Mittwoch, 9. Oktober 2019

Das Wohnzimmer des Arbeitgebers?


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Ein Betrieb ist kein Privatraum. Arbeitgeber können dort nicht einfach schalten und walten, wie es ihnen gefällt. Auch für sie gilt: Eigentum verpflichtet.Das stand bereits in der Weimarer Verfassung. Im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland steht es immer noch und bildet seither auch wieder die Grundlage für die Arbeit der Gewerkschaften. 

Heribert Prantl schrieb jüngst hierzu: „Man kann die Gewerkschaften gar nicht genug dafür loben, was sie in den vergangenen hundert Jahren auf dieser Basis geleistet haben.“Eine Voraussetzung dafür ist die im Grundgesetz verankerte Koalitionsfreiheit: „Das Recht, zu Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereine zu bilden, ist für jedermann und alle Berufe gewährleistet.“

Denn laut Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bedeutet dies, dass es Gewerkschaften nicht bloß geben darf, sondern dass ihre Mitglieder als solche auch betätigen dürfen.Selbstverständlich bilden Betriebsratsmitglieder keine Ausnahme. 

Montag, 7. Oktober 2019

Auch wenn sie Geschenke bringen



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Tiepolo: Die Prozession des trojanischen Pferdes nach Troia (18. Jhd.)
 

Als der Priester Laokoon seine Mitbürger vor dem Geschenk ihrer Feinde warnen wollte, jenem riesigen Holzpferd, das Troja den Untergang brachte,soll er gesagt haben: „Timeo Danaos et dona ferrentes“ – „Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“

Dasselbe gilt auch für einen Arbeitgeber, der sich bislang wenig freigiebig gezeigt hat und nun plötzlich– von sich aus und vorbei an Gewerkschaft und Tarifvertrag – unsere Gehälter erhöht. Sowas nennt man Danaergeschenk – und wäre das alles nicht so traurig, könnten wir fast froh sein, dass es zu spät kommt und zu klein ist, um jetzt damit noch jemanden groß hinters Licht zu führen.

Seit 2017 weigern sich Buchhandel und Verlage in Bayern – die Buchhandlung Hugendubel allen voran – beharrlich gegen die Aufstockungund den Neuabschluss unserer Tarifverträge, weil das angeblich zu viel kosten würde. Allein, was unser Arbeitgeber im selben Zeitraum für Beraterfirmen verfeuert hat, mit denen er offensichtlich keineswegs immer gut beraten war, hätte zwar locker gereicht, uns die letzten drei mageren Jahre wenigstens genug Geld zu geben, dass wir bei steigenden Preisen und Mieten nicht ständig verlieren. 

Womöglich wäre dies vielleicht sogar ein besserer Rat gewesen?

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Wenn der Betriebsrat Nein sagt


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Ganz gewiss zu den schöneren Momenten im Arbeitsleben gehört es, wenn du dich um eine Stelle bewirbst und erhältst eine Zusage. In Firmen, in denen es einen Betriebsrat gibt, wird bei dieser Gelegenheit vermutlich gleich darauf hingewiesen, dass dieser deiner geplanten Einstellung oder Versetzung erst noch zustimmen müsse.Wer weiß, was ein Betriebsrat ist und wie er arbeitet, der weiß das in aller Regel auch zu schätzen. 

Denn eigentlich zeigen Arbeitgeber und Vorgesetzte damit: wir achten die Rechte der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretung. Leider besteht aber hierbei die Gefahr, dass die Botschaft anders gemeint ist oder falsch ankommt. Zur Freude darüber, dass die Chefin mich haben will, gesellt sich dann plötzlich die Sorge: „Was passiert, wenn der Betriebsrat Nein sagt?“ – und der Ärger: „Jetzt wird es mit dem neuen Job vielleicht doch nichts – bloß wegen dieses bl... Betriebsrats!“

Diese Verunsicherung ist nachvollziehbar, aber unbegründet. Ein Widerspruch zu einer Einstellung oder Versetzung ist so einfach gar nicht möglich – und kann nur dann überhaupt vorkommen, wenn die Arbeitgeberseite einen Fehler gemacht hat. Denn der Betriebsrat hat hier lediglich ein eingeschränktes Mitbestimmungsrecht. Er ist bei seiner Entscheidung an genaue Vorgaben gebunden und darf die Zustimmung zu personellen Einzelmaßnahmen nicht willkürlich verweigern - vor allem nicht, wenn sie tatsächlich der Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen dienen. 

Montag, 30. September 2019

Goodbye Frank!

Zum Abschied des ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske

 Frank Bsirske bei einer Solidaritätsaktion für Orhan Akman auf der DGB-Demo in München im April 2016

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske wird im September nach 18 Jahren sein Amt als ver.di-Vorsitzender abgeben. Ein Gespräch über Erfolge und Rückschläge und die Menschen in ver.di.

VER.DI PUBLIK:  Ende September tagt der 5. ver.di-Bundeskongress in Leipzig. Du willst Dich nicht wieder als Vorsitzender zur Wahl stellen. Sicher?
 
FRANK BSIRSKE: Ja. Ich habe beim letzten Kongress dazu eine klare Aussage getroffen, und die wird natürlich eingehalten.



VER.DI PUBLIK:  Du bist seit ver.di-Gründung, also seit 18 Jahren ver.di-Vorsitzender. Was ist Dir im Rückblick besonders wichtig, was waren die größten Erfolge?
 
BSIRSKE: Zunächst einmal, dass es gelungen ist, mit ver.di die starke Dienstleistungsgewerkschaft in Deutschland zu schaffen. Und dass ver.di heute ein Begriff ist, wenn in Deutschland an Gewerkschaften gedacht wird, eine Marke, eine Organisation mit einer ganz eigenen Organisationskultur, diskursiver, weiblicher, pluralistischer, weniger hierarchisch geprägt und zugleich politischer als andere Gewerkschaften, das gehört definitiv zu den Erfolgen der Arbeit dieser 18 Jahre. 

Montag, 23. September 2019

Noch ´ne Schippe drauflegen!

Tarifaktion der Hugendubel-Beschäftigten in Hannover



Wie schon im Juli berichtet, hatte Verdi die Geschäftsleitung in München zu Verhandlungen über
einen Anerkennungstarifvertrag für die Beschäftigten in der Hugendubel Filiale Hannover
aufgefordert. Die 1. Aufforderung ignorierte München und die 2. Aufforderung wurde mit dem
Verweis auf eine bestehende Vergütungsordnung und jährliche Gespräche über die wirtschaftliche
Situation mit dem Betriebsrat abgewiesen.

Das ist eine Unverschämtheit !!

Die wir uns nicht gefallen lassen. Letzten Mittwoch war die Geschäftsleitung in Hannover und wir
nahmen dies zum Anlass, sie gebührend in Empfang zu nehmen. Mit selbstgefertigten Zeitungen
und Plakaten hatten sich Verdi-Mitglieder direkt vor dem Haupteingang unseres Hauses platziert
und öffentlich ihre Zeitungen gelesen. Eine Aktion, die bei Passanten und natürlich auch bei unserer
Kundschaft viel Zuspruch fand und Empörung über unsere miesen Arbeitsbedingungen hervorrief.
Unsere Aktion wurde noch am selben Tag im Radio erwähnt und am nächsten Tag stand eine
schöner Artikel in der Lokalpresse. Auf einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstag hat Herr Nitz
auf die Frage, ob er sich mittelfristig vorstellen könnte wieder in eine Tarifbindung zu gehen mit
einen klaren und unmißverständlichen Nein geantwortet. 
 Aktion öffentliche Tarif-Lesung vor dem Eingang zur Filiale in Hannover