100 Jahre Novemberrevolution 1918
Sie erkämpften das Ende des Krieges. Sie erkämpften die
Menschenrechte: das Wahlrecht für Frauen, die Pressefreiheit, das Recht,
die Meinung frei zu äußern, die Anerkennung der Gewerkschaften, die in
der Verfassung garantierte Koalitionsfreiheit. Sie erkämpften den
Achtstundentag, das Tarifvertragsrecht und die schrittweise Abschaffung
der privaten Arbeitsvermittlung einschließlich des Verbots der
Leiharbeit. Sie erkämpften die Republik.
Revolution und Gegenrevolution
Der Kampf der Rätebewegung für eine andere, gerechtere Gesellschaft
und ihre blutige Niederschlagung wurden bis heute nicht vollständig
aufgearbeitet. Nach dem offiziellen Geschichtsbild war es zur Einführung
der parlamentarischen Demokratie mehr oder weniger notwendig gewesen,
die Revolution mit weitergehenden Forderungen, wie die der Unterdrückung
des Militarismus, der Sozialisierung großen Kapitals und
durchgreifender Demokratisierung auch in den Betrieben, brutal
niederzuschlagen.
Wir sehen das anders. Gerade weil die Novemberrevolution eine
unvollendete Revolution blieb, war die Republik von Anfang an in Gefahr,
von ihren Gegnern zerstört zu werden. Die Freikorps, die die Revolution
mit bestialischer Brutalität niederschlugen und allein in Berlin über
tausend nur dürftig bewaffnete Revolutionäre mit schwerer Artillerie,
Flammen-, Minenwerfern und bei Fliegerangriffen ermordeten, bildeten
bald eine Säule der Nazibewegung.
Die Revolutionäre von 1918 waren kein kleines Häufchen von
Krawallmachern, die die Diktatur einer Minderheit über eine Mehrheit
anstrebten, es handelte sich vielmehr um eine breite Massenbewegung mit
dem Ziel, die Ausbeutung abzuschaffen und alle Menschen am
gesellschaftlichen Reichtum zu beteiligen. Nicht zuletzt war es eine
gigantische Massenbewegung, die für alle Zeiten Schluss machen wollte
mit Militär und Massensterben.