Mittwoch, 14. September 2011

Hugendubel in der Krise – Was kommt nach der Restrukturierung: Zukunft oder Absturz?

Restrukturierungsmaßnahmen sind während einer Wirtschaftskrise sehr häufig in fast allen Branchen und Unternehmen anzutreffen. Mit der Restrukturierung von Betriebszweigen, Abteilungen, beim Personal oder innerhalb Organisation und Logistik, versuchen Unternehmen schnell auf Krisen zu antworten. Auch Hugendubel muss sein eigenes Geschäft überdenken und restrukturiert in immer größer werdenden Dimensionen. Der Beginn war der Zusammenschluss in die DBH. Weiter ging es über das Outsourcing von bestimmten Tätigkeiten und der Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen, bis zum vollständigen Auslagern der Internetabteilung. Mittlerweile sind wir beim Infragestellen ganzer Betriebsstandorte angelangt und sehen uns Filialschließungen ausgesetzt.


Wie der DGB Report „Gute Arbeit 2011“ veranschaulicht, geschehen Restrukturierungsmaßnahmen immer stärker auf Kosten der Belegschaft.
Auffällig sind vor allem:

-    Die mehrheitliche Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und daraus resultierende Ängste um die eigene Zukunft
-    Gehaltseinschränkungen
-    Veränderung der Arbeitszeiten
-    Arbeitsplatzverlust bei Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen
-    Arbeitsplatzverlust bei der Stammbelegschaft
-    Zunahme psychischer Belastungen
-    Zunahme von „starren“ Hierarchien
-    Leistungsabfall bei Mitarbeitern
-    Erhöhte Personalfluktuation

Außerdem fand der DGB heraus, dass sich Intransparenz, Desinformation und fehlende Unternehmenskommunikation destruktiv auf das Ergebnis einer Restrukturierungsmaßnahme auswirken, da sich entsprechende Mitarbeiter nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren können und die Arbeitsleistung nachlässt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die nachgewiesenen Negativfolgen auf die sogenannten „sourvivors“, also die überlebenden Beschäftigen einer Restrukturierung.

Was Hugendubel mit den derzeitigen Maßnahmen erreichen möchte ist klar: Kostenreduzierung.
Wir müssen uns allerdings die Frage stellen, ob das Unternehmen in Zukunft überlebensfähig bleiben wird. Statt durch innovative Restrukturierungsmaßnahmen wie Qualifizierung, Reorganisation der Unternehmensführung und gezielte Investition aus der Wirtschaftskrise gestärkt und konkurrenzverändert herauszugehen, droht dem Unternehmen ein weiteres Absinken der Umsätze. Diese Umsatzspirale ist nachvollziehbar. Die begonnen und teils schon abgeschlossenen Maßnahmen wirken sich negativ auf Mitarbeiter und Kunden aus, sie torpedieren damit die Einnahmeseite. Ähnliche Fälle finden sich überall in der Wirtschaft, so z.B. bei Arcandor: die eingerosteten Restrukturierensmaßnahmen im Sinne der Kapitaleigner endeten bekanntlich in der Insolvenz, ein neuer Investor war nötig um professionelle und nachhaltige Restrukturierungen einzuleiten (Szenario vereinfacht).

Und nun rutscht unsere Volkswirtschaft in die nächste Krise. Eine Krise die für sich selbst eigentlich gar keine ist. Man nennt dies den „Double Dip“, also wenn eine Volkswirtschaft nach einer Krise eine kurze Erholungsphase erlebt, danach aber gleich wieder zurück in die Rezession fällt, meist tiefer als zuvor. Einen Infarktpatienten sollte man einfach nicht aufs Trimmrad setzten.

Das uns bevorstehen Szenario ist brutal. Eine Exportwirtschaft würde mit dem Kollabieren der Weltmärkte in sich zusammenbrechen. Arbeitsplätze und Kaufkraft würden verloren gehen, die Binnenwirtschaft bricht sich beide Beine. Handels- und Dienstleistungsunternehmen folgen. Eine hohe Staatsverschuldung verhindert das gezielte politische Intervenieren in die Märkte. Deflation wäre die Folge.

Und wo steht dann Hugendubel?

Welche Pläne hat unsere Geschäftsleitung?

Kommentare:

  1. Das wissen sie vermutlich selbst nicht. Traurig ist es allemal. Dem Verfasser ein Danke für seinen trotz brisanten Themas ruhigen und besonnenen Tonfall.

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  2. Der Euro und die Zwangsunion werden dieses Land zugrunde richten. Für dieses Szenarion braucht die Geschäftsleitung wohl kaum Pläne zu machen, dann ist der Ofen einfach aus. Nur Phantasten werden daran glauben, dass alles so weitergeht, wie bisher

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  3. Wenn man nun vor dem beschriebenen Szenario steht:

    Zitat: "Und nun rutscht unsere Volkswirtschaft in die nächste Krise. Eine Krise die für sich selbst eigentlich gar keine ist. Man nennt dies den „Double Dip“, also wenn eine Volkswirtschaft nach einer Krise eine kurze Erholungsphase erlebt, danach aber gleich wieder zurück in die Rezession fällt, meist tiefer als zuvor. Einen Infarktpatienten sollte man einfach nicht aufs Trimmrad setzten.

    Das uns bevorstehen Szenario ist brutal. Eine Exportwirtschaft würde mit dem Kollabieren der Weltmärkte in sich zusammenbrechen. Arbeitsplätze und Kaufkraft würden verloren gehen, die Binnenwirtschaft bricht sich beide Beine. Handels- und Dienstleistungsunternehmen folgen. Eine hohe Staatsverschuldung verhindert das gezielte politische Intervenieren in die Märkte. Deflation wäre die Folge."

    Wie soll da das folgende Sinn machen?
    Zitat: "innovative Restrukturierungsmaßnahmen wie Qualifizierung, Reorganisation der Unternehmensführung und gezielte Investition"

    Dinge, die die bereits extrem angespannte Finanzlage noch einmal drastisch verschlimmern können dem gesunden Menschenverstand nach die Lage nur verschlechtern. M.M. nach kämpft man ja bereits am Limit und versucht für die Zeit nach dem beaschriebenen "double dip" überhaupt noch lebensfähig zu sein. Also verabschiedet Euch doch endlich einmal davon den Status quo zu halten. Die Buchhandlung der Zukunft wird alles sein, aber nicht das was Ihr von gestern und heute kennt.

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  4. "die Buchhandlung der Zukunft....."

    siehe Osiander: Gute Umsatzzahlen, gute Gewinne, soziale Personalpolitik und stolz auf das klassische Buchsortiment und deshab:
    -Buchhandlung des Jahres 2010
    -Preis für eines der besten Ausbildungsunternehmen 2010
    -Zukunftspreis für nachhaltiges Handeln 2011
    -großer Preis des deutschen Mittelstandes 2011

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  5. @Anonym
    "die extrem angespannte Finanzlage..."

    Dafür werden in einem Unternehmen Rücklagen gebildet, um in einer Krisenlage nicht nur zu überleben und dahin zu kleckern, sondern innovativ zu investieren und das Unternehmen konkurrenzfähig zu verändern, denn der Konkurrenz geht es nicht viel besser und jeder kleine Unterschied kann nachhaltig entscheidend sein.
    Hugendubels Strategie ist allerdings nicht kreativ und innovativ, wie es den deutschen Mittelstand auszeichnet, Hugendubel ist einzig allein auf Kostenreduzierung und versucht auf den Trend "billiger Massenkonsum" zu springen, der sich allerdings auf Grund der Buchpreisbindung nicht durchsetzten lässt.

    Am Limit kämpft nur der, der schon im Sog der unaufhaltsamen Umsatzspirale nach unten ist. Denn aus dieser kann man sich kaum mehr befreien.
    Innovative Lösungen sind bei Hugendubel vielleicht schon zu spät, doch nach Ihrer Argumentation kann der Laden gleich ganz dich gemacht werden.

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  6. @ anonym 14. Sept 21:12:

    Rücklagen kann nur der bilden der Gewinne macht. Hugendubel hat in den guten Zeiten expandiert, im Zweifel also keine Möglichkeiten gehabt Rücklagen zu bilden.

    Nun kann man sagen, dass dies ein schwerer Management Fehler war, aber dann war es der große H. Hugendubel himself in der Zeit als alles noch so schön war. Seine Kinder und das derzeitige Management sind nun die, die diese Fehler von damals ausbaden müssen. Eine ganz andere Brille durch die man auf einmal blicken muss.

    Und nein, so eindimensional wie Sie es sehen, ist es eben auch nicht. Es handelt sich hier nicht um eine digitale Problematik. Soll heissen, entweder Pleite oder alles gut. Vielmehr muss man jetzt sparen, um endlich einmal wieder ausreichend positive cash-flows zu erzeugen um evt Rücklagen aufzubauen. Diese kann man dann in - wie wurde es so schön genannt - "innovative Restrukturierungsmassnahmen" investieren.

    Wie klingt das, macht das ökonomischen und/oder strategischen Sinn?

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  7. Klingt nach: Filialen geschlossen, Wettbewerber haben die Marktmacht und Max freut sich über seinen Onlineshop mit 5 mio Umsatz.

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  8. Sehe ich genauso. Die Filialen werden ausgedünnt und ausgetrocknet, bis ihr Stellenwert neben dem Onlineshop so gering ist, daß es keine Rolle mehr spielt, ob sie weiterbetrieben oder geschlossen werden. Kunden, die lieber stationär einkaufen, läßt man bewußt ziehen, in der Hoffnung, daß dafür andere kommen, die den Non-Book-Krimskrams mitnehmen. Ich glaube nicht, daß diese Rechnung aufgeht bzw. strategisch Sinn macht. Eine echte Multi-Channeling-Strategie müßte von vornherein auch konzeptionell über die Läden nachdenken und versuchen, die dort vorhandenen Kunden zu halten, statt nur noch aufs Internet zu setzen. So senkt die Firma zwar die Kosten, aber zugleich verspielt sie ihre frühere Stärke und ihren guten Ruf.

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  9. Über die Qualität der Filialen und die Frage, was dort die Kunden erwarten könnten, wird leider kaum noch nachgedacht.
    Wie kann sich der stationäre Handel weiter attraktiv halten? Diese Frage muss viel stärker angegangen werden als bisher, die Konzentration auf den Online-Shop allein ist kurzsichtig.
    Eine interessante Diskussion fand in Hannover statt:
    http://www.boersenblatt.net/455926/

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