Mittwoch, 14. August 2013

Eat the rich

Ernährungs-Tipps für Arme

Sarrazin war wohl der erste, der damit anfing: Menschen am Existenzminimum zu erklären, wie man von Hartz-IV leben kann. Demnach können sich Arbeitslose schon für 3,76 Euro "völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren", erklärte 2008 der Rassist und Antisemit, der trotz vollmundiger Ankündigung des Parteivorsitzenden Gabriel bis heute nicht aus der SPD ausgeschlossen worden ist. Damit ließe sich "sogar etwas sparen, da der Regelsatz von 4,25 Euro pro Tag sogar noch unterboten wird", faselte er, der den Hartz-IV-Monatssatz am Tag zur Verfügung hat. Gegen hohe Heizkosten helfe es, die Zimmertemperatur zu drosseln und einen Pullover anzuziehen.

Sarrazin ist aber nicht der einzige, der an Arme und Arbeitslose Koch-Ratschläge gratis erteilt.                                                                                                                                                                           



Montag, 12. August 2013

Eine Filiale wird abgewickelt

E-Mail an uns

Vor einigen Tagen erreichte folgende E-Mail eines/einer Weltbildplus-Kollegen/in die Infoblog-Redaktion:

"Guten Morgen,

über eine Veröffentlichung im Blog würde ich mich sehr freuen:

Am Donnerstag stand plötzlich die RL Nord und der BL vor meiner Filiale und begutachteten das Schaufenster. Das war schon aussergewöhnlich, denn der BL war erst 2 Tage zuvor da und der Besuch war nicht angekündigt. Also warum dieser Besuch? Geht es um mein Bestreben, einen Betriebsrat zu gründen? Sind die Gerüchte wahr und wir werden kurzfristig dichtgemacht? Nach der Begrüssung bat die RL mich und die anwesende Kollegin um ein Gespräch.

Freitag, 9. August 2013

Von "Hand-Erotik" und "Hygienefaktoren"

Lachen oder weinen - das ist hier die Frage

Wie ihr wahrscheinlich alle wisst, werden wir BuchhändlerInnen (beginnend in München) demnächst mit einer Schulung zum Thema Verkauf und Service beglückt. Ein paar Auszüge aus den Schulungsunterlagen wurden uns anonym zugespielt.

Um euch zu unterstützen und auf diese Schulung einzustimmen, möchten wir schon heute einige Aufgaben mit euch durchgehen. So habt ihr die Chance, in den geplanten "Murmelgruppen" (= Gruppenarbeiten) zu punkten.

Mittwoch, 7. August 2013

Einen Betriebsrat wählen - jetzt die richtigen Weichen stellen!

Handeln oder behandelt werden?


"Strukturwandel", "Rückbau", "Filialschließungen", "elektronische Medien", "Versandhandel", "Mieterhöhungen"... Das sind nur einige Schlagwörter, mit denen sich unsere Branche seit geraumer Zeit schon auseinandersetzen muss. Die Zukunft insbesondere des stationären Buchhandels ist ungewiss und wirft an jedem Standort die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf.

Die Filialschließungen oder Verkleinerungen mit entsprechendem Personalabbau innerhalb unseres Konzernes nehmen rasant an Fahrt auf. Alleine bei Weltbildplus/Jokers werden seit Dezember 2012 nach derzeitigem Kenntnisstand 24 Filialen geschlossen bzw. sind schon dicht. Dass der Wandel sich nur schwer bremsen lässt ist ebenso gewiss wie die Tatsache, dass die Arbeitsmarktsituation im Buchhandel alles andere als rosig aussieht und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Montag, 5. August 2013

Weiland: Kurze Geschichte eines Niedergangs

Es war einmal ein mittelständisches Buchhandelsunternehmen mit über 30 Filialen. Das hieß Weiland. Es wurde 1848 gegründet und beglückte Bücherfreunde über viele Jahre mit einem ausgewählten Buchsortiment, vielen sehr motivierten und engagierten Buchhändlerinnen und Buchhändlern an ausgewählten Standorten, hauptsächlich im Norden unseres Landes.

Im Guten Glauben, im besten Sinne für sich und seine Beschäftigten zu handeln und für ein Fortbestehen dieses Familienunternehmens zu sorgen, beschloss Herr Henning Hamkens, einstmaliger Inhaber Weilands und Nachfahre der Weiland-Familie, sein Unternehmen an die DBH zu verkaufen. Seine Bedingung an die DBH und sein Versprechen an die MitarbeiterInnen war, dass alles so bleiben sollte, wie es seiner Firmenpsychologie und der Art dieses Unternehmen zu führen, entsprach. Weiland sollte weiterhin Weiland heißen, alle KollegInnen ihren Arbeitsplatz behalten, Herr Hamkens weiterhin Geschäftsführer sein usw. Traumarbeitsbedingungen gab es allerdings unter Herrn Hamkens Führung auch schon nicht mehr. Vor einigen Jahren führte er die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ein, trat aus dem Arbeitgeberverband aus und zahlte seit dem nur noch an den Tarif angelehnt, seit dem gab es für die Weiland-Beschäftigten nur noch marginale Gehaltserhöhungen.

Freitag, 2. August 2013

Christmas in July

Der vergangene Sonntag, der 28.Juli 2013, war der heißeste Tag des Jahres. Wer denkt da nicht sofort an
richtig: Weihnachten. Man macht es sich in der kuschelig-warmen Wohnung gemütlich, trinkt einen heißen Glühwein, zündet den Adventskranz an und beobachtet durch´s Fenster die schwebenden Schneeflocken draußen.

Das dachte sich vermutlich auch die Marketing-Abteilung bei WELTBILD, die sich die Rabattaktion Christmas in July ausdachte, in der Weihnachtsartikel um bis zu 62% billiger angeboten werden und deren letzter Aktionstag just jener 28. Juli 2013, der heißeste Jag des Jahres, gewesen ist.

Mittwoch, 31. Juli 2013

Verkaufen um jeden Preis?


 E-Mail an uns


In den Hugendubel-Filialen soll es demnächst von der GL geplante Verkaufsschulungen geben, die gezielt auf den "aktiven Verkauf" eingehen. Gegen gute Verkaufsschulungen wird kein Kollege einen Einwand haben, sehr wohl aber gegen das darauf folgende geplante "Überwachungssystem" durch die Vorgesetzten. Wie wir erfahren haben sind die Vorgesetzten angehalten, genau zu kontrollieren, ob diese Schulungsmaßnahmen umgesetzt werden. Ansonsten drohen den MitarbeiterInnen "Sanktionen".

Da passt es sehr gut, dass der Blog-Redaktion ein Erfahrungsbericht zu diesem Thema von KollegInnen aus den Weltbildplus-Filialen zugesendet wurde.

Lest selbst und fragt euch anschließend, ob uns bald die gleichen Zustände erwarten?
Wurde die Idee des "aktiven Verkaufens" etwa von Weltbild übernommen?



Liebe Redaktion,

ich würde mich sehr freuen, wenn ihr den folgenden Artikel in eurem Blog veröffentlichen würdet.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, wenn die Öffentlichkeit mal erfährt, wie es für einen Mitarbeiter in einer Weltbildplus Filiale so ist, für ein an einem christlichen Menschenbild ausgerichteten Unternehmen zu arbeiten.

Zur Erklärung:
Wir müssen jedem Kunden ein bestimmtes Buch (z.B. einen Krimi oder einen Liebesroman) aufdrängen, egal ob Kind oder jenseits der 80. Wenn dann nicht genügend Bücher verkauft werden, schreit uns der Bezirksleiter an und droht mit Abmahnung oder gleich Kündigung. Nicht jeder von uns hat eine dicke Haut. Hinzu kommt der unsichere Arbeitsplatz aufgrund von Befristung und die Erpressbarkeit, die damit einhergeht. Verständlich, dass manche dann zu Weinen anfangen.

Montag, 29. Juli 2013

Altersarmut für Hugendubel-Beschäftigte?

Wer bei Hugendubel nach Tarifgruppe II des für Bayern gültigen Entgelttarifvertrages bezahlt wird, kommt nach 40 Jahren durchgehender Arbeit ohne Unterbrechung in Vollzeit auf eine Rente, die nur wenige Euro über der gesetzlichen Mindestsicherung von derzeit 688 Euro liegt. Die Kolleginnen und Kollegen von Ex-Weiland oder Weltbildplus/Jokers erreichen - nicht zuletzt als Folge von Tarifflucht oder Teilzeitjobs - bei wesentlich geringeren Gehältern nicht einmal das.

Und dennoch müssen wir uns alle, egal ob zu Konditionen von Alt-Hugendubel, Ex-Weiland, Ex-Habel oder Ex-Schmorl arbeitend, von den Unternehmensbesitzern und ihren Managern anhören, dass wir nichts weiter als Kostenfaktoren auf zwei Beinen sind. Dass wir abgruppiert werden sollen. Dass wir durch neue Rationalisierungs-Software überflüssig gemacht werden sollen. Weil wir alle angeblich zu "teuer" sind.

Ein Leben lang arbeiten für nicht mal eine Armutsrente? In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?
Was ist das für ein politisch und ökonomisches System, das diese Zustände produziert?
Und wie können wir es verändern, dass wir als lohnabhängig Beschäftigte ein gutes Leben führen können?
Höchste Zeit also, um nicht nur über unsere Löhne, sondern auch über unsere Renten zu diskutieren!