Wer über Geld und Macht
verfügt, genießt leider auch eine starke Autorität ein der Frage, ob das, was
er von sich gibt, Unfug ist oder nicht. Wie sonst hätte sich der Sprecher des Arbeitgeberverbandes der Verlage und Buchhandlungen in
Bayern allen Ernstes zu der Behauptung versteigen können, in unseren
Tarifverträgen steckten 30 Jahre Wachstum – und die müssten da nun endlich
raus?
Selbst jene, die noch den Buchhandel mit Keilschrifttafeln und
Pergamentrollen erlebt haben, erinnern sich nicht, jemals groß am Umsatz
beteiligt worden zu sein. Und wohin auch immer die fetten Zeiten entschwunden
sein mögen, auf unseren Gehaltszetteln haben sie eher bescheidene Spuren
hinterlassen.
Unsere Arbeit aber ist
und bleibt das Alleinstellungsmerkmal des stationären Buchhandels. Deshalb sind
wir seine Zukunft – und wenn ausgerechnet bei uns gespart wird, wird an der
falschen Stelle gespart. Denn wir leisten heute nicht weniger als früher; wir
sind nur weniger Leute. Die Arbeitgeber reden, als wäre ihr Geschäft gar nicht
mehr das Bücherverkaufen, sondern das Kostensenken. Aber liegen sie damit
richtig? In den Läden sieht es dank Zentralisierung und Personalabbau
mittlerweile aus, als hätte eine Neutronenbombe nach der anderen eingeschlagen.
Doch die Zahlen stimmen trotzdem nicht – weil Buchhandel ohne Buchhändlerinnen
und Buchhändler eben irgendwie blöd ist.