Mittwoch, 28. September 2011

www.amazon-verdi.de

Kampf gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Was ist Amazon? Ein Versandhandel, argumentiert ver.di. Denn der amerikanische Konzern macht in Deutschland seinen steigenden Umsatz mit dem Verkauf von Waren über das Internet direkt an den Kunden. Diesen Erfolg verdankt das Unternehmen auch seinen Beschäftigten, argumentiert Julian Jaedicke, der sich in einem ver.di-Projekt am Amazon-Standort Bad Hersfeld noch bis Ende des Jahres speziell um die dort Beschäftigten kümmert. Doch die Arbeitsbedingungen sind nicht gut. Damit sich das ändert, gibt es dort seit einiger Zeit auch einen gewerkschaftlichen Infoblog: http://www.amazon-verdi.de/.



Leistungsdruck, Dumpinglöhne und Befristungen

Von den derzeit rund 4800 Beschäftigten in den zwei nordhessischen Betrieben arbeiten 60 Prozent mit befristeten Verträgen. Sie stehen unter enormem Leistungsdruck, hoffen sie doch, eine Festeinstellung zu erreichen. "Aber das erfüllt sich nur für die wenigsten", berichtet Jaedicke. Hinzu kommt die schlechte Bezahlung. Steht einem Packer nach dem Tarifvertrag für den Versandhandel ein Stundenlohn von mindestens 11,47 Euro zu, bekamen Packer bei Amazon in Bad Hersfeld bisher höchstens 11,12 Euro.

Erst Anfang September 2011 hat es bei Amazon die erste Lohnerhöhung seit fünf Jahren gegeben. Aufs Jahr gerechnet macht der Unterschied zum Tarif für einen Packer, der nur Frühschicht arbeitet, aber immer noch 2526 Euro aus, mit Wechselschichtzulage mindestens 4228 Euro. Außerdem fehlen den Amazon-Packern die tariflichen Zuschläge für Sonn- und Feiertage, Einmalzahlungen, vermögenswirksame Leistungen, der volle Lohn von Anfang an und mehr Urlaub.

Neu Eingestellte kommen für sechs Monate in eine niedrigere Lohngruppe. Jetzt hat die Geschäftsführung beim Betriebsrat in Bad Hersfeld beantragt, diese Zeit auf zwölf Monate auszudehnen. Damit soll, so vermutet Julian Jaedicke, die gerade gewährte Lohnerhöhung refinanziert werden. In der Region hätten sich diese schlechten Arbeitsbedingungen mittlerweile herumgesprochen, berichtet der Gewerkschafter. Für Amazon werde es immer schwieriger, neue Beschäftigte zu finden. Zuletzt seien 400 Leiharbeiter/innen aus Polen angeheuert worden.


ver.di-Betriebsgruppe wird aufgebaut

Im Rahmen des Organizing-Projekts von ver.di wollen Julian Jaedicke und sein Kollege Heiner Reinmann neben dem bereits bestehenden Betriebsrat eine gut funktionierende ver.di-Betriebsgruppe aufbauen. Die mit den Befristungen verbundene Angst der Beschäftigten, sich als Gewerkschaftsmitglied zu bekennen, macht dem Duo die Arbeit schwer. Dennoch können die beiden schon Erfolge aufweisen. Die Mitgliederzahl wurde verdreifacht, und immer öfter ist im Betrieb der ver.di-Schlüsselanhänger mit der Kampfente zu sehen. Wichtig ist auch eine Vernetzung mit Amazon-Kolleg/innen an anderen Standorten. Deshalb wurde auch der neue gewerkschaftliche Infoblog gestartet. Das Ziel ist ein Tarifvertrag für Amazon, da sind alle Amazonier/innen gefragt.


Die Redaktion des Hugendubel-Infoblog erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten bei Amazon/Bad Hersfeld und an den anderen Standorten, wo um faire Löhne, unbefristete Arbeitsverträge und um einen Tarifvertrag gekämpft wird!


Quellen: http://www.verdi-news.de/  (14.09.2011)
http://www.amazon-verdi.de/



Kommentare:

  1. Von den Arbeitsbedingungen bei amazon bekommt man ja sonst nur wenig mit.
    Überall gibt es Probleme mit den Arbeitsbedingungen, wie man daran mal wieder sieht.

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  2. @ Anonym 19:31

    Das Leben ist eben kein Ponyhof. Hätten wir was Anständiges gelernt, bräuchten wir uns nun als lohnabhängige Buchhändler nicht ausbeuten zu lassen. Hauptsache es gibt Verdi-Schlüsselanhänger. Das wird uns aucn nicht retten, wenn unsere kompletten Steuereinnahmen in den Euro-Rettungsanker gesteckt wird und unser Land vor die Hunde geht

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  3. Genau: Wir sind selbst schuld an schlechten Löhnen und wachsender Ungleichheit. Und außerdem ziehen uns die faulen Griechen und Südeuropäer das Geld aus der Tasche. Deutschland schafft sich ab, und wir haben es verdient.

    Ein Weltbild kann so einfach sein.

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  4. @Fliegenpilz

    Die Beschäftigten bei Libri haben durch einen Streik Lohnerhöhungen und die Rückkehr zum Tarifvertrag erkämpft. Die Voraussetzung dafür war nicht egozentrisches Kreisen um seinen eigenen Vorteil oder fatalistisches Jammern, sondern aktives solidarisches Handeln.

    Auch wenn ich jetzt etwas humorlos wirken sollte: es gibt keinen Grund, sich über die ver.di-Schlüsselanhänger mit der Kampfente lustig zu machen. Die Kolleginnen und Kollegen bei Amazon/Bad Hersfeld haben fast alle befristete Verträge; wer sich als ver.di-Mitglied outet, beweist persönlichen Mut.

    Zum Thema Finanzkrise: man sollte nicht auf die chauvinistische Propaganda der Massenmedien sondern lieber Widerstand dagegen leisten, dass die Folgen der Krise auf die Gesamtbevölkerung abgewälzt wird. Es gab, auch von den Gewrkschaften unterstützte, Demonstrationen unter dem Motto: "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" Anscheinend haben sich zuwenige Menschen daran beteiligt.

    Au revoir,
    vielleicht bei dernächsten Betriebsversammlung,
    dem nächsten ver.di-Mitgliedertreffen, der nächsten Demonstration oder dem nächsten Streik?
    Würde mich freuen, Dich dort zu sehen!

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  5. Wann startet der Thalia-Blog?

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  6. Ich war 2007 für 3 Monate bei Amazon-Leipzig.
    5,30 Euro über die Leiharbeit. Keine 600 netto!!
    Jedes Wochenende geschuftet in der Verpackung, nervlich fertig, nur die Normen im Kopf, Tag und Nacht. Musste mich für meine Regelblutung bei den Oberleadern rechtfertigen, beim Bindenwechseln bin ich "inaktiv" gewesen und habe die ganze Firma geschädigt!! Entwürdigend!! Keiner sollte mehr zu dieser Satansbrut gehen!!!

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  7. Das Jobcenter in Unna zwang Hartz-IV-Bezieher dazu, bei Amazon als Saison-Arbeitskräfte erstmal wochenlang umsonst zu arbeiten.
    Es müsste viel mehr Druck gegen die Arbeitsbedingunegn bei Amazon aufgebaut werden und die ganzen Käufer darüber aufgeklärt werden. Vielleicht kann ja der Amazon-Verdi-Blog dabei helfen.

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  8. Die jenigen Kolleg/innen in Graben,mit Jahresverträgen,wurde kurz,vor Schichtende knallhart mitgeteilt,sie können gehen.Batch abgeben,Spind
    sofort räumen.Und daß auf ganze,schmierige art.!!Mit der Zusage in
    Spitzenzeiten,komme Amazon,wieder auf einen zu!!Und dass gleiche Spiel,
    beginnt wieder von vorne!!!

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