichen Kleider-Controlling. Denn ich weiß mit einem Blick millimetergenau, was sich schickt - in diesen Zeiten von "Shades of Grey" und ähnlichem verwerflichen Schrifttum (nicht: -"turm"), welches leider auch in Ihren Filialen aufgetürmt (nicht: "-getumt") ist.

    Da brauchts - auch gerade in Zeiten radikalen Personalabbaus - ein sichtbares, aber streng kontrolliertes buchhändlerisches Gegengewicht "in persona". Ich werde alle meine Energie in diesen neuen Buchhandelsschwerpunkt innerhalb Ihres innovativen und zukunftsträchtigen Unternehmens investieren.

    Ganzkörperphotographie und detaillierter Lebenslauf mit Branchenreverenzen anbei.

    Hochachtungsvoll

    N. Terling

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  2. Das ist doch alles nicht wahr? Oder?

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  3. historisches Fotodokument von 1922 (Maßbandnehmen in US)

    http://a2.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash3/539306_333579166704849_1150539076_n.jpg

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    1. heißer Tag - heiße Verkäuferin; wenn dann auch noch - heiße Ware - hinzu kommt, besteht akute Brandgefahr. min. 10 Feuerlöscher (10 x Kleiderpolizei ) parat halten. es lohnt sich!

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  4. Also das ist ja ausgedacht. Da hätte ich gerne mal die Filiale gewusst.
    Ich glaube kein Wort.
    DAS ist tatsächlich Hetze.
    Ich schätze diesen Blog, aber sich nun irgendwelche Kundenbriefe auszudenken und so zu tun, als seien die eingetroffen, finde ich nicht sehr klug.
    Das nimmt Euch keiner mehr ab, außer denen, die es gerne hätten, dass es so passiert ist.

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  5. @Anonym 16:27

    Meine Güte, reg Dich ab! Der Artikel ist unter dem Stichwort "Satire" gelabelt, also ganz klar als solche gekennzeichnet.
    Jeder, der nicht erkennt, daß hier erkennbar im Tonfall übertrieben wurde, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Der Vorfall ist übrigens in der Tat so passiert, hab ich mir erzählen lassen.

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    1. "Der Vorfall ist übrigens in der Tat so passiert"

      .........wo? welche Stadt bzw. Filiale?

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  6. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. 2.Satz des Leserbriefes

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  7. Ok, wer kennt sie nicht... unsere Kleiderregel...!
    Nervt, ist übertrieben usw. Keiner von uns läuft "nackt" in der
    Arbeit herum.
    Aber ich glaube, wir sollten uns über andere, wichtigere Dinge gedanken machen als um unsere Kleiderordung.....
    ... wenn´s so weiter geht, werden wir uns bald noch gerne an unsere "Kleiderordung" zurück erinnern!!!

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