Montag, 15. Februar 2021

Zauberformel Homeoffice?

 Das Arbeiten von zu Hause gilt vielen als zukunftsweisend, 

birgt jedoch fundamentale Probleme 

 


»Steinmeier, Arbeitgeber und DGB rufen zu Homeoffice auf«, titelte der Deutschlandfunk zum Appell des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann und des BDA-Präsidenten Rainer Dulger an die Unternehmen vom 15. Januar 2021. Ein Appell, der zeigt, wer die Macht hat, auch über die Gesundheit der Arbeiterinnen, Arbeiter und der übrigen Bevölkerung zu entscheiden.

In der Erklärung heißt es: »Arbeitgeber, Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte sind bislang sehr verantwortungsvoll mit der schwierigen Situation umgegangen. Die Umsetzung von Pandemieplänen, Hygienekonzepten und der zwischen den Sozialpartnern, der Bundesregierung sowie Bundesländern und den Unfallversicherungsträgern vereinbarten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregeln haben dazu geführt, dass der Arbeitsplatz im Vergleich ein sicherer Ort ist.« Und weiter: »Wir appellieren an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Personalverantwortliche sowie Führungskräfte, wo immer dies möglich ist, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in dieser Situation Homeoffice anzubieten.«

Weil Homeoffice auch bei den Beschäftigten nicht mehr ganz so beliebt ist, wie noch im ersten Shutdown, musste der Appell ebenfalls an sie gehen: »Gleichzeitig appellieren wir an die Beschäftigten, diese Angebote, soweit sinnvoll und möglich, anzunehmen und von zu Hause zu arbeiten. Wir wissen, dass Homeoffice für viele Unternehmen eine finanzielle, organisatorische und auch datensicherheitstechnische Belastung darstellt. Für Beschäftigte kann Homeoffice eine soziale und emotionale Belastung darstellen. Homeoffice in diesem Ausmaß ist eine Ausnahme, die die aktuelle Pandemie erfordert. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer gemeinsamen Anstrengung und den angelaufenen Impfungen diese Herausforderungen bewältigen können.«¹

Bei all diesen bundesdeutschen Aufrufen darf natürlich auch der bayerische Ministerpräsident nicht fehlen. Und Markus Söder legte sogar noch eins drauf: »Wir wollen die Unternehmen mit Steueranreizen fördern und begünstigen.«² Laut Süddeutscher Zeitung »schlägt er Sofortabschreibungen für Firmen vor, die mehr Homeoffice-Arbeitsplätze einrichten«.³ Einmal mehr stellt sich die Frage: Wer soll die Krise bezahlen?

Begrenztes Potential

Spätestens seit der Coronakrise ist auch hierzulande der Begriff »Homeoffice« in aller Munde: Arbeiten von zu Hause aus. Die Medien überschlugen sich gerade zu Anfang der Pandemie, lobten Homeoffice und andere Modelle als Treiber der Digitalisierung, sahen darin vor allem Chancen und so gut wie keine Hindernisse – jedenfalls keine unüberwindbaren. Als Teile des Kapitals die Vorteile des Homeoffice-Modells für sich entdeckten, gab es fast kein Halten mehr. Doch mittlerweile mehren sich auch kritische Stimmen der Betroffenen, es werden Schwachstellen deutlich. Die Euphorie ist nicht nur in den Medien einer kritischeren Einstellung gewichen.