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Donnerstag, 30. Januar 2025

KI soll Buchabsatz optimieren

 Literarischer Qualitätsverlust absehbar


Nicht wenige Schriftsteller, die heute zum Kanon der Literatur gehören, scheiterten ihrerzeit daran, mit ihrem Werk über die Runden zu kommen. Brachen sie Konventionen, griffen sie gar ihrer Zeit voraus wie die Dichterin Emily Dickinson, gelangten ihre Texte, wenn überhaupt, nur stark editiert in die Öffentlichkeit. Die simple betriebswirtschaftliche Erwägung, wie viel Geld aus einem Schriftstück gepresst werden kann, entscheidet noch heute über Texteingriffe oder Publikation und somit auch über Karriere oder Ruin womöglich begabter Schreiberlinge.

Dieses Prinzip will das Marktforschungsinstitut Media Control (MC) optimieren. Dafür hat es mit der Unternehmensberatungsgesellschaft Bearing Point ein auf künstliche Intelligenz (KI) gestütztes Programm entwickelt. Dessen »KI-basierte Absatzprognose wird dem Buchmarkt völlig neue Perspektiven eröffnen«, zitierte eine gemeinsame Pressemitteilung vergangenen Oktober MC-Geschäftsführerin Ulrike Altig. »Demandsens«, zu deutsch Sinn für Nachfrage, heißt die KI, die den Buchmarkt revolutionieren soll. Der Name erinnert an »Adsense«, den Monetarisierungsdienst Googles, der für einen Großteil der kleinen, nervigen Anzeigen im Netz verantwortlich ist.

Die Prognosen basierten auf »fünf Milliarden Daten, die in 1,3 Sekunden durchgewirbelt werden«, pries Altig die Anwendung Anfang 2025 gegenüber dpa an. MC verfüge über Daten von mehr als »9.000 Verkaufsstätten« und mit einer »Marktabdeckung von 88 Prozent« über das »aussagekräftigste Buchhandelspanel im deutschsprachigen Raum«, rühmt der Konzern sich auf seiner Webseite. In Kooperation mit Tik Tok ermittelt er zudem monatlich eine Rangliste der unter #BookTok meistdiskutierten Bücher. Im September 2023 sei der Hashtag laut Wordsrated 181,7 Milliarden Mal aufgerufen worden und habe bei 20 Millionen, also 2,4 Prozent aller globalen Buchverkäufe geholfen. Die Prognosen von Demandsens hätten eine »durchschnittliche Treffsicherheit von 82 Prozent« erzielt, hieß es dann in der Pressemitteilung.

Details zur Gewichtung der Kriterien und zu den Algorithmen nannte Altig gegenüber dpa nicht. Auch sollen die Leserinnen nicht in den Genuss der KI kommen. Ob ein Einblick in das betriebswirtschaftliche Kalkül die Buchliebhaber abschrecken würde, kann nur gemutmaßt werden. Neu ist es jedenfalls nicht. Mit oder ohne KI: Veröffentlicht wird, was gekauft wird. »Wenn eine Sau funktioniert, wird sie auch durchs Dorf getrieben«, kommentierte Christoph Bläsi, Buchwissenschaftler an der Uni Mainz. Neu ist vielleicht die Präzision der Prognosen. Dennoch hätte die Branche laut dpa zurückhaltend reagiert. Man plane nicht, Demandsens zu verwenden, kenne die Anwendung nicht gut genug oder habe eigene Prognosetechniken.

Doch die Präzision hat ihren Vorteil. »Die exakte Menge des passenden Produkts am richtigen Ort und zur richtigen Zeit«, wirbt Demandsens für sich. Emissionen würden durch Retourenreduktion verringert, Umsätze optimiert und »ungekannte Potentiale« in sozialen Medien aufgedeckt. Darauf wird die schwächelnde Buchbranche bald angewiesen sein. Vergangene Woche teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit, dass der Umsatz zwar leicht gestiegen sei, die Lage aber angespannt bleibe. Steigende Preise hätten den sinkenden Absatz ausgeglichen. Das funktioniert nicht ewig. Die resultierende Not schafft Sachzwänge – und Demandsens Abhilfe.

Selbst wenn KI den aktuellen Buchhandel optimal ökonomisieren würde, bestünde dessen Konkurrenz fort. Naheliegend wäre dann, nicht länger zu berechnen, welches Buch wo und wie abgesetzt werden kann, sondern umgekehrt direkt veröffentlichungswürdige Bücher aus der Nachfrage abzuleiten. Wenn sich kein Autor findet, schreibt halt KI. Wo das hinführt, verrät der Buchpreis »Spitzenfeder«, den MC zwischen 2016 und 2021 auf Basis seines Handelspanels verliehen hat. Unter den Gewinnern sind die Fitnessinfluencerin Pamela Reif mit ihrem Kassenschlager »You Deserve This« und Thomas Gottschalk mit »Herbstbunt«. Insofern ist MCs ernst gemeinte Beteuerung, es ginge nicht um Inhalte, verräterisch.

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Mittwoch, 24. Januar 2024

Zitat des Tages

 

"Thema ISA: Die Suchfunktion ist Scheiße!"

 

Dr. Maximilian Hugendubel auf der Betriebsräteversammlung 

am 17. Januar 2024  in Mainz

 

 

Dienstag, 5. Dezember 2023

Warum bekommen wir Weihnachtsgeld?

 Ein Kommentar

Die Antwort auf diese Frage ist nicht schwer und sollte allgemein bekannt sein. Im Manteltarifvertrag für die Arbeitnehmerinnen des Buchhandels und der Verlage in Bayern heißt es: „Der Arbeitnehmer oder der Auszubildende erhält einmal pro Kalenderjahr eine zusätzliche Leistung, die ganz oder in Teilen zum Urlaubsbeginn oder an Weihnachten zu zahlen ist (…) Die zusätzliche Leistung beträgt 150%. Grundlagen für die Berechnung der zusätzlichen Leistung ist das Tarifentgelt am 1 April eines jeden Jahres.“

 

Soweit, so gut! Aber wie kommt es zu dieser Regelung? Bekommen wir Weihnachtsgeld, weil wir so fleißig und tüchtig sind? Weil unser Arbeitgeber einfach nett ist und es gut mit uns meint?? Weil wir so brav sind und nicht streiken??? 

 

Oder weil wir uns organisiert und mit unserer Gewerkschaft die Forderung nach all den wunderbaren Dingen, die in Tarifverträgen festgeschrieben sind,  immer wieder neu erhoben und in Verhandlungen oder Arbeitskämpfen durchgesetzt haben????

 

Letzteres ist der Fall. Deshalb müssten eigentlich alle Beschäftigten nicht nur unseres, sondern jedes Betriebes überhaupt gewerkschaftlich organisiert sein und sich gemeinsam für ihre Tarifverträge einsetzen. Denn strenggenommen stehen die dort vereinbarten Leistungen nur Gewerkschaftsmitgliedern zu.

Montag, 15. Februar 2021

Zauberformel Homeoffice?

 Das Arbeiten von zu Hause gilt vielen als zukunftsweisend, 

birgt jedoch fundamentale Probleme 

 


»Steinmeier, Arbeitgeber und DGB rufen zu Homeoffice auf«, titelte der Deutschlandfunk zum Appell des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann und des BDA-Präsidenten Rainer Dulger an die Unternehmen vom 15. Januar 2021. Ein Appell, der zeigt, wer die Macht hat, auch über die Gesundheit der Arbeiterinnen, Arbeiter und der übrigen Bevölkerung zu entscheiden.

In der Erklärung heißt es: »Arbeitgeber, Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte sind bislang sehr verantwortungsvoll mit der schwierigen Situation umgegangen. Die Umsetzung von Pandemieplänen, Hygienekonzepten und der zwischen den Sozialpartnern, der Bundesregierung sowie Bundesländern und den Unfallversicherungsträgern vereinbarten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregeln haben dazu geführt, dass der Arbeitsplatz im Vergleich ein sicherer Ort ist.« Und weiter: »Wir appellieren an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Personalverantwortliche sowie Führungskräfte, wo immer dies möglich ist, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in dieser Situation Homeoffice anzubieten.«

Weil Homeoffice auch bei den Beschäftigten nicht mehr ganz so beliebt ist, wie noch im ersten Shutdown, musste der Appell ebenfalls an sie gehen: »Gleichzeitig appellieren wir an die Beschäftigten, diese Angebote, soweit sinnvoll und möglich, anzunehmen und von zu Hause zu arbeiten. Wir wissen, dass Homeoffice für viele Unternehmen eine finanzielle, organisatorische und auch datensicherheitstechnische Belastung darstellt. Für Beschäftigte kann Homeoffice eine soziale und emotionale Belastung darstellen. Homeoffice in diesem Ausmaß ist eine Ausnahme, die die aktuelle Pandemie erfordert. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer gemeinsamen Anstrengung und den angelaufenen Impfungen diese Herausforderungen bewältigen können.«¹