Montag, 12. September 2011

Der andere 11. September

Erinnerung an vergessene Tote

Am gestrigen zehnten Jahrestag wurde in zahlreichen Reden, Sondersendungen und Zeitungsartikeln der Opfer der islamistischen Anschläge in New York, Washington und Pennsylvania gedacht. Die Erinnerung und Anteilnahme für die fast 3000 Opfer ist gut und richtig. Im öffentlichen Gedächtnis ist Nine-Eleven heute aber ausschließlich mit diesem tragischen Ereignis verbunden. Im folgenden Artikel soll es um jene Toten aus der Folgezeit des 11.September 2001 gehen, an die gestern fast nirgends erinnert worden ist.


Alte Kriege, neue Kriege

Zwei Jahre nach Nine-Eleven und dem Angriff der USA und ihrer Nato-Verbündeten auf das Taliban-Regime in Afghanistan wegen ihrer Unterstützung von Al-Qaida, begann 2003 der Krieg gegen den Irak.
Als Kriegsgründe wurde Saddam Husseins Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und seine Hilfe für Al-Qaida angegeben. Medial wurde der durch kein UN-Mandat gedeckte Angriffskrieg auch durch einige Intellektuelle befürwortet, darunter Hanns Magnus Enzensberger, der Hussein in einem SPIEGEL-Beitrag als "Wiedergänger Hitlers" bezeichnete. Enzensberger und die deutsche Öffentlichkeit schienen im Ersten Golfkrieg (1980 bis 1988) mit dem brutalen irakischen Diktator, der im Norden seines Landes gegen die Kurden Giftgas einsetzte und im Süden schiitische Oppositionelle ermorden ließ, weniger Probleme zu haben. Die Bundesregierung ließ die Lieferung von Hubschraubern und Luftabwehrsystemen zu, die bürgerliche Mainstreampresse stellte sich unverhohlen auf die Seite des Irak, der das verhasste Khomeini-Regime im Iran bekämpfte.


Embedded Reality

Die angeführten Kriegsgründe stellten sich schließlich als Propagandalügen heraus, die politisch Hauptverantwortlichen George W. Bush und Tony Blair befinden sich im Ruhestand, ohne sich jemals vor einem Internationalen Strafgerichtshof für ihre Lügen und Verbrechen verantwortet zu haben müssen. Die ebenfalls genannten Kriegsmotive Demokratie und Menschenrechte verschwanden in den Folterkellern von Abu-Ghuraib oder in unterirdischen CIA-Gefängnissen in Osteuropa. Seit Jahren befinden sich Häftlinge - teilweise unschuldig - ohne Anklage oder Rechtsverfahren in Guantanamo. Dem jetzt auf der Flucht befindlichen und zur Unperson erklärten Gaddafi händigten amerikanische und britische Geheimdienste noch vor wenigen Jahren Gefangene zur weiteren Folter aus. Als Gaddafi afrikanische Flüchtlinge von den Südküsten der Festung Europa fernhielt und sie wieder zurück in die Wüste schaffen ließ, hörte und sah man kaum Journalisten darüber berichten. Ein Wort der Selbstkritik über ihre jahrelange skandalöse Berichterstattung ist von den selbsternannten Leitmedien oder einem Herrn Enzensberger dazu nicht zu vernehmen.


Gedenken an alle Toten

Man kann davon ausgehen, daß im Irakkrieg, der als War on Terror mit den Anschlägen vom 11.9.2001 begründet wurde, zwischen 100.000 und 200.000 Menschen getötet worden sind (eine genaue Zählung ist aus verschiedensten Gründen sehr schwierig).

Wenn man also spätestens in einem Jahr wieder der Toten in New York, Washington oder Pennsylvania gedenkt, dann sollte man die Toten aus Mossul, Bagdad und Basra nicht vergessen.




Kommentare:

  1. Man sollte auch nicht die Toten des Afghanistan-Krieges vergessen. Eines Krieges, der erst nach einem Jahrzehnt "Krieg" genannt werden durfte. Eines Krieges, der von Politik und Medien jahrelang als humanitäre Massnahme zum Brunnenbohren und Mädchenschulenbauen maskiert worden ist. Auch wenn das folgende nur schwer zu verdauen ist: auch ein Chefideologie religiösen Terrors wie Osama bin Laden hat das Recht, nicht abgeknallt zu werden, sondern Anspruch auf einen fairen Prozess. Denn das unterscheidet einen Rechtsstaat von einer Terrororganisation.

    Und man sollte nicht nur auf Herrn Enzensberger hinweisen, der sein Fähnchen immer rechzeitig in den jeweils herrschenden Wind gehalten hat und immer noch hält, sondern auch auf eine ganze Reihe von ehemaligen Achtundsechzigern (Peter Schneider) und Figuren aus dem Grün-Alternativen Milieu (Fischer, Roth, Vollmer, Ströbele als Alibifigur), die seit einem Jahrzehnt die Militarisierung der deutschen Aussenpolitik durchgesetzt haben und lügen, wenn sie nur den Mund aufmachen.

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  2. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Insofern war die Liquidierung von Herrn bin Laden nur die zweitbeste Möglichkeit, aber wer einen Krieg erklärt, muß damit rechnen, darin umzukommen. Auch wenn ein er gegen einen Rechtsstaat Krieg führt. Wobei die Amerikaner dankenswerterweise eine deutlich realitätsbezogenere Einstellung zu solchen Fragen haben, als die politisch korrekten Deutschen

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  3. EILT:

    Kündigungen gehen raus!
    betroffene Kolleginnen und Kollegen haben morgen Gespräche mit dem RL Herrn Blenninger.
    Letzte Woche wurde der Sozialplan unterschrieben!

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  4. Oje. Nun wirds ernst.
    Wieviele sind denn jetzt wirklich betroffen?

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