Freitag, 25. September 2015

"Wir müssen Veränderung wollen"

Bericht vom Mitarbeiterabend in München

Gestern fand in der Filiale München Marienplatz ein Mitarbeiterabend statt.
Hugendubel hatte angekündigt, die KollegInnen über die Schließung der Filiale Marienplatz, das Ergebnis des Freiwilligenprogramms und über das weitere Vorgehen zu informieren.

Die Geschäftsleitung war vertreten durch Frau Lange und Herrn Nitz. Die Regionalleiterin Frau Soltow sprach ebenfalls zu den KollegInnen.
Die Schwerpunkte des Abends lagen auf den Themen Personal und Vertrieb.

Frau Soltow richtete zuerst ein paar warme Worte an die ca. 100 KollegInnen und übergab das Mikrofon danach an den Geschäftsführer Thomas Nitz.

37 MitarbeiterInnen werden das Unternehmen freiwillig verlassen und am Freiwilligenprogramm teilnehmen, erklärte er. Allerdings machte Nitz sofort klar, dass diese Zahl natürlich nicht reiche, um die 65 MAKs (Mitarbeiterkapazitäten) abzubauen.
Viele hatten es schon vermutet und Herr Nitz bestätigte nun, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, aber nahezu alle befristet angestellten KollegInnen (ca. 40 im Betrieb München) gehen müssen.

Die Filiale Marienplatz soll voraussichtlich Mitte 2017 in verkleinerter Form wieder eröffnet werden. Die große Frage sei in Zukunft: Wie schaffen wir es den Standort München stabil zu halten?
Hugendubel wünscht sich 40 % des Umsatzes von der Filiale Marienplatz auf die anderen Filialen zu verlagern, dh. 1,1 Mio Besucher der Filiale MPL müssen zukünftig umgeleitet werden.
Frau Soltow erklärte die Versetzungen der KollegInnen vom MPL und von KollegInnen mit Versetzungsklauseln in ihren Verträgen, werden ab sofort geprüft und sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Außerdem wies sie darauf hin, dass „niemand gegen seinen Willen zwangsversetzt“ werde.

Nach dem Thema Personal war Frau Lange mit dem Thema Vertrieb am Zug und stimmte die KollegInnen auf die Zukunft ein; der Grundtenor lautete: „Yes, we can“.
Bei 3 Filialen stehen in nächster Zeit Verhandlungen über die Verlängerungen der Mietverträge an. Auf einem Foto präsentierte Frau Lange die neue Filiale in Riem und erklärte, dass viele Kunden mitgenommen werden konnten, trotz deutlich verkleinerter Fläche.
Die Botschaft von Hugendubel: Wir investieren weiter in das Filialnetz!
Der persönliche Beratung vor Ort, die gute Atmosphäre in den Läden... dies seien klare Vorteile des stationären Handels gegenüber dem Online-Handel.
Anschließend präsentierte sie Fotos vom Umbau der Filiale Stachus und erklärte, dieser soll Ende Oktober endgültig abgeschlossen sein. Sie gab zu, dass hier nicht alles optimal gelaufen sei.
Von der zukünftigen Filiale Marienplatz wurden ebenfalls Fotos präsentiert. Dies sei aber nur ein erster Entwurf und keinesfalls verbindlich. Diese Filiale wird zukünftig 1400m² betragen und aus dem EG, 1. + 2. Stock bestehen. Laut Frau Lange müsse man sich intensiv mit der Frage befassen: wie bekommen wir den Kunden vom Erdgeschoss in die oberen Stockwerke?

Danach ging es um das Marketingkonzept zu der Schließung der Filiale Marienplatz.
Der Slogan „Wir kommen wieder, keine Frage“ soll hierbei im Mittelpunkt stehen.
Vor Januar 2016 „wollen wir Kunden gegenüber nicht über die Schließung“ reden, erklärte Frau Lange. Wenn der Kunde erst einmal weiß, dass geschlossen wird, orientiere er sich sofort um, was Umsatzverlust zur Folge hätte.
Sie erwähnte„Guerilla-Marketing-Aktionen“, die Ende Januar erfolgen sollen. Im Februar sollen KollegInnen sich eventuell „vor den Laden am Marienplatz stellen und Kunden aktiv auf die anderen Filialen in München hinweisen." Frau Lange sinnierte über „Müsliriegel“, die Kunden auf dem Weg zur Filiale Stachus oder der Filiale Fünf Höfe mitgegeben werden könnten.

Anschließend wurden die MitarbeiterInnen auf die Zukunft eingestimmt und die Ziele für München vorgestellt. Sätze wie: wir müssen alle an einem Strang ziehen, um jeden einzelnen Kunden kämpfen, jeder sei persönlich gefragt, schaffen wir nur gemeinsam mit Ihnen usw..... fielen.
Diese Ziele verdeutlichte sie visuell zusätzlich auf einer Leinwand. Dort war u.a. zu lesen:

  • Wir sind die Buchhändler der Stadt
  • Müssen Kundenzufriedenheit erhalten
  • Müssen Umsatzziele erreichen
  • Müssen Markenbotschafter sein („wir sind die Hugendubler-Familie“ (Lange))
  • Müssen aktiv verkaufen
  • Müssen Kunden binden („wo sind die 80% der Kunden vom Stachus während der Umbauphase hin“? – „wahrscheinlich zu Amazon“ (Lange) )
  • Müssen Veränderung wollen

Außerdem präsentierte sie eine Zeichnung. Diese Zeichnung bestand aus vielen kleinen Fischen, die zusammen einen Fischschwarm darstellten. „Es kommt auf jeden einzelnen an und nur gemeinsam können wir die Zukunft meistern“ war hier die Aussage.
Nur mal so nebenbei: diesen Fischschwarm kennt man auch von ver.di. Die Kernaussage hier: man ist nur gemeinsam stark und sollte sich organisieren!

Danach betete Fr. Lange erneut das Mantra von „ Gehen Sie mit ihrem Hugendubel positiv und engagiert in die neue Zeit!“. Dieser Satz prangte auch in fetten Lettern von der Leinwand.

Chaka-chaka und Amen.

Nach diesem Motivationsvortrag konnten KollegInnen Fragen stellen.

Eine eifrige Kollegin schlug als erstes vor, das Aktiv Verkaufen doch auch am Vormittag zu praktizieren, da dieser ansonsten „verschenkt“ sei und wollte gleichzeitig wissen, wie es mit der Besetzung in den Filialen aussehen wird.
Frau Lange erklärte, Hugendubel habe bereits das Thema Remission in Angriff genommen. MitarbeiterInnen sollen so zukünftig mehr Zeit für Kunden haben. Wie die Besetzung der Filialen aussehen werde „müssen wir sehen“.
Auf die Frage nach der zukünftigen Sortimentsgestaltung am Marienplatz, wurde gesagt, dass Hugendubel da noch keine Vorstellung hätte. Man müsse sich fragen: wie viel Fläche kann Hugendubel sich leisten? Der Kunde schätze an uns die Beratung und das ausgewählte Sortiment. Kunden sind lt. Frau Lange ansonsten schnell überfordert. Aus diesem Grunde wolle man auch ein „zugespitztes Sortiment“.

Nachfolgende Sätze wurden den KollegInnen abschließend noch mit auf den Weg gegeben:

„Es ist Zeit für Veränderung! Veränderung kann toll sein!“

Amen und Chaka-chaka.


 

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Und vor allem (wie so oft) unfreiwillig komisch. Man weiß nicht, ob es ein satirisches Protokoll sein soll, oder das Protokoll einer satirischen Veranstaltung, oder ob der Protokollant vielleicht doch so naiv ist, oder ob - egal.

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    2. Der Protokollant dieses gut geschriebenen Artikels ist mit Sicherheit nicht naiv, sondern die Komik ergibt sich ganz automastisch aus dem Bericht über das gehirngewaschene Nachbeten dieses BWL-Gewäsches durch Figuren wie eine Fr. Lange. Unvergessen ihr Auftritt auf einer früheren Betriebsversammlung, als sie den Vorschlag machte, dass man den Mitarbeitern schlechte Nachrichten wie Entlassungen nicht zu früh mitteilen sollte, weil sie sich die Armen dann zu sehr "aufregen".

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    3. Wenn das kein Zeichen ist: über dem Kopf von der Frau Lange hing das Schild "Karriere":-)

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    4. Vermutlich hat die GL nicht nur ein Seminar bei Porsche, sondern auch bei Jürgen Höller und Bodo Schäfer gebucht. Ich freue mich jetzt schon, wenn die Führungskräfte beim nächsten Mitarbeiterabend (Betriebsversammlungen gibt's wohl keine mehr?) dann über glühende Kohlen gehen werden...

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  2. Guter, differenzierter Bericht über diese merkwürdige Veranstaltungen. Einerseits komisch, aber andererseits auch erschreckend, wie sich der Großteil der anwesenden Belegschaft von den GL-Phrasen wieder mal hat einlullen lassen.

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  3. Vor allem bringt der Artikel alles wunderbar auf den Punkt: Chaka chaka und Amen!

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  4. Nur mal zur Information für alle, die nicht dabei waren: Chaka, chaka und Amen! bzw. Amen und Chaka, chaka! wurde so deutlich eigentlich nicht gesagt.Eher sinngemäß! Und Fr. Lange hat eigentlich auch nicht "sehen", sondern "gucken gesagt. Aber sonst war es wirklich ganz genau wie beschrieben. Daran läßt sich nichts deuteln.

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  5. Bei Hugendubel wurden jahrzehntelang eben keine Drücker-Methoden wie beim Powerselling äh aktiv verkaufen praktiziert. Selbstverständlich wurde der Kunde immer beraten, wenn er dies wollte.
    Vielen Kunden gefällt das neue Anquatschen nicht besonders, Das wird jedoch bei den ganzen Jubelveranstaltungen nie thematisiert. Und woher kommen diese ominösen 19 Cent, um die jeder Bon gesteigert werden soll? Aus der Glaskugel?

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  6. Ich stimme zu, Veränderung kann toll sein.
    Wenn noch erst die Frage beantwortet werden muß, wieviel Fläche und Sortiment an diesem Marienplatz sich geleistet werden kann, habe ich meine Zweifel, ob diese Art der Veränderung so toll wird. Erinnert mich zu sehr an die Verhaltensweise der Bundesregierung und die "Planung" am Berliner Flughafen.

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  7. Aus der Ferne liest sich das wie ein Treffen in der Anstalt.
    Immer schön lächeln und bloß nicht jammern. Erstmal werden die MA noch zur Weihnachtszeit verheizt, dann im Februar vor die Tür gestellt, um den Leuten den Weg zum Stachus zu zeigen. Anstelle eines Müslisriegels wäre vielleicht ein Glühwein angebracht.
    Keine Ahnung, wie die Kundschaft im Zentrum drauf ist - aber die merken doch auch, dass die Stimmung kippt. Und MA vorzuschreiben, dass man nicht über die Schließung reden soll - der perfekte Nährboden für Gerüchte.
    Die da oben - alle bekloppt.

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