Wurzeln kirchlichen Arbeitsrechts
Im Arbeitsrecht sowohl der katholischen wie der evangelischen Kirche spielt der Begriff der "Dienstgemeinschaft" eine zentrale Rolle. Nun gibt es innerhalb der evangelischen Kirche eine Initiative namens "Verhängnisvolle Dienstgemeinschaft", die es sich zum Ziel gesetzt hat, diesen Begriff aus dem kirchlichen Arbeitsrecht zu entfernen.
Warum?
Die Autoren der Initiative begründen ihre Forderung im ersten Abschnitt ihres Textes damit, dass das Wort "Dienstgemeinschaft" dem Arbeitsrecht des NS-Staats entstammt. Ein wichtiger Beleg ist das "Gesetz zur Ordnung der Arbeit in öffentlichen Betrieben und Verwaltungen" vom 23. März 1934. Infolge des Gesetzes wurden die aus der Weimarer Republik stammenden Tarifverträge abgelöst und durch staatlich erlassene Entgeltordnungen ersetzt.
Im öffentlichen Dienst sollte – so lautete im Anschluss z.B. der Wortlaut im Jahr 1938 – "eine Dienstgemeinschaft im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung" herrschen, die sich auf das "Verhalten" der Beschäftigten "in und außer dem Dienst" auszuwirken habe.
Die Kirchen und die christlichen Wohlfahrtsverbände, d.h. die "Innere Mission" (evang.) und die "Caritas" (kathol.), haben den NS-Begriff der Dienstgemeinschaft damals zügig übernommen. Gegen die damit verbundene Entmachtung der Gewerkschaften hatten sie keinerlei Vorbehalte; im Gegenteil.