Dienstag, 28. August 2012

Gute Arbeit ist das Ziel




Arbeit ist immer dann gut, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen. Das sagen alle Beschäftigten, die im „DGB-Index Gute Arbeit“ Jahr für Jahr befragt werden. Doch wie steht es um die Arbeitsbedingungen in Deutschland? Allzu gut sieht es da nicht aus. Nur knapp 12 Prozent aller Befragten gehen davon aus, dass sie gute Arbeit haben.

Jeder vierte Beschäftigte in großer Sorge

Vor allem das Einkommen, die Aufstiegsmöglichkeiten im eigenen Betrieb, die Arbeitsplatzsicherheit und die eigenen beruflichen Zukunftsaussichten werden von den meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als unzulänglich beschrieben. So lebt bundesweit fast jeder vierte Beschäftigte in großer Sorge, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.
Deutlich wird auch: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die außerhalb ihres Berufs Familienangehörige pflegen oder Kinder betreuen, sind überdurchschnittlich stark belastet. Sie klagen besonders über die hohe Arbeitsintensität, mit der sie zu kämpfen haben, und über die starken emotionalen Anforderungen. Das macht sehr deutlich, dass eine Balance nötig ist. In der Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt ein großes Potenzial zur Erreichung von wirklich guter Arbeit.
Zu negativen Einschätzungen kommen auch Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen. Mehr als ein Drittel von ihnen empfindet die eigene Arbeitssituation als belastend. Und mehr als die Hälfte all jener, die in prekären Jobs arbeitet, beschreibt die eigenen Arbeitsbedingungen als schlecht.
Schlechte Arbeit bedeutet in der Regel auch mehr Arbeitsunfähigkeit. Wer gute Arbeit hat, wird seltener krank. Auch diesen Zusammenhang bestätigt der DGB Index Gute Arbeit. 78 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gaben danach an, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein, die Hälfte von ihnen tat dies sogar mehrmals. Mehr als ein Drittel aller Beschäftigten handelte dabei entgegen dem ausdrücklichen ärztlichen Rat. Außerdem gab rund ein Viertel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, einmal oder mehrmals Urlaub genommen zu haben, um sich auszukurieren. Generell gilt: Je schlechter die Arbeitsbedingungen sind, desto höher ist der Anteil der Beschäftigten, die krank zur Arbeit gehen.

 

Arbeit heute macht krank

In ähnlicher Weise hat die Qualität der Arbeit Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit und -unfähigkeit. Gute Arbeit wirkt sich positiv auf die Erwerbsfähigkeit im Alter aus. Doch noch viel deutlicher ist der Einfluss von schlechten Arbeitsbedingungen auf die Frühinvalidität. Denn Arbeit, wie sie heute existiert, macht krank. Fast ein Viertel aller 55- bis 64-Jährigen geht heute aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente. Betroffen sind in erster Linie Bau- und Hilfsarbeiter, Maurer oder Maler, zunehmend aber auch Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege oder Erzieherinnen. Und: Angelernte, gering Qualifizierte und überwiegend prekär Beschäftigte haben deutlich geringere Chancen als gut Verdienende, bis zur Rente zu arbeiten.


Weiterführende Informationen:

Kommentare:

  1. Also, generell finde ich Euren Blog sehr gut.Aber in den den letzten Wochen wundere ich mich irgendwie. Vielleicht bin ich auch blind? Wieso finde ich nirgendwo, weder hier noch sonstwo, etwas zu den Kündigungen wegen der Schliessung des Potsdamer Platzes? Auf diese Weise geht es auch an der "offiziellen" Prrsse vorbei.

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  2. Wir Berliner Kollegen sind so "geplättet" von den Kündigungen, dass wahrscheinlich ein sinnvoller Kommentar zu dem Geschehen kaum abzugeben ist. Die Ankündigung der Geschäftsleitung, dass auch nicht mehr nach Ersatzflächen gesucht wird, kam nicht unerwartet, die angeblichen Bemühungen der Geschäftsleitung haben ihnen nur wenige Mitarbeiter abgenommen. Die Kollegen befinden sich in einer Art Schockstarre oder sind ängstlich, was die weitere Zukunft an diesem Standort betrifft; und da wohl nicht wenige Betriebsratsmitglieder eher blog-kritisch oder blog-uninteressiert sind, ist auch von dieser Seite in diesem Forum leider nicht viel an Informationen zu erwarten.

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  3. Tja, es stimmt wohl. Die Berliner Betriebsratsmitglieder sind größtenteils blog-kritisch. Und warum? Weil in diversen Kommentaren hier im Blog Unmut der Berliner Kollegen laut wurde. Unmut gegen den eigenen Betriebsrat. Stichwort: STV, Tauentzien, Kündigungen, Betriebsvereinbarung.

    Und bei Kritik reagiert der Berliner Betriebsrat äußerst dünnhäutig... Das kann er überhaupt nicht ab...

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  4. Ja, so oder so ähnlich hatte ich es mir auch zusammengereimt.
    Dennoch, in der Presse steht nach wie vor "Den 14 betroffenen Mitarbeitern würden frei werdende Stellen im Unternehmen angeboten, heißt es. "
    http://www.qiez.de/charlottenburg/haus-und-wohnung/immobilien/hugendubel-haus-in-charlottenburg-forever-21-zieht-ein/5281339
    Das ist dann ja wohl eine eindeutige Fehlinformation.

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  5. In diesem Blog wurde am 7. juni darüber berichtet und die GL-Ankündigung, dass die Kollegen auf andere Filialen verteilt eher mit Skepsis zu sehen ist:
    "Da freiwerdende Stellen bei Hugendubel eher rar gesät sind und oftmals gar nicht neu besetzt werden, bleibt abzuwarten, wie ernst man die Aussage nehmen darf.Wir wünschen es unseren KollegInnen auf jeden Fall."

    Leider ziemlich hellsichtig auch der Blog-Artikel in der reihe "Die Zukunft von Hugendubel" über die Filiale am Potsdamer Platz vom 6.6.2011(!):
    Der Mietvertrag der Filiale in den Potsdamer Platz Arcaden läuft ein Jahr später aus. Diese Filiale macht seit mehreren Jahren schlechte Umsätze, was einerseits der zu großen Verkaufsfläche und dem schlechten Standort innerhalb der Arcaden, andererseits der Verschiebung der Kaufkraft zum Alexanderplatz geschuldet ist. Wenn die Filiale weiterbesteht, dann nur mit stark reduzierter Fläche, auch hier würden dann wieder Kündigungen anstehen.

    Was über die Position des Berliner BR hier gesagt worden ist, dem kann (leider) nur zugestimmt werden.

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  6. Der Berliner BR fährt seit Jahren gegenüber der GL einen Kuschelkurs und hat - wie ich aus zuverlässiger Quelle weiss - keinerlei Interesse an STV, Blog und ver.di. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass dies auch für den grossen teil der belegschfat in Berlin gilt.

    Null + Null = Null

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    1. Das ist ja schrecklich!
      Wer wählt denn bloß diese Berliner Betriebsräte?
      Doch nicht etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
      Sollten die am Ende etwas realistischer sein als Betriebsräte die meinen, daß alles, was anders werden soll, als es immer schon war, schlecht ist.
      Nein, wahrscheinlich hat die Geschäftsleitung die Betriebsratswahlen gekauft. So wird es gewesen sein

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    2. Also ich würde jetzt nicht behaupten, daß die Betriebsratswahlen gekauft wurden. Aber das kann ja jeder seine eigene Meinung haben. Und Du hast eben Deine, Fliegenpilz.

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  7. Warum so aufgeregt, Fliegenpilz? Wurde da etwa ein Nerv getroffen?
    Fakt ist: die Abwicklung von TAU verlief relativ glimpflich, auch einige BR-Mitglieder konnten ihren Kopf aus der Schlinge ziehen.
    Diesmal wird es nicht mehr so soft ablaufen.

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    1. @ Nullsummenspiel

      Welcher Nerv?
      Würde ich Betriebsräte wählen, würde ich realistische Kandidaten wählen. Wenn in Berlin ein anderer Wind im BR herrscht, als in anderen Städten, mag das einen Grund haben oder es mag Zufall sein.
      Dass Betriebsratsmitglieder gerne ihre Köpfe aus Schlingen ziehen, ist bekannt und war 2009 ebenfalls der Fall. War nicht immer hilfreich, wer da im Unternehmen geblieben ist. Aber so sind eben die Regeln.

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  8. @Fliegenpilz
    "die meinen, daß alles, was anders werden soll, als es immer schon war, schlecht ist"

    z.B. Filialschliessungen?

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    1. @ Anonym

      Ich dachte beispielsweise an jenes verschwurbelte, von Theoretikern verteidigte Turnusarbeitszeitenmodell, dessen Sinn und Verstand sich vielen Neu-Hugendublern noch immer nicht erschließt.

      Aber wo Sie danach fragen: die Schließung einer unrentablen Filiale in Zeiten in denen es vielleicht nicht mehr so viele megarentable Filialen gibt, die alles abfedern, kann eine Maßnahme sein, die ich gutheissen kann. Auf die Gefahr hin, dass es mich selber trifft.

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  9. Die Halbwertzeit von GL-Versprechungen (Ersatzflächen, Ersatzarbeitsplätze)wird immer kürzer.

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  10. Ich finde die Kritik am Berliner BR echt total schei.. und hinterfo...g . Man sollte die Dingen doch mal realistisch betrachten, ich schaue mir an, wie mobilisierungsfähig wir bei Hugendubel sind, ich schaue mir an was für ein schwaches Ergebnis beim Weltbild-Zukunftsicherungstarifvertrag erreicht wurde, bei einer Moblilisierung die ungleich höher war als sie bei uns je sein wird. Und ich schaue mir dann die Ergebnisse der Berliner Interessenausgleichs- und Sozialplanverhandlungen an und kann mir ausrechnen, dass ein erstreikter STV nur mit deutlich mehr Aufwand und Ressourcen zu haben gewesen wäre, aber auch kein besseres Ergebnis für die Kollegen erbracht hätte.

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    1. Was heißt schwaches Ergebnis?
      Der Standort Augsburg bleibt bis 2014 erhalten und für 32 Monate gibt es keine betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit dem Verkauf, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge gelten weiter u u u

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    2. Tja, nun wird Weltbild nicht verkauft, was eigentlich den meisten Branchenbeobachter klar war, da ja auch die Bischöfe keine Weltbild- Filetierung wollten. Korreliert man die Forderungen unseres STV mit den Forderungeen der Weltbild-Tarifkommision beim Zukunftstarifvertrag, dem abgeschlossenen Zukunftstarifvertag und dem was bei bei uns dann schlussendlich im STV stehen würde, kann man auf jeden Fall sagen dass der Berliner BR sehr viel erreicht hat...

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  11. Kritik am BR sollte möglich sein, das ist nicht gleich "hinterfo...g". Dass manche BR-Mitglieder "blog-uninteressiert" sind, ist o.k., die meisten "normalen" Mitarbeiter sind das auch, dennoch kann man eine Meinung dazu haben. Fairerweise muss man sagen, dass bei der Tauentzienschließung der BR wohl einige Arbeitsplätze in Berlin gerettet hat.

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  12. Frei werdende Stellen im Unternehmen wurden bislang nicht angeboten, das ist mal wieder eine für die Öffentlichkeit und die Presse bestimmte Desinormation der GL. Oder kann einer der von Kündigung Betroffenen anderes berichten?

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  13. Die jährlichen Kündigungsrunden in Berlin begleitet von der dauernden Irreführung der Geschäftsführung (Suche nach Ersatzstandorten) haben zu einem masssiven Vertrauensbruch geführt und leider auch zur Furcht vor der nächsten Runde. Mal sehen, wann es weitergeht.

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  14. Die Suche nach "Ersatzstandorten" ist eine alte Ausrede, ich wurde 2008 das erste Mal damit konfrontiert. Alles Filialen, in denen ich in den vergangen elfeinhalb Jahren gearbeitet habe sind geschlossen worden (5)
    "Ersatzarbeitsplätze", es gibt keine mehr. Statt dessen kommt die Änderungskündigung mit einem Angebot für eine geringfügige Beschäftigung zu den bekannten Konditionen, falls es noch eine Aushilfsstelle in der Nähe gibt!

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  15. Ich denke, der Berliner Betriebsrat hat in den letzten Jahren um viele Arbeitsplätze hart gekämpft, die Verhandlungen waren sicher nicht immer leicht, für seinen Einsatz hat er aber auch Dank verdient. Dass er hier im Blog wenig informiert, ist allerdings auch etwas bedauerlich, hier könnte mehr "Öffentlichkeitsarbeit" geschehen, aber auch jeder andere Berliner Mitarbeiter oder jedes Berliner Verdi-Mitglied könnte im Blog engagierter sein, um die Kollegen in den anderen Regionen besser zu informieren.
    Filial-Schließungen und Kündigungen stehen angesichts der Umsatzentwicklung im Unternehmen bald sicher auch wieder andernorts an; vielleicht könnte man aus der Berliner Situation, den dortigen Erfahrungen mit der Taktik und den Täuschungsmanövern der GL (Stichworte: Suche nach Ersatzstandorten, Angebot von Ersatzarbeitsplätzen) lernen und zu einer offensiveren und die Öffentlichkeit stärker einbindenden Strategie finden.

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  16. Das stimmt wohl. Aber dies wird von zu wenigen richtig vorgelebt!

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