Donnerstag, 27. April 2017

Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen

Forderung nach Allgemeinverbindlichkeit

BetriebsrätInnen des Münchner Einzelhandels übergaben gestern eine Resolution zur Reform der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzhandel an die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag
Sie machten damit auf die drohende Altersarmut und den Vernichtungswettbewerb aufmerksam




Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von ver.di:



Sehr geehrter Herr Kreuzer,

seit der Abschaffung der AVE 1999 in Bayern fallen nur mehr ca. 30% der im Handel Beschäftigten unter den Geltungsbereich der bestehenden Tarifverträge. Oder andersherum: 70% der Beschäftigten im Handel haben heute keinen Rechtsanspruch mehr auf die tariflichen Leistungen.

Unsere Branche ist in den letzten Jahren zunehmend von Verdrängungswettbewerb, Altersarmut, prekären und zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen gezeichnet.

Der Wegfall der Allgemeinverbindlichkeit (AVE) unserer Tarifverträge im Handel hat diese Entwicklung dramatisch beschleunigt.

Als gewählte Interessenvertretung in den Betrieben fordern wir, mit unserer Tarifgewerkschaft ver.di, die Korrektur dieser fatalen Entwicklung und die Rückkehr zu allgemeinverbindlichen Handelstarifen.

Stoppen Sie diese wirtschaftliche Fehlentwicklung für die 750.000 betroffenen ArbeitnehmerInnen in Bayern (Einzel- und Versandhandel, Buchhandel und Groß- und Außenhandel) durch die Absicherung der Wirksamkeit von bestehenden Regelungen.

Gerne stehen wir Ihnen und dem zuständigen Staatsministerium für konstruktive Gespräche zur Verfügung (...)




Georg Wäsler
stellv. Geschäftsführer
ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Bezirk München


*Thomas Kreuzer: Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag


Hierzu auch:

http://www.br.de/nachrichten/csu-tarifvertraege-handel-100.html





Kommentare:

  1. Allgemeinverbindlich? Also auch für die Trittbrettfahrer? Und das soll festgeschrieben werden?

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    1. Ja, auch für Trittbrettfahrer! Das Verschwinden der Allgemeinverbindlichkeit hat nämlich nicht geholfen, unsere Gewerkschaft zu stärken. Deshalb würde die Wiedereinführung der Allgemeinverbindlichkeit auf politischem Weg sie vermutlich auch nicht schwächen. Vielleicht hätten ja sogar mehr Leute ein Interesse, für die Verbesserung der Tarifverträge zu kämpfen, wenn sie für mehr Leute gelten würden. Außerdem geht es hier ja auch um die Frage, ob Gewerkschaften sich auf das Tarifgeschäft beschränken oder versuchen sollten, stärker Einfluss auf das Geschehen in Politik und Gesellschaft zu nehmen. Die Arbeitgeber tun das ja auch - und keineswegs ohne Erfolg.

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  2. Ein großer Teil der Unternehmen in Deutschland ist nicht mehr tarifgebunden. Das ist mit ein Grund, warum es in den letzten Jahren Reallohnverluste gegeben hat. In Österreich gibt es diese Allgemeinverbindlichkeit: der Tariflohn ist gleichzeitg Mindestlohn in der jeweiligen Branche, d.h. der Unternehmer muß den Tariflohn zahlen, bzw mehr zahlen aber nicht weniger.
    Die Tatsache, dass viele lohnabhängig Beschäftigte nicht bereit sind, sich gewerkschaftlich für ihre eigenen Interessen zu organisieren, hat in Deutschland zu dieser Entwicklung geführt. Entweder weil sie glauben, daß sie die Tarifleistungen bei einem bestehenden Tarifvertrag auch so bekommen bzw. weil sie bei einem tariflosen Zustand nicht bereit sind, einen Tarifvertrag zu erkämpfen. Bei Hugendubel hat diese Entwicklung zur Ausbreitung von Vergütungsordnungen geführt, die gegenüber dem Tarifvertrag eine Verschlechterung bedeuten.

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  3. Ich habe mich zu einem Kommentar hinreissen lassen, der die 4.096 Zeichen deutlich überschreitet. Ich sende ihn an die Redaktion

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